Hier ist Platz für euer Feedback zum US-Thema in LdN404.

Üblicher Tenor der Berichte über die US Wahl: Trump ist ein übler Typ, falls er gewinnt wird es ganz schlimm. Kamala Harris ist toll Oder zumindest das kleinere Übel. Das Wahlsystem ist blöd.

Alles klar. Hab ich verstanden.

Was mich aber wirklich interessiert: wieso wird ein Typ wie Trump immer noch so viel gewählt? 1. 2016 Wahl gewonnen 2. 2020 Wahl verloren aber im Popularvote ein Rekordergebnis eingefahren ca 73 Millionen stimmen. 3. die Wahl jetzt in den Umfragen super knapp.

Ja ich weiß die übliche Erklärung…“die Republikaner könnten einen Besenstiel aufstellen…“, das beantwortet die Frage trotzdem nicht. Es dürfte trotzdem nicht so knapp sein. Er hat bei schwarzen (Männern) und vor allem bei den Latinos beachtliche Erfolge erzielt. Wieso ist das so?

Ist das nicht die eigentlich interessante Frage für uns hier in Deutschland, als immer wieder den x ten Wahlkampf Auftritt von Harris oder Trump zu zeigen oder in der ARD eine Umfrage zu machen wen „wir“ wählen würden?

2016 gab es dazu gute Dokus von bspw. Lanz, aber auch Böhmermann sei hier positiv erwähnt. Die haben die Stimmung abseits der Mainstream Medien, die sich komplett auf Clinton konzentriert haben, sehr gut eingefangen. Leider nur abseits der Hauptnachrichten.

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Die Korrespondenten sind sich recht einig, dass gegen Kamala Harris spricht, dass sie eine Frau ist, dass sie eine POC ist und dass sie einen starken Typ Frau verkörpert. Das sagen die Wähler in Umfragen aber nicht so, sondern sagen, dass sie Trump eher zutrauen die Wirtschaft voran zu bringen oder die Demokraten gottlos seien. Man hat also nichts handfestes, das man in einen Artikel gießen könnte.
Halte ich aber für plausibel ist meiner Meinung auch der Grund, warum Anna-Lena Baerbock nach der Nominierung so in der Beliebtheit abgestürzt ist. Angela Merkel taugt nicht als Gegenbeispiel. Sie hat das feminine nie hervorgehoben und ernst genommen wurde „Kohls Mädchen“ auch nicht.
Ingo Zamperoni drückt es in seiner Doku dann so aus: Trump hat schon einmal gegen eine Frau gewonnen.

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Ist die Frage denn so offen? Sind halt Rassisten, Sexisten, religiöse Fanatiker und Isolationisten, die Trump hinter sich vereint und von diesen üblichen Charakterversagern gibts in den USA eben so viele, dass es in Verbindung mit den fragwürdigen Konstruktionen des amerikanischen Wahlrechts und den Demokratiefeinden, die die Republikaner im gesamten Apparat der Wahldurchführung platziert haben, spannend wird… Finde ich deprimierend genug, ohne mir das nochmal in langen Dokumentationen servieren zu lassen.

Hieß es im selben Interview nicht, oder hab ich es woanders gehört(?), dass die Leute halt auf Trump und seinen Trumpismus/Faschismus stehen? Er sich als großer Retter inszeniert, der als einziger das Land retten kann? Und man sich bedroht fühlt, von den Minderheiten?

Seine Pläne, die Demokratie abzuschaffen und sich als Autokrat hochzuspielen, scheinen ja alle zu kennen und irgendwie auch gut zu finden.

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Ich möchte nochmal auf den Initialen Beitrag von @Christian87 eingehen und die Frage die er aufwirft: Warum gibt es aus deutscher Sicht nur eine einzige Perspektive auf die US Wahl.

Das hat für mich zwei Folgefragen:

  1. Machen wir es uns hier zu einfach mit der Trump Story und ignorieren einfach, dass es nicht ins Bild passt das die Zahl der Latinos und Afro Amerikaner unter den Trump Wählern ziemlich stark wächst?

  2. Bringt uns das irgendwie weiter jede Trump Aussage einfach als Schwachsinn medial zu zerfetzten und lächerlich zu machen? Das bewegt sich doch auf dem Niveau von Illustrierten und Boulevard Medien, man weiß schon aus der Überschrift und den Fotos was im Artikel steht. Am Ende hat man nichts gelernt, aber ein warmes Gefühl der Bestätigung der eigenen Meinung.

Hier ein Beispiel, dass durch die Medien ging.
2018 auf der UN Vollversammlung warnte Trump Deutschland vor der Abhängigkeit des russischen Gases.

