Meiner bescheidenen Meinung nach eiern hier einige ziemlich herum. Es geht ja in diesem Thread nicht um die staatliche Repression gegen ethnische Minderheiten in China und auch nicht um die PKK, sondern ziemlich konkret um die Hamas. Wenn also jemand der Meinung ist, dass die Bundesrepublik und die EU die Hamas zu Unrecht als Terrororganisation ansehen, könnte er oder sie das ja einfach sagen und idealerweise auch gleich inhaltlich begründen, warum beispielsweise das wahllose und massenhafte Vergewaltigen, Verschleppen und Ermorden unschuldiger Zivilisten, bei dem sich die Täter selbst filmten und für das sie sich sogar noch feiern ließen, kein Terror sein soll.
Worauf stützt du diese Aussage? Ich habe sowohl die Bild-Quelle als auch die ZDF-Mitteilung gelesen und den behaupteten Punkt offenbar übersehen.
Nach meinem Verständnis hat das ZDF die Vorwürfe zunächst selbst geprüft und dabei keine Belege gefunden. Erst nachdem die IDF „Beweise“ vorgelegt hätte, wurde von einer Mitgliedschaft ausgegangen. Die Unterschiede zwischen dem Bild-Interview mit dem ZDF und der offiziellen Pressemitteilung des Senders wirken dabei irritierend.
Fakt ist: Das ZDF hat in seiner eigenen Untersuchung laut der Pressemitteilung keine Belege gefunden. Die aktuelle Einschätzung beruht ausschließlich auf Informationen einer Konfliktpartei – einer Partei, die in den vergangenen Jahren immer wieder durch Falschinformationen, taktische Beschuldigungen und manipulierte Quellen aufgefallen ist.
Beispiele dafür:
- Israel behauptet fortwährend ausreichend Lebensmittel und Medikamente geliefert zu haben. Hunger habe es nie gegeben. Während zahlreiche Organisationen vor Ort widersprechen.
- Bilder großflächiger Zerstörung ziviler Wohngebiete seien gefälscht; Organisationen, die dies bereits Anfang 2024 dokumentieren, wurden als antisemitisch diffamiert (z. B. Guterres und die UN). Auch du hast damals behauptet, es gäbe diese Zerstörung gar nicht und die Vorwürfe seien antisemitisch.
- Der Chefankläger des IStGH handle antisemitisch, wenn er einen Haftbefehl gegen Netanjahu beantrage. Es handele sich um rein antisemische politische Verfolgung.
- Nach dem Beschuss und der Tötung von Rettungskräften erklärte Israel zunächst, es habe sich um Terroristen gehandelt. Als diese Darstellung unhaltbar wurde, hieß es, die Fahrzeuge seien nicht als Rettungskräfte erkennbar gewesen. Ein Handyvideo eines Opfers widerlegte später beide Behauptungen und legte den Eindruck gezielter Tötungen nahe.
- Zahlreiche Berichte dokumentieren Verbrechen an Zivilisten – Misshandlungen, den Einsatz als menschliche Schutzschilde, gezielte Erschießungen durch Scharfschützen, die Plünderung und Zerstörung von Wohnhäusern durch Bulldozer. Israel bestreitet dies trotz Videoaufnahmen, Zeugenaussagen und NGO-Dokumentationen.
Man stelle sich vor, die Hamas – ebenfalls notorisch für Lügen bekannt – würde mitsamt Dokumenten behaupten, ein ZDF-Techniker in Tel Aviv habe als IDF-Soldat gezielt Kriegsverbrechen begangen. Würde das ungeprüft geglaubt, wenn eine eigene Untersuchung keinerlei Hinweise liefert? Ich zweifle daran, dass auch nur der Techniker entlassen würde, ganz sicher aber nicht gleich das gesamte Studio. Und sollte es doch solche Forderungen geben wäre der Aufschrei groß: Politiker und pro-israelische Lobbygruppen würden dies als Antisemitismus und kollektive Bestrafung kritisieren.
Es ist völlig klar, dass das ZDF die Glaubwürdigkeitsprobleme staatlicher israelischer Quellen kennt. Warum handeln sie dann aber so wenn eigene Untersuchungen die Vorwürfe nicht belegen konnten. Möglich ist neben der überwältigenden Qualität der IDF Belege auch, dass man den politischen Druck gegen das ZDF einkalkulierte, der den Anschuldigungen folgen würde und inzwischen auch eingetreten ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Sender unter öffentlichem Druck einknickt und Positionen übernimmt, die Kritiker hören wollen.
