Jeehut
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Lieber Ulf, du hast es sicher nicht böse gemeint, ich wollte aber doch kurz darauf hinweisen, dass dein Nebensatz zu Hakenkreuzen unwissentlich Menschen kulturell verletzt haben könnte. Du sagtest:
Nun gibt es aber in Indien zum Beispiel bestimmte obskure Verwendungen von Hakenkreuzen in anderen Kontexten. Ich sag mal so: Totale Edge Cases!
In Deutschland mag es ein Edge Case sein, auch wenn es immerhin 270.000 Anhänger des Buddhismus in Deutschland geben soll (Quelle). Aber als regelmäßiger Japan-Reisender begegnet mir das Symbol doch sehr häufig, und noch nie habe ich den Kontext als „obskur“, also anrüchig empfunden. Viel mehr waren all die buddhistischen Tempel, die ich in Japan besuchen durfte sehr friedlich und naturverbunden – und voller Hakenkreuze. Denn die Swastika (so heißt das Symbol) wird schon seit 12.000 Jahren als religiöses Symbol in vielen Teilen der Welt verwendet, auch in Europa. Der Wikipedia-Artikel dazu ist recht erhellend.
Sucht man in Google Maps oder Apple Maps etwa nach „Tempel in Kyoto“, so erhält man (selbst in Deutschland!) diese Kartenausschnitte:
Völlig zurecht ist das Symbol in Deutschland verboten, denn ihre Bedeutung hierzulande ist geschichtlich eindeutig. Ich will nur sagen, dass die anderen Kontexte keinesfalls obskur sind, sondern mindestens neutral, sogar eher positiv besetzt. So bedeutet der Name „Swastika“ etwa „Glücksbringer“.
Das obskurste im Kontext buddhistischer Tempel sind wahrscheinlich internationale Touristen, die keinen Respekt vor Kulturgeschichte haben und UNESCO Weltkulturerben schänden. Aber Vandalismus gibt es leider überall.
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Stimmt, danke dir, das ist tatsächlich eine blöde Formulierung gewesen. Mir war tatsächlich nicht klar, dass es um Buddhismus geht …
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Strabo
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Die Aussage, dass das dort in einigen obskuren Zusammenhängen benutzt wird finde ich ganz schön verkürzend. Das Sonnenrad (Svastika) und - wenn auch weit weniger - das Sauvastika (links gedrehtes Hakenkreuz) ist in ganz Asien, vor allem Zentralasien ein sehr weit verbreitetes Symbol, heute vor allem weiterhin ein Glücksymbol, dass sich die Nazis über diverse Esoterikumwege kopiert haben. Wird von Hinduisten, Buddhisten, Jain benutzt, in so diversen Ländern wie Nepal, Indien, Thailand, Mongolei, Sir Lanka, China und Japan. So sehr, dass es im Chinesischen und Japanischen ein eigenes Schriftzeichen ist. Entsprechend findet man das Zeichen wirklich überall in Asien, nicht sehr „obskur“.
Zusätzlich gibt es das Symbol auch noch historisch in ehemaligen Hochkulturen von Rom und den Germanen und Kelten über Griechenland zu Mesopotamien und Ägypten. In Afrika bei den Biete Maryam, bei den Akan und Ashanti. Und dann noch bei den Navajo, Hopi und Tlingit in Amerika, die das wohl unabhängig entwickelt haben.
Und die Nazis haben das Symbol bei uns für ewig zum Zeichen des Bösen verdammt.
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Jo, danke für den Hinweis!
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Hzz
5
Unbedingte Hör-Empfehlung: Ein kurzweiliger Podcast über die Geschichte des Hakenkreuzes in diversen Kulturen, u.a. in den USA vor den deutschen Nazis.
jtm
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Mir ist aufgefallen, dass das Symbol der NSDAP dabei gespiegelt ist. Ist dass eine zuverlässige Unterscheidungsmöglichkeit zwischen rechtsradikalem Symbol und althergebrachter Verwendung?
Auf Wiki kann man eine „hinduistische Version“ sehen, die nicht spiegelverkehrt ist. Die ist manchmal mit Punkten, manchmal aber auch ohne. Bei den Nazis ist das Hakenkreuz oft noch geneigt 45°, aber auch nicht immer. Es gibt also jedenfalls Schnittmengen, die sich wahrschl. nur kontextuell unterscheiden lassen.
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Auch in Finnland, Norwegen und dem Baltikum ist es nicht selten. Trotzdem nennt ihr es als Beispiel für eindeutig.
Wie ist es denn mit Höckes SA Losung?
Einerseits schon eindeutig, andererseits aber bisher nur bei Historikern. Mal ehrlich? Wer wusste das bisher? Ich denke da
Nein, in diesen Staaten ist das Hakenkreuz nicht „nicht selten“, sondern es wird auch in diesen Staaten primär mit den Nazis in Verbindung gebracht und von diesen genutzt.
Darum geht es tatsächlich nicht.
Der Sinn des §86a StGB ist es gerade, ein Tabu aufrecht zu erhalten. Daher: Wenn der §86a StGB seine Wirkung entfaltet, führt das idealerweise gerade dazu, dass diese Parolen so weit tabuisiert werden, dass kaum noch jemand weiß, dass es Nazi-Parolen sind. Es ist daher ein Wirkungsparadox - wenn es wirkt, scheint es nutzlos, würde es nicht wirken, scheint es nützlich.
In jedem Fall kann es kein Argument gegen die Strafbarkeit sein, dass es nicht allgemein bekannt ist, wofür eine Parole oder ein anderes Kennzeichen steht. Hier ist in der Tat einzig auf das Wissen des Verwenders abzustellen (dh. ein frisch immigrierter Inder, der tatsächlich nichts über die deutsche Geschichte weiß und eine Hakenkreuz-Flagge schwenkt, würde im Zweifel nicht vorsätzlich handeln…), das natürlich von der Bekanntheit des jeweiligen Erkennungszeichen beeinflusst wird. Kurzum: Cathy Hummels kommt damit durch, wenn sie sagt, dass sie nicht wusste, dass „Alles für Deutschland“ eine SA-Parole war, Björn Höcke als rechtsextremer Geschichtslehrer nicht, da man bei ihm davon ausgehen muss, dass es das wusste.