Vielen Dank für das erhellende Interview. Ich hab mir schon länger gefragt, was ist da im VW Konzern los. Allerdings waren einige Thesen schon seltsam:
VW hat es verpasst, ein erfolgreiches und billiges Konkurrenzprodukt zu Stromern aus China zu entwickeln - wenn es dieses Auto geben würde, wäre es definitiv nicht in Deutschland hergestellt. Unsere Kosten sind einfach nicht konkurrenzfähig.
Porsche hätte weiter auf Elektro setzen müssen - niemand will einen Elektro-Porsche, der zwar ein hohes Drehmoment hat, dann aber auch aller 200 km Laden muss. Und dafür >100k ausgeben, das kann nicht funktionieren.
Der Personalabbau ist unfair - wenn es den Konzern in 5 Jahren noch geben soll, wird es nicht ohne gehen.
Bin gespannt, ob die Talking Points sich weiterentwickeln.
Man muss auch sagen, dass der Bau von E-Autos weniger braucht, weil nicht so aufwändig, Man kann es auch so sehen, dass die Entlassungen notwendige Schritte zu einer Neuorientierung sind. Ich sehe bei Volkswagen nicht so schwarz wie bei Ford,
Den Zickzackkurs von Porsche sehe ich sehr kritisch.
Ja, du hast völlig recht, zumal dieses Urteil zum Teil auch sowieso schon an der Realität vorbei geht:
Volkswagen hat in den ersten beiden Monaten 2026 die Marktführerschaft auf dem weltgrößten Automarkt in China zurückerobert. VW löste den E-Auto-Hersteller BYD ab, dem sinkende Subventionen für umweltfreundlichere Autos zu schaffen machen. Auch die chinesische Volvo-Mutter Geely und der japanische Weltmarktführer Toyota liegen in China inzwischen vor BYD.
Nach Daten des chinesischen Pkw-Verbandes hielten die chinesischen Joint Ventures von VW mit FAW und SAIC zusammen einen Marktanteil von 13,9 Prozent, gefolgt von Geely mit 13,8 Prozent und den Joint Ventures von Toyota mit GAC und FAW mit insgesamt 7,8 Prozent. Erst danach kommt mit 7,1 Prozent BYD.
Gleichzeitig ist der Gewinn aber deutlich eingebrochen, weil die Konkurrenz mit subventionierten chinesischen Herstellern hart ist, insbesondere wenn man eine Kostenstruktur wie VW aufweist.
Ist ja auch nicht so, dass ein bestimmter linksgrün versiffter Politiker 2019 in einer Talk Show Runde bei Illner mit Peter Altmeier gesagt hat, dass wir wenn wir so weitermachen mit unserer Wirtschaft, wir den Anschluss verlieren werden. Erst recht im Export und dort ganz besonders bei fossilen Fabrikaten. Siehe hier: https://youtu.be/PjXOf21Ehv4?is=s8xXXYltqyI8ajiy
Auch hat Habeck in einem Doppelinterview bei der Welt mit Herbert Diess davor gewarnt, wenn VW 2025 keinen Stromer unter 20.000€ anbieten kann, VW im Markt scheitern wird. Siehe hier: https://youtu.be/J0JqYHid1mY?is=rqCwNTrI6XCZPUnP
Aber was weiß der schon? Schließlich ist er ja angeblich der schlechteste Wirtschaftsminister aller Zeiten und weiß angeblich nicht, was Inflation bedeutet.
Darum würde ich Porsche fahren, wenn ich würde: Weil ich mich spüren möchte - beim Schalten (der Motor reagiert auf mich), beim unbegrenzten und spontanen Losdüsen (statt Ladestionen-Planung und -Abhängigkeit), beim Benzingeruch riechen (ja, den rieche ich tatsächlich gerne), beim hören und erzeugen des ECHTEN Motorsound durch den Druck meines Fußes aufs GAS-Pedal und bei dem Hochgefühl an der Tankstellen-Theke: Ich kann mir 200 € für eine Füllung Super 98 leisten!
Das meine ich ganz im Ernst. Hinter dem Besitz eines Porsche, Ferrari oder Lamborhini stecken (bei vielen) ganz andere psychologische Motive als hinter dem eines “normalen” Autos. Dazu gehört auch, dass Klimafragen keine Rolle spielen. Für wen das Klima eine Rolle spielt, der würde sich auch keinen stromfressenden E-Porsche kaufen.
Hört bitte endlich auf von den unschuldigen VW Mitarbeitern zu sprechen. Während die Zulieferer seit Jahren mit maximalem Druck in die Pleite getrieben werden habe sich die VW Mitarbeiter in Zentrale und in den deutschen Werken an unangebracht hohen Gehältern, Löhnen und Erfolgszulage erfreut, während die eigene Leistung der freien Wirtschaft unwürdig war. Das war auf Niveau deutscher Amtsstuben.
Wir werden feststellen, dass es nicht einmal den eigenen Kollegen auffallen wird, wenn 50.000 Mitarbeiter entlassen werden.
