Nur hat er ja eine Aussage der Lage, die seine These kaum stützte, herausgegriffen um daraus „ein Fass aufzumachen“. Ulf und Philip haben nämlich in der Lage überhaupt nicht dazu aufgerufen, immer, ausnahmslos und wegen jedem kleinen Infekt zu Hause zu bleiben. Sie haben lediglich festgestellt, dass sie keine Lagefolge aufnehmen, wenn einer von ihnen krank ist. Nirgendwo wurde erwähnt wie „schwer“ diese Krankheit war.
Schön, dass du in der Diskussion nur einen Fachexperten (den Themenersteller…) findest, obwohl durchaus mehr als einer unterwegs war…
4 „Gefällt mir“
Zur Diskussion möchte ich folgenden Aspekt beitragen: Bei den meisten Atemwegsinfektionen ist die Gefahr Ansteckung anderer Personen VOR Ausbruch der Erkrankung am höchsten und sinkt mit dem Auftreten von Symptomen („Abwehrreaktion“) drastisch ab. Es ist deshalb meiner Ansicht nach nicht gerechtfertigt, jeden der mit einfachen Infektsymptomen wie zum Beispiel Schnupfen zur Arbeit geht als verantwortungslose Virenschleuder ab zu qualifizieren. Vor diesem Hintergrund ist es zur Vermeidung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten wenig erfolgversprechend, wenn jeder vom ersten Anzeichen bis zur vollständigen Symptomfreiheit jeden Kontakt meidet, in Familien mit Kindern ja auch ein Ding der Unmöglichkeit.
Wirksam gegen die Ausbreitung ist dagegen eine gesunde Lebensweise: Gesunde Luft, gesunde Ernährung und vieles andere mehr…
Michael Parys
Stuttgart
1 „Gefällt mir“
Halte ich für nicht ganz korrekt.
Die meisten Atemwegserkrankungen sind um den Zeitraum des Auftretens der stärksten Symptome am ansteckendsten, daher kurz vorher und kurz nachher.
Daher kann man durchaus sagen, dass man ein paar Tage nach Symptombeginn (also mit abklingender Symptomatik) vermutlich relativ sicher „unter Menschen“ gehen kann, aber ein Restrisiko bleibt auch hier. Ob dieses Restrisiko im Hinblick auf die gesellschaftlichen Schäden akzeptabel ist, ist letztlich eine Bewertungsfrage.
LeoWom
27
Da hast du in beiden Fällen recht.
Trotzdem war es doch so, dass beide Interpretationen möglich waren und es in eine schwarz- weiß Diskussion abgeglitten ist.
Um es nochmal zu verdeutlichen was der Kollege möglicherweise gemeint hat:
Die Kinderbetreuung ist heutzutage stark eingeschränkt. Früher war das anders. Das liegt daran, dass
a) Kinder mit kleinsten Schnupfen daheim bleiben müssen
b) die Betreuung es genauso macht und bei einer fehlenden Person sofort die ganze Gruppe geschlossen wird
Kennt das jemand anders?
Google: Wann ist die Infektionsgefahr am größten: Antwort: Das Ansteckungsrisiko ist in der Zeit kurz vor und nach Symptombeginn am größten und wird im Laufe der Erkrankung geringer…
Das entspricht meiner 30-Jährigen Erfahrung als niedergelassener Arzt in Stuttgart
Michael Parys
Stuttgart
Da sind wir uns doch weitestgehend einig, da die stärksten Symptome meist zu Beginn kommen (wenn der Körper mit einem neuen Erreger konfrontiert ist und die Immunabwehr richtig getriggert wird). Aber gut, meinetwegen streich das „stärkste“ 
Daher bleibt es doch dabei:
Oder bestreitest du das „Restrisiko“, gehst also davon aus, dass mit einer abklingenden Restsymptomatik gar kein Ansteckungsrisiko mehr besteht?
Nein, das bestreite ich natürlich nicht. Ich halte es nur für unverhältnismäßig und auch schädlich, hinter jeder Ecke dieses Infektions-Restrisiko durch andere zu erkennen, welches eh und je nicht ganz vermieden werden kann: Man kann andere Menschen auch infizieren, obwohl man selbst gar keine Symptome hat. Ein vernünftiges soziales Zusammenleben wird durch eine kategorische „Restrisikovermeidung“ erheblich gestört.
2 „Gefällt mir“
Ich denke, wir sind uns da grundsätzlich einig.
Wie gesagt, wie viel Restrisiko verhältnismäßig ist, bleibt eine Bewertungsfrage. Dabei abzuwägen sind die Schäden durch Arbeitsausfall, wenn geringfügig-infektiöse Menschen der Arbeit fernbleiben, und Schäden durch Arbeitsausfall, wenn geringfügig-infektiöse Menschen andere doch anstecken, die dadurch der Arbeit fernbleiben (müssen).
Ab welchem Restrisiko der eine Schaden den anderen überwiegt ist dabei die große Frage, die man vermutlich von Erreger zu Erreger und Immunsystem zu Immunsystem (also Mensch zu Mensch) unterschiedlich beantworten müsste. Eine allgemeine Regel ist auf Grund dieser Komplexität nur schwer aufzustellen.
