LdN224 Homeoffice - Theorie und Praxis aus Sicht von einem Arbeitgeber

Guten Abend Herr Banse,

guten Abend Herr Buermeyer,

Vorab vielen Dank für Ihre Einsatz und Mühe jede Woche einen solch informativen Podcast zu erstellen.
In der gleichen Lage war einer Ihrer Kommentare zu Norbert Röttgen so ungefähr “Ich bin nicht mit allen was er sagt einer Meinung, aber es sind keine Phrasen…“. So geht es mir auch oft bei Ihnen.

Zum Thema Homeoffice

Ich arbeite bei einem mittelständigen Maschinenbauer mit 150 Mitarbeiter/innen. Ich hoffe jedenfalls, dass die Kollegen/innen das mit dem Arbeiten auch so sehen, denn nebenbei bin ich geschäftsführender Gesellschafter der Firma.

Knapp 110 Mitarbeiter/innen arbeiten „am Metall“. Die CNC Maschine nimmt man nicht mit ins Home-Office.

Bei den 40 am Schreibtisch gibt es gefühlt mindesten 10, die weil sie wiederholt doch mal ein Teil anfassen / sehen müssen.

Bleiben 30 Kollegen/innen die relativ einfach ins Home-Office gehen könnten. Von denen haben vor Corona 4 es vorher auch schon genutzt. Aber nur so max. 1 Tag die Woche.

Mein größtes Problem: Die Leute wollen nicht ins Home-Office! Auch die 4 nicht Vollzeit.

  • Nee, ich will mich mit meinen Kollegen austauschen
  • Zuhause geht man ja ein. Zurzeit besteht mein Leben aus Zuhause/Arbeit/Supermarkt, nur noch Zuhause/Supermarkt :frowning:
  • Ich habe keinen Platz zuhause. (Bei uns hat eigentlich jeder Arbeitsplatz mindestens 2 x 24“ Bildschirme und nur ein Laptop 15“ ist Folter)
  • Mit den Kindern im Haus kann ich bei meiner Wohnungsgröße nicht arbeiten.
  • 2-3 haben auch keinen ausreichenden Internetanschluss.
  • Unser Upload lässt sich auch nicht mehr aufbohren. Wir sitzen in einen Oberzentrum, Universitätsstadt …

Entgegen den hier - für mich manchmal mitschwingenden Meinung – kann ich nicht einfach anordnen. Langfristig wird es nur etwas, wenn die Mitarbeiter/innen und auch ich das Gefühl haben die eigenen Belange, vielleicht auch die ein oder andere Empfindlichkeit die Bedürfnisse der Firma und Gesellschaft stehen im richtigen Verhältnis.

Kleiner Exkurs zur entspannten Gesetzeslage:

  • Herr Heil plante ja ein Anrecht auf Home-Office?
  • Ich meine die Vorgängerin, hat irgendwo in der Kette Gesetz/Verordnung festgelegt, dass die Arbeitgeber/innen sicherstellen müssen, dass der Heimarbeitsplatz der Verordnung des Arbeitsschutzes entspricht.
  • Ich will nicht in die Schlaf- Arbeits- Jugendzimmer unserer Mitarbeiter/innen. Vermutlich geht das auch Datenschutzrechtlich nicht. (Würde ich in diesen Fall sogar hoffen.)

Wo mir bei dem Framing aber echt die Hutschnur hochgeht ist der ständige Unterton, dass die bösen Arbeitgeber zu Profitmaximierung alles andere in den Schatten stellen.

Klar,

als Firma müssen wir regelmäßig Gewinne machen, sonst melden wir Insolvenz an. Machen wir ausreichend Gewinne überstehen wir auch Krisen und könne Beides: Gehälter zahlen und Gewinn an die Gesellschafter auszahlen. (Und alle zahlen auch noch die ein oder andere Steuer für das gewünschte Allgemeinwesen)

Aber,

auch wenn ich bei 150 Mitarbeiter/innen nicht mehr bei jeden die Kindernamen und Hobbies kenne, weiß ich es doch bei vielen.

Ich kenne die 3, wo eine COVID Infektion Aufgrund von Vorerkrankung zu 99% lebensbedrohlich scheint. Und die nächsten 3, die auch Atemwegsvorerkrankungen haben. Ich kenne die 2, die schon Erkrankt waren und den Verlauf bei ihnen.

Wie bei 150 Kontakten zu erwarten, gibt es ein paar die ich (und vermutlich sie mich) als nicht sympathisch empfinden. Aber die Mehrzahl schon und wenn es um Ihr Leben geht liegen sie mir alle näher am Herzen als irgendeine Bilanzzahl.

