Armutsgefährdung und Armut werden am Median des Nettoäquivalenzeinkommens gemessen, nicht am arithmetischen Mittel. Aktuell betrifft das 15,1% der Bevölkerung, die unter 60% des Mediannettoäquivalenteinkommens zur Verfügung haben.
Würde man die Löhne dieser untersten 15,1% der Bevölkerung so weit erhöhen, dass sie zumindest 60% des Mediannettoäquivalenzeinkommens hätten, hätte dies rechnerisch keine Auswirkungen auf den Median, wohl aber auf das arithmetische Mittel (welches genau deshalb hier nicht genutzt wird).
Auswirkungen auf das Mediannettoäquivalenzeinkommen hätten nur Lohnänderungen, die in die Mitte vordringen, daher Lohnänderungen unterhalb des Medians, die dazu führen, dass Menschen plötzlich mehr als den vorherigen Median verdienen.
Als Erklärung für diejenigen, denen der Mathe-Unterricht nicht mehr geläufig ist (alle anderen einfach überspringen ^^)
Als Beispiel mal eine Gruppe von 11 Leuten und deren Einkommen auf einer Skala von 1 bis 10.
2 2 3 4 4 5 6 6 7 8 9 (Median 5, ⌀ 5,09)
Würden wir nun die beiden 2en, die nur 40% des Median zur Verfügung haben (2 = 40% von 5), auf 3 anheben, hätten wir weiterhin einen Median von 5:
3 3 3 4 4 5 6 6 7 8 9 (Median 5, ⌀ 5,27)
Nun verdient niemand mehr weniger als 60% des Medians, während der Median selbst sich nicht ändert. Würde man hingegen statt der 2er einen der 4er auf 6er hochstufen, hätten wir folgenden Fall:
2 2 3 4 5 6 6 6 7 8 9 (Median 6, ⌀ 5,27)
Das arithmetische Mittel würde sich ebenso erhöhen wie im vorherigen Fall, aber hier würde auch der Median einen „Sprung“ von 5 auf 6 machen.