LdN459 Interview Steffen Mau Solidarität: Nachfrage mentale Gesundheit, Ängste der jungen Generation

Hallo zusammen,

ich hätte mir gewünscht, bei der Gelegenheit einen Soziologen fragen zu können, wenn es nicht schon von ihm aus thematisiert wird, dass ihr die Rolle der mentalen Gesundheit junger Menschen genauer in Bezug setzt. Das kam leider nur ansatzweise. Ihr hattet ja in der letzten Sendung, den Geo-Artikel „Junge Menschen fühlen sich weltweit so schlecht wie noch nie“. Darin:

"Krise, Kriege, Klimawandel

Sowohl Brockmann als auch Ruckriegel bestätigen den großen Einfluss der Corona-Pandemie und halten es zudem für wahrscheinlich, dass auch die düstere, unberechenbare Weltlage mit Kriegen und Klimakrise einen Einfluss hat." [1]

Mich hätte es sehr interessiert, von Steffen Mau zu hören, inwiefern existenzielle Unsicherheit und auch abstrakte Ängste hier eine Rolle spielen und vor allem: wie man ihnen in positivem Sinne wirksam begegnen könnte?

Denn aus der Frage oder These, dass diese Unsicherheiten massive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit haben, folgt dann eine zweite. Dass ohne den fürsorglichen und aufmerksamen Umgang damit, dies zu einer ebenfalls massiv steigenden Anfälligkeit für Ängste schürende Methoden rechter und autoritärer Agitatoren beiträgt. Dass ist ja nichts neues, war hier vor 100 Jahren schon ähnlich und passiert heute an vielen Orten wieder.

Wenn sich Staat und Gesellschaft darum nicht kümmern, „kümmern“ sich die Rechten.
Könnt ihr da noch mal nachlegen?

Viele Grüße

Timm

[1] (Quelle in LdN 458, Thema Social Media Altersgrenzen):
GEO - mentale Gesundheit - Junge Menschen fühlen sich weltweit so schlecht wie noch nie
28. August 2025
https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/junge-menschen-fuehlen-sich-weltweit-so-schlecht-wie-noch-nie-36008858.html

Vielleicht nicht ganz die Ebene mentaler Gesundheit, aber ein anderer Zusammenhang zwischen Pandemie und Entsolidarisierung besteht möglicherweise auch. Bei allem Hin und Her und verschiedenen Meinungen und Kritik war in der Pandemie-Situation so eine Art Minimal-Konsens, dass Leben und Gesundheit der Menschen das Wichtigste sind. Das Risiko z.B. alter Menschen, an einer Infektion zu sterben, wurde tendenziell höher eingestuft als die Nachteile für Kinder, die nicht in die Schule dürfen.

Das mag richtig oder falsch gewesen sein, aber vielleicht wurde die Logik “Leben ist das Wichtigste” dadurch so bestärkt, dass sie jetzt auch die aktuelle Wehrdienst-Debatte beeinflusst? Also etwas provokant formuliert: Man kann einer Generation nicht zwei Jahre lang einbläuen, dass das Leben nun mal wichtiger ist als persönliche Freiheit und dann erwarten, dass sie es plausibel findet, in der Armee das Leben für die Freiheit einzusetzen.

1 „Gefällt mir“

Neben den richtigen Anmerkungen vor mir, kam mir von Herrn Mau der politische Aspekt zu kurz.

Die “junge Generation” (ich zähle mich mit Anfang 30 mit dazu) hat sich ja schon in den 2010ern politisch engagiert. Fridays for Future und die Artikel 13 Debatte sind mir da als Beispiele extrem im Kopf geblieben. Bereits hier mit dem Ergebnis, dass die Sorgen sowie das Engagement dieser Generation nicht nur von Politikern sondern auch von den Medien von oben herab betrachtet und verurteilt wurde. (“Die sollen lieber in die Schule gehen.” “Das sind nur Bots.”) Viele der von den Protestierenden damals genannten Folgen sind tatsächlich eingetreten und die Aussagen der Politiker sind gealtert wie Milch. Trotzdem keine Entschuldigung bei dieser Generation. Stattdessen nur mehr Lasten (Corona, Rente und Wehrdienst). Die Frustration und Ängste der “jungen Generation” wird immer noch mit “Faulheit” abgetan. Ist es da ein Wunder, dass sie keine Lust mehr haben, sich mit diesen Politikern auseinander zu setzten? Ist es da ein Wunder, dass sie sich fragen, warum ausgerechnet sie das Land verteidigen sollen?

2 „Gefällt mir“