Der erste Teil zu Homeoffice - Theorie und Praxis

  • Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung macht keine PC-Arbeit und kann nicht uns Home-Office
  • Beim anderen Teil ist bei uns die größte Hürde die Wünsche der Mitarbeiter/innen arbeiten

Der zweite Teil, weil mich diese Sippenhaft für böse Arbeitgeber Nervt. Letztere kenne ich auch zur genüge als Kunden. Meistens die mit Corporate Governance Abteilung / Pamphlet.

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Herzlichen Dank für den ausführlichen Beitrag!

Schöner Beitrag, den ich auch fast uneingeschränkt aus meinem Umfeld so bestätigen kann.

Ich pick mir auch nur einen Punkt raus, der zwar richtig ist, den man aber auch umdrehen kann.

Wo ich als angestellter Mitarbeiter im HomeOffice wirklich hohen Puls bekomme, ist der ständige Unterton, das die Leute im HomeOffice eh sich eine faulen Lenz machen, anstatt richtig im Büro zu arbeiten.

Beides mag vereinzelt zu treffen, beides ist aber stark von Vorurteilen behaftet.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, kaum ein Unternehmen kann es verhindern, dass „Low performer“ angestellt sind, die von den anderen Mitarbeitern mitgezogen werden.
Schickt man solche Mitarbeiter ins HomeOfiice ist das Ergebnis vorprogrammiert.

Ebenso gibt es aber auf Unternehmer/Unternehmen, die ihr Fürsorge ausschließlich auf den Profit ausrichten und auch hier im Forum der Lage haben schon einige ihre Situation am Arbeitsplatz geschildert, wo der Arbeitgeber es mit Corona nicht so ernst nimmt.

Beide Seite müssen hier mit Vorurteilen umgehen können, die nicht nicht existieren, aber auf einen selbst nicht zutreffen müssen.

Grüße

Danke für den Beitrag! Ein paar Gedanken von mir.

Naja, nach der letzten Folge glauben zumindest die Hälfte der Leute, dass sie es könnten?

Das glaube ich sofort; und ich halte es für genauso verantwortungslos wie Chefs, die es nicht erlauben. Während medizinisches Personal irgendwie versucht, den Laden zusammen zu halten, gehen hier Leute aus Bequemlichkeit ins Büro. :exploding_head:
Vielleicht ist das noch ein Argument für eine gesetzliche Regelung, sodass du die Leute dann zwingen kannst, weil du es gesetzlich musst. :wink:

Bitte alles ab jetzt als Rant an die betroffenen Kollegen werten, nicht an dich.

Hargh, die geistige Unflexibilität. Einfach mal ins Homeoffice gehen und dann schauen, wie man solche Themen „zurück“ bekommt. Unsere Firma zum Beispiel hat einen „Wonder“-Raum eingerichtet, der explizit zum „Kaffee trinken“ ist und auch gerne jederzeit besucht werden soll.

Mimimi, wie gesagt, ein kleines Opfer verglichen mit dem, was andere leisten.

„Kein Platz“ ist wirklich nervig. Ansonsten kannst du ja mal anbieten, die Bildschirme und andere Hardware in der Firma abzubauen und mit nach Hause zu nehmen? (Falls nicht schon geschehen, vielleicht ist es ja ein Tipp für andere MitleserInnen.) Kenne einige Firmen, die das unkompliziert (z.B. gegen kurze Notiz der Inventarnummer) erlauben.

Es gab genug Zeit für ein Upgrade, das natürlich (leider) nicht überall verfügbar ist. Habt ihr Dienst-Handys mit Datenvolumen? Gerade in Business-Tarifen sind häufig brauchbare Datenvolumen inklusive und wenn man an einem festen Ort ist, ist die LTE-Abdeckung schon okay.

Und dazu noch der Glaube, dass das bei diesen Leuten im Büro nicht so sei. :smiley:

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Hallo Ulf und Philip,
mir hat die Folge sehr gut gefallen.
Angesichts der langen Zeit vom ersten erfolgreichen Lockdown bis heute sind die meisten Argumente gegen Homeoffice einfach „outdated“.
Ich schlage einen neue Button in Videokonferenz-Tools vor:
„Ein Löffelchen Unterwürfigkeit für ChefIn spenden!“
Es ist wie Ihr sagtet: jeder Prozentpunkt mehr hilft und daher ist Kreativität gefragt!

