LdN294 Der Tankrabatt wirkt - als Katalysator für eine Reform des Kartellrechts

Das steckt nach meinem Verständnis alles bereits in dem Ölpreis mit drin. Dieser Preisanstieg ist so gravierend, denn kann man einfach nicht wegdiskutieren, meiner Meinung nach.

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Ich verteidige lib ja ungern, aber erhöhte Transportkosten um Öl bestimmter Sorten über lange Strecken zu bestimmten Raffinerien zu karren, weil die nun mal auf eine bestimmte Kombination von Ölen ausgelegt sind, sind selbstverständlich nicht im Ölpreis drin. Das sind ja auch individuell sehr unterschiedliche Kosten je nach Raffinerie-Standort, während der Ölpreis ein an Rohstoffbörsen gebildeter, für alle Marktteilnehmer einheitlicher Wert ist.

Der Wertverlust des Euro im Vergleich zum Dollar hingegen ist im Ölpreis drin, wenn der in Euro angegeben ist. Das war in der Tat eine Nebelkerze.

Insgesamt ist sicher ein Teil der höheren Marge auf höhere Kosten, ob jetzt Transport oder Ersatzteile oder Prozessenergie (ja, auch Raffinerien brauchen das) oder sonst was, zurückzuführen. Ein Teil ist vermutlich auch einfach ein Puffer, den man bei hoher Marktvolatilität lieber ein paar Cent höher als bei stabilen Preisen kalkuliert, um für einen selbst nachteilige Preisschwankungen abfedern zu können. Aber selbst mit sehr viel gutem Willen sehe ich nicht, wie diese Effekte eine Verdopplung der Margen aller Beteiligten zwischen Rohöl und Zapfsäule erklären könnten, da bleibt ziemlich sicher am Ende des Tages noch was für die Gewinnspanne übrig.

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Impulse für diese Debatte aus der aktuellen LdN 294:

  • Die von der FDP durchgedrückte Mineralölsteuersenkung für Ölkonzerne hat einen Streit in der Ampelkoalition losgetreten. Nun hat Wirtschaftsminister Robert Habeck eine Reform des Kartellrechts gefordert und möchte es mit „Klauen und Zähnen“ austattten. Warum die aktuelle Rechtslage noch verbesserungswürdig ist, erklärt Professor Daniel Zimmer, Jurist an der Uni Bonn.

  • Direkt danach steht Sven Giegold, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, der Lage Rede und Antwort und erklärt, wie der Machtmissbrauch der Oligopole gestoppt werden soll.

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Da wir den Zeitpunkt der Bezahlung des Öls nicht kennen ist dies ebenso eine spekulative Größe.
Wenn Öl viele Tage im Nachhinein wie auf dem Weltmarkt üblich bezahlt wird, dann könnte das weitere abfallen des Euros in der Zeit zwischen Kauf des Öls, Raffinieren, Tanken und Bezahlen jeweils noch eine Blackbox an Wechselkursschwankungen mit sich bringen. Nichts wird in der Sekunde der Übergabe bezahlt, in der das Gut übernommen wird. Dies gilt insbesondere für mehrere Tage dauernde Verschiffungszeiten.

Seit 2002 hat sich die Menge der auf dem Weltmarkt verfügbaren Euros versiebenfacht. Der Tankpreis hat sich jedoch in der Zeit nicht versiebenfacht. Ich sehe da eher eine bisherige Unterentwicklung des Spritpreises.
Mal eine theoretische Frage: Was wäre, wenn alle Ölkonzerne im katastrophalen Jahr 2020 Insolvenz angemeldet hätten und quasi alle Raffinerien aufgelöst und gen Fernost verkauft hätten? Für schlechte Zeiten sind Gewinne aus besseren Zeiten da - und das ist auch gut so.

Wir wissen schlicht nicht, wie sich die Gewinnmargen entwickelt haben. Der „Ölpreis“ der hier immer als Vergleich genutzt wird, entspricht eventuell nicht dem „Ölpreis“ den die Konzerne bezahlen, eben weil sie ganz bestimmtes Öl brauchen, was nun knapper geworden ist, oder eben das nicht passende Öl zunächst anpassen müssen, bevor es durch die übliche Raffinerie gejagt wird.