Da stellt sich aber dann auch die Frage, warum ich einen Porsche und keinen Lamborghini oder Aston Martin fahre. Das Genannte bieten die auch und das Prestige ist noch mal ein anderes.
Wer sich für einen Porsche entscheidet, entscheidet sich bewusst für Vernunft und Ingenieurskunst.
Alles, wo ein Taycan in besonderem Maße punktet.
Das ist doch nicht der Kern meines Beitrags. Mir geht es darum, dass der VW Konzern ein Spiegelbild der deutschen Bürokratie ist. Risiken vermeiden, stark ausgeprägte Hierarchien und ein enormes Maß an “das haben wir immer schon so gemacht.” Das alles kombiniert mit luxuriösen Einkommen hat zu dieser Situation geführt. Natürlich kann jeder Mitarbeiter selbst nur wenig dafür. Der Fisch stinkt immer vom Kopf
Die Diskussion zum Stellenabbau bei VW wird häufig stark vereinfacht dargestellt.
Der Absatzrückgang in China wird oft ausschließlich mit Elektroautos erklärt. Tatsächlich ist der chinesische Markt aber schon seit Jahren im Wandel. Der Wettbewerb hat sich deutlich verschärft und der Markt ist heute wesentlich fragmentierter als früher. Ein erheblicher Teil der aktuellen Zulassungen entfällt zudem auf sehr kleine Fahrzeugklassen (A00/A01), die eher mit einem motorisierten Quad als mit europäischen Kleinwagen vergleichbar sind.
China hat allerdings echte Stärken entwickelt, insbesondere bei der Batterietechnologie, der Skalierung der Produktion und der vertikalen Integration der Lieferketten. Das verschafft chinesischen Herstellern derzeit einen klaren Kostenvorteil.
Die oft geäußerte These, günstige Elektroautos seien automatisch der Gamechanger, ist bisher nicht eindeutig belegt. Günstige Elektroautos existieren bereits, werden aber in Europa nicht annähernd in den Stückzahlen verkauft wie früher klassische Kleinwagen wie Polo, Up oder ähnliche Modelle.
Ein zusätzlicher Punkt ist die Regulierung. In Europa führen Sicherheitsanforderungen, Assistenzsysteme und Batterie-Recyclingvorgaben zu hohen Fixkosten pro Fahrzeug. Das macht sehr kleine Elektroautos wirtschaftlich schwierig.
Der wichtigste Grund für den Stellenabbau bei VW ist jedoch ein anderer:
In Deutschland werden heute rund eine Million Fahrzeuge pro Jahr weniger produziert als früher.
Das bedeutet nicht, dass VW eine Million Autos weniger verkauft. Ein erheblicher Teil dieser Produktion wurde in andere Länder verlagert.
Ein Beispiel ist der Polo, der inzwischen überwiegend in Südafrika produziert wird. Viele Entscheidungen sind damit eher Standort- und Kostenfragen der globalen Produktion als eine direkte Folge der Elektromobilität.
Mir ist schon häufiger aufgefallen mit welcher Absolutheit vor allem Ulf von den steigenden CO2 Preisen ausgeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese ganze europäische CO2 Bepreisung von den “konservativen” über kurz oder lang gekippt wird ist doch leider sehr real.
Auch der Hinweis das Leute die noch Benziner fahren größtenteils selbst Schuld sind, finde ich völlig fehl am Platz und schlicht falsch. Ja wenn ich Kohle habe und oder nen Platz zum Laden habe mag das stimmen. Das erinnert mich ein wenig an a die Diskussion warum Arme Menschen sich nicht gesünder ernähren würden. Muss man sich erstmal leisten können und das Versagen der Politik aufs Individuum abzuwälzen ist ja eher nen schwieriger take.
elektrische Sportwagen sind stand heute DEUTLICH den Verbrenner-Sportwagen unterlegen. Das liegt schlicht und ergreifend am Gewicht. Da kann das E-Fahrzeug noch so viel Drehmoment haben - die meisten Rennen werden in den Kurven entschieden. Dazu kommt dass die Materialbelastung am Chassis und Fahrwerk deutlich geringer ist weil es eben einen Unterschied macht ob ich das 2,5t Auto oder das 1,5t Auto runterbremsen muss. Deshalb ist ein 500PS Verbrenner Porsche auch auf der Nürburgring Nordschleife schneller als ein 2.000PS BYD.
Daneben muss man sich im klaren sein, dass Porsche vergleichsweise wenige Sportwagen verkauft. Nur etwa 28% des Absatzes sind die Baureihen 911 und 718. D.h. die Mehrzahl der verkauften Autos sind SUVs (Cayenne, Macan) oder Limousinen (Panamera, Taycan).
