Ich denke die Zweitstimme ist sehr viel wichtiger als die Erststimme und es darf auf keinen Fall zu gunsten der Erststimme geopfert werden, dass die Verteilung im Bundestag nicht mehr den Zweitstimmen entspricht. Von daher lieber die Erststimme komplett rausschmeißen.
Zur Erststimme: Deutschland ist kein Zusammenschluss aus Wahlkreisen. Das heißt bei der Bundestagswahl sollte man nicht für regionale Interessen stimmen, sondern für Interessen, die man als Bundesbürger hat. Wenn man regionale Interessen umgesetzt werden sehen möchte, sollte man zu Kommunalwahlen und Landtagswahlen gehen. Des Weiteren, wenn man den Herrn Loos aus der Lage Folge als Beispiel nimmt, gerade mal 25% haben für ihn gestimmt, das heißt 75% haben nicht für ihn gestimmt, und z.B. die Grünen Wähler, die nicht für ihn gestimmt haben, vertritt er auch nicht. Wenn die zu ihm kommen und sagen, sie hätten gerne ein Tempolimit, würde der sagen „schön für euch“. Das heißt auf ganz Deutschland betrachtet haben sehr wahrscheinlich weniger als 50% der Einwohner einen direkten Abgeordneten, der ihre Interessen vertritt.
Es gibt nur einen Vorteil, den ich bei direkt Abgeordneten sehe, sie können sich etwas mehr gegen ihre Partei stellen und sind etwas mehr ihren Wählern verpflichtet, als Listenkandidaten. @Daniel_K hat ja aber auch schon drauf hingewiesen, dass das nur beschränkt gilt.
Zum Vorschlag der Ampel: Auch wenn ich nicht der größte Fan von direkten Abgeordneten bin, muss ich sagen, kann ich den Kritikpunkt der Union verstehen. Weil, wenn man schon davon ausgeht, dass es einen Vorteil hat einen direkten Abgeordneten zu haben, dann sollte man diesen Vorteil auch allen Bürgern geben. Und um da nochmal auf die Lage Folge einzugehen, ich denke nicht, dass es das Gleiche ist, ob man einfach nur einen Abgeordneten aus München hat oder einen direkt gewählten Vertreter. Der direkt gewählte Vertreter ist viel mehr davon abhängig regionale Interessen zu vertreten, als es der Abgeordnete ist, der nur zufällig aus München kommt. Auch find ich die Argumentation nicht gut, dass es ja die richtigen Wahlkreise treffen würde, sowas find ich einfach undemokratisch. Auch der find ich es falsch zu sagen, dass auf den hinteren Listenplätze sich junge, diverse Leute befinden und deswegen sollte man den Bundestag größer machen. Das geht erstens zu sehr in die Richtung, ich mach mir das Wahlsystem so, dass die Ergebnisse rauskommen die ich haben will und zweitens wäre das ja nur Symptombekämpfung und nicht Ursachenbekämpfung.
An sich hab ich aber auch keine Vernünftige Idee wie man das Wahlrecht reformieren könnte. Ich fand das wie @Olaf.K das aus Schweden beschrieben hatte nicht schlecht als Grundlage, wo die Leute direkt Listenkandidaten wählen können. Also man könnte z.B. in jedem Bundesland die Kandidaten aus den Listen wählen. Das hat mehrere Vorteile:
- Der Bundestag hätte eine feste Größe
- Leute könnten direkte Vertreter ihrer Interessen finden, die sie anschreiben können und das in jedem Bundestag und nicht nur in den Jahren, wo ihr Wahlkreis zufälligerweise mal genau so abgestimmt hat wie sie.
- Wenn ein Abgeordneter zu beschäftigt ist, können sie sich wen neues suchen. Ich glaube das könnte für mehr Volksnähe der Vertreter sorgen.
- Abgeordnete könnten zumindest indirekt abgewählt werden
- Der Fraktionszwang würde etwas abgeschwächt erden, sodass es vielleicht nicht mehr reichen würde nur Sigmar Gabriel zu lobbyiere, um die Stimmen der ganzen SPD zu bekommen
Einen großen Nachteil würde ich daran sehen und zwar, dass die Wahlzettel zu groß werden würden.