Exakt. Das Problem ist, dass auf rassistische und rechtsextreme Einstellungen gar nicht getestet wurde:
Für unsere Analysen nutzen wir die Daten des Surveys „Kartographie der Arbeiter:innenklasse“, einer von Kantar Public im Auftrag der FriedrichEbert-Stiftung in Deutschland im Sommer 2023 durchgeführten Erhebung im Mixed-Mode-Design, bei der ca. 5.000 volljährige, deutschsprachige Personen zu ihren Arbeitsund Lebensbedingungen, Einstellungen und politischen Orientierungen befragt wurden (Engels et al. 2024).
Schaut man dann nach:
Dann sieht man, dass auf Rassismus und Rechtsextremismus in der Bezugserhebung nicht getestet wurde.
Man kann also gar nicht checken, wie verbreitet beides in der Arbeitendenklasse ist.
Beschämend finde ich, dass man der Studie weitreichende Aussagekraft zubilligt, ohne mal Expert:innen zu befragen, was sich daraus ableiten lässt und was nicht.
Ulf und Philip hätten eigentlich beim Bezug aufs BSW auffallen müssen, dass dessen „Mixtur“ aus Umverteilungsversprechen und migrationsskeptischer Rhetorik der AfD kaum Wählende abspenstig hat.
Wäre „mehr Klassenkampf“ das, was AfD-Wählende eigentlich wollen, hätte mindestens das BSW auf Kosten der AfD „absahnen“ müssen. So war es jedoch keineswegs. Folglich müssen andere Motive (wie rassistische Stereotype) vordringlich sein.
Man sieht’s übrigens auch an den Wahlergebnissen in Österreich. Dort hat die SPÖ sehr viel mehr Klassenkampf gewagt. Und mit der KPÖ gibt es seit jeher eine Partei des Klassenkampfs. Beides hat am Wahlergebnis der rechtsextremen FPÖ nichts Wesentliches geändert. Die neuen/wieder FPÖ-Wählenden kamen großteils von der rechten ÖVP und aus dem Nichtwählendenlager:
Warum also wider alle Empirie immer noch am Märchen, dass linke Politikangebote zu weinger rechtsextrem Wählenden führten, festgehalten wird, ist unerfindlich.