Herr Lindner hat ja nun auch zu den Bauern gesprochen. Ich verstehe das nicht. Aus meiner Sicht hat Janine Wissler mir ihrer Einordnung dieser Rede völlig recht.
Was hat der sich eigentlich gedacht, als er sich das zurecht gelegt hat? „Heute schenke ich meinen Koalitionspartnern mal wieder richtig einen ein?“
Wenn die Situation nicht so beschissen wäre, was potentielle Wahlergebnisse angeht, müssten doch eigentlich die anderen beiden dem mal die Pistole auf die Brust setzen. Da ist doch überhaupt keine gemeinsame Basis, was das Menschenbild angeht, vorhanden, wenn Lindner sagt: „Wir dürfen es nicht länger tolerieren, wenn Menschen sich weigern, für ihr Geld zu arbeiten“. Neben der Tatsache, dass ich die echten Verweigerer für eine tolerable Minderheit halte, hat das doch mit Bauernprotesten nichts zu tun.
Und dann arbeitet man sich an Renate Künast ab und stellt den Abbau von Umweltauflagen in Aussicht, lässt aber Klöckner und Vorgänger völlig unerwähnt.
Dann schießt er gegen Klimaaktivisten und will bei den Bauern unter Ausblendung der Vorkommnisse in Schlüttsiel und zahlreicher Galgen mit der Ampel nur vernünftig artikulierten Protest gesehen haben.
Das hat doch mit gemeinsamer, seriöser Regierungsarbeit nichts zu tun. Das ist doch die nackte Panik, nach der nächsten Wahl nicht mehr dabei zu sein. Und womöglich der kürzestes Weg dahin.
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pbf85
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Kommt drauf an welche Steuern. Die steuern auf dieses Einkommen sind da nicht abgezogen. Ebenso sind meines Wissens keine Versicherungen des Landwirts der von diesem Gewinn leben muss abgezogen sondern die werden wie bei Personengesellschaften üblich aus dem Gewinn bezahlt. Und auch das bilden von Rücklagen für schlechte Jahre ist da nicht berücksichtigt
Ich glaube generell macht es wenig Sinn mit durchschnittlichen Werten in Rekordjahren zu argumentieren, ebenso wie es wenig Sinn macht mit Werten zu argumentieren die aus schlechten Jahren mit Gewinnen weit unter dem durchschnitt zu argumentieren.
Man müsste also mit mehrjährigem durchschnitt rechnen (und Jahre mit Sondereffekten die so nicht wieder zu erwarten sind ausklammern) und verschiedene Größen der Höfe auch gesondert ansehen.
Die Sorgen und Nöte eines reinen Familienbetriebes sind sicherlich andere als die eines Großbetriebs mit mehreren Angestellten.
Man muss aber fairerweise dazu sagen, dass ja selbst die Proteste selbst keine Differenzierung vornehmen, weshalb sich ja auch nicht alle Bauern dort repräsentiert sehen.
Und das plumpe „Ampel muss weg“ finden auch gar nicht alle Bauern so als geeigneten Slogan für ihre Anliegen.
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So lese ich das auch. Natürlich mit etwas Vorsicht zu genießen, denn der Bauernverband ist nicht gleich „die Bauern“. Die Daten sind natürlich ein statistisches Mittel durch Alle, und die großen Industriebetriebe ziehen das Ergebnis in die Höhe, während die Kleinbauern den unteren Teil abbilden. Aber da diese Kleinbauern ja immer weniger werden und in großen Betrieben aufgehen wird es Jahr für Jahr unten weniger.
Dazu kommt natürlich auch die Inflation, die ist soweit ich das verstanden habe, nicht einberechnet.
Aber generell sagt der Bauernverband in dem Bericht, dass es seinem Mitgliedern sehr gut geht, auf jedenfall besser als noch vor einigen Jahren.
