An diese Bezeichnung erinnere ich mich nicht. Ich erinnere mich allerdings daran, dass auch die FDP ziemliche Skrupel hatte, mit einer massiv abgestürzten CDU und einem völlig demontierten Armin Laschet zu koalieren. Zumal die Partei hinter Laschet damals in der Frage der Regierungswilligkeit recht zerstritten war. Das war schon ein anderes Kaliber als die Verluste der Giffey-SPD.
Da dürfte was dran sein. Der Berliner Landesverband der Linkspartei um Klaus Lederer, Anne Helm u.a. dürfte allerdings so putinfern sein, wie kaum ein anderer Landesverband. Das Problem der CDU ist im Gegenzug, dass der Berliner Landesverband so ‚konservativ‘ ist wie kaum ein zweiter - und die Hürden für mögliche Koalitionen zB mit den Grünen im Wahlkampf immens hoch gelegt hat.
Lieber Philip, lieber Ulf,
ich finde euere Analyse der Berlinwahl wieder gut und ausgewogen. Ich finde allerdings, dass ihr einen Aspekt auslasst, den auch die meisten Zeitungen weitestgehend ignoriert haben, ihr aber bei der letzten Berlinwahl ausgeführt habt:
Das Ergebnis der kleinen Parteien von 9,0%
Ihr argumentiert ähnlich wie die großen Tageszeitungen, dass die Grünen in der Mitte einiges verloren / nicht abgerufen hätten, da sie zu progressiv (Auto hassend) aufgetreten seien. Das mag zum Teil auch stimmen. Aber es stimmt auch, dass Tierschutzpartei (2,4%) und Klimaliste (0,3%) und meinetwegen ÖDP (0,1%) ca. 2,8% vereinen, denen die Grünen wohl nicht progressiv genug waren. Hätten nur paar wenige dieser die Grünen gewählt, würden wir über ein anderes Ergebnis diskutieren.
Olaf.K
18
Das ist aber genau der Punkt.
Wegner hat das Vorrecht zu Verhandlungen, das war’s dann aber.
Das ist so ziemlich der einzigste Punkt den du in deiner ganzen Argumentation hast.
Niemand kann aus dem Wahlergebnis herausdeuten welche Verhandlungen zum Ziel führen müssen.
Achtung, hier kommt ein Hufeisen:
„Bei der Wahl zur hamburgischen Bürgerschaft 2001 war die CDU mit über 10 % Abstand zweitstärkste Kraft, hatte noch dazu selbst Stimmen verloren und brauchte eine Dreierkoalition.“
https://twitter.com/Lenny_du_Nord/status/1626157091059601408?ref_src=twsrc^tfw|twcamp^tweetembed|twterm^1626157091059601408|twgr^eb1ed28867419ad7dc6ddc7ec6648314dc4a4ad6|twcon^s1_&ref_url=https%3A%2F%2Fuebermedien.de%2F81526%2Fkein-grund-schwarz-zu-sehen-oder-was-ist-nochmal-eine-mehrheit%2F
Die ödp ist öko-konservativ. Denen sind die Grünen garantiert nicht zu wenig progressiv… Bei Klimaliste und Tierschutzpartei wird der entscheidende Faktor auch weniger die gesellschaftliche Progressivität der Grünen sein, sondern eher die den WählerInnen fehlende Kompromisslosigkeit im Einstehen für Tier-/ Umwelt- &Klimaschutz.
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Veche
20
Ich würde das ja auch so sehen, aber das Gerede von einem angeblich ganz klaren Regierungsauftrag für die CDU kommt von deren Berliner Spitzenkandidaten 
Veche
21
Man könnte auch die Frage stellen, wie seriös es ist, ausgerechnet dem Berliner Landesverband der Linkspartei „Putinnähe“ zu attestieren. In Berlin kriegt ja schon ein Ortsverein richtig Beef mit dem Landesverband, wenn er es cool findet, eine Wahlkampgkundgebung mit Wagenknecht zu machen.
