Danke für eure Zusammenfassung zur teilweisen Brückeneinsturz in Dresden. Als Dresdner bin ich natürlich schockiert; vor allem weil ich als Radfahrer den eingestürzten Brückenzug C täglich genutzt habe.

Zu euren Vermutungen zum zögerlichen Angehen der Brückensanierung… das sollte man etwas in Kontext sehen. Im innerstädtischen Bereich gibt es nur 5 Brücken - Marienbrücke, Augustusbrücke, Carolabrücke, Albertbrücke und Waldschlösschenbrücke - wobei letztere im Stadtzentrum weniger relevant ist. Augustbrücke und Albertbrücke sind historische Bogenbrücken, die Hochwasserschäden von 2002/2013 aufwiesen und noch dringlicher saniert werden mussten. Dazu brauchte es aber immer auch die Carolabrücke, um den Verkehr - insbesondere die Straßenbahnverbindungen - fließen zu lassen. Erst nachdem diese Brücken fertig waren, konnte man die „neuere“ Brücke angehen und hat hier mit den stark befahrenen Zügen A und B begonnen. Letztlich bezogen auf den Zustand von Zug C ein Risikospiel. Hätte aber auch mit der Sanierung in 2025 gut gehen können. Das kann natürlich keine Ausrede sein. Aber: In Dresden wird das Thema seit Jahren ernsthaft angegangen, da kann man der Stadtverwaltung keinen Vorwurf machen. Wir müssen das als Unglück und gleichzeitig „glücklichen“ Weckruf sehen, um unverzüglich - wenn nötig an der Schuldenbremse vorbei - in unsere Infrastruktur zu investieren. Alles wird nicht gleichzeitig gehen (siehe Abhängigkeiten oben) weil auch das Fachpersonal nur endlich viel Zeit dafür hat. Und es wird Bauwerke geben, die zeitweilig aufwändig gesichert werden müssen. Aber der Prozess MUSS starten.

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Warum war denn die Stadt Dresden für die Sanierung der Brücke zuständig?
Laut Wikipedia zumindest war die Carola Brücke Teil der Bundesstraße 170. Müsste nicht der Bund zuständig sein?

Das wäre schön… § 5 Abs. 2 FStrG überträgt die Straßenbaulast auf die Gemeinde bei mehr als 80.000 Einwohnern. Die Gemeinde kann dann zwar auch Zuschüsse vom Bund erhalten (insb. für den Bau/Ausbau von Gehwegen und Radwegen), aber ist dann auf sich alleine gestellt. EU-Fördermittel gibt es auch mitunter… oder wie bei den anderen Brücken dann Mittel aus der Hochwasserschadensbeseitigung. Die Brückenzüge A und B wurden/mussten meiner Kenntnis nach vollständig aus Eigenmitteln der Gemeinde finanziert werden.

Gut, als Dresdner ist ja auch bekannt, dass da grad ein neues Rathaus für 115 Mio gebaut wurde. So arg klamm kann die Stadt nicht gewesen sein. Es wurden halt nur andere Prioritäten gesetzt.

Dieser Beitrag suggeriert, dass die Sanierung der Brücke gegen den Bau des Stadtforums (übrigens inzwischen >144 Mio €) abgewägt wurde. Das ist nicht der Fall.

Vielmehr laufen beide (und noch viele weitere) Handlungsstränge parallel. Beim Stadtforum gab es einen immensen Handlungsdruck, da die Stadtverwaltung in zahlreichen Mietobjekten eingemietet ist, die a) einen Modernisierungsstau, also zukünftig nicht mehr den Anforderungen an Brandschutz und Arbeitssicherheit genügen werden und b) jährlich steigende Mietzinsen bedeuten. Es gab zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung für den Neubau des Stadtforums in Dresden kein vergleichbares Objekt, in dem Teile der Verwaltung zeitnah zentriert werden konnten (Ziel ist die Reduzierung auf 3 stadteigene Hauptobjekte). Wenn heute die Entscheidung fällig gewesen wäre, hätte man ernsthaft über das leergezogene WorldTradeCenter reden können. Damals war das eine riskante Option. Der Neubau war also folgerichtig, um in Zukunft nicht von Vermietern abhängig zu sein.

