Mal von Merkel abgesehen, waren Merkel I bis IV denn mit 20 % Menschen aus den neuen Bundesländern besetzt? Offene Frage, ich habe nicht nachgezählt.
Ehrlich gesagt ist mir diese Repräsentationsfrage auch zuwider. Aber wenn Menschen mit völlig anderem soziokulturellem Background, viel besseren finanziellen Möglichkeiten, stärkeren wirtschaftlichen Strukturen und ohne die massive Umbruchserfahrungen der 1990er Jahre, die für viele ehemalige DDR Bürger als Demütigung erfahren worden sein muss, regelmäßig den „Ossis“ Demokratie und die Welt (v)erklären, dann finde ich das doch zuweilen sehr anmaßend.
Ich glaube kaum, dass schon mal ein Mensch, der in den alten Bundesländern aufgewachsen ist, von einem ostdeutschen Chef im Bewerbungsgespräch gefragt wurde, ob er nicht lieber bei sich bleiben wolle, ob er denn die Industrieunternehmen seiner Heimat nicht kenne und doch bitte dort bleiben solle.
Ich habe das dagegen bei der BASF (Ludwigshafen) im Jahr 2017 so erlebt. Ich solle mich doch bei Wacker in Dresden oder Total in Leuna bewerben und im Osten bleiben. Wohlgemerkt, das habe ich gehört noch bevor(!) das Gespräch fachlich losging.
Das schlimme daran, der Teamleiter war kaum über 40.
Oder ein ehemaliger Kommilitone hat sich nach dem Abi für ein duales Studium bei der Polizei in einer westdeutschen Landespolizei qualifiziert. Sein Vorgesetzter habe ihm kurz nach Beginn der Ausbildung gesagt, dass er keine Ossis im Team haben wolle und er ihm zwangsweise zugeteilt wurde. Er würde aber nicht lange bleiben.
Wenige Wochen später wurde meinem späteren Kommilitone gekündigt. Ihm wurde Urkundenfälschung vorgeworfen, da er eine Bescheinigung seines Vermieters als Kopie abgegeben hatte und nicht im Original. Das war 2005. Er hat dann etwas anderes studiert.
Ja das ist anekdotisch und sicher ebenso wenig repräsentativ für die Westdeutschen wie das Rassistenlabel für Ostdeutsche. Aber solche Erlebnisse prägen leider. Ich bin aber überzeugt, dass es mit der Zeit besser wird.