Es bleibt halt keine Zeit, alle Vorgehensweisen einzeln auszuprobieren, ggf. politische Erfolge zu erringen, die Vorgehensweise zu analysieren und ggf. nachzuschärfen.

Hier tummeln sich zwei Aussagen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte.

Auch wenn „die Konservative“ die Klimakrise nicht bezweifelt, so spiegelt nicht ein politischer Programmpunkt annähernd wieder, dass die Klimakrise verstanden und bekämpft wird. Eine „Politik der kleinen Veränderungen“ ist aufgrund J
jahrzehntelanger Ignoranz nicht mehr ausreichend. Und daran hat konservative Politik maßgeblichen Einfluss.

Zum Anderen ist der Ausdruck „ideologisch“ nichts weiter als Framing. Die Einhaltung der Klimaziele erfordert Handeln, und zwar gestern. Das muss endlich mal kommuniziert und in der Breite verstanden werden. Habeck hat dies in den ersten Tagen seiner Amtszeit gemacht und auf die massive Lücke der bisherigen „Bemühungen“ hinsichtlich der Erreichung der eigenen Verpflichtungen hingewiesen.

Deutschland kann mit Sicherheit die Welt nicht allein retten.

Der VDI fasst hier kurz und bündig den Anteil Deutschlands an globaler Bevölkerung und CO2 Emissionen zusammen:

Aus dieser kurzen Darstellung wird klar:
1% Bevölkerung verursachen 1,85% der Emissionen. Diese Disbalance muss ausgeglichen werden, auch wenn dieser Ausgleich allein längst nicht ausreicht, um die Klimaziele zu erreichen, denn die globalen Emissionen sind um ein Vielfaches zu hoch.

Zeitgleich muss die Außenpolitik dafür sorgen, dass auch international das Problem gemeinschaftlich und erfolgreich angegangen wird.

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Da wären wir wieder beim Thema Realpolitik.
Man kann sicherlich darüber diskutieren, wer daran Schuld ist, dass die mediale Darstellung der Proteste so negativ ist. Aber wichtig ist mir letztlich das Ergebnis. Ob das Ergebnis so ist, wie es ist, weil die Springerpresse massive Propaganda betreibt und die Konservativen das Thema - ganz ihrer Natur entsprechend - bis zum letzten Tropfen ausschlachten, oder ob es so ist, weil die Aktivisten Fehler machen, ist dabei irrelevant.

Zu einer guten strategischen Planung gehört es eben, sich der Außenwirkung bewusst zu sein - und sich auch bewusst zu sein, welche gesellschaftlichen Akteure welchen Einfluss geltend machen werden, um die Außenwirkung zu beeinflussen. Wir wissen, dass es die Springerpresse gibt, die lieber progressiven Protest als konservative Umweltpolitik kritisiert, wir wissen, dass alles Rechts der Mitte keine Chance auslassen wird, den Protest zu diskreditieren.

Wenn wir durch unbedachte Aktionsformen Angriffsfläche bieten, müssen wir verstehen, welche Konsequenzen daraus erwachsen werden.

„Extinction Rebellion“ in UK haben schon angekündigt, mit diesen Protestformen vorerst aufzuhören, eben weil man der dortigen konservativen Regierung keine weiteren Vorwände liefern will, Gesetzesverschärfungen zu erlassen. In Deutschland sind wir noch nicht so weit, was vermutlich bei einer CDU-geführten Bundesregierung auch anders aussehen würde, weil man dann auch hier mit Strafverschärfungen rechnen müsste.

Ich sehe daher weiterhin die Gefahr, dass ungezielte Disruption in der aktuellen Phase des Protestes die Lage eher verschlechtert als verbessert. Wenn die absolute Mehrheit der Bevölkerung klar hinter dem Protest steht, kann man auch massiv ungezielte Disruption betreiben (wie in Frankreich z.B. mit dem Generalstreik), aber wenn die Protestform wie Umfragen zeigen in Deutschland von der großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werden tut man sich damit einfach keinen Gefallen.

