Das grundsätzliches Argument ist:
Desto mehr legale Waffen es in einer gesellschaft gibt, desto mehr Waffen finden ihren Weg in die Hände von Menschen, die damit nichts gutes im Sinne haben. Nehmen wir Einbrecher - in Deutschland kann man i.d.R. in 50 Häuser einbrechen und wird nicht eine Schusswaffe erbeuten. In den USA hingegen wird man ein ganzes Arsenal an Feuerwaffen finden. Das Resultat ist, dass die Einbrecher schnell bewaffnet sind, selbst wenn der legale Waffenbesitz (oder gar das Führen der Waffen) für sie verboten wäre (z.B. wegen Vorstrafen). Viel legaler Waffenbesitz führt zudem zu einer sehr viel höheren Verbreitung der Verfügbarkeit von Munition, was ebenfalls wieder die Hürden für diejenigen senkt, die nichts Gutes damit im Sinne haben.
Mehr Waffen in einer Gesellschaft sind daher auch dann eine Gefahr, wenn die Gesellschaft es schaffen könnte, den legalen Waffenbesitz auf „zuverlässige Besitzer“ einzuschränken.
Ist das ernsthaft dein Argument? Also das ist wirklich ein Argument, welches ich vom NRA-Sprecher im Fox-News-Interview erwarten würde, aber nicht in einer ernst gemeinten Diskussion.
Also weil ein rassistischer, wahnsinniger Terrorist denkt, dass die Weißen so stark an ihren Waffen hängen und sein Attentat zu Einschränkungen des Waffenrechts führen könnte und er deshalb hofft, dass diese Einschränkungen dazu führen, dass die armen, unterdrückten Weißen eine Revolte anstacheln, um ihre Waffen zu verteidigen, sollte man in vorauseilendem Gehorsam den weißen Wichten ihre Waffen lassen? Das ist das Argument? Ernsthaft?
Diese Argumentation fällt schon rein logisch in sich zusammen:
Entweder man verschärft das Waffenrecht, dann tut man, was der Attentäter gehofft hat, weil der Attentäter hofft, dass das zu Unruhen führt.
Oder man verschärft das Waffenrecht nicht, was den Attentäter ebenfalls freut, weil dann seine dann nicht ganz so wütenden, weißen Waffengenossen weiter Waffen besitzen dürfen.
Ich habe mir nur die Conclusion durchgelesen und da wird einem schon schlecht. Der letzte Satz sagt eigentlich alles über die Einstellung der Autoren:
Es ist so eine krasse NRA-Meinungsmache, das geht auf keine Kuhhaut. Quasi 1:1 das NRA-Gelaber nach jedem Schul-Amoklauf: „Wenn die Lehrer alle Waffen hätten, hätte es nicht so viele Opfer gegeben“. Ja, danke, bin mal kurz kotzen…
Ich gehe daher grundsätzlich nicht davon aus, dass dieses Pamphlet wissenschaftlichen Grundsätzen genügt, da die Autoren ganz offensichtlich nicht unbefangen, sondern mit dem Ziel, etwas darzustellen, an die Sache gegangen sind. Und ja, wenn man lange genug sucht, wird man immer Statistiken finden, die Korrelationen zwischen den absurdesten Dingen bestätigen (z.B. der Klassiker: Storch-Sichtungen und Geburten…).
Was man bei solchen statistischen Betrachtungen auch immer beachten muss ist, dass eine Verschärfung des Waffenrechts immer Jahrzehnte braucht, bis ihre Wirkung sich vollständig entfaltet. Denn diejenigen, von deren Waffenbesitz die größte Gefahr ausgeht, sind i.d.R. die letzten, die ihre Waffen nach Verschärfung des Waffenrechts freiwillig abgeben. Gerade in kriminellen Kreisen werden sich daher noch sehr lange nach der Verschärfung des Waffenrechts unzählige Waffen finden.
Ja, das heißt das im Übergang die unschöne Situation entsteht, dass die „braven Bürger“ ihre Waffen abgeben und die Kriminellen sie behalten werden. Ja, das kann in der Übergangssituation tatsächlich zu mehr Tötungsdelikten führen. Aber die Schuld daran hat nicht die Verschärfung des Waffenrechts, sondern die liberale Haltung zum Waffenrecht davor, die dazu führt, dass überhaupt so viele Waffen zirkulieren. Diesen schwierigen Übergang als Argument gegen Waffenverschärfungen anzuführen ist daher ein Totschlagargument - hier gilt, wie so oft: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.