Hallo Zusammen,

ich bin froh, diesen Beitrag gefunden zu haben! Ich muss aus der Praxis leider bestätigen: nicht alle Mitarbeiter/innen wollen ins Homeoffice…
Ich arbeite in einem Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern. Homeoffice / Mobiles Arbeiten galt in Vor-Corona-Zeiten als Privileg. Nicht jeder Vorgesetzte konnte sich mit dem Gedanken daran anfreunden.

Das hat sich inzwischen zum großen Teil geändert, als es letztes Jahr losging, wurden bei uns schnell die Möglichkeiten ausgeweitet und pragmatische Lösungen gefunden.

Ich leite selber ein Team mit 20 Mitarbeitern, von denen 16 seit Anfang der Pandemie ausschließlich von zu Hause arbeiten. Ich habe diese Kolleginnen und Kollegen zum Teil seit März 2020 nicht mehr gesehen, wir halten nur per Telefon Kontakt. Was wir im Übrigen alle sehr schade finden, es ist aber leider im Moment unumgänglich.

Nun zudem Thema, was mich am meisten ärgert: die vier Mitarbeiter/innen, die noch im Büro arbeiten: sie könnten zu Hause arbeiten, wollen aber nicht! Als Gründe höre ich dann: ich will nicht, ich arbeite nicht am Küchentisch, ich hab zu Hause keine 2 24 Zoll Bildschirme, zu Hause sind die Kinder und die Frau / der Mann, ich will den Kontakt zu den Kollegen nicht verlieren (also zu denen, die sich auch weigern, ins HO zu gehen - alle anderen sind ja eh nicht mehr vor Ort), daheim fällt mir die Decke auf den Kopf…

Ein Versuch, den Mitarbeiter/in zu überreden, es doch wenigstens für einen Tag mal auszuprobieren, wurde prompt mit einem Anruf vom Betriebsrat beantwortet. Der Mitarbeiter/in müsse nicht zu Hause arbeiten, Punkt!

Die Firma kann HO leider nicht anordnen. Leider gestattet der Arbeitgeber auch nicht, die Bildschirme mit nach Hause zu nehmen - dafür gab es aber einen Corona-Bonus in Höhe von 1.000 € netto, davon hätte man sich gut was organisieren können - und keiner von uns ist schlecht bezahlt, das möchte ich nochmal erwähnen.

Es gibt sicher genügend Unternehmen, in denen die Vorgesetzten das Nadelöhr sind - aus meinem privaten Umfeld ist mir das wohl bekannt. Aber leider gibt es das Problem auch anders rum…

Ich zeige jetzt mal die Sichtweise eines für Homeoffice perfekt geeigneten Menschen auf :wink:
Ich bin Softwareentwickler, -ingenieur oder wie immer man das sonst nennen will und habe schon seit über 20 Jahren dir Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten und habe das auch immer genutzt wenn nötig. Seit ein paar Jahren arbeite ich in einem über mehrere Standorte und Länder verteilten Team und es macht für mich technisch praktisch keinen Unterschied ob ich in meinem normalen Büro, im Homeoffice oder beim Kunden vor Ort bin. Teilweise ist meine technische Ausstattung zuhause sogar besser als im Büro.
Trotzdem gehe ich auch gerne ins Büro, trotz Fahrzeiten. Ja, Homeoffice ist toll, man kann eben mal schnell zwischendurch die Waschmaschine ausräumen, eine Pizza in den Ofen schieben und es trinkt einem niemand den Kaffee weg. Aber im Homeoffice, bzw. generell bei „Remote Work“ fällt die spontane Kreativität weg, man ist zu sehr auf seine eigentlich Aufgabe fokussiert und „trifft“ sich nur noch geplant mit Kollegen weil man es muss. Man kann nicht zufällig einen unbeteiligten Kollegen an der Kaffeemaschine treffen und am Rat fragen, man kann sich nicht spontan in eine Interessante Diskussion einbringen die gerade zwei Kollegen an der Tafel führen und dadurch neue Impulse für die eigene Arbeit kriegen. Es gibt keinen Flurfunk mehr und man bekommt keine Dinge mehr mit, die einen eigentlich nichts angehen, aber weil die GL hat nach einem wichtigen Meeting vergessen hat die Tafel zu wischen und das Flipchart stehen lassen, weiss man es doch :wink: usw.
Für mich persönlich denke ich, dass ich vermutlich nie mehr in einem Modus 5 Tage die Woche Regelbetrieb im Büro zurückkommen werde, aber definitiv auch nicht digitaler Nomade mit 100% Remotework werde.