Heiko Maas und die Deutsche Delegation reagierten nur mit Lachen und Feixen - ich vermute mir persönlich ging es damals ähnlich. (hat heute etwas ziemlich tragisches)

Mein Appell: Trump ist was er ist. Aber alles in schwarz und weiß zu unterteilen und immer unreflektiert die Gegenposition zu Trump zu beziehen macht uns berechenbar und kann nicht die Antwort auf einen Trump sein.

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Wenn der Sexismus und die Homophobie mancher Wähler sie über den Rassismus des Kandidaten hinwegsehen lässt, finde ich das nicht besonders komplex, es passt eigentlich auch super ins Gesamtbild der Trump-Wähler. Funktioniert ja bei den weißen Frauen, deren Rassismus sie Trumps Sexismus übersehen lässt oder den religiösen Fundamentalisten, die seine moralische Bilanz ignorieren, weil er sie zumindest noch mehr Bücher verbrennen/verbieten lässt, auch. Da sammelt sich einfach der geistig-moralische Bidensatz, weil jeder von denen eine oder mehrere geliebte Niederträchtigkeiten durch Trump bedient sieht.

Das ist eine Verharmlosung von Trump. Hast du dir mal komplette Reden von ihm angehört? Die Leute die an der Straßenkreuzung Autos nachschreien, reden weniger wirres Zeug. Im Gegenteil wird er in den US-Medien und auch in Deutschland immer viel weniger irre dargestellt als er im ungekürzten Original ständig klingt.

Da hat er abgelesen, was ihm einer der „adults in the room“ in den Teleprompter schreiben ließ. Wahrscheinlich finden sich in manchen seiner Reden auch noch anderswo drei oder fünf Worte, die irgendwie eine gewisse Verbindung zur Realität aufweisen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel, dass er dauernd jede sinnvolle Diskussion unter einem Schwall irrsinniger Lügen zu begraben versucht und es damit geschafft hat, dass Wahrheit überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Aus solchen Versuchen irgendwie auch die „andere Seite“ verstehen zu wollen spricht die Hoffnung, dass es doch irgendeine akzeptable Erklärung geben muss, warum Leute einen rechtsgültig Verurteilten Betrüger, Vergewaltiger und Putschisten mit durchgängig rassistischen, sexistischen, faschistischen Positionen und dem offen erklärten Vorsatz, weiterhin Gesetze zu brechen, wählen könnten. Die Hoffnung stirbt vielleicht zuletzt. Aber sie stirbt. Und ehrlich gesagt, wenn man manche Dinge sagt und tut, die Trump gemacht hat, sollte es wirklich egal sein, ob er zu irgendeinem Nischenthema auch irgendwas richtiges gesagt haben und sich das vielleicht sogar selbst überlegt haben könnte. Auf Deutsch kann man den Trump-Sound übrigens noch besser wieder erkennen: https://youtu.be/fMjhl9jxrug?si=cIpeD4ZBBO6Gs_44

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Und hinter Trump steht das project2025. Wichtige Stellen in Regierung und Verwaltung und Justiz werden dann mit extremen Hardlinern besetzt. Sie sind vorbereitet.

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Dazu habe ich schon länger nichts mehr gelesen, hast du da eine gute Quelle die sich mit dem aktuellen Stand auseinander setzt?
Wäre spannend, das sollte man scharf im Auge behalten.

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mit Link zum entsprechenden PDF

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Ich notiere hier mal einen weiteren Wunsch/Gedanken an das Interview:

Die Expertenperson im Interview sagt: „Die Republikaner betreiben bereits bereits seit 2015 systematisch Gerrymandering und schneiden sich die Wahlkreise so zu wie es ihnen passt.“ Dabei erwähnt dieser Experte mit keinem Worte, in welchem Maße Demokraten die gleichen Praktiken verwenden.
Hier und an anderer Stelle hätte ich mir mehr kritische Nachfragen gewünscht und eine faire Gegenüberstellung. So entsteht der Eindruck diese antidemokratischen Schweinereien würden „nur“ die Republikaner machen.

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Eine mögliche Quelle von 2022.

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Ja, das hätte man besser aus differenzieren können.
Dennoch ist es so, dass es vor allem Republikaner sind, die das betreiben.

Wenn bei zwei etwa gleichstarken Parteien eine seit den 80ern auf voter suppression und gerrymandering setzt, also mit absichtlichen Fouls spielt, ohne dass ein Schiedsrichter eingreift, bleibt der anderen genau nichts übrig, außer selbst die Regeln zu brechen oder kampflos zu verlieren.

Dabei ist Gerrymandering ein komplizierteres Thema als man manchmal so denkt, zum Beispiel im Kontext von majority-minority Regeln. Fivethirtyeight hat vor Jahren mal eine Serie von Podcasts zu gemacht, mit Beispielen für extrem parteiisches Gerrymandering aus Wisconsin und California, aber auch mit Lehren, wie man da wieder raus kommt.

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