Also ich stimme mit dem Thread-Ersteller völlig überein. Die Pandemie ist vorbei. Das Virus ist natürlich noch da und wird auch blieben. Aber die Pandemie als Solche ist aus meiner Sicht vorbei. „Flatten the Curve“ ist nicht mehr. Das Gesundheitssystem vor einem Kollaps schützen trifft nicht mehr zu und wird wohl (hoffentlich) auch nicht mehr eintreten. Trotz aktueller Infektionswelle sind die Zahlen bzgl. Letalität und bzgl. Belegung der Intensivstationen fernab dessen, was wir in den vergangenen zwei Jahren hatten.
Selber hatte ich auch Corona. Da ich mich davor habe dreifach impfen lassen, waren die Symptome mit einer starken Erkältung gleichzusetzen. Es hatte mich drei Tage im Griff und danach ging es wieder. Meine Frau (auch dreifach geimpft) hatte zwei Wochen lang einen Husten und war nicht ganz fit und meine Kinder waren lediglich einen Nachmittag lang schwach und bettlägerig. Mich hat es so gesehen noch am heftigsten erwischt. Und da war nichts bedrohliches dran. Wie eine stinknormale Erkältung.
Damit gehören wir als Familie aktuell zum sogenannten Durchschnitt. Die meisten symptomatischen Infektionen verlaufen zurzeit genau so: vergleichbar mit einer Erkältung. Es sei denn, ich bin falsch informiert. @less_ink: Wo wären denn die Informationen, dass das aktuell anders sei und dass der Großteil der Infektionen lebensgefährlich verläuft? Wie sehen denn die aktuellen Statistiken aus?
Genau so ist es. Wir werden nicht um eine Durchseuchung herum kommen. Ob mit Impfstoff oder mit dem Virus ist dabei, ob der recht hohen Wirksamkeit unserer Impfstoffe, statistisch betrachtet fast egal. Aber die Durchseuchung muss erfolgen. Unser aller Immunsysteme müssen sich an das Virus gewöhnen. Darum werden wir nicht herum kommen, denn das Virus aus der Welt schaffen können wir nicht. Da es sich um ein Virus handelt, welches das respiratorische System angreift, ist eine lebenslange Immunisierung kaum möglich (gemäß Prof. Dr. Drosten aus einem seiner Podcasts). Eine Grippeimfung wirkt auch nur eine Saison lang, wenn überhaupt. Impfungen gegen die bereits etablierten anderen Viren vom Corona-Stamm gibt es erst garnicht, da schon lange etabliert.
Es ist also alleine der statistische Gewöhnungseffekt über die Gesamtbevölkerung hin betrachtet maßgeblich. Und somit geht es nur darum, wie lange wir als Gesellschaft welche Maßnahmen aufrecht erhalten wollen aber auch können. Wie lange können Randgruppen und Einzelschicksale - die es bei jeder Krankheit immer gab, gibt und geben wird - als Grund dafür herangezogen werden, der Gesamtgesellschaft Maßnahmen aufzubürden. Das ist die entscheidende Frage.
Schließlich ist die aktuelle Situation völlig anders, als das über die beiden letzten Jahre der Fall war. Die Impfquote ist mit aktuell ca. 76% vollständig Geimpfter in Deutschland zwar nicht so hoch, wie das wünschenswert wäre, aber auch nicht so gering. Den Rest erledigt das Virus (Stichwort Durchseuchung). Impfquote plus Genesenenquote aller Ungeimpften wäre die richtige Kennzahl. (Kann wegen der Dunkelziffer unter den Ungeimpften leider nur geschätzt werden.)
Wir als Familie (Ehefrau, Kinder im Grundschulalter und ich) haben uns an alle Einschränkungen der vergangenen beiden Jahre gehalten. Aus meiner Sicht war das unsere Bürgerpflicht. Wir befanden uns als Gesellschaft in einer unbekannten und sehr bedrohlichen Situation. Das Schlimmste von der Gesellschaft fernzuhalten war richtig und wir alle waren dazu angehalten, uns unserer Pflichten als Bürger dieser Gesellschaft gewahr zu sein und dementsprechend umsichtig zu handeln. Es steht für mich außer Frage, dass keiner unserer Volksvertreter die Einschränkungen leichten Herzens über unsere Gesellschaft gebracht hat. Und zu handeln war - auch im Nachhinein betrachtet - richtig.
Aber so kann und darf es aus meiner Sicht nicht weiter gehen. Was wir alleine unseren Kindern und Jugendlichen (aber nicht nur ihnen) mit den Maßnahmen angetan haben muss als Maßgabe für kommende Maßnahmen gelten. Weitere Maßnahmen müssen wohl überlegt sein. Sie sind nicht nur finanziell sondern auch gesellschaftlich extrem teuer erkauft.
Solange also nicht Lauterbachs Killervariante auftaucht
müssen wir gesellschaftlich betrachtet Emotionen außen vor lassen und etwaige Maßnahmen unter Abwägung ihrer Vor- und Nachteile mit großer Umsicht angehen.