TPG
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„Die reichsten Bauern sind überhaupt keine Landwirte“ so die Aussage der agrarheute.de-Seite: Die reichsten Bauern sind überhaupt keine Landwirte | agrarheute.com
Und erschreckend ist diese Aussage: „Mehr Land heißt mehr Geld aus Brüssel“. Diese Großbetriebe haben ja wohl nur noch wenig mit den Landwirten zu tun, die aktuell protestieren. Aber sie lassen sich leider (unbewusst) vor diesen „Karren“ spannen. Wollen wir weiterhin die groß-industrielle Landwirtschaft oder die echten bäuerlichen Betriebe? Dann müssen wir mit unseren Einkäufen im (Hof-)Laden abstimmen.
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Die Frage ist: Wer will „echte bäuerliche Betriebe“ bezahlen? Ist es nicht vielleicht einfach so, dass größere Betriebe effizienter arbeiten? Erleben wir hier in der Landwirtschaft eigentlich nur das, was im Rest der Gesellschaft mit der Transformation vom Tante-Emma-Laden zum Supermarkt und, vom Gemischtwarenladen zum Kaufhaus, und von dort weiter zum Internetversandhandel bereits passiert ist? Und wenn ja: Warum sollte die Gesellschaft ausgerechnet hier diesem Trend nicht folgen, und versuchen diesen mit Subventionen aufzuhalten, die dann für kleine Hofbetriebe vielleicht knapp ausreichen aber große Agrarfirmen reich machen?
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Kleine Schote am Rande:
Heute sprach ein Landwirt auf einer Demo gegen rechts. Leider hatte er sich irgendwie vergallopiert und stellte die These in den Raum, die Landwirte hätten den Protest losgetreten. Da hatte er sein Publikum verloren.
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Ich habe keine direkte Antwort aber einen Themenvorschlag:
Am Montag, den 8.Januar waren die Bauernproteste ‚Thema des Tages‘ in der SZ. In dem Artikel „Der tiefere Grund für die Wut der Bauern“ von Tanja Busse wird der Milchbauer und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft Ottmar Ilchman zitiert. Es geht um faire, kostendeckene Erzeugerpreise. Ilchmann verweist auf dem Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) der EU, der es der Bundesregierung ermöglichen würde, eine Vertragspflicht zwischen Bauern und Verarbeitern einzuführen. darin wären Mengen, Laufzeiten und Preise zwingend zu vereinbaren. THEMENVORSCHLAG:
Ist das die Lösung? Ist die Anwendung dieses Artikel juristisch abgesichert? Laut Ilchmann könnte die Umsetzung dieses Artikels die Wertschöpfung der Landwirte steigern, ohne das zusätzliche Hilfe aus Bundeshaushalt nötig wäre.
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Das … Bauernvolk dreht weiter frei, und die Polizei und Behörden lassen sich auf der Nase rumtanzen.
Und der Anführer von deren Verband sagt halt, solange die Regierung sich von ihnen nicht erpressen lässt, werden eben weiter Straftaten begangen.
Ich denke, sowas sollte sich eine Gesellschaft nicht gefallen lassen. Das wird immer harmlos als „Proteste“ oder sogar „Streiks“ bezeichnet. Streiken tun gerade die Busfahrer. Das bedeutet die arbeiten nicht, und deswegen musste ich heute morgen ein wenig weiter laufen und die S-Bahn nehmen. Was die Bauern aber machen ist das Äquivalent, als würden die streikenden Verdi-Busfahrer sich nicht vor ihrem Gewerkschaftshaus zur Demo versammeln, sondern bspw. den ganzen Tag S-Bahn fahren und nach jeder Station die Notbremse ziehen. Oder wie wär’s, wenn streikende Flughafen-Security in die Innenstädte geht und einfach mal in Geschäften den Feueralarm oder die Sprinkleranlage auslöst? Ich bin mir sicher, BILD, CDU, Polizei und Co. hätten dafür deutlich weniger Verständnis als für …Bauern.
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OtmarB
19
Fuer Bauern scheint ein anderes Strafrecht zu gelten. Wo kann ich das Strafgesetzbuch fuer Bauern downloaden?
