Danke für eure Beiträge. Dem kann ich absolut zustimmen. Wir benötigen den öffentlichen Diskurs. Könnte ebenfalls bestimmt Personen aus der Streikbewegung zu O-Tönen gewinnen.

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Hier ist der Pressespiegel von der Bewegung: https://notruf-entlastungnrw.de/presse/

Studie, die darlegt, weshalb ein TVE dazu führen würde, dass wieder mehr Menschen (bis zu 300 000) in ihren ehemaligen (Pflege)-Beruf im Krankenhaus zurückkehren würden: Neue Studie: Mindestens 300.000 zusätzliche Pflegekräfte durch Wiedereinstieg in Beruf oder aufgestockte Arbeitszeit möglich - Hans-Böckler-Stiftung

Folgend sind ein paar Artikel zum Nachlesen

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Hey!
Ich bin Ärztin in der Uniklinik Aachen und ich würde mich auch über mehr mediale Aufmerksamkeit freuen!
Seit Wochen werden Operationen abgesagt, viele elektive Patienten ausbestellt und es wird kaum darüber berichtet.
Der Streik ist absolut gerechtfertigt, zur Umsetzung benötigen wir jedoch mehr Druck aus der Öffentlichkeit zur Beeinflussung der Verhandlungen.
Gerne könnte ich Kontakt zu Kollegen von der Pflege herstellen, die den Streik mitorganisieren und bei den Verhandlungen (soweit möglich) dabei oder zumindest aktuell informiert sind.
Ich würde mich sehr freuen, davon zu hören!
Vielen Dank!

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Also ich mit totalem Abstand denke mal die Lage sollte das Thema aufgrund ihrer Reichweite aufgreifen.
Nicht unbedingt weil es Kernthema der Lage an sich ist, aber ich denke durch ihre Reichweite könnte sie auf jeden Fall zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen

@vieuxrenard

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Hallo,
entschuldigt die vielleicht dummen Fragen die ich im Anschluss stelle, aber ich habe mir mal so ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht.

Wie kann man euch als normaler Bürger/ Patient am besten unterstützen? Wie sieht das eigentlich mit den Leiharbeitsfirmen bei euch aus? Ist es tatsächlich so, dass deren Mitarbeitern inzwischen bessere Arbeitsbedingungen als die Festangestellten haben?

Ist das eine Alternative für euch und könnte man so Druck auf die Arbeitgeber ausüben? Sind die Arbeitsbedingungen bei allen Trägern gleich?

Ansonsten wünsche ich euch „Viel Erfolg“ und den bestmöglichen Abschluss!!!

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Also unterstützen kann man aktuell am besten mit Aufmerksamkeit: erzählt es weiter, damit die Leute mehr mitbekommen und mehr öffentlicher Druck aufgebaut werden kann.

Bezüglich der Leiharbeiterfirmen: Vorteile: höherer Stundenlohn, Dienstwagen, individueller Urlaub, weniger Wochenarbeitszeit, Nachteile: Privatwirtschaft, kein länger Schutz im Krankheitsfall