Ich verstehe, dass diese Protestformen zu organisieren und damit in die Medien zu kommen deutlich einfacher ist, als tausende Menschen zu motivieren, an großen Demonstrationen teilzunehmen. Diese Aktionen sind daher auch einfach ein „easy way out“, man versucht mit verhältnismäßig geringem Aufwand ein Maximum an Druck auf die Regierung auszuüben. Aber wie viel Druck durch diese Aktionen erzeugt wird hängt eben auch davon ab, inwiefern die Bevölkerung die Aktionen unterstützt.

Radikale Protestformen bei maximaler gesellschaftlicher Unterstützung bedeutet extremen Druck auf die Regierung. Radikale Protestformen bei minimaler gesellschaftlicher Unterstützung bedeutet, dass die Regierung schlicht mit Repression / Kriminalisierung auf den Protest antworten und damit jeden Druck ableiten kann.

Es ist leider so, dass für den durchschnittlichen BILD-Leser „die Klima-Kleber“ als größere Bedrohung wahrgenommen werden als die Klima-Krise. Und auf dieser Basis wird der Protest keine Früchte tragen.

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Würde genralstreik in deutschland nicht massiven klagen führen weil nicht vom Streikrecht gedeckt ?

Exakt, wir haben leider in Deutschland keine derartige Kultur der öffentlichen Disruption.

Ein Generalstreik wäre natürlich auch in Deutschland die größte Form der öffentlichen Disruption, wenn das Volk wirklich unzufrieden wäre. Sowas wäre auch in Deutschland denkbar, wenngleich ein Generalstreik als „politischer Streik“ in Deutschland nicht unter das Streikrecht fallen würde und daher z.B. Schadenersatzansprüche hervorrufen könnte.

Aber wenn eben, wie z.B. 1968 in Frankreich, über 80% der Bevölkerung diesen Generalstreik unterstützen würden, könnte die Regierung auch in Deutschland wenig dagegen tun. Deshalb ist der Generalstreik ein Beispiel für eine der radikalsten Disruptionen, die aber wirklich nur funktioniert, wenn es eine relative Einigkeit in der Gesellschaft darüber gibt, dass dieses Mittel angemessen ist. Es ist quasi ein Misstrauensvotum des Souveräns (also des Volkes) gegen seine Regierung…

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(…) meine Position ist das „eigenverantwortliche Handeln“ und dieses Prinzip basiert lt. Wikipedia auf einem liberalen Ideal (Quelle: Eigenverantwortung – Wikipedia) und nicht konservativer Ideologie.

Und der Rest hat auch wieder nichts mit der Sachebene zu tun (…)

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„… als ich selber bereit bin zu tun“. Wo ist das Problem? Du tust, bist bereit weiteres zu tun und vor allem forderst du nicht von mir, auf Mandarinen zur Weihnachtszeit zu verzichten, wo Du es selber nicht machst (mal losgelöst ob Mandarinen in der Weihnachtszeit ein Faktor für das Klima sind oder nicht). Hinsichtlich bewerten und urteilen siehe Beitrag 149 (LdN316 Letzte Generation und demokratische Entscheidungsprozesse - #149 von Hardtware)

Verstehe ich nicht. Was haben die beiden Fragen mit dem von Dir zitierten Text von mir zu tun? Wenn ich nur mit „meinen Stammtisch“ reden wollte, würde ich wohl nicht hier im Forum Beiträge einstellen.
(…)

