Die Unterschiede sind da minimal, ich habe es gerade nochmal beim statistischen Bundesamt recherchiert. Anteil der Erwerbstätigen an den Erwerbspersonen* Stand Jahr 2023:
- Ausländer mit eigener Migrationserfahrung: 93,32% (in dieser Gruppe dürften die Geflüchteten enthalten sein)
- Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung: 94,68%
- Deutsche mit Migrationshintergrund im weiteren Sinn ohne eigene Migrationserfahrung: 95,42%
- Ausländer und Deutsche mit Migrationserfahrung im weiteren Sinn insgesamt: 94,46%
- Ohne Migrationshintergrund: 97,8%
Wir reden hier also um einen Unterschied (je nachdem auf welche Zahl sich Lücke bezogen hat) von bis max 4,5%, weniger Erwerbstätigkeit gegenüber „Biodeutschen“. Dieser Unterschied wird wohl auch nie auf 0 zu setzen sein, egal welche politischen Maßnahmen getroffen werden (denn Migration bringt einfach Nachteile auf dem Arbeitsmarkt mit sich).
Und bei unter 7% Arbeitslosenquote sind wir auch bei dieser Gruppe nicht weit von einer funktionalen Vollbeschäftigung entfernt (bei Menschen ohne Migrationshintergrund ist diese de facto erreicht).
Viel entscheidender als die Schließung dieser letzten kleinen Lücke bei der Erwerbstätigkeitsquote ist da meiner Ansicht nach die Qualifizierung und somit die Einkommensanpassung. Und die Bildung und Qualifizierung der nächsten Generation (die ersten hier geborenen Kinder der Geflüchteten von 2015 sind schon halb durch die Grundschule durch).
Ich würde dabei bleiben: Wenn uns jemand ganz neutral den Deal vorgeschlagen hätte, dass wir dem Schicksal einer schrumpfenden und überalternden Bevölkerung weitgehend entgehen können, wir diese zusätzlichen Menschen aber erstmal 10 Jahre ausbilden und qualifizieren müssen, damit sie eine vergleichbare Arbeitsmarktbeteiligung erreichen, dann hätten alle gesagt: „klasse Deal, das sind ja immer noch 10 Jahre weniger als bei den meisten Kindern“.
Das Problem kann gar kein finanzielles sein, denn es ist doch die Kernaufgabe unserer Gesellschaft, die zur Qualifizierung und Integration der nächsten Generation nötigen Mittel bereitzustellen. Wären seit 2015 nicht Geflüchtete gekommen, sondern im selben Umfang mehr einheimische Kinder geboren worden, dann wäre das uns alle erheblich teurer gekommen.
Das Problem ist also ein kulturelles und zwar zu einem erheblichen Teil auf unserer Seite. Wir wollen zwar alle eine sichere Rente, aber ganz offensichtlich nicht das Geld ausgeben, damit es auch jemanden gibt der sie erwirtschaftet.
*Bevor jemand fragt: Nein, der Anteil der Erwerbspersonen an der gesamten Bevölkerung bei Nicht-Deutschen mit Migrationshintergrund ist auch nicht erheblich niedriger als der bei Deutschen ohne Migrationshintergrund. Auch hier geht es um +3%, die sich problemlos über Faktoren wie den höheren Anteil von Kinder und Jugendlichen erklären lassen und nicht etwa über Menschen, die sich selbst aus dem Arbeitsmarkt rausnehmen.