Na an die Weltkriegsparallelen kann ich mich 2014 nicht erinnern. Für mich ist der Unterschied zu heute, dass 2014 die Lage unübersichtlicher war. Das berichteten mir damals auch ukrainische Freunde (Studenten in Deutschland aus der Region Donezk). Es war sogar so kompliziert, dass diese über massive Risse in ihren Familien im Laufe des Konflikts klagten, da der eine Teil eher dem Westen nah stand, der andere aber eher eine enge Anbindung zu Russland befürwortete.
TLDR: Die Situation 2014 war unübersichtlich. Viele Ukrainer fühlten sich Russland verbundener als der EU. Daher fühlten sie sich von der Euro-Maidan Bewegung und der daraus hervorgegangenen, neuen, weitgehend antirussischen Regierung nicht repräsentiert. Nicht einfacher dürfte es für die EU gewesen sein, dass diese Regierung maßgeblich durch rechtsextreme (Rechte Sektor) an die Macht kam.
Erinnern wir uns an die Zeit des Konflikts. 2013 war Wiktor Janukowitsch in der Ukraine an der Macht, der aufgrund zahlreicher Skandale in seiner Regierung unbeliebt ist. Zu diesem Zeitpunkt war die Ukraine auf dem Weg zu einem, in der Ukraine umstrittenen, EU-Assoziierungsabkommen. Eine Hälfte der Ukrainer wollte eine Annäherung an den Westen, die andere Hälfte an Russland.
Plötzlich und unerwartet kippt Janukowitsch das Assoziierungsabkommen und verkündet, in Erwartung günstiger Energie-Verträge, die Ukraine wieder stärker in Richtung Russland auszurichten. Das war der Tropfen, der das Fass der EU-freundlichen Ukrainer zum Überlaufen bringt. Der Euro-Maidan beginnt. Dabei ist zu bemerken, dass EU-Befürworter (vor allem die Menschen im Westen des Landes) und Russland-Freunde (vor allem Menschen im Osten) sich die Waage halten, am Ende aber die westliche Bewegung, unterstützt durch rechts-nationalistische Gruppen (bspw. der Rechte Sektor) sich durchsetzt.
Janukowitsch flieht nach Russland, bevor ihm ein Schauprozess gemacht wird, ein erklärter antirussischen Politiker (Jazenjuk) wird neuer Präsident und missachtet die von der EU vermittelte Einigung der Schaffung einer Regierung der nationalen Einheit, indem er russlandfreundliche Parteien nicht ins Kabinett aufnimmt. Kurze Zeit später putschen grüne Männchen der russischen Schwarzmeerflotte auf Landurlaub sich auf der Krim an der Macht (wer’s glaubt) und russlandfreundliche Separatisten (nicht russische Panzer) spalten die Regionen Donezk und Luhansk ab.
Ohne Frage ist die Annexion der Krim völkerrechtswidrig. Bei der Abspaltung der Oblaste Donezk und Luhansk ist es aber schwierig, da Russland dort „nur“ Separatisten unterstützt und nicht selbst mit schwerem Gerät kämpft (ebenso wie an anderer Stelle kurz zuvor die Nato-Staaten in bspw. Syrien).
Auf der anderen Seite steht die Regierung eines Landes, mit riesigem Korruptionsproblem, die von den Menschen in der Ostukraine nicht unterstützt, dafür aber von Neonazis unterstützt wird. Nachvollziehbar, dass die nicht everybodies Darling ist.
In Anbetracht dieser unübersichtlichen Situation kann ich Frau Merkel sehr gut verstehen, dass sie das Minsker Abkommen mitverhandelt hat.