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Und genau das ist das Problem. Ja, es geht (noch) alles zu langsam, aber die gesamtgesellschaftliche Stimmung war gerade dabei, in die richtige Richtung zu kippen. Es gab in der „Zeit“ mal einen sehr interessanten Artikel dazu, wie sich gesellschaftliche Veränderungen vollziehen, und da gibt es auch so etwas wie Kipppunkte. Person A lässt sich vielleicht schon anstecken, wenn 5 von 100 mitmachen, Person B vielleicht erst, wenn 25 dabei sind, aber wenn einmal eine kritische Masse erreicht ist, kann es dann ganz schnell gehen. Und diese ganze unselige Diskussion über die Aktionen der letzten Generation scheint mir gerade viele wieder zu vergraulen, die schon kurz vorm Mitmachen waren, oder jedenfalls das Kippen der Stimmung in die richtige Richtung auszubremsen. Weil letztendlich brauchen wir nicht nur - und vor allem nicht in erster Linie - viele Menschen, die sich bemühen, weniger klimaschädlich zu leben, sondern wir brauchen vor allem die richtigen politischen Weichenstellungen, und deshalb in einer Demokratie eine offentliche Meinung, die diese Weichenstellungen mit trägt.

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Volle Zustimmung zu Deinen Ausführungen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich diese Protestform falsch finde, obwohl mir der Klimaschutz sehr wichtig ist. Daher würde mich -losgelöst von der Frage des Drucks auf die Regierung- interessieren, wie sich die Protestform inkl. medialer Darstellung auf die Haltung der Bevölkerung zum Klimaschutz auswirkt. Erhöht sich die Anzahl der Unterstützer die auch der Meinung sind, dass der Staat mehr tun muss oder die zumindest selber dann mehr tun / sich stärker engagieren oder wenden sich dadurch mehr Menschen ab und schadet es damit unterm Strich dem Klimaschutz mehr als es nützt. Gibt es dazu Untersuchungen?

P.S.: Lese keine Bild und freue mich über vorurteilsfreie Antwort :wink:

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„wieder nichts mit der Sachebene zu tun“ man hört das Augenrollen gerade zu. ^^ Was meinst du überhaupt mit Sachebene ? Du redest sehr vage über die Frage legitimen politschen Handelns, was die Metaebene und nicht die Sachebene ist. Da ist nunmal die Frage welche ideologie hinter deiner Argumentation steht ob bewusst oder unbewusst schon recht wichtig.

Was die Eigenverantwortung angeht. Nochmals du benutzt eigenverantwortung instrumentell, um Leute vom politischen Handeln und Diskurs auszuschließen, wenn sie nicht eine von dir nicht definierte Schwelle an Integretität einhalten. Das ist nicht liberal sondern bestenfalls die Verweundng liberaler Konzepte zur Durchsetzung konservativer Wertvorstellungen. Aber wenn du deine Auseinandersetzung mit politischen Strömungen auf Wortsuche in wikis bechränken willst kann ich dir auch nicht helfen. Andererseits hilft Inkonsistenz auch bei einer motte and bailey strategie die du hier fährst. Deswegen bleibe ich auch bei der Kritik und dem Fokus auf deinem Anfangskommentar. Es lässt sich sehr gut erkennen, wie du dich von deiner schwer verteidigbaren Ursprungsthese der einzig legitimen politischen Beteiligung entlang der Integrität Stück für Stück zurückgezogen hast zu einer moderateren Position. Da du aber die Kritik an der ursprünglichen Position nur abwehrst ist halt die moderate Position wenig wert, da der Interpretationspielraum der moderaten Position letztlich vor dem Hintergrund der mehr ideologisierten ursprünglichen Position zu verstehen ist. Wärst du mit deinem letzten Kommentar eingestiegen wäre das etwas anderes. Allerdings steckt selbst im letzten kommentar noch die grundsätzliche Kritikabwehr. Das „vorurteilsfreie“ als wäre deine Ursprungsthese nur aufgrund von einseitiger Betrachtung kritisiert worden und nicht aufgrund ihrer inhärenten Polarisierung.

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Menschen, die deswegen plötzlich doch nicht mehr darüber nachdenken mitzumachen, hätten es auch so nicht getan. Die finden immer eine Ausrede nichts tun zu müssen. Das ist meiner Meinung nach zu weit hergeholt, dies der Letzen Generation zuzuschieben. Hier sind die Konservativen und Rechten in Politik und Medien das Problem.