Porsche hat versucht seine Kunden mit einem guten Produkt zu überzeugen (erstes Auto mit 800V-Ladetechnik war der Taycan, mit dem vollelektrischen Cayenne führen sie induktives Laden ein). Das gelang nicht, wenn man sich die Absatzzahlen anschaut. Für den typischen Porsche Käufer spielt Geld eine geringere Rolle als beim durchschnittlichen Autokäufer. Zeit ist in dem Kundenkreis der Luxus den man bezahlt. Der Porschekäufer will nicht an Ladesäulen stehen.
Wie Frau Kunkel sagte: der Sportwagen ist ein reines Luxusobjekt. Da spielt Rationalität eine geringere Rolle. Eine Quarzuhr geht auch genauer als eine Automatikuhr. Das wird nur einen Uhrensammler nicht beeindrucken.
Zur Frage ob die Politik die falschen Signale gesetzt hat oder ob das Management Fehler sind/waren: Aus meiner Sicht ist das - zumindest was Porsche angeht - weniger eine Frage politischen Signale. Man bedient einen Weltmarkt. Solange da nicht weltweit einheitliche Signale gesetzt werden muss man sich schlicht nach dem Bedarf am Markt richten wenn man wirtschaftlich überleben will.
Aus meiner Sicht wird sich die Firma Porsche in den nächsten Jahrzehnten vom Massenhersteller zum Luxus-Nischenanbieter entwickeln. Den E-Automarkt werden die chinesischen Hersteller übernehmen - ähnlich wie vor 30 Jahren die japanischen Hersteller die Unterhaltungselektronik “übernommen” haben.
Das grundlegende Problem der deutschen Autobauer bei E-Autos ist die unzureichende Wertschöpfung. Bei einem E-Auto liegt die Wertschöpfung zu eine sehr hohen Teil bei der Batterie, der Elektronik und der Software. Alles ist ausgelagert. Keiner baut eigene Batterien und die Software ist ebenfalls ausgelagert (Höre dazu VW in der Lage). Die Elektronik ist ebenfalls nicht bei den Autokonzernen sondern bei Bosch und Conti.
Darum sind die Margen auch sehr gering auf E-Autos.
VW, BMW, Daimler und Co. müssten also massiv in die Entwicklung und Produktion dieser Bereiche investieren.
Ich finde das den Amtsstuben gegenüber unfair, die arbeiten effizienter und werden höchstens durch die überbordende Gesetzgebung der Politiker gebremst.
im Internet bin ich auf ein Reel gestoßen in dem darüber gesprochen wird, dass der Gewinn zum Teil auch buchhalterisch klein gerechnet wurde. Es wurde eine “Goodwill” Neu Berechnung bei Porsche durchgeführt, die die Bilanz des VW Konzerns um fast 3Mrd € senkt.
Problem an der Nummer: Ich verstehe zu wenig von BWL um zu verstehen was das genau bedeutet und ob dieses Reel die Wahrheit erzählt. Ist dadurch tatsächlich der Gewinn kleiner geworden? Wäre VWs operatives Fahrzeuggeschäft (also das reine Verkaufen von Autos) ohne die Neuberechnung profitabler? Sprich dann 11Mrd€ statt 8Mrd€?
Bin grundsätzlich vollkommen bei dir, sehe aber auch, dass viele Menschen, die das Geld und auch Ressourcen haben, sich dennoch gegen E-Autos und aktiv für Verbrenner entscheiden, auch richtig aus Prinzip. Teils können diese bestimmte E-Autos auch sehr billig beim OEM, bei dem sie Arbeiten, leasen oder kaufen. Ich habe im Engineering-Umfeld der Automobilindustrie sehr viel mit dieser Gruppe zu tun. Daher hält sich mein Mitleid für alle, die 80-100.000€ im Jahr verdienen, schnell und günstig an BEVs rankommen würden und dennoch Verbrenner kaufen und jetzt über Spritpreise jammern doch sehr stark in Grenzen.
Dass es ein Problem gibt bei Personen, die das Geld nicht einfach übrig haben oder auch nicht gut/halbwegs günstig laden können, ist nicht weg zu diskutieren, was man mit einer Förderung definitiv berücksichtigen muss. Auch dass geringe Budgets, selbst wenn sie für BEVs reichen nur bedingt Langstrekentaugliche Autos kaufen können, ist eine Herauforderung der Technik, weil der Akku nun mal das teuerste Teil des Fahrzeuges ist.
Porsche war einfach ein schlechtes Beispiel. Wenn es eine Markt für Verbrenner (vorallem international) gibt, dann natürlich bei Sportwagen.
Die Beiden wollten stark auf die politischen Signale hinaus: Stichwort “Verbrennerverbot” zurückziehen usw.
Ich war auch lange ein Fan vom Verbrennerverbot, allerdings muss man die globale Aufstellung der Autohersteller beachten. Warum muss alles über ein Verbot gehen. Warum können wir das E-Auto kn deutschland nicht einfach attraktiver machen: gübstiger Strom mit guter Ladeinfrastruktur. Dann kommt die Mobilitätswende von selbst und Porsche kann trotzdem weiter 911er an reiche Chinesen verkaufen.