Ich bin Intensivpfleger an der Uniklinik Köln und fände es auch sehr gut, wenn dieses Thema in der Lage disskutiert wird. Zu brenzligen Coronazeiten wurde viel über die Pflege, die Situation auf Intensivstationen und in den Krankenhäusern allgemein berichtet. Das Thema nun in der Lage aufzugreifen wäre eine meiner Meinung nach eine gute Fortsetzung des ganzen.
Die mediale Darstellung hierzu ist meist sehr einseitig und auch die Stimmen innerhalb der Krankenhäuser sind sehr divers. Es wurde kürzlich bsp. in einem Artikel des Kölner Stadtanzeigers die Perspektive eines Chefarztes der Uniklinik Köln aufgegriffen. In diesem wird unter anderem aus Sicht des Chefarztes die Perspektive und Situation der Pflegenden negativ dargestellt. Diese entspricht leider nicht der Realität. Da ein Chefarzt in der Allgemeinbevölkerung nunmal ein sehr hohes Ansehen genießt, wird dies große Auswirkungen auf die Meinung innerhalb der Bevölkerung haben. Besagter Chefarzt beschreibt hier wie viele Patienten bereits unter dem Streik gelitten haben. Hierzu muss man zunächst sagen, dass eine Notdienstvereinbarung mit den Verantwortlichen Klinikvertretern ausgehandelt wurde und im Rahmen dessen von allen Seiten darauf geachtet wird, dass kein Patient, der in den Unikliniken liegt zu schaden kommt und optimal versorgt wird. Natürlich werden im Zuge dessen geplante Operationen abgesagt und mache Stationen sind geschlossen. Ein Streik muss natürlich auch Spürbar sein. Im Bereich der Gesundheitsversorgung ist Streiken sowieso immer ein ethisch sehr kompliziertes Thema. Inzwischen ist es so, dass die Streikenden in der medialen Wahrnehmung immer als die „Sündenböcke“ dargestellt werden. Nicht dargestellt wird jedoch, wie viel besser es den Patienten bei einer angemessenen Personalbesetzung im Krankenhaus gehen würde. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Todesrate in Krankenhäusern durch mehr Personal signifikant sinken würde.
Außerdem ist es so, dass die Streikenden dem Arbeitgeberverband eine Frist von 100 Tagen gegeben wurde, um in Verhandlungen zu treten und somit den Streik zu verhindern. Auf diese Frist wurde in keiner Weise reagiert. Und selbst jetzt wo die Verhandlungen begonnen haben, finden diese sehr schleppend statt. Dies liegt jedoch nicht an den Streikenden, sondern an den Vertretern des Arbeitgeberverbandes. Die meisten sogenanten Verhandlungstage gestalteten sich darin, dass von den Vertretern des Arbeitgeberverbandes die Forderungen lediglich aufgenommen wurden, jedoch keine Stellung hierzu bezogen wurde. Es kam bisher also überhaupt nicht zu wirklich konkreten Verhandlungen. Alle Streikenden möchten möglichst schnell wieder alle Patienten im vollen Umfang versorgen. Das dies aktuell nicht passiert und weiter gestreikt wird ist ein „Hilferuf“. Pflege brennt immer weiter aus. Von den ausgebildeten Pflegekräften verlassen viele nach kurzer Zeit wieder den Beruf oder arbeiten in Teilzeit. Dies liegt an der massiven Arbeitsbelastung und der Unzufriedenheit darüber, in dem aktuellen System ihrer Arbeit und dem Anspruch daran nicht gerecht werden zu können. Und darunter leiden am Ende des Tages die Patienten.
Grade in Zeiten des demografischen Wandels und des hohen aktuellen und zukünftigen Bedarfes qualifizierten Pflegepersonals, sollte dieses Thema eine hohe Aufmerksamkeit genießen.
Gerne dürfen auch kritische Meinungen in der Öffentlichkeit kommuniziert werden. Das ganze ist nunmal auch ein sehr komplexes Thema auf sehr vielen Ebenen. Wichtig ist nur, dass es zu einem öffentlichen Disskurs kommt und über alle Perspektiven gesprochen wird. Dies ist bisher leider überhaupt nicht der Fall.
Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn das Thema in der Lage aufgegriffen wird. Nach aktuellem Stand wird der Streik noch bis mindestens zum 22. Juni weitergeführt. Dies ist von den Ergebnissen der Verhandlungen abhängig.
Falls ihr mögt, kann ich euch auch gerne einen qulifizierten Interviewpartner für die Aufarbeitung des Themas organisieren.

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Ich möchte auch dringend darum bitten, dass dieses Thema in der Lage erörtert wird.
Ich bin Anästhesist und Intensivmediziner an einer NRW Uniklinik und was da passiert, ist kaum in Worte zu fassen.
Vorneweg: ich unterstütze den Streik voll und ganz und kann die Beweggründe vollends nachvollziehen.
Die Leidtragenden sind aber die Patienten und dies scheint den Vertretern der Arbeitgeber und des Landes NRW völlig egal zu sein. Es wird Monate dauern, die aufgestauten Termine und OPs abzuarbeiten.

