Diese Bilder der Braunkohlebagger eignen sich natürlich prima für eine den Fakten nicht entsprechende Darstellung. Ja, wir fördern in Deutschland Braunkohle, die wird oberirdisch mit gigantischen Baggern gefördert. Das gibt tolle Bilder von zerstörten Landstrichen, die wie nichts anderes für Umweltzerstörung stehen.
Aber den 150 Mio Tonnen Braunkohle, die in Deutschland im Jahr gefördert werden, stehen z.B. über 3,5 Milliarden Tonnen Steinkohle gegenüber, die in China jährlich unterirdisch gefördert wird. Das gibt keine so tollen Bilder, ist aber im Hinblick auf das CO2 weit problematischer.
Also die Tatsache, dass der Braunkohletagebau die martialischeren Bilder liefert bewusst missbrauchen zu wollen, um den Anschein zu erwecken, als sei dies das größere Problem, erscheint mir fragwürdig. Ja, Kohle ist doof, ja Braunkohlebergbau erzeugt die „grausameren“ Bilder als Steinkohlebergbau, aber nein, das bedeutet nicht, dass Braunkohlebergbau deshalb das ultimative Böse ist.
Würden alle Länder knapp 40% ihres Energiebedarfs durch erneuerbare Energien schaffen, wären wir global schon sehr viel weiter. Natürlich müssen wir auch in Deutschland weiter an die 100% ran kommen, aber die 16 Jahre Untätigkeit unter Merkel und die akute Energiekrise durch den Ukraine-Krieg erfordert eben jetzt eine andere Politik. Ohne Kohle geht es aktuell nicht. Und ja, die Politik plant hier mit Sicherheitspuffern (erlaubt daher in Garzweiler u.U. mehr Förderung, als wirklich zwingend nötig wäre), aber auch das ist nachvollziehbar. Beim Thema Energiesicherheit / Blackout-Prävention wird keine Regierung ein Risiko eingehen wollen, daher sind die Sicherheitspuffer enorm. Das zu kritisieren halte ich für Populismus - denn niemand, der diese Entscheidung fällen müsste, würde hier vermeidbare Risiken eingehen (und im schlimmsten Fall hinterher für Blackouts verantwortlich sein).
Mit der Räumung Lützeraths geht ein Vorziehen des Kohleausstiegs von 2038 auf 2030 einher. Auch das sendet ein Symbol, leider ohne tolle Bilder…
Die ersten Windparks wurden auch recht feierlich eingeweiht. Annalena Baerbock hat letztens erst eine Windkraftanlage im Kosovo eingeweiht.
Das erste LNG-Terminal als Maßnahme zur akuten Krisenbewältigung hat eine große politische Bedeutung und dient der Regierung natürlich dazu, schöne Pressefotos zu produzieren („Seht her, wir tun etwas gegen die Krise!“). Eine kleine Windkraftanlage hat diese Wirkung nicht.
Beim Bau eines LNG-Terminals bestehen weniger umwelt- und emissionsschutzrechtliche Hürden bestehen (vom Rotmilan bis zu Abstandsregelungen). Einfach weil nur wenige LNG-Terminals gebraucht werden und die Standortsuche dafür verhältnismäßig einfach ist (i.d.R. irgendwo im Hafen, wo keine Menschen leben), während bei Windrädern die Standortsuche problematischer ist.
Ja, die bürokratischen Hürden für den Windradbau müssen drastisch reduziert und die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, aber der Vergleich mit einem LNG-Terminal trägt einfach nicht.
Die Kohle wird abgebaut, weil wir uns in 16 Jahren CDU-Führung in eine schlechte Position navigiert haben und wir jetzt schmerzhafte Maßnahmen ergreifen müssen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Sie wird daher auch zum Nutzen vieler Menschen abgebaut, ob sie es wollen oder nicht.
Für die Grünen im Bund und NRW war Lützerath ein schmerzhafter Kompromiss. Aber sie stimmen der Sache zu, weil sie es für nötig halten. Selbst die in der letzten Episode des Podcasts interviewten Experten aus dem Umweltschutzbereich halten sich mit Kritik zurück.
Wenn nun Aktivisten ohne tragfähige Konzepte für die Gewährleistung der Energieversorgung kommen, kann ich das langsam nicht mehr ernst nehmen. Seriously, we get it - die Situation ist doof und wir würden uns alle wünschen, die Situation wäre besser. Aber wir müssen mit der Realität arbeiten, nicht mit Wunschvorstellungen.