Übrigens: die Stadt Dresden ist zwar finanziell gut ausgestattet (weil man mit dem Geld nicht - so oft - herumprasst), aber auch der Verwaltungsneubau wird über eine ausgegründete, stadteigene Gesellschaft (KID, Kummunale Immobilien Dresden) abgewickelt, die nach einer „kleinen“ Kapitaleinlage durch die Stadtverwaltung als GmbH Kredite am freien Markt anders organisieren kann. Das führt zwar dazu, dass sich die Stadtverwaltung faktisch wieder in ein Mietobjekt setzt. Aber der Vermieter - die KID - wird die Mietzinsen nicht so steigern wie zuletzt die TLG (Nachfolge der Treuhand), in deren Objekten ein Großteil der MitarbeiterInnen des zukünftigen Stadtforums sitzen.

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Gut, anderes Beispiel. Macht es Sinn, für die Ausrichtung der BuGa Schulden + Zinsen zu machen?

Was hat die BuGa mit der Carolabrücke zu tun? Dazu bitte ein neues Thema aufmachen, wenn das für alle nicht-Dresdner in diesem Forum relevant ist.

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Die Carola-Brücke wird ja als Symbol für verrottende Infrastruktur herangezogen und daraus der geschlossen, wir müssen die Schuldenbremse lösen. Ich sag, am konkreten Beispiel Dresden können wir diese These prüfen. Ich sag, es war eher eine Frage der Prioritäten, als eine Frage des Geldes.

Ich kann den Zusammenhang leider nicht erkennen. Welche Prioritäten wurden denn falsch gesetzt?

Hast du denn irgendwelche Gründe, warum du das glaubst? Dein erstes Beispiel, das Rathaus, war ja scheinbar doch kein so eindeutiger Beleg. Wieso glaubst du jetzt, dass ausgerechnet die BuGa in einem Zusammenhang mit den Ausgaben für die Infrastrukturaufgaben der Stadt steht?

Weil ich in der LdN und hier die Schlussfolgerung herausgehört hab: Brücke kaputt, wir müssen sie, mit Schulden und Zinsen für die nächste Generation, wieder aufbauen.
Gleichzeitig gab es und gibt es Projekte, die nicht hinterfragt werden. Da feiert der Oberbürgermeister jedes Jahr eine Party für alle 18-jährige. Ist das eine Investition in die Zukunft die eine Verschuldung rechtfertigt? Bei denen die eine Lockerung der Schuldenbremse anstreben, sicherlich. Aber das geht vrmlt. wirklich zu weit vom Thema weg.

Zur Brücke. Was wir bei der Frage nicht unterschätzen dürfen: die Brücke war damals eine Neuheit (wie so manche in der Zeit). Es liegt in der Natur der Sache, dass da keine Langzeitstudien vorliegen können. Im Grunde müssten viele Brücken eines gewissen Alters „ausgetauscht“ werden.

Ja da hast du Recht… die 18er-Party ist ein steiles Stück und da muss sich der OB viele Fragen gefallen lassen. Das ist jedenfalls keine Maßnahme zum Erhalt/Ausbau der Infrastruktur und damit kein Grund dafür Schulden zu machen.

Die BuGa dagegen ist so eine Art Zwischenstück, da hier ein ordentlicher Topf an Fördermitteln mitkommt, der in Projekte der Stadtentwicklung und des Umweltschutzes gesteckt werden könnte (das war jedenfalls bislang immer der Begleitplan). Nur ist das keine Pflichtaufgabe, sondern die Kirsche auf der Torte - wir sollten uns aber vielleicht erst um die Torte kümmern. Der Umfang der BuGa in Dresden soll jedenfalls von der maximalen Umsetzung aus den Maßnahmen der Machbarkeitsstudie auf ein haushaltsverträgliches Maß eingedampft werden (und Teile später umgesetzt). Was dann noch übrig bleibt - da reden wir dann tatsächlich über Prioritätensetzung!

Zur Brücke: Wurde für diese Konstruktionart damals nicht sogar ein Patent angemeldet?

Man kann den Sinn der 18er Party sicher hinterfragen, aber ist die wirklich so teuer, dass man davon eine Brückensanierung hätte bezahlen können?