Und das ganze Thema ist medial völlig unterrepräsentiert. Wenn ich nicht selber an einer Uniklinik arbeiten würde und sehr genau in den Lokalnachrichten zuhören würde - ich hätte bis heute nichts von diesem jetzt schon 6-wöchigen Streik gehört.
@vieuxrenard @philipbanse

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24 Tage später ist die mediale Aufmerksamkeit immer noch sehr gering. Gerade finden in NRW zudem Koalitionsverhandlungen statt, was das Thema nur noch relevanter macht.
Also liebe Lage: Bitte thematisiert den STreik!!

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Pflegestreik NRW Das ist sowas von relevant!!! Bitte aufgreifen… Wir hören nur Milliarden für Waffen Tankrabatt und Sylt mit 9 Euros in den Medien. Aber dieses Thema wird einfach totgeschwiegen. Die Krankenhäuser sind nicht überlastet??? Großes Gelächter. Ich bin verantwortlich für eine Intensivstation in einem kommunalen KKH, wir müssen jeden Tag würfeln welche Patienten aufgenommen werden können, weil wir seid langer Zeit mindestens 25% unserer Betten wegen Personalmangel sperren müssen. Klaus Kogelmann Klinikum Emden, Schließungen verifizierbar im divi Register, oder im öffentlichen Bereich der ivena Daten. Könnt gerne meinen Namen nennen

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Schön dass LdN dieses Thema jetzt aufgegriffen hat. Gerne in den kommenden Ausgaben wieder, zumindest mit einem kurzen Update/Reminder. :slight_smile:

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Liebe Lage, sehr schön, dass und wie ihr die Pflege thematisiert.
Ich hab 1983 mein Krankenpflege-Examen abgeschlossen und hatte mich in der Ausbildung überzeugt, nach dem Examen nicht so arbeiten zu können, wie ich’s mir vorgestellt, wie ich’s gelernt hatte und wie ich’s als Schüler noch tun konnte, weil ich Narrenfreiheit hatte und mir nahm.
Ich hab dann Psychologie studiert und über 30 Jahre mit Jugendlichen, 25 Jahre davon mit chronisch körperlich kranken jungen Menschen auf dem Weg ins Berufsleben, gearbeitet. In diesem Beruf konnte ich mich so auf Menschen einlassen, wie ich es in der Gesundheitspflege nie hätte tun können.
Ein wichtiges Argument, mich von der Pflege zu verabschieden war, als examinierter Pfleger nicht genügend Zeit zu haben mich um die Menschen kümmern zu können, nur um „die Leber, den Motorradunfall, …“ und andere (körperlichen) Funktionen, nicht um die Menschen und die Familien, in welche die Erkrankungen eingebettet und die für Heilung essenziell sind.
Herzliche Grüße, Wolfgang

ich höre das von der ältesten Tochter, und seit 3/4 Jahr frisch geprüfte Radiologie Assistentin auch. Personalknappheit, viele Schwangere die nicht arbeiten dürfen, es gibt ganz viele Faktoren.

Am Geld alleine scheint es aber nach ihre Auskunft nicht zu liegen!

Vielen Danke, dass ihr das Thema aufgegriffen habt. Allerdings habe ich das Gefühl, dass das ganze Thema zu einsichtig gesehen wird. Damit das gesamte Problem des „Pflegemangels“ verstanden werden kann, bräuchte es eine Sonderfolge. Fehlendes Personal ist das eine, aber es gibt auch eine fehlende Professionalisierung und Autonomie. Wo sollen Pflegende herkommen? Wie sollen die Bedingungen verbessert werden? Sollen wir Betten sperren, bis die Versorgung nicht gewährleistet werden kann? Gute Antworten kann der Deutsche Pflegerat geben. Ich verstehe nicht, warum bei der Thematik eine Ärztin zu Wort kommen musste. Gut und danke, dass sie uns unterstützt. Aber sie ist kein Experte der Pflege, keine Pflegewissenschaftlicherin oder Pflegemanagerin. Das Thema ist unglaublich groß und als im Berufsverband engagierte und berufspolitisch aktive Pflegende, tut es teilweise sehr weh alles mit anzuhören. Die Situation de Pflege ist auf dem gleichen Weg wie der Klimawandel. Es wird leider erst zum Problem, wenn es alle spüren.

