Tut mir leid, aber da kommt mir die Galle hoch. Die Würde des Menschen sollte in Deutschland noch immer unantastbar sein. Soziale Ächtung ist genau das Gegenteil. Bitte achte auf Deine Worte.
Mir ist schon klar, dass Du das nicht so radikal meinst, aber das ist exakt der Zungenschlag, der den Riss in der Gesellschaft noch breiter werden lässt.
Und ja, ich vergleiche den Umgang mit Imfgegnener mit dem Umgang mit der frühen AFD und von mir aus können wir auch gern noch andere sehr richtige, wenn auch für viele sehr radikale Konzepte wie (post)Feminismus, gendern, Klimaschutz und weltweite Migration werfen. Und zwar aus einem guten Grund: Diejenigen, die ernsthaft den politischen Wandel in Richtung einer besseren Welt treiben wollen, benötigen alle Teile der Gesellschaft, wenn dieser Wandel gelingen soll und das ist mein Anliegen.
Hier schließt sich auch der Kreis zu Meinungsbildnern wie der Lage der Nation (und diesem Forum): Politischer Wandel in der heutigen Zeit ist ohne eine flankierende Medienlandschaft nicht machbar. Formate wie die Lage der Nation können durch eine konsequente aber ausgewogene Darstellung (ich erinnere mich lebhaft an die Diskussionen um den berliner Mietendeckel, die so brilliant, klug und fair geführt wurden, dass ich zwar meine Meinung zum Mietendeckel nicht geändert habe, aber bereit war, die Argumente der Gegenseite zumindest zu akzeptieren) dazu beitragen, beide Seiten mitzunehmen. Es muss die Aufgabe sein, eine qualifizierte Entscheidung zu ermöglichen und nicht, diese aufzuoktruieren.
Wäre die Diskussionen um das Impfen nicht so übervorsichtig geführt worden, sondern wäre, wie z.B. in China/Australien/Korea, eine sehr konsequente Bekämpfung der Gefahrenlage ausgeführt worden, hätten wir mit Corona kein Problem mehr. Aber wenn uns die Entscheidung des Indivuduums so wichtig ist, dann müssen wir sie auch akzeptieren, selbst wenn wir anderer Meinung sind. Denn am Ende vom Tag basiert die Einschätzung der Vor- und Nachteile des Impfens auf Meinungen (weniger die klinische Wirksamkeit, als vielmehr der gesellschaftliche Imperativ). Solange ich sagen kann: "Meine persönliche Freiheit, mich nicht impfen zu lassen, werte ich höher, als eine diffuse Bedrohung einer noch diffuseren Bevölkerung (die mich ggf. sogar noch isoliert). Solange braucht es mehr, als faktische Argumente.
Und das Gleiche gilt für die AFD. Die Neue Rechte liest Wagenknecht und Sarrazin parallel und erkennt beide, wie Maßen, als eine potentielle Keimzelle für rechtsalternatives Gedankengut an, weil alle drei (aus guten Gründen), in der eigenen Partei/Gesellschaft Akzeptanzprobleme haben.
Das gelingt allerdings nur solange, wie wir, die Mitte der Gesellschaft, verdiente Teile aus dieser Gesellschaft ausschließen, weil sie nicht hart auf Kurs sind. Das ist klassisch Divide and Conquer und die Neute Rechte schläft nicht. Wir können froh sein, dass der Durchschnitts IQ des typischen AFDler erschreckend nahe an der Zimmertemperatur liegt, sonst hätten wir andere Probleme. Aus einer ideologisch deterministisch aufgeheitzten Stimmung, kann kein positiver Wandel entstehen. Dafür braucht es den Mut, die andere Seite anzuhören und zu respektieren.
Der Umgang mit Impfverweigerern ist nur ein Symptom einer Gesellschaft, die nicht mehr kooperieren will, insofern sehe ich diesen Trend ähnlich wie ChristianE.
Es muss daher ok sein, gegen das Impfen zu sein, zumindest auf einer menschlichen Ebene, denn sonst wird sich diese Person auch nicht von Fakten überzeugen lassen und das muss das Ziel sein.
Ich will auch, dass sich mein gesamtes Umfeld impfen lässt, weil ich von der Pflicht des Einzelnen überzeugt bin, aber meint Ihr mit „Wenn Du das nicht machst, bist Du unsozial und ein schlechter Mensch!“, bekomme ich jemanden überzeugt? Nein. Natürlich nicht.
Wir müssen den Menschen zutrauen, eine eigene Meinung zu bilden, auch wenn sie nicht die unsere ist.