Aber selbst wenn die Ölkonzerne sich gerade die Taschen vollmachen, handelt es sich eben um eine globale Entwicklung, die demnach genau nichts mit dem Tankrabatt zu tun hat.

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Die Grafik oben bezeichnet „Rohöl und Steuern“ als einen Block und „Überschuss Anbieter“ als einen anderen.
Die Relevanz von Rohöl als Kostenpunkt nimmt in dem Moment ab, wo das Rohöl weiter transportiert werden muss. Bisher sind die Transportkosten sowie auch steigende Löhne und sonstige steigende Raffineriekosten Teil des „Überschuss Anbieter“ Blocks. Es ist also ein Fehlschluss den „Überschuss Anbieter“ als Gewinnmarge zu betiteln, da in diesem noch Produktpreiselemente enthalten sind.

Das hedged man als professioneller Händler; ist überhaupt kein Problem, dieses Risiko eng zu begrenzen, kostet lediglich ein kleines bisschen was an Absicherungskosten. Aber nichts, was 100% Aufschlag auf die Marge rechtfertigt.

Was ist denn das für eine Milchmädchenrechnung?

Also, zum Einen müssen sich Preise von Gütern nicht proportional zueinander entwickeln. Gerade jetzt werden Erdbeeren auch nicht gleich schnell teurer wie Sprit. Und es gibt auch keinen Grund warum sich das zwingend irgendwann wieder ausgleichen müsste.

Und zum Anderen sagt eine Geldmenge ohne das Wissen um die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes überhaupt nichts aus. Theoretisch kann man die ganze europäische Wirtschaft mit ein paar tausend Euro an Geldmenge am Laufen halten - die paar Euro müssten nur mit beinahe unendlicher Geschwindigkeit den Besitzer wechseln, damit immer genug Geld verfügbar ist, wenn es irgendwo zur Ermöglichung eines Handels erforderlich ist. Umgekehrt könnte man beliebig viele Quadrillionen an Euro erschaffen und die Wirtschaft würde nichts davon erfahren, keine Inflation, gar nichts - sofern man das Geld ewig irgendwo auf irgendwelchen Konten „immobil“ verschimmeln lässt. Geldmenge multipliziert mit Umlaufgeschwindigkeit ergibt den Wert, der überhaupt erst eine Aussage zur verfügbaren Liquidität in einer Volkswirtschaft erlaubt - die Geldmenge allein ist völlig nutzlos, außer für Milchmädchenrechnungen abseits des eigentlichen Themas.

Aha! Dann fallen also auch deiner Meinung nach gerade doch auch etwas üppigere Gewinnmargen an als vor dieser Sondersituation. Gut, dass wir das geklärt haben.

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Diese angeblich teurere Ölmischung ist eine Nebelkerze, das russische Urals-Öl kostet nämlich aktuell viel weniger als das „normale“ WTI (USA) und Brents (Nordsee) (Quelle):

Brent: 121.17 (US$/Barrel)
WTI: 118.93 (US$/Barrel)
Urals: 98.01 (US$/Barrel)

Und was die Transportkosten angeht, der Merkur hat vor etwa 10 Jahren mal den Öl-Weg aus Saudi-Arabien nachgezeichnet (Quelle: Merkur):

Rund einen Dollar kostet die Förderung aus dem arabischen Wüstenboden pro Barrel. […] Damit kostet ein Liter zu diesem Zeitpunkt nicht einmal 0,5 Euro-Cent.

Bis hierhin hat unser Liter Öl Kosten von immer noch nicht mehr als einen halben Euro-Cent verursacht. Jetzt kommt noch etwas drauf, weil das Öl, so wie es aus dem Boden kommt, keiner brauchen kann. […] Reinigung und die jetzt fälligen Frachtkosten zum Ölhafen Rotterdam verdoppeln die Kosten. Sie liegen nun bei einem Cent pro Liter.

Es hat also 2011 etwa 0,5 cent pro Liter gekostet, das Öl per Tanker aus Saudi-Arabien nach Rotterdam zu bringen.