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Kann das vollstens nachvollziehen. Man hätte tatsächlich Stimmen aus der Pflege und echte Experten organisieren sollen. Wir Ärzte geben Support, sind aber nur eine Randfigur in dem Prozess und können das Thema nicht vollständig beurteilen. Vielen Dank dennoch an die LdN für das Aufgreifen des Themas. Hoffentlich wird das mediale Echo nun größer.

Ich fände es auch extrem wünschenswert wenn dieser gesamte Themenblock von der LdN häufiger aufgegriffen und tiefer bearbeitet würde. Klar ist das nicht das Hauptmetier der beiden, aber es ist zu wichtig für uns alle, und findet immer noch nur in Ausschnitten Beachtung.

Ich fände das Thema müsste sogar noch breiter angegangen werden.

Wir rennen auch nicht nur in der Pflege in einen Fachkräftemangel. Physio-und Psychotherapeuten und Rettungsdienstler müssen häufig immer noch Ausbildungsgeld zahlen, statt während der Ausbildung Geld zu bekommen. Komisch, dass auch hier ein massiver Mangel herrscht. Assistenzärzte werden so massiv (und vollkommen illegal) geschunden, dass viele nach dem Studium in andere Zweige gehen, oder wieder aus dem Beruf ausscheiden. 10% der praktizierenden Ärzte in D sind 65 Jahre oder älter. Vom Respekt und Gehalt die den Logistikern (aka Bettenschiebern) entgegengebracht wird möchte ich gar nicht erst reden. Mindestlohn für einen kaputten Rücken im Schichtsystem. Die finden nirgendwo Erwähnung, aber ohne die würde an den großen Häusern alles sofort zum Stillstand kommen.

Die geburtenstarken Jahrgänge werden in den nächsten 10 Jahren in all diesen Berufen in Rente gehen, und stattdessen anfangen als Patienten das System zu „belasten“.

Jenseits von Jens Spahns grandiosem Ansatz, den Mangel einfach in ein ärmeres Land zu exportieren, indem man die Kräfte von dort abwirbt, sehe ich bisher keinerlei Initiative seitens der Zuständigen.

Und währenddessen werden Deutschlandweit die Häuser bis zum Anschlag auf Profit getrimmt. Wenn wir nicht als erstes aufhören, Versorgungsstrukturen zu führen wie frei wirtschaftende Unternehmen, sehe ich dunkelschwarz. Die Unikliniken, die gerade bestreikt werden, argumentieren gerne damit, dass kein Geld da wäre, während sie teilweise im Millionenbereich grüne Zahlen schreiben. Im Gesamtkontext einer Uniklinik ist das kein großer Überschuss, aber hier gibt es doch trotzdem ein systematisches Problem.

Ich finde auch das gilt für das ganze GS. Mit dem zusätzlichen Problem, dass die, die es merken, oft keine Zeit/Kraft/Möglichkeit mehr haben, ihre Stimme organisiert zu erheben.

Das menschliche Leid, dass im Moment durch diese Zustände in den Kliniken entsteht, ist Menschen, die außerhalb des Systems arbeiten, schwer zu vermitteln.
Es sind nur meine zwei Cent. Klar kehren die Jungs weiter zusammen, was sie relevant und interessant finden. Aber das hier ist in meinen Augen zu wichtig um jemals ein „Kann-Thema“ zu sein.

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Danke für das Aufgreifen des Themas!
Bin selber Pfleger in einer der streikenden Kliniken und habe mich sehr über euren Beitrag gefreut.