Dadurch wird das Ganze eher zur Glaubensfrage. Dabei sind die Extrempositionen „Immer zur Arbeit, wenn man nicht gerade bettlägerig krank ist“ auf der einen Seite und „Schon beim kleinsten Krankheitssymptom nicht zur Arbeit, am besten selbst nach Abklingen der Symptome noch mal zwei Tage warten, um bloß kein Risiko einzugehen“ auf der anderen. Irgendwo dazwischen wird der sinnvollste Weg liegen 
1 „Gefällt mir“
Das stimmt nicht, ich bezog mich auf mehrere Aussagen dieser Art, nicht auf nur eine. Auch beziehe ich mich überhaupt nicht auf die Krankheiten der beiden, diese gehen mich überhaupt nichts an, darüber würde ich nicht urteilen. Es geht um ihre als allgemeingültig getätigten Aussagen.
Übrigens. Ich glaube es war Ende der Neunziger, als es in Deutschland immer wieder große Diskussionen gab zum Thema „blau machen”. Irgendwelche Studien haben damals herausgefunden, dass es in Deutschland eine besonders große Bereitschaft dafür geben soll. Es wurde immense wirtschaftliche Schäden ausgerechnet. Natürlich ist das eigentlich hier gerade nicht das Thema. Verdeutlicht aber schon, dass die Eigenverantwortung vieler Arbeitnehmer nicht immer nur die allerbeste. Das zum oben angeklungenen Thema „wer bleibt schon unnötig zu Hause?”
Ich denke, die Kritik an der Pauschalität der Aussage ist angekommen. Ich persönlich würde es auch weniger absolut ausdrücken, daher eher als Tendenz: „Im Zweifel lieber einen Tag länger zu Hause bleiben als einen Tag zu früh zurückkehren“. Ich denke, das war im Kern auch gemeint.
Von „blau machen“ reden wir doch hier nicht, oder? Also unter „blau machen“ verstehe ich eher das bewusste und vorsätzliche „schwänzen“ der Arbeit, wohl wissend, dass es dafür keinen medizinischen Grund gibt.
Ansonsten sind Statistiken in dem Bereich auch tückisch. Hier z.B. wurde 2017 darüber berichtet, dass Deutschland laut OECD Vize-Weltmeisten im Hinblick auf Krankentage sei.. Problem dabei ist, dass nicht klar ist, ob das an zu vorsichtigem oder zu unvorsichtigem Verhalten liegt, da beides möglich ist. Daher: Wenn immer alle krank zur Arbeit kommen kommt es zu mehr Infektionen und damit mehr berechtigten Fehltagen wegen krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit der unzähligen Kranken. Wenn immer alle beim kleinsten Symptom der Arbeit fernbleiben kommt es auch zu vielen Fehltagen.
Die haben in den 90ern halt alle vor dem Fernseher gesessen und Jan Ullrich dabei zugesehen, wie er in viel zu großem Gang die Alpen hochfährt - und dann später „the hard way“ gelernt, welche Enttäuschungen es produziert, wenn man Selbstausbeutung als ‚Motivation‘ und ‚Aufopferung‘ adelt.
Im Ernst: Mir scheint es da relativ starke Einigkeit zu geben, dass Arbeitnehmer:innen einerseits in signifikantem Maße dazu neigen, trotz gesundheitlicher Beschwerden zur Arbeit zu kommen. Und ebenso ist man sich relativ einig, dass diese Bereitschaft ein betriebs- und volkswirtschaftliches Problem darstellt. Ebenso ist - wenngleich in der Höhe unterschiedlich beziffert - relativ klar, dass die Folgen von „Präsentismus“ mehr Kosten verursachen als sie einsparen. Neben Ansteckungen und langfristigen Ausfallzeiten wäre hier auch zu berücksichtigen, dass Arbeitnehmer:innen, die nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, häufiger Fehler machen - gerade im Gesundheitswesen sicher kein zu unterschätzender Faktor.
Über die Gründe herrscht auch weitgehend Einigkeit. Insbesondere schlechte Führungskultur spielt hier eine Rolle. Wenn Vorgesetzte also selbst sichtbar krank zur Arbeit erscheinen, Arbeitnehmer:innen „ermuntern“, trotz Krankheit zu arbeiten oder ihnen pauschal unterstellen, dass sie gerne „blau machen“ und es mit ihrer Arbeitsbereitschaft nicht weit her ist, dann führt das eher zu mehr als zu weniger krankheitsbedingten Fehlzeiten. Empfohlen wird hingegen eine Unternehmenskultur, die Vorgesetzte und Kolleg:innen dazu anhält, Selbsteinschätzungen zu vertrauen oder Angestellte auch mal nach Hause zu schicken, wenn sie krank zur Arbeit kommen.
1 „Gefällt mir“
Häufigste Gründe für Krankschreibung 2019
Demnach entfallen 21% aller Krankmeldungen auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, 17% auf psychische Erkrankungen und 4% auf Infektionserkrankungen.
So groß war das Problem also vor corona wohl gar nicht.
Aber in der Pflege sind die Krankheitstage tatsächlich besonders groß: Pflegende waren 2021 durchschnittlich 6,1 Tage länger krank als andere Arbeitnehmer
folgt man den Gesundheitsreports der Krankenkassen in den vergangenen Jahren, waren Pflege-Beschäftigte auch schon vor Corona überdurchschnittlich häufig krank. Das Corona-Jahr 2020 hat die Lage nur weiter verschärft. Die Ursachen für die höhere Krankheitsanfälligkeit liegen auf der Hand: Es sind der chronische Personalmangel in der Pflege und die schwierigen Arbeitsbedingungen, die krank machen. Viele Pflegende arbeiteten bereits vor Corona am Limit – und das bei wenig gesellschaftlicher Anerkennung.