@Nacho @lib
Habt ihr Quellen, die belegen, warum sich die Transportkosten aktuell so verteuert haben, dass damit die hohen aktuellen Preise gerechtfertigt werden können?

edit:
Und dem Pipeline-Öl sagt man ja nach, das es noch viel günstiger als Tanker-Öl sein soll. Und die PCK-Raffenerie in Schwedt wird ja nach wie vor mit billigem Urals-Öl aus der Pipeline beliefert.

Der Abstand zwischen der Relevanz von Rohöl zum finalen Tankinhalt nimmt weltweit ab.

Dieses 3:2:1 Chart von Bloomberg zeigt, dass die enge Korrelation zwischen Rohölpreis und Tankstellenpreis nicht weiter gilt: Egal wo, und egal was betankt wird, und egal mit was betankt wird.
Ob Schiffe, Generatoren oder Autos - alle haben dasselbe Problem der Entkopplung der Rohölpreise zu den Raffineriepreisen und auch zu den Rohölpreisen. Dieselbe Mechanismen gelten universell.
Bei Betrachtung der Graphik wird auch klar, dass eine Risikoprämie angemessen ist.

Dass aktuell mehr Gewinne ausgewiesen werden ist nicht bekannt. Warten wir das mal ab.
Das Hedgen gegen Währungsschwankungen hat an Attraktivität in den 2010er Jahren abgenommen. Seitdem die Zebtralbanken oder Regierungen immer die TooBigTooFail-Kandidaten retten: Warum hedgen?
Lehman, Griechenland, Berlin, GazpromGermania- alle werden mit Staatsgeld gerettet. Wer im Jahre 2022 noch hedged hat in den 1990ern das traden gelernt.

Also für das 1. Quartal 2022 steht das schon mal fest (Quelle: FR.de):

So haben Exxon Mobil und Total Energies ihren Gewinn im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahresquartal verdreifacht, bei Shell beträgt das Plus knapp 150 Prozent.

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Eben nicht… In Deutschland kostet der Sprit fast überall das gleiche! Das ist in anderen EU Ländern gar nicht so. Ob man den Mineralölkonzernen eine Absprache nachweisen kann bezweifele ich aber im Ergebniss erinnert das doch sehr an ein „Kartell“. Preissenkung meiner Meinung nach möglich mit

1.) gesetzliche Preisdeckelung (in DE politisch unmöglich alle schreien „Kommunismus“ aber auch nicht optimal denn das würde zu viel kosten und überproportional in die Taschen von Leuten fließen, die nicht drauf angewiesen sind

2.) mit gezielter Ubterstützung von Menschen, die das Auto wirklich brauchen und sich den Spritpreis nicht leisten können z.B. „Benzin-/Dieselkarte“ oder ähnliches.

Ich fände 2 besser. Damit würde man nicht die berühmt-berüchtigten SUV Fahrer entlasten… :slight_smile: bin kein Experte korrigiert mich gerne.

LG

Der Vergleich mit 2021Q1 hinkt. Damals gab es fast global Lockdowns und Reisebeschränkungen mit entsprechendem Nachfragerückgang.

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Nope, alles was du schreibst klingt für mich erstmal plausibel. Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, kann ich mir durchaus vorstellen, dass die Ölkonzerne gerade die Gesamtsituation „Ukraine“ ausnutzen. Aber es handelt sich eben um ein globales Phänomen, welches nichts mit dem Tankrabatt zu tun hat. Und das war die eigentliche Aussage dieses Threads.

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Beim Diesel ist der Tankrabatt wohl schon wieder aufgefressen worden.

Und mit dem Rohölpreis scheint das auch nichts zutun zu haben:

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Mit dem Rohölpreis hat es indirekt zu tuen. Wichtiger sind die Crack Spreads, wie auch @TRq schon herausgearbeitet hat:

Der Brent-Crack-Spread (der aufgrund der Sanktionen für Europa am wichtigsten ist), ist auf neuen Höhenflügen. Ohne den Tankrabatt wäre der Preis an der Zapfsäule noch deutlich höher.