Zwei Dinge sind mit dabei „ins Ohr gesprungen“:

Zum einen wird angesprochen, dsss zb die Tumor-OP nicht ewig aufgeschoben werden kann auch wenn sie kein akuter Notfall ist. Stimmt. Und es leiden Patienten durch den Streik und das schlägt uns Streikenden mächtig aufs Gemüt! Und dieser Punkt wird in der (seltenen) medialen Rezeption auch oft aufgegriffen, wenn der/die Journalist:in versucht beide Seiten neutral darzustellen. Völlig korrekt.
Aber was leider unter den Tisch fällt ist, dass jetzt im Streik die leidenden Patienten Namen und Gesicht haben, wenn sie keinen Termin bekommen und verzweifelt abgewiesen werden.
Die Patienten, die seit Jahrzehnten sterben, weil keinenZeit für Hygienemaßnahmen war, haben kein Gesicht und werden schweigend hingenommen, weil sie Tage oder Wochen nach Entlassung einzeln zu Hause sterben.
(RKI - 2019 - Neue Schätzung zur Krankheitslast durch Krankenhaus-Infektionen

Oder die Patienten, die Schäden erleiden oder bei denen keine Heilung eintritt, weil niemand sie im Umgang mit der Orthese angeleitet hat oder niemand die Ressourcen hatte zur Medikamenteneinname anzuleiten. Diese Menschen leiden und/oder sterben wegen der Überlastung der Pflege seit Jahrzehnten.

Zweiter Punkt, von der zitierten Ärztin in der Folge angesprochen ist, dass Pflegeleistungen in den Fallpauschalen quasi nicht eingepreist sind.
Von wenigen „Härtefällen“ abgesehen bekommt das Krankenhaus für die Radius-OP beim gesunden, mobilen zwanzigjährigen das gleiche Geld wie für die gleiche OP bei einem vollständig pflegeabhängigen 80jährigen der bereits zu hause 24/7 gepflegt wurde. Die OP ist identisch, die Diagnose auch also gleiche Vergütung. Der pflegerische Mehraufwand beim 80+ Patienten bleibt für die Abrechnung nahezu irrelevant.

Wieso kann der KFZ-Meister in seiner Ein-Personen-Werkstatt mir eine Rechnung auf die Flügelschraube genau ausstellen aber im Krankenhaus kann nicht mal ein grob gestaffelter Pflegeaufwand berechnet werden?
Und hier liegt ein groses Problem der Pflege. Denn was nichts kostet bzw nicht abgerechnet werden kann, kann ja auch nichts wert sein. Und wer will schon wertlose Arbeit verrichten.
Umgekehrt gilt für die Unternehmensseite die leider verständliche Sichtweise, dass kaum in einen Bereich investiert werden kann, der nur Kosten verursacht aber nirgends Geld erwirtschaftet. Aktuell ist die Pflege nicht profitabel da nicht angemessen abrechenbar. Höchstens in der Vermeidung kostspieliger Komplikationen könnte ein finanzielles Interesse liegen, warum ein Krankenhaus in die Pflege investieren sollte.

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s. dazu auch

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Vielen Dank für den Beitrag, ich finde es sehr wichtig, dass der „Streik Entlastung“ in der LdN aufgegriffen wurde.

Aus meiner Sicht noch 2 Punkte:

1.: Es ist kein Pflegestreik, die Pflege stellt aus gutem Grund das Gros der Streikenden, es sind aber prinzipiell alle Berufsgruppen einbezogen, da die Ursachen für den Streik ja auch alle Beschäftigten betreffen.