Völlig jenseits von (partei-)politischen Präferenzen frage ich mich allerdings, seit wann denn der Trend einer Partei (also die Frage, ob sie im Vergleich zur vorherigen Wahl Stimmenanteile oder Mandate gewonnen oder verloren hat) ernsthaft als moralisches Argument angeführt wird. So weit ich mich erinnern kann, kam dieses Argument immer nur von schlechten Verlierern, und zwar meist in genau dersleben Situation in der die CDU in Berlin jetzt ist. Das war schon zu Beginn der sozialliberalen Koalition im Bund 1969 so.
Tris
23
Kannst du auch sachlich schreiben? Dieses Forum ist nicht die Bildzeitung und dein Niveau ist gerade extrem weit unten.
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Olaf.K
24
Du musst mal versuchen mir zu erklären, warum es für die Ampel im Bund besser laufen sollte, wenn der regierende Bürgermeister ein Konservativer wird.
Ansonsten lässt sich von außen sagen, dass die FDP selbst schuld ist an ihren miserablen Wahlergebnissen.
Und in Berlin ist sie ja auch aus dem Parlament geflogen. Muss jetzt nochmal gewählt werden damit die FDP wieder rein kommt um die Bundesampel zu retten?
vanbonn
25
Glückwunsch zur aktuellen Lage.
So gut mir die kurze Analyse der Berlinwahl gefallen hat, so war ich über den Anfang überrascht.
Ihr sagt da, dass viele Menschen, die in Berlin leben, gar nicht wählen konnten. Daher sei anzunehmen, dass prozentual noch sehr viel weniger Menschen in Berlin CDU gewählt/ gewollt haben.
Das stimmt aber nur, wenn man annimmt, dass diese Menschen komplett anders gewählt hätten, als die, die Ihre Stimme abgegeben haben.
So sehr ich das auch hoffen mag. Rein Statistisch eher unwahrscheinlich.
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Diese Aussage habe ich schon öfters gehört. Ich frage mich immer, ob man diese Aussage auch im Bezug auf die AfD gelten lassen würde.
Zum Beispiel, wenn die CDU mit einem (vermeintlich) gemäßigten Orts- oder Landesverband koalieren würde.
Ich denke nicht, dass man hier dann eine Unterscheidung vornehmen würde.
Dem stimme ich zu, ob sich RGR damit einen Gefallen tut, werden wir dann alle sehen 
vanbonn
28
War auch nicht als „Legitimität In Zweifel stellen“ zu verstehen. Das auf keinen Fall.
Aber die Behauptung, dass der Prozentsatz der Wähler einer Partei XYZ in der Gesamtpopulation (inkl. aller, die nicht wählen durften) anders und insb. geringer sei, als bei dem repräsentativen Querschnitt, der in der Wahl zum Ausdruck kommt, wurde aufgestellt.
Und da schreit mein innerer Statistik-Monk laut auf.
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Veche
29
Der Vergleich hinkt gleich doppelt: Erstens basiert er ganz im Sinne der Hufeisen"theorie" auf der Annahme, dass zwei Parteien an den Rändern des parlamentarischen Spektrums ja irgendwie gleich „extrem“ sein müssen. Aber eine inhaltliche Grundlage für diese Annahme gibt nicht, zumindest nicht, wenn man so Dinge wie Verfassungstreue, Menschenrechte etc. als Maßstab nimmt und nicht nur das eigene subjektive Empfinden. Man mag die Forderungen nach Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen und Vermögenssteuer nicht mögen, aber verfassungswidrig sind sie nicht. Und selbst an den Punkten, wo es inhaltliche Überschneidungen gibt (wie zum Beispiel die Haltung zu Russland) liegen immer noch weltanschauliche Welten zwischen AfD und Linkspartei.
Zweitens gibt es - wiederum gemessen an den tatsächlich vertretenen politischen Positionen - bei der AfD einfach nicht dieselben parteiinternen Differenzen wie in der Linkspartei - beispielsweise zwischen Wagenknecht und der Berliner Linkspartei. Selbst wenn man sagt, dass Höcke oder Tillschneider wie Wagenknecht sind - wer ist dann der Lederer der AfD? Bernd Lucke wäre das vielleicht gewesen, aber der ist eben seit fast acht Jahren nicht mehr in derselben Partei.