Ich beziehe mich auf folgende Passage in dem Interview in der Bild:
ZDF: Uns ist nicht bekannt, dass der getötete PMP-Mitarbeiter oder PMP selbst solche Verbindungen hatte oder hat. Es gab und gibt für solche Verbindungen keinerlei Anzeichen. […]
BILD: Hat das ZDF vor, während und/oder nach der Tötung überprüft, ob Herr Abu Matar oder PMP Verbindungen zur Hamas haben? Wenn ja, wie?
ZDF: Wir haben, nachdem uns die Vorwürfe von IDF ohne weitere Belege erreichten, geprüft, ob es solche Verbindungen gibt. Unsere Recherchen haben keine Anhaltspunkte ergeben, dass die Vorwürfe zutreffen. (Hervorhebungen von mir)
Leider schweigt sich das ZDF auch auf explizite Nachfrage sowohl des Bild-Redakteurs als auch anderer Journalisten darüber aus, wie genau es denn versucht hat, Verbindungen von PMP-Mitarbeitern zur Hamas zu untersuchen. Das Wort „Anzeichen“ lässt jedoch vermuten, dass es eher um offensichtliche Indizien ging. Allerdings ist ja weitgehend bekannt, dass Hamas-Mitglieder (und vermutlich erst Recht Mitglieder ihres bewaffneten Arms) sich gerade nicht offen zu erkennen geben - schon gar nicht gegenüber westlichen Medien. Und die Formulierung „nachdem“ interpretiere ich so, dass das ZDF vor den Informationen der IDF gar nicht auf die Idee gekommen ist, aus eigenem Antrieb eine solche mögliche Verbindung zu untersuchen. Hätte man das unabhängig von dem Angriff getan - sozusagen um abzuklären, dass die Zusammenarbeit unproblematisch ist - kann man zudem vermuten, dass das ZDF das auch so kommuniziert hätte. Mein Schluss ist daher, dass sie sich schlicht nicht drum geschert haben. Und meine Meinung ist, dass das ZDF wenigstens so ehrlich sein könnte das zuzugeben, zumal es dafür ja (wie schon zuvor beschrieben), durchaus nachvollziehbare Gründe gibt. Auch dass man sich nicht in der Lage sah, eine mögliche Verbindung zur Hamas selbst hinreichend zu prüfen (also ohne beispielsweise das nachrichtendienstliche Wissen aus Israel), könnte man ja einfach zugeben. Tut man das nicht, steht zumindest der Verdacht im Raum, dass man es auch gar nicht wissen wollte.
Den Rest deines Posts, der aus meiner Sicht vor allem aus Behauptungen, Verzerrungen und hypothetischen bis kontrafaktischen Szenarien besteht, würde ich folgendermaßen kommentieren: Nach dem Narrativ „Aber es kommt doch ganz auf die Sichtweise an, ob ein Hamas-Kämpfer auch wirklich ein Terrorist ist“ kommen nun die Narrative „Israel lügt doch eh immer, also auch hier“ und „Alle machen ja sowieso immer nur was Israel und seine Lobby will“. Ob das irgendetwas über den konkreten Fall aussagt oder nicht doch eher etwas darüber, was deine Agenda ist, soll jeder für sich entscheiden.
Ich muss mich korrigieren.
Ich habe leider erst jetzt gesehen, dass die Beweise, die die Hamas-Mitgliedschaft des Täters belegen sollen, bereits beim ZDF gezeigt wurden und das es sich nicht, wie ich oben vermute habe, nur um Identitätsdokumente handelt, sondern wohl um eine Art Mitgliedertabelle der Hamas (Youtube-Link zum ZDF-Beitrag welcher das IDF-Dokument zeigt oder Link zur Sendung in der ZDF-Mediathek)
Daher habe ich meine Beiträge oben gelöscht, weil meine Behauptung in der Form offensichtlich falsch waren, ich bitte um Entschuldigung.
Wie glaubhaft die israelischen Beweise sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Dem Artikel in der Bild zufolge wurde das ZDF ja direkt nach dem Angriff informiert. Oder meinst du vor dem Angriff? Aber warum soll das die Aufgabe der IDF sein, sich um die Kooperationen des ZDF zu kümmern.