2.: In der LdN294 wurde anfangs über die Mineralölkonzerne berichtet. Durch den Bericht zu dem Streik und dessen Ursachen hätte ein thematischer Kreis geschlossen werden können. Das große Problem ist doch, dass mittlerweile fast ausschließlich die Wirtschaftlichkeit die Struktur im Krankenhauswesen diktiert. Mit dem Fallpauschalensystem wurde es erst ermöglicht, durch das Betreiben eines Krankenhauses Gewinne erwirtschaften zu können. Mittlerweile ist durch dieses System jedes Krankenhaus gezwungen, wirtschaftlich, d.h. gewinnorientiert, zu arbeiten. Und wenn der Preis für eine DRG vorab feststeht, ist klar, dass der Leistungsumfang (in erster Linie die personelle Versorgung) angepasst, d.h. weitestgehend reduziert werden muss, um die Gewinnmarge attraktiv zu machen. Wir alle befinden uns im Würgegriff der DRG Logik, der rasante Anstieg der privaten Krankenhausträger lässt nur erahnen, wohin die Reise gehen wird, dann heisst Shell halt Helios und BP heisst Asklepios oder so.

Es wäre sicher sinnvoll auch mal in einer LdN auf diese Hintergründe weiter einzugehen. Ohne eine Änderung der Finanzierungsstruktur ist ein Streik immer nur das Löschen eines von unzähligen Brandherden. Gesundheitsversorgung muss wieder als Gemeinwohl-orientierte Daseinsvorsorge einer sich kümmernden Gesellschaft verstanden werden, und da haben private Renditen nichts zu suchen. Im Übrigen ist der Siegeszug der Investorengesellschaften im ambulanten Sektor auch bereits losgetreten, auch da werden wir uns in Zukunft mit einigen Neuerungen vertraut machen müssen. Wie schön wäre es doch, ein System ohne diese unsinnige Trennung von ambulantem und stationärem System zu erschaffen, in dem unser aller Wohl und nicht die Rendite globaler Konzerne im Mittelpunkt stünden…

Der „Streik Entlastung“ kann also aus meiner Sicht nur sinnvoll sein, wenn gleichzeitig die verursachenden Strukturen offengelegt werden und für deren Änderung gekämpft wird. Die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern der Länder (Uniklinika) attraktiver zu gestalten wird ein wichtiges Zeichen für die anderen öffentlichen und gemeinnützigen Träger sein nachzuziehen. Aber was werden die privaten Träger machen? Es bleibt viel zu tun, auch für die LdN…

Auf den Mod Beitrag muss ich doch jetzt auch nochmal antworten.

Die Argumentation, dass das Selbstkostendeckungsprinzip zu einer Selbstbedienung der Krankenhäuser geführt habe, ist weidlich widerlegt. Die Liegezeiten haben sich vor und nach Einführung des DRG Systems gleichermaßen nach unten entwickelt. Das prozentuale Aufkommen für das Gesundheitswesen ist nach Einführung der DRGs ungebremst nach oben gegangen, wenn es doch nur anders gewesen wäre… Ich bin auch der Meinung, dass die DRGs ein gutes Planungsinstrument sein können, aber halt nicht ein finanzielles Steuerungsinstrument. Es geht ja auch nicht nur um einzelne Patient*innen / Fälle, sondern auch um Anreize der Versorgungsplanung, Stichwort Abschaffung der unlukrativen Geburtshilfe und Bildung von elitären Spezialkliniken für besonders attraktive DRGs. Die Situation in der Psychotherapie / Psychiatrie ist hingegen ja bekanntermaßen eine andere.

Das fehlende zweite Bein der dualen Finanzierung (Strukturinvestitionen durch die öffentliche Hand) ist in der Tat ein riesiges Problem, die öffentlichen Haushalte berappen gerade mal ca. 4% der etwa 400Millarden Euro, die jährlich in Deutschlands Gesundheitswesen umgesetzt werden.

Eine Pauschale, die auch Pflege- und Präventivleistungen erfassen würde, stelle ich mir recht kompliziert vor. Dadurch, dass nunmehr ja auch Pflegepauschalen bereits eingeführt sind, wird ja deutlich, dass eine Logik die pauschale Erfassung nicht ermöglicht. Es wird immer komplizierter und aufgeblähter, so dass schlussendlich die Abrechnung (Dokumentation) mehr und mehr Mittel verschlingt, die in der Leistungserbringung fehlen. Und die Abschaffung der PKVs, ja das wäre mal was!

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