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Keine Ahnung wie das in Dresden aussieht, aber bei uns gibt die Kommune auch Zuschüsse und Unterstützung für Traditionsvereine, Altentreffs, Kitas, Spielplätze usw. Vielleicht ist an der 18er Party ja irgendwas besonders anrüchig, aber gibt es einen generellen Grund, warum eine Stadt gerade volljährig gewordenen Mitbürgern nicht auchmal „was gutes“ tun sollte? Gerade in Zeiten allseits beklagter Staats- und Politikverdrossenheit besonders bei „der Jugend“ finde ich die Idee, ein Format zur Kontaktaufnahme mit dieser Altersgruppe zu entwickeln doch grundsätzlich ganz nett.

Übrigens gibt es ein offizielles FAQ zu dem Thema. Dort macht die Stadtverwaltung unter anderem Transparent, dass die 18er Party gut 50 Euro pro Teilnehmer:in kostet, etwa so viel wie die Förderung der Musikfestspiele. Karten in der Philharmonie werden mit einem Rund doppelt so hohen Betrag bezuschusst, die Staatsoperette kostet die Stadt sogar fast viermal so viel pro Karte.

Wie gesagt: ich bin kein Dresdner und habe keine Ahnung, ob die Veranstaltung in der Form sinnig ist. Aber zur Diskussion dieser Frage (die eigentlich nicht hierher gehört), sollte man vielleicht schon mehr Argumente bringen als „kostet Geld“. Sonst ist man nämlich ganz schnell dabei, jede Form der staatlichen Finanzierung von Kultur und „Spaß“ zu deligitimisieren.

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Es wurde oben schon richtig ausgeführt, dass andere Brücken früher dran waren.

Zum Zustand des Zuges C und der Mutmaßung im der Folge: Als man die Sanierung geplant hat, ist man der Reihenfolge des Zustands gefolgt. Der Zug C hatte den besten Zustand, ergo sollte er als letztes saniert werden - Beginn: Januar 2025, Winter, damit man im Sommer die Dichtung machen kann.

Und das mit der Party ist echt Quark, Leute. Das war ne Veranstaltung für junge Menschen, die in den letzten Jahren schon genug unters Rad gekommen sind. Was man dort sparen könnte, hätte die Brücke nicht gerettet.

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Danke, das wollte ich hier auch beitragen, aber mein Beitrag hing noch in der Moderation, weil Quellen fehlten. Als Ergänzung/Bestätigung hier noch mal mein Text:

Kleine Korrektur zur Aussage im Podcast: es wurde erwähnt, dass der eingestürzte Brückenzug C die schlechteste Note der 3 Züge im letzten Brücken-TÜV erhielt. Daraus wurde abgeleitet, dass ggf. in der falschen Reihenfolge saniert wurde. Das ist etwas zu kurze gegriffen: vor der Sanierung war der Zug C der im besten Zustand, daher wurden entschieden in der Reihenfolge A - B - C zu sanieren. Nun wurde die Sanierung von A und B abgeschlossen, C ist noch unsaniert. In diesem Zustand fand die letzte Prüfung statt und in diesem Zustand war der Zug C der schlechteste [1]. Soweit wie ich das von außen als interessierter Bürger also einschätzen kann, war die Sanierungsreihenfolge schon die richtige. Man war, nachträglich betrachtet, nur nicht schnell genug, obwohl auch noch aussteht, ob die sanierten Züge nun wirklich stabiler waren. Immerhin kommt man an die Spannseile nicht so richtig ran.

Zur Sanierungsschnelligkeit steht auch noch im Raum, dass die Stadt gehofft hatte, Fördermittel von Bund und Land zu erhalten. Diese wurden verwehrt. Hätte man also auf höherer Ebene finanziell unterstützt, wäre die Sanierung von Zug C ggf. schon leicht eher abgeschlossen. Aber das ist nicht so ganz sicher und wie oben schon angedeutet ist auch noch nicht klar, ob die Sanierung die Stabilität der Brücke entscheidend verbessert hätte. Da müssen wir die Untersuchungen noch abwarten. [2]

[1] Teileinsturz der Carolabrücke → FAQ → Bewertung der Brücken
[2] u.a. Stadtratsvorlage [V3188/19] (https://ratsinfo.dresden.de/getfile.asp?id=427369&type=do) in der erklärt wird, dass es mehr städtische Mittel für die Sanierung bedarf, weil es kein Geld vom Land gibt

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