Warum genau soll das „absurd“ sein? Gerade wenn man weiß, wie sehr die Hamas darum „bemüht“ ist, keinen tatsächlich unabhängigen Journalismus im Gaza zuzulassen. Deinem vorherigen Argument zufolgte hätte das ZDF ja auch bei israelischen Sicherheitsbehörden nachfragen können, ob sie etwas über PMP bzw. über deren Mitarbeitenden wissen.
Aber man kann natürlich auch zum 27. Mal ohne jegliche Begründung in der Sache die Glaubwürdigkeit des Personalbogens der Qassam-Brigaden infrage stellen. Ist auch eine Aussage.
[Edit: Meine Antworten beziehen sich auf eine frühere Version des Posts. Dieser wurde anschließend ohne jeglichen Hinweis inhaltlich stark verändert - was ich ehrlich gesagt keine gute Praxis finde]
Das geht ja jetzt hier schon eine Weile hin und her. Inwiefern ist die genau Einschätzung des Falls eines einzelnen “Journalisten” (oder auch nicht, je nachdem wie man das sehen will) relevant für das Hauptthema? Macht es ansonsten vielleicht eher Sinn, das mal per PN oder in einem seperaten Thema zu diskutieren?
Hm. Irgendwie fühle ich mich angesprochen. Ich habe, in der Tat völlig nebenbei, Kritik an der Argumentation geübt. Mit Herumeiern hat das nichts zu tun. Wer durchaus offensiv behauptet, weiteres Argumentieren habe sich erledigt, weil die “BRD das ja sagt”, der argumentiert mit Autorität. Da ist der Verweis auf andere Autoritäten, die zu völlig anderen Ergebnissen kommen -in ähnlichen, aber eben auch in derselben Sache- mMn ein gutes Indiz für die geringe Tragkraft. Die Qualität dieser Autoritäten beeindruckt dann auch nicht gerade dadurch, dass sie allesamt in der Außenpolitik eigene nationale Interessen verfolgen, also zwangsläufig parteiisch sind. Nicht mehr und nicht weniger sollte gesagt sein.
Auf jeden Fall ist das Terror. Meiner Meinung nach eiern hier einige ziemlich herum, wenn es darum geht, nicht nur die Taten der Hamas als Terror zu benennen. Die …Verschleppung, Vergewaltigung und Tötung von Palästinensern in israelischer Gefangenschaft sollte ebenfalls als Terror eingestuft werden. Unklar ist, weshalb Deutschland Israel trotz dieser dokumentierten Übergriffe militärisch, politisch und finanziell unterstützt, während zugleich die Hamas für ihren Terror verurteilt wird. Das ist die politische Attitüde, die hier im Thread von Usern angesprochen wurde. … Zudem werden immer noch tausende Palästinenser von Israel festgehalten, viele wurden willkürlich verschleppt. Würde es sich um Israelis handeln, würde man von Geiseln sprechen.
• Der UN‑Menschenrechtskommissar berichtet, dass seit dem 7. Oktober 2023 bis 31. August 2025 mindestens 75 Palästinenser in israelischem Gewahrsam getötet wurden. OHCHR spricht von systematischer Folter bzw. Misshandlung, verweigertem IKRK‑Zugang und von Haftbedingungen, die das Recht auf Leben gefährden. Link: At least 75 Palestinians have died in Israeli detention since 7 October 2023 - UN Human Rights in Occupied Palestinian Territory - Question of Palestine
• Der UN‑Sonderausschuss zu israelischen Praktiken legte im September/Oktober 2025 einen Bericht vor, der schwere Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten dokumentiert und u. a. auf fortgesetzte rechtswidrige Inhaftierungen und Misshandlungen hinweist. Link: Report of the Special Committee to Investigate Israeli Practices Affecting the Human Rights of the Palestinian People and Other Arabs of the Occupied Territories (A/80/365) - Question of Palestine
• Deutschsprachige Recherchen (WDR5) dokumentieren die Bedingungen palästinensischen Geiseln in israelischer Haft. Betroffene berichten von Demütigungen, Schlägen und Vergewaltigungen. Link: Vergewaltigt in israelischer Gefangenschaft - Neugier genügt - Sendungen - WDR 5 - Radio - WDR
• Save the Children berichtet, dass palästinensische Kinder in israelischer Gefangenschaft weit verbreitete Gewalt erleiden, sie berichtet von sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung Link: https://reliefweb.int/report/occupied-palestinian-territory/palestinian-children-israeli-military-detention-report-increasingly-violent-conditions
Deutschland gehört zu den größten finanziellen Unterstützern des Gaza-Streifens - sofern du Deutschland jetzt nicht vorwerfen willst, dass sie zwar Israel und den Gazastreifen, aber nicht die Hamas finanziell unterstützen. Und bei aller Kritik an Israel (der Bruch der Waffenruhe gibt da durchaus Anlass): ohne denn Angriff der Hamas wäre das nachfolgende nicht passiert. Denn Israel ist immer noch ein Rechtsstaat. Dass im Krieg Kriegsverbrechen passieren, ist schrecklich, aber Standard. Hier muss man hoffen, dass der IStGH danach in die Lage versetzt wird, das aufzuarbeiten. Da Palästina ihn nicht anerkennt, muss das aber von dritter Seite kommen.