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Erste Infos gibt es hier:
https://lobbypedia.de/wiki/Deutscher_Bauernverband
Die Traktordemonstrationen im Januar 2024 zeigen nach Auffassung der Süddeutschen Zeitung, dass die Bauern (neben den Lokführern) eine physische Lahmlegungsmacht und Breitenwirkung besitzen, die anderen Berufsgruppen so nicht zu Gebote stehen.[9]Bei Kampagnen kann sich der DBV auf ein außergewöhnlich breites Bündnis nahestehender Organisationen stützen. So wandten sich im Vorfeld einer Großdemonstration von Bauern für den Erhalt der Agrardiesel-Subventionen über 30 Verbände mit einem gemeinsamen Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden von Union, FDP, Grüne und SPD, deren Haushaltspolitiker sowie die Mitglieder des Landwirtschafts- und Umweltausschusses, in dem sie die Forderungen der Protestierenden unterstützten.[10][…] Über seine Repräsentanz in den maßgeblichen Bundestagsausschüssen und seinen Einfluß in den Parteien, insbesondere der CDU, steuert der DBV die Ausgestaltung der Agrar-, Ernährungs- und Umweltpolitik in Deutschland.
Sie melden ihre Aktionen meist an und kennen halt auch die Politiker, die da notfalls Druck machen können, wenn es bei der Genehmigung nicht rund läuft.
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Matder
21
Als „normaler“ Demonstrant, darfst du in einer Demo nicht mal einen Fahrradhelm tragen, weil „passive“ Bewaffnung. Da muss man sich schon fragen, ob man es tausenden Bauern erlauben sollte, ihre landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge mit zur Demo zu bringen oder ob man das nicht generell verbietet.
Und ich will gar nicht wissen, wie viele der demonstrierenden Bauern sich den Diesel, den sie dabei verfahren, als „landwirtschaftlich genutzt“ von der Steuer absetzen lassen.
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Hallo liebes lage Team
…
Warum die Landwirte demonstrieren haben mehrere Gründe. Die Streichung der Agrar Diesel Rückerstattung ist nur der Auslöser!!!
Ursachen für die Proteste sind imens steigende Bürokratie, neue Auflagen die wenig mit der Praxis zu tun haben und teils erhebliche kosten verursachen, unklare rahmenbedingungen, verteuerung der Produktion und der Würgegriff des Einzelhandels.
Selbst wenn es nur 3000€ pro Betrieb sind im durchnitt so sind manche betriebe sehr stark betroffen ( ackerbau Betriebe, Viehhaltende Betriebe. Mit unter 5 % der Bevölkerung fühlten diese menschen sich verraten um ein Haushaltsloch zu stopfen.
Das rechtfertigt die Aktionen um herrn Habeck und co nicht und sind zu verurteilen, und aufzulösen da binn ich ihrer meinung.
Ich hätte mir schon früher mit einen Beitrag zu den Bauernprotesten gewünscht aber Rein nur auf diese aktionen einzugehen und die proteste nur in dieses licht zu färben finde ich sehr fraglich.
Mit freundlichen Grüßen ein langjähriger Hörer ihres Podcasts
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Ich habe in den 80ern meine Ausbildung bei einer Raiffeisenbank abgeschlossen und arbeite bis heute dort. Viele Bauern sind unsere Kunden. Eigentlich müsste ich sagen, „Beiß nicht die Hand, die Dich füttert“, aber ein paar Sachen möchte ich schon loswerden.
Die Bauern habe auch damals schon gejammert. Polemisch gefragt: Wenn sich eine Branche seit 40 Jahren nicht mehr lohnt, warum werden die Höfe dann bis heute weitergeführt?