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Da vergleichst du Äpfel mit Birnen!
@Martino du beziehst dich auf die Leute die Home Office machen KÖNNTEN.
@TSGarp bezieht sich auf die „gesamte arbeitende Bevölkerung“. Versuche ein Geländer im HomeOffice zu montieren, oder den Bus im HomeOffice zu steuern, …

Es wird immer wieder gerne vergessen, dass die meiste Arbeit als „Handarbeit“ (die direkte Arbeit am Objekt) geleistet wird und nicht „Verwaltungsarbeit“ am PC ist.

Servus Zusammen,

ich habe diese Woche ein Interview mit einem Arbeitsrechtler (s. Link) geführt, der geschildert hat worauf Arbeitnehmerinnen Anspruch haben, wenn sie ins Homeoffice müssen. Das ist eine ganze Menge und wahrscheinlich nicht ohne weiteres für jeden Arbeitgeberin machbar. Dazu gehören, wie oben auch schon teilweise geschildert: Arbeits-Laptop oder -Rechner, ggfs. Büromöbel, ggfs Beteiligung an den Internet-Kosten. BAYERN 3 Update Interview mit Arbeitsrechtler Michael Huber (ab ca. 1:27)

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Hallo alle zusammen, ich verstehe hier wirklich die Aussagen der Firmen nicht und eure Aussagen wirken wirklich wie eine Rechtfertigung dafür, dass ihr es bequemer findet eure Mitarbeiter im Büro zu halten.

Eure Mitarbeiter wollen nicht ins Hone Office. Wir alle wollen auch nicht weiter zuhause rumhängen. Es geht immer noch um das Allgemeinwohl, um die Intensivstation und um das Brechen der Viruswelle. Was da der einzelne will, sollte wirklich schnuppe sein. Man kann nur an euch appellieren, schickt eure Mitarbeiter ins Homeoffice, soviel wie es geht. Ob Sie wollen oder nicht. Macht es euch doch nicht einfach bequem mit dem satz „die wollen ja eh nicht“.
Wir alle wollen nicht, machen aber, für das Allgemeinwohl.

Kann ich voll verstehen - mir geht das ganze Home-Office inzwischen auch auf die Nerven.

Ich hab es schon vor Corona ein- später zweimal die Woche aus pragmatischen Gründen (Neugeborenen-Betreuung) gemacht, seit März letzten Jahres dann - wie nahezu alle Kollegen in der 150-Personen-IT-Bude für die ich arbeite auch - mehr oder weniger komplett, bis heute und in die nahe Zukunft auf jeden Fall auch. Uns ist nicht verboten, ins Büro zu kommen; der Arbeitgeber hat Home-Office zwar intern als „Default-Modus“ festgelegt und alle gebeten, dabei mitzuziehen, was meines Wissens auch ausnahmslos geschehen ist, aber nach voriger Anmeldung kann jeder, wenn er möchte, tageweise oder auch in einer bestimmten Regelmäßigkeit dennoch ins Büro (was manchmal beruflich notwendig ist, manchmal aber auch aus persönlichen Gründen stattfindet, bei uns interessiert es in der Regel aber niemanden, was davon gerade im individuellen Fall zutrifft). Dadurch bin ich 2-3mal im Monat etwa im Büro, wo man dann üblicherweise maximal einer oder zwei weiteren Personen über den Weg läuft, bedingt dadurch, dass die Fläche für 70 Menschen gedacht ist und aus 2-4-Personen-Büros besteht.

Ich genieße die Büro-Tage durchaus (obwohl der direkte und ungeplante Austausch mit Kollegen mangels Präsenz von Kollegen quasi nicht existent ist und einer der wichtigen Aspekte ist, der mir wirklich fehlt) und ich freue mich sehr, wenn irgendwann dieses Jahr hoffentlich wieder mehr im Büro gearbeitet werden kann - nicht zuletzt, weil mein Home-Office-Arbeitsplatz aus Platzmangel halt auch nur ein Schreibtisch im Schlafzimmer ist. Aber ich käme nicht im Traum auf die Idee, darauf zu bestehen, mich nicht an der generellen Verlagerung ins Home-Office beteiligen zu müssen. Das ist unter anderem einer meiner Beiträge, den ich nicht zuletzt im Interesse meiner eigenen Gesundheit zur Kontaktreduktion leisten kann, und ich käme mir albern vor, mich wegen dieser vergleichsweise immer noch ziemlich kleinen Unannehmlