Na ja, also so unglaublich anders sollte der französische Spritmarkt jetzt nicht sein wie der deutsche, um diesen Vergleich mit einem pauschalen Hinweis auf „wir sind nicht die Franzosen“ so einfach wegzuwischen. Außer du hast konkrete Differenzen, die du anbringen kannst, weswegen dieser Vergleich unzulässig ist.
Der potenzielle Fehler in dem Vergleich ist ein anderer: der Vergleich geht davon aus, dass der französische Markt uneingeschränkt effizient funktioniert und daher eine gute Referenz darstellt. Was wäre denn, wenn die Margen im französischen Spritmarkt einfach ganz genau so verzerrt sind wie die im deutschen, nur halt ohne die Steuerersparnis? Wenn wir von einer Situation ausgehen, in der die Tatsache, dass Benzin und Diesel für die meisten Menschen nur sehr begrenzt substituierbar sind, und gleichzeitig nur eine Hand voll Anbieter den Markt bedienen und die konkreten Wertschöpfungsschritte recht undurchsichtig und intransparent sind, dazu führt, dass relativ viel Spielraum für Margenerhöhungen an dieser und jener und noch einer weiteren Stelle besteht - dann ist die Theorie, dass schlicht die Margen auch in Frankreich und auch ohne Steuerermäßigung ebenfalls derzeit etwas höher als sonst ausfallen, doch nicht allzu weit hergeholt, oder?
Immerhin haben wir in den Monaten vor dem Tankrabatt ja auch schon gesehen, dass die Margen in der ölverarbeitenden Industrie eindeutig gestiegen sein müssen, und zwar über alle Beteiligten. Inwieweit das als Risikoaufschlag, zur Deckung gestiegener Kosten usw. gerechtfertigt ist, ist ein anderes Thema, aber dass diese Entwicklung stattgefunden hat, ist denke ich inzwischen Fakt.
Wenn man mal annimmt, dass nun eine nochmalige Margenerhöhung nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich erfolgt ist, dann führt es unweigerlich zur Frage, ob dieselbe Entwicklung auch ohne Steuerrabatt stattgefunden hätte. Was denkbar wäre, und in dem Fall wäre der Rabatt eindeutig als effektiv zu betrachten. Genausogut könnte es aber sein, dass der Steuerrabatt eine günstige Gelegenheit und einen Impetus bot, die Margen etwas zu strecken, und wenn jeder Beteiligte in der Wertschöpfungskette seine Marge nur ein klein wenig streckt, kommt eine insgesamt große Differenz dabei raus. Und eine Orientierung am Spritpreis in den Nachbarländern kann genausogut umgekehrt verlaufen, sprich die Anbieter (die sowieso meist multinational agieren, also Frankreich ebenso bedienen wie Deutschland) ziehen einfach aus Frankreich eine ungefähr analoge Marge wie aus Deutschland, und wenn die in Deutschland gerade günstigerweise etwas höher ausfallen kann, dann erhöht man in Frankreich halt genauso und schaut mal, ob man damit durchkommt. Die Käufer brauchen Treibstoff und haben eh wenig Wahlmöglichkeit, also bestehen durchaus Chancen, dass man das eine Zeit lang aufrecht erhalten kann, selbst völlig ohne kartellrechtlich problematische Absprachen - wenn alle ohne Absprache nach derselben Logik agieren, ist es kein Kartell.