Im neusten Interview ging es ja kurz um die Rente, da möchte ich mal die Frage in den Raum werfen wie es denn aktuell eigentlich in folgendem Rahmen / mit folgenden Prämissen um die private Altersvorsorge steht.

So wie ich es verstehe basiert meine private Altersvorsorge ja auf dem Wirtschaftswachstum der Bereiche in die ich investiere. Ich habe mich da vor ein paar Jahren für 100% Grüne ETFs bzw. staatlich subventionierte Grüne Fonds entschieden (Rister und co.) mit dem Gedanken: wenn ich meine Rente noch erleben will, sind Investitionen in konventionelle Bereiche verbranntes Geld und Grüne Bereiche müssen sehr stark wachsen. Zugegeben ein recht plumper Gedanke. Mittlerweile steht ja auch im Raum (wenn auch vielleicht noch unpopulär) das Wirtschaftswachstum einzudämmen, eine Transformation der Wirtschaft zu vollziehen (Stichworte de-growth, post-growth) was, wenn ich es richtig verstehe, dann ja eine Renteninvestition wie oben beschrieben unrentabel macht. Das führt mich zu dem Schluss, dass die Investitionsbasierte altersvorsorge keine gute Zukunft hat, wenn Wachstum wie bisher zur Konsumierung unseres Planeten und damit unserer Lebensgrundlage führt, und ich auf eine politische / gesellschaftliche Lösung vertrauen muss.

Was ist an diesen Laienhaften Gedanken dran, was ist Unsinn und wie steht ihr dazu?

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Das sehe ich recht ähnlich. Würde man sich mit seiner Rente über Aktien und dergleichen nur an bestimmte Unternehmen oder sogar die Gesamtwirtschaft binden, wären die Renten weg, sobald die Unternehmen weg sind oder die Wirtschaft nur stark genug schrumpft.

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Ich glaube, das Problem ist in meinen Augen ein Fehler im Grundverständnis, was die Grundlage deiner Rente ist.

Die Grundlage der staatlichen, umlagebasierten Rente sind:

  • Ein funktionierender, deutscher Nationalstaat oder Rechtsnachfolger, der sich während deiner gesamten Rentendauer an die Rentenzusagen gebunden fühlt
  • Es gibt genügend menschliche Arbeitskräfte in Deutschland, die bereit sind und die Möglichkeit haben, die Rente über ihre eigene Produktivität sicherzustellen
  • Es gibt eine ausreichend produktive Wirtschaft in Deutschland, die ausreichend Wirtschaftskraft bereitstellt

Die Grundlage einer investitionsbasierten Rente ist die generelle Produktivität / Rendite deiner Investitionen, d.h. bei einer sinnvollen weltweiten Differenzierung ist die Grundlage der investitionsbasierten Rente die gesamte Weltwirtschaft, wobei es egal ist, ob die Rendite durch Menschen, Maschinen, Investitionen, KI oder Aliens erzeugt wird.

Im Endeffekt basieren beide Rentenformen auf den gleichen Grundlagen, wobei die staatliche Rente eben nur einen sehr kleinen Teilausschnitt / engeren Fokus (menschliche Produktivität in Deutschland) im Vergleich zur investitionsbasierten Rente hat.

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Da ich neu im Forum bin und mich wegen angestautem Diskussionsbedarf hier angemeldet habe, grabe ich nun alte Themen und Threads aus, zu denen ich meinen Senf und meine Fragen ergänzen möchte.

Ich habe vor wenigen Wochen meine Rentenauskunft erhalten. Ändert sich nichts an den Umständen (schauen wir mal - ich bin 29) werde ich im Jahr 2062 meine Regelrenteneintrittszeit erreicht haben und darf mich dann über monatlich ~1800 Euro freuen.
Das Renteneintrittsalter ist auch ein spannendes Kapitel für sich (ich sehe es nicht als mein Lebensziel bis 67 arbeiten zu müssen), soll aber zunächst nebensächlich bleiben.
Mit der jetzigen Perspektive empfinde ich es als fahrlässig, sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente zu verlassen. Privates Vorsorgen ist angesagt, aber wie?
Ein Eigenheim ist eine Möglichkeit, für viele aber eher ein Traum. Immobilien darüber hinaus auch für wenige eine realistische Option, womit ich beim Aktienmarkt lande.
Da Geld auf Sparbüchern und Sparbriefen (heißt das heute noch so) keine Option sind, bleibt fast nur der Aktienmarkt.
Und damit knüpfe ich an die Sorgen des Originalverfassers an.
Jedoch sehe ich die gefahren nicht. De-Growth überlegungen mögen bei uns vieleicht einige hegen, weltweit dürfte das jedoch kaum Anklang finden. Wir, im gelobten Land, könnten uns De-Growth vielleicht sogar leisten, Schwellen- und Entwicklungsländer wohl kaum.
Außerdem bedeutet Wirtschaftswachstum nicht, dass ein Kerngebiet immer weiter wächst. Wirtschaft erfindet sich immer wieder neu. Pferde brachten einst Wirtschaftswachstum, dann Dampfkraft, Elektrizität und Industrialisierung.
In der aktuellen Transformation besteht auch Wachstumspotential. Erneuerbare Energien statt fossile Brennstoffe. Aktuell ist KI ein Treiber und wer weiß was danach kommt.
Ich sehe in der Wirtschaft und somit über Aktien immer eine Möglichkeit an der Entwicklung zu antizipieren.
Fragen: Bin ich naiv? Sehr ihr das anders?
Wie kann/sollte man sozialverträglich Rentenvorsorge betreiben?
Sollte nicht mehr über private Vorsorge aufgeklärt werden, statt das Feld windigen Influencern zu überlassen, die die Sorgen der Jugend und das streben nach „finanzieller Freiheit“ ausnutzen?

LG

Da liegt bei der Argumenation natürlich der berühmte Hase im Pfeffer. Die Rentenauskunft erteilt Dir ja drei Werte:

  1. Rente bei gesundlicher Frühverrentung
  2. Rente nach Einzahlungen stand heute
  3. Rente wenn man einen Durchschnitt der letzten 5 Einzahlungsjahre weiter einzahlt.

Interessant ist ja eigentlich nur 3.
Und gerade am Anfang seines Arbeitslebens kann man wohl noch davon ausgehen, dass man über die Zeit mehr gehalt bekommt und damit mehr einzahlt. D.h. der 3. Wert sollte, so sich an den allgemeinen Parametern nichts ändert, mehr raus bekommen.

Natürlich sollte man sich, so man es sich denn leisten kann, um private Vorsorge kümmern.

Das Grundproblem bei der Altersvorsorge ist die Inflation, die es zu schlagen gilt.
Hier ist De-Growth eigentlich kein Problem, denn eine Wirtschaft, die nicht mehr wächst, sollte auch keine Inflation mehr haben. Insofern ist es grundsätzlich nicht falsch, in Aktien zu investieren, aber birgt dennoch Risiken, da die zukünftige Entwicklung sich aus der Vergangenheit nicht extrahieren lässt, was leider aber oft getan wird, wenn prognostiziert wird, dass Aktien im Schnitt immer 7% Rendite abwerfen und langfristig nie Verluste machen (was halt nur für die Vergangenheit gesichert gilt).