Was du meinst, ist die technische Funktion eines Gerätes. Da glaube ich gerne, dass das in einem Ausbildungsberuf umfassend vermittelt wird. Im Studium geht es aber wesentlich tiefer als das. Wenn ich bedenke, was ich am Maschinenbauer in E-Technik pauken musste, glaube ich nicht, dass das im Rahmen einer Ausbildung vermittelt werden kann. Dabei geht es auch um mehr, als „besser rechnen“. Es geht um Physikalische Zusammenhänge, die du nur dann wirklich verinnerlichst, wenn du ein gewisses mathematisches Verständnis mitbringst.

Letztlich ist das aber auch kein Problem: Theoretiker und Praktiker müssen sich ergänzen. Es gibt dabei Schnittmengen in der Ausbildung, aber es wäre ja nonsens, wenn man in beiden Ausbildungsformen die selbe Tiefe verlangt.

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Wofür ich durchaus Verständnis habe. Ich habe eine Ausbildung als Industriemechnaiker genossen, die mir viel Spaß gemacht hat. Für das Studium habe ich mich u.a. entschlossen, weil ich täglich die älteren Kollegen gesehen habe, von denen viele mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatten.

Das ist ja genau der Punkt: wie willst du Wertschätzung schaffen, wenn es um Crash-Kurse geht. Anerkennung erreichst du nur schwer über das Einkommen. Nur weil wir die Leute jetzt brauchen, heißt das nicht, dass die wertgeschätzt werden. Eher ist es so, dass die, die das jetzt machen, wegen der langen Liefer- und Servicezeiten plus der enormen Kosten eher als „Abzocker“ wahrgenommen werden.
Bringst du jetzt mehr rudimentär qualifizierte Leute in den Markt, bekommen zwar alle eine Anlage, aber nicht unbedingt besseren Service.

Damit setzt du voraus, dass eine Feuerwehr nur aus einfachen Feuerwehrmännern besteht.

Das ist gleich in zwei Punkten falsch: Die Ausbildung ist das eine, aber das unterschlägt Regeldienste, Weiterbildungen, Hilfeleistungen, Veranstaltungen und Einsätze. Die Qualifikation macht noch keine Feuerwehr.
Und es hört nicht mit der Grundqualifikation auf. Maschinisten, Kranführer, Höhenrettung. Und das sind großteils Leute, die du brauchst.

Ich sage gar nicht, das die schnelle Qualifikation falsch ist. Es darf aber da nicht aufhören. Sonst leiden Qualität und Sicherheit. Und wir haben eine schnelle Lösung, die nur dem Kunden bedingt hilft.

Ja, es kommt jemand zum löschen. Aber ob hinterher noch was brauchbar ist oder alle gerettet werden, hängt davon ab, ob auch die richtige kommen.

Die Erwartung darf nur nicht sein: in sechs Wochen steht eine Legion Monteure da, die das ganze zum halben Preis für den Endkunden abwickeln.

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Das weiß ich nicht. Ich schrieb ja, das unsere Berufsschullehrer vor über 20 Jahren das zu uns gesagt haben.

Ich glaube gerne, dass das heute nicht mehr so gilt.

Das denke ich, ist manchmal das viel größere Problem. Dass die sich nicht ergänzend zusammenraufen können, sondern (meist aus der Distanz) übereinander schimpfen.

Das schon, aber evtl. sollte man auch darüber nachdenken, diese Schnittmengen besser auszunutzen und Durchlässigkeiten zu schaffen.

Ich persönlich denke, das Handwerk könnte einen guten Schub bekommen, wenn die Möglichkeit besteht, später im Leben einfacher in eine akademische Laufbahn zu wechseln.