Jetzt könnte man spekulieren, weshalb der Crack-spread so hoch ist. Ich würde mal vermuten, dass die sinkende Nachfrage nach Flugbenzin aufgrund der gestrichenen Flüge den Preis für Diesel treibt. Verluste auf Benzinseite werden auf Dieselseite gehedget und vice versa.

Es ist doch jedes Mal dasselbe Argument: ohne Tankrabatt wäre der Preis vielleicht noch höher. Die deutschen Tankstellenpreise und die Rohölpreise reichen nicht aus, um eine Aussage über die Wirksamkeit des Tankrabatts zu treffen.

Also so eine Aussage wie die, die du im Titel dieses Threads machst? :wink:

Und was ist der Crack spread?

Der Gewinn den die Raffinerien machen.

Wem gehören die Raffenerien?

  1. PCK Raffenerie (Schwedt):
  1. MIRO (Karlsruhe):
  1. BP Gelsenkirchen: Kann man sich ja denken (Quelle).
  2. Total Raffinerie Mitteldeutschland: Auch klar, wem die gehört.

und so weiter. Also völlig wurscht, ob der Gewinn nun beispielsweise am Zapfhahn bei der BP-Tanke entsteht oder in der BP-Raffenerie. Es ist ein Gewinn des Mineralölkonzerns BP.

Und von irgendwelchen Unterkapazitäten kann ich in der Quelle von @TRq auch nichts finden.

Und ich glaube auch, ohne das natürlich beweisen zu können, dass der Preis ohne Tankrabatt nicht 17 cent (Diesel) oder 35 cent (Super) höher wäre, sondern deutlich weniger. Denn da der Wettbewerb unter den Mineralölkonzernen so kaputt ist, gibt es ja eigentlich nur noch eine mögliche Preisbremse. Und das ist die Nachfrage der Kunden.

Daher würde ich sagen, dass die Mineralölkonzerne schon aufpassen, dass der Benzinpreis nicht so hoch wird, das er eine Art Ausweichverhalten der Kunden provoziert.

Und selbst wenn von dem Tankrabatt die Hälfte beim Kunden ankäme, ist es immer noch ein Steuergeschenk von etwa 1,5 Mrd. €, das wir uns aktuell nicht leisten können.

Die geringere Nachfrage nach (Flug)benzin verursacht ein geringeres Angebot an Diesel. Das ist das Problem der Raffinerien - und zwar egal, wem diese Raffinerien gehören. Das führt aber nicht zu höheren Gewinnen, sondern nur zu mehr Umsatz bei den Raffinerieinhabern.

Durch die geringeren Preise von Sprit wird die offiziell Produzentenpreisinflationsrate und Konsumentenpreisinflationsrate weiter unten gehalten. Da dieser PPI und CPI auch für Lohnforderungsberechnungen herangezogen wird, führt diese künstliche Zurückhaltung der Spritpreise zu weniger hohen Forderungen durch die Gewerkschaften. Somit ist die Tankpreisreduzierung ein Instrument der Reduzierung der lokalen Inflationserwartungen und der Inflation durch eine geringere Lohn-Preis-Entwicklung im ganzen. Durch diese künstliche niedrige Inflationszahlen werden relativ geringere Renten ausgeschüttet - der Tankpreisrabatt dürfte sich also selbst locker rechnen und die Staatskasse mittelfristig entlasten. Es ist nur keine besonders soziale Form der Entlastung, da einfach ein Multiplikator durch Geldeinsatz unnatürlich niedrig gehalten wird und umverteilende Maßnahmen wie z.B. die Rentenentwicklung entsprechend ebenso gedrückt wird.

Lies doch einfach den Thread, du hast jetzt schon dreimal den gleichen Beitrag gebracht. Dein Argument ist immer: (deutsche) Spritpreise steigen, Rohölpreise nicht, ergo: Tankrabatt wirkungslos. In diesem Thread gibt es mittlerweile wirklich genügend Argumente und Daten, um diese Sichtweise als unterkomplex zu entlarven.

Heißt im Umkehrschluss natürlich nicht, dass der Tankrabatt deswegen wirksam sein muss. Aber deine Argumente reichen schlicht nicht, um ihn als unwirksam zu erklären.

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