Das alles sage ich ausdrücklich als jemand, der keine der beiden Parteien besonders mag.
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Veche
30
Spätestens wenn Du auf Variablen wie Bildung, Einkommen und sozialen Status kontrollierst, ist es m. E. nicht mehr berechtigt, vom Wahlverhalten der Wählenden auf das der Nichtwähler:innen und nicht Wahlberechtigten zu schließen. Aber dem Statistiker ist das ja sicherlich klar 
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vanbonn
31
Absolut. Das ist es ja gerade. Jede Annahme über das Wahlverhalten von nicht abgegebenen Stimmen, wäre Glaskugelschauen.
Übrigens ebenso wie die Annahme, dass die in der Folge angesprochenen Menschen in Berlin, die nicht wählen können, alle den gleichen Bildungs-, Einkommens-, oder Kultur-Hintergrund haben.
So wurde das doch gar nicht gesagt. Im Gegenteil meine ich mich zu erinnern, dass sogar erwähnt wurde, dass SPD und Grüne ja sogar entsprechend noch weniger Prozente hätten.
Ging halt generell darum, dass die „Regierungsmehrheit“ nur bei etwas über 20% der Bevölkerung liegt, aber der Politikbetrieb macht einfach weiter und zieht nicht einmal in Erwägung, darüber zu diskutieren ob das so wünschenswert ist. (Gleichzeitig dann immer gerne genommenes Argument gewisser Parteien, um Volksentscheide zu delegitimieren: Da haben ja nur X % abgestimmt!!11)
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Tris
33
Im Prinzip ist die CDU selbst schuld, dass sie wahrscheinlich nicht regieren wird. Sie hat einen sehr populistischen und fragwürdigen Wahlkampf geführt. Warum sollte also eine andere Partei nun mit so jemanden zusammen arbeiten wollen? Ich finde das ist auch ein wichtiges Zeichen für den Bund und gegen diese widerlichen hetzerischen und faktenfreien Wahlkämpfe, die besonders gern von der Union und ihren Partnern geführt werden.
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Ich finde es hart zu sagen, dass der Wahlkampf der CDU zu populistisch und fragwürdig war und sie deswegen keinen Koalitionspartner findet.
Man muss nämlich schon sagen, dass sie einen harten Wahlkampf gegen den aktuellen Senat geführt haben und die darin sitzenden Parteien. Auch mit teils „fragwürdigen“ Zügen (Vornamen…). Man muss aber auch einsehen, dass dieser Wahlkampf sehr erfolgreich war. Auch weil die Grünen (mal wieder) einen schlechten Wahlkampf gemacht haben, der sich viel an die eigene Bubble gerichtet hat. Wurde auch im Podcast erwähnt.
In der Hinsicht bin ich bei Martin Machowecz:
„Die CDU steckt über Berlin hinaus in der Klemme. Weil sie aus guten Gründen nicht mit der AfD koalieren kann und weil die FDP sich Woche für Woche weiter verzwergt, braucht sie Grüne oder SPD zum Regieren. Aber soll die Lösung sein, dass die CDU wie eine linke Partei spricht? Dann fände sie vielleicht Koalitionspartner, aber keine Wähler. Die gingen, jede Wette, in Scharen zur AfD.“
Quelle: ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder im PUR-Abo. Sie haben die Wahl.
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Tris
35
Und diese Züge sind eben für viele Parteien ein Ausschlusskriterium. Es ist schon auch ein Zeichen von wehrhafter Demokratie, dass Parteien nicht jeden Schmutz ertragen müssen und koalieren müssen. Ich komm mit Neuwahlen besser zu recht, als wenn da nur der Macht Willen Koalitionen mit fragwürdigen Partner geschlossen werden. Und nur weil Ihr liebster Partner sich zu Recht ins Nirvana verabschiedet, müssen doch nicht die linkeren Parteien um eine Koalition mit der Union betteln. Ich denke schon, dass die Union sich auch anbieten muss wenn Sie nicht dauerhaft Opposition sein will.
Das die Grünen keinen Wahlkampf können wird sich wohl nie mehr ändern, da bin ich ganz be dir.