Tolle Idee, aber…
…wie lange glaubst du, dauert es, bis die Wind/Sonne-Anbieter merken, dass sie statt 100€ pro MWh besser 300€ fordern sollten, weil gerade der teuerste Preis der noch gezahlt wurde eher bei 300€ liegt? Mein Tipp: 15 Minuten. So lange ist meines Wissens nämlich ein verhandelter „Zeitslot“ der auf dem Spotmarkt gehandelt wird. Beim ersten Slot fordern sie „irgendwas“, und beim zweiten Slot fordern sie einen Preis den sie per Schätzung knapp unter den vermuteten Grenzpreis platzieren. Würde ich so machen. Würde jeder, der auch nur ansatzweise ökonomisch denkt, so machen.
Und die Idee hat den enormen Nachteil, dass sie nicht nur deinen angestrebten Vergünstigungs-Effekt ausnullt, sondern mit etwas Pech sogar in die andere Richtung überschießt, sprich den Preis künstlich weiter erhöht - nämlich dann, wenn die Anbieter die nachgefragte Menge leicht überschätzen, also auch ihre Preise etwas überschätzt platzieren und das teuerste Kraftwerk plötzlich ein Windrad ist, das ohne diese albernen Preisspielchen, zu denen du sie zwingen willst, gerne auch günstiger hätte produzieren können. Und das nächstteure Windrad nach diesem produziert gar nix, dessen umweltfreundlicher Strom bleibt ungenutzt, weil’s wie sich rausstellt ein paar Cent zu teuer angeboten hat. Stattdessen verheizen wir mehr Gas, weil der Zufall grad wollte, dass Gaskraftwerke im Angebot unter den Windrädern lagen.
Das jetzige Marktdesign ist insofern hochgradig elegant, als dass es dieses ganze Geschachere von vorneherein vermeidet, da es den Anbietern überhaupt keinen Incentive bietet, mit ihren Preisen nach oben zu pokern - denjenigen, die weit weg vom Höchstpreis landen werden, sowieso nicht, weil die auf jeden Fall ihren Strom zum Einheitspreis loswerden, und den Anbietern nahe des erwarteten Höchstpreises auch nicht, denn die sind damit beschäftigt, sich gegenseitig zu unterbieten, um noch zum Zug zu kommen.
Hmm komisch, das hab ich irgendwo schon mal gehört…
…ach klar! Das ist der EU-Vorschlag! Nur mit 15 Cent statt 18 Cent. Nice try 
Einziger Unterschied ist, dass die EU eine Abschöpfung und Ausschüttung über einen separaten Kanal plant und nicht einfach eine Senkung des Strompreises. Vermutlich, damit das Preissignal („Strom ist teuer, spar also besser, wo es möglich ist“) nicht verwässert wird und um die Entlastungen gezielter und konzentrierter platzieren zu können, wo sie nötig sind, statt per Gießkanne auch Millionären ihre beheizten Whirlpools auf der Winterterrasse zu vergünstigen und somit einen Großteil des Entlastungseffekts aus Sicht „normaler Bürger“ verpuffen zu lassen.
Aber wie man die Entlastungen genau verwendet, ist ein für die Strommarktdesign-Frage erst mal irrelevanter Aspekt, daher: der EU-Vorschlag und dein Vorschlag sind im Grunde identisch.