Kein Wort habe ich davon gesagt. Ich werfe Deutschland vor, was ich oben geschrieben habe: unangemessene finanzielle, militärische und politische Unterstützung der israelischen Regierung. Deutschland soll die Terrorakte der Israelis genauso verurteilen wie die der Hamas und entsprechende Konsequenzen ziehen. Besonders schwer zu verstehen ist diese Diskrepanz vor dem Hintergrund, dass die Angriffe der Israelis deutlich mehr Schaden und menschliches Leid verursacht haben als die Angriffe der Palästinenser.
Ja. Vielleicht nicht oder vielleicht nicht so. Vielleicht wäre der Angriff der Hamas ohne die jahrzehntelange Unterdrückung und Vertreibung der Palästinenser nicht erfolgt. Vielleicht wäre auch dies oder jenes nicht passiert, ohne dies oder das. Die Menschen, die vor Jahrzehnten mit der Gewalt begonnen haben, sind längst beerdigt, und wir sollten nicht versuchen, Verbrechen mit anderen Verbrechen zu rechtfertigen. Ich denke, so weit waren wir auch schon einmal.
Und darum soll Deutschland Israel auch nicht verurteilen (was der israelischen Regierung sowieso am Arsch vorbei geht), sondern diplomatischen Druck gegen die Regierung aufbauen und der Bevölkerung signalisieren, dass Deutschland weiterhin hinter ihr steht. Es mag nicht jedem passen, aber es gibt nur ein einziges Land, das von Netanjahu ernst genommen wird und das sind die USA. Nur wenn Trump klar macht, dass er das Verhalten von Israel nicht duldet, wird das etwas ändern. Wir können nur eines tun, keine zu großen Wellen schlagen, damit wir beide Seiten humanitär unterstützen können Auch das ist wichtig (vielleicht sogar das wichtigste), wenn man Frieden will.
Europa könnte sehr schnell sehr viel Druck mit großen Wellen machen.
The EU is Israel’s biggest tradinge partner, accounting for 32% of Israel’s total trade in goods with the world in 2024. 34.2% of Israel’s imports came from the EU while , and 28.8% of the country’s exports went to the EU.
Tut zwar weh, aber bei russischem Gas sind wir ja auch ein wenig schmerzfrei. Und für westliche Unternehmen, die in Russland tätig sind hatten wir auch eine Menge Empörung übrig.
Möglicherweise wäre die Forderung legitim, wenn man sie erst jetzt aufstellen würde. Die gab es aber schon lange und damit wäre ein nachgeben auf diese Forderung eine Adelung der BDS-Initiative.
Außerdem darf man nicht aus den Augen verlieren, wen man damit trifft: die Bevölkerung, die eigentlich Frieden will. Wenn man die nun drangsaliert schürt man nur weiteren Hass.
Tatsächlich war das Gefühl, Angst haben zu müssen, dass Bomben auf einen regnen könnten, der beste Friedenstreiber. Solange der Krieg in Gaza ist, ist er eben auch weit weg. Das gleiche gilt für Russland.
Dieses Momentum muss genutzt werden und ist verdammt heikel, immerhin sind da zwei Generationen, die nur mit Krieg aufgewachsen sind und gar nicht richtig wissen, wie Frieden eigentlich geht und was das eigentlich ist.
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