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Kannst du den Artikel bitte hier verlinken? Vielleicht hilft er ja bei meinen Erklärungsversuchen, wie zäh und langsam das geht.

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Dieses Argument - Demokratie geht nur, wenn das Wahlvolk die Parlamentarier-Entscheidungen akzeptiert - war ja auch das ex post Argument von Ex-Umweltministerin und „Klima-Kanzlerin“ Merkel, warum Sie sich keiner Schuld bewusst ist.

Das ist insofern völlig zynisch, weil Union, SPD und FPD herzlich wenig tun, um diese Akzeptanz durch die Bevölkerung zu erreichen. Im Gegenteil: Sie ducken sich entweder einfach weg oder - noch schlimmer - plappern die dämlichen, weil falschen Argumente der „Klima-Skeptiker“ auch noch nach.

Was ich von gewählten Repräsentanten und Regierungspolitikern erwarte, ist, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Werbetrommel für die Notwendigkeit harter Klimamaßnahmen zu rühren. Und zwar auch dann, wenn dies die eigene Wiederwahl zu gefährden scheint (in vielen Fällen ist das wahrscheinlich gar nicht so: Authentische Politiker die für Ihre Haltung einstehen und bereit sind, lieber mit ihr zu verlieren als sie aufzugeben erfreuen sich überraschend häufig hoher Popularität).

Mir hat noch niemand überzeugend darlegen können, dass die Mehrheit der Wähler nicht zu überzeugen ist. Man denke bitte an den Anfang der Corona-Zeit, als Politiker auf einmal drastische Maßnahmen umgesetzt und vertreten haben …. und die Bevölkerung steht - eigentlich bis heute - dahinter.

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Das allein ist in meinen Augen die alles entscheidende Frage für die Antwort, ob die „Klima-Kleber“ unmoralisch handeln oder nicht.

Und die Antwort hängt auch davon ab, wie wir alle auf die „Klima-Kleber“ reagieren.

Je mehr Menschen öffentlich Sympathie für die Haltung der Letzten Generation (und andere „radikalere“ Klima-Aktivisten) äußern, statt in das Horn der Klima-Skeptiker zu stoßen, umso mehr weitere Personen werden darüber nachdenken.

Man muss das nochmal klar und deutlich sagen (leider ist dies in diesem elend langem Thread ziemlich verwässert worden):

Gemessen an der Katastrophe, in die wir mit der bislang praktizierten Klima-Politik unausweichlich und unumkehrbar hineinschlittern (lt. den meisten Klima-Wissenschaftlern: „Viel schneller, als wir jemals erwartet hatten“) ist dieses Ereifern über den Strafrechtsbruch einfach nur lächerlich.

Dieses „Ja, ja, die haben schon recht, ich bin auch für Klimaschutz, aber Straftaten“ zeugt in meinem Augen vor allem davon, dass man nicht verstanden hat, wo wir heute stehen, wo das hinführen wird und das alle bisherigen Protestformen nicht ausgereicht haben.

Als jemand, der verstanden hat, dass es so auf keinen Fall mehr weiter gehen kann, hat man zwei Optionen: Aufgeben oder zu wirksameren Maßnahmen greifen. Letzteres versucht die Letzte Generation (mit der Bereitschaft, hohe persönliche Opfer auf sich zu nehmen). Ich habe einen riesigen Respekt davor.

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Bevor der wichtige Gehalt dieses längsten Threads des zweiten Halbjahres 2022 noch weiter verdünnt wird, kündige ich hier mit Dank an alle seine Schließung an.

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Dieses Thema wurde nach 42 Minuten automatisch geschlossen. Es sind keine neuen Antworten mehr erlaubt.

Ich finde, dass dieser Link zu dem Podcast von Übermedien.de die Diskussion noch gut ergänzt.