Soweit wie ich weiß, müsste ein Geselle beim Studium trotzdem nochmal ganz von vorne anfangen. Das macht es natürlich uninteressant, ein Studium aufzunehmen.
Also sofern man nicht komplett fachfremd umsattelt, sollte man eben nicht bei Null anfangen müssen.
(Grundlagen E-Technik hätte ich schon 4 Mal, da reicht nach 20 Jahren ein bisschen auffrischen der Theorie, statt zwei Semester Anfängerstudium)

Die Gretchenfragen sind aber immer noch:

  • wo kommet plötzlich/sofort die Legion Monteure her? Was haben die vorher gemacht oder wem wurden die abgeworben? Schaffen wir uns dabei nicht an anderer Stelle ein Problem?
  • wie soll das ganze abgewickelt werden? Bekommt jetzt jede Firma Leute zugewiesen?
  • wo kommen die administrativen Kräfte her für Einkauf, Planung, usw.?
  • Ich kenne da einige Handwerksbetriebe die gar nicht mehr machen wollen (Work-Life Balance), die mit dem Istzustand ganz zufrieden sind. Müssen die jetzt ein (Zwangs)Kontingent abarbeiten?
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Genau da ist das Fragezeichen. Will ich eher eine Art Planwirtschaft, wo zugeteilt wird nach Bedarf in der Gesellschaft, ohne auf Interessen und Neigungen oder Fähigkeiten Rücksicht zu nehmen?

Oder erlaube ich jungen Menschen oder Umschülern eine freie Berufswahl?

Was ich gerne mache, mache ich meist am besten. Was ich zwangsweise machen muss, eher weniger.

Anderer Ansatz: Es gibt Berufe, von denen abzusehen ist, das diese nicht bis zur Rente gleichbleibend auszuüben sind. Meist weil diese körperlich oder psychisch zu fordernd sind.

Warum also diese Fachkräfte bis zur Berufsunfähigkeit auspressen mit der Hoffnung, daß sie früh sterben und die Rentenkasse nicht zu lange belasten? (Achtung: Sarkasmus)
Warum diese Menschen ab einem Alter, wo die Wehwehchen anfangen, nicht aus der Belastung rausnehmen, weiterqualifizieren und in der Ausbildung, Admistration oder Entwicklung einsetzen, auf gesundheitlich weniger fordernden Arbeitsplätzen? Ein Tätigkeitswechsel sozusagen, innerbetrieblich oder sogar überbetrieblich?
Das TErrA-Projekt der Deutschen Berufsförderungswerke verfolgt diesen Ansatz gerade…

Projekt | TErrA (taetigkeitswechsel.de)

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Aber gerade „ganz vorne“ im Studium - im Grundstudium - bekommst du eben die ganzen Grundlagen (Mathematik, Physik, Mechanik, E-technik, etc.) eingetrichtert, auf denen nachher der ganze weitere Stoff aufbaut. Das meiste davon bekommst du nicht in deiner Ausbildung vermittelt. Es ist also nicht hilfreich, hier für Gesellen Sonderregeln einzuführen.
Und ich weiß wovon ich spreche: Ich habe vor meinem Studium eine Ausbildung in einem Maschinenbaubetrieb absolviert. Die Ausbildung hat mir für das Studium nur wenig gebracht.

Naja, der Vorteil ergibt sich dann doch automatisch: Dadurch, dass du Erfahrungen hast, brauchst du weniger zu lernen.

Auf jeden Fall. Ich bin auch sicher, dass es diverse Ing. Stellen gibt, für die es kein Studium gebraucht hätte.

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Hallo Blackfire,
Deine These ist absolut nicht provokant, sondern einfach irrelevant.
Die Forderung, dass weniger Leute studieren sollten, mag ja richtig sein, aber solange bei uns das Grundrecht der freien Berufswahl gilt, kann niemand durch so eine Forderung - oder einen entsprechenden Beschluss/Verordnung/Gesetz dies ändern.
Also ist nicht die Frage wie viele junge Leute studieren „sollten“ von Interesse, sondern wie man junge Leute für Berufe begeistern kann, in denen Mangel herrscht, egal ob Bäcker, Maurer, PV- oder Wärmepumpen-Installateure, Lehrer oder auch Landärzte.
Und natürlich ist dies eine Aufgabe für den Staat (Förderung, Arbeitsberatung), aber ganz sicher auch für die entsprechenden Branchenverbände/-vertreter.

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