In der Praxis sieht es oft aus:
Der alte Bauer hört auf und bezieht eine Rente. Die nächste Generation hat studiert oder einen anderen Beruf gelernt. Die Geschwister gründen eine GBR und diese GBR führt den Hof auf dem Papier weiter. Dadurch bezieht man weiterhin die staatlichen Subventionen. Es geht ja nicht nur um den Diesel. Am Ende des Jahres erhält jeder Hof eine massive Förderung, das sind oft fünfstellige Beträge. (Übrigens wird der Diesel nicht nur für die Traktoren verwendet. Selbstverständlich fährt die ganze Familie Diesel PKWs und tankt subventionierten Diesel.) Faktisch führt der alte Bauer den Hof weiter. Wenn er mehr nicht alle Äcker bewirtschaftet, verpachtet man die Flächen und erzielt dadurch Einnahmen. Auch ein Milchkontingent kann man weitergeben und dadurch Geld einnehmen.
Die Bauern jammern immer über das Höfesterben. Ich finde, das ist falsch formuliert. Selbst wenn ein Hof aufgegeben wird, liegen die Flächen ja nicht brach. Sie werden verkauft oder verpachtet und jemand anderes beackert sie. Klingt zwar neoliberal, aber in anderen Branchen ist es auch so. Wenn sich ein Betrieb nicht mehr rentiert und aufgegeben wird, gehen die Kunden woandershin.
Ich finde jeder Frisör, jeder Einzelhändler hätte das gleiche Recht, so massiv zu protestieren. Während der Pandemie hat man ihnen die Läden geschlossen. Ja, es gab Ausgleichszahlungen, aber der eine oder andere Betrieb musste dennoch schließen. Hat man die Frisöre jammern hören?
Viele Grüße und ein schönes Wochenende.
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Sehe ich genauso. Ich fände es gut wenn die LdN sich dem Thema mal tiefgründiger annehmen würde. Vielleicht auch mit einen Vertreter der Bauern im Interview.
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„Die deutsche Agrarlobby: verfilzt, intransparent und wenig am Gemeinwohl orientiert
NABU-Studie legt Lobbynetz des Deutschen Bauernverbands offen“ NABU-Studie legt Lobby-Netz des Deutschen Bauernverbands offen - NABU
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Ganz großartige Koalition…
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klusvet
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Der Bauernverband ist verfilzt und eher ein Interessenverband der Agra-Industrie. Dessen mangelnde Glaubwürdigkeit hat neue Interessensvertretungen der Landwirte ermöglicht. Dazu gehört z.B. der LSV. Dieser Verein sympathisiert ganz offen mit der AfD. Das offizielle Sprachrohr des LSV ist ein Anthony Lee, der bei AfD Veranstaltungen als Gastredner auftritt und als Vortragsreisender in ganz Deutschland unterwegs ist. Der bedient sich nationalistischer und rassistischer Narrative wie z.B. der Umvolkung, die ein Instrument wäre die deutschen Landwirte von ihrem angestammten Grund und Boden zu vertreiben. Die besonders aggressiv auftretenden Demonstranten unter den Landwirten (Galgen als Symbol, brennende Autoreifen, Gülle und Mist vor Ministerien, Bedrohung von Politikern, Verhinderung der Auslieferung von Zeitungen u.v.m.) kommen aus dem Umfeld des LSV. Wer die Symbolik und das aggressive Auftreten vieler Landwirte in den letzten Wochen beobachtet hat, kann deutlich erkennen, dass von einem Staatspusch von rechts geträumt wurde und es schon lange nicht mehr um die 21 Cent ging.
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Matder
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Ein neuer Tiefpunkt?
Edit:
Ich meinte vor allem dieses Detail:
Auch 12 Stunden nach Beginn einer illegalen Traktorblockade der Bundesstraße 5 bei Berlin versperrten Trecker am Montag alle Spuren Richtung Hauptstadt. Zuvor waren laut Polizei fünf Autoinsassen verletzt worden, als ihre Wagen im Dunkeln in Misthaufen auf der Straße krachten.
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Tris
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Leider nein sondern erwartbar von Sicherheitskräften die auf dem rechten Auge gerne blind sind.
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Polizei tut Polizeidinge. Ist ja nicht so als wäre das neu, dass die großteils rechts ticken und das auch in ihren Einsätzen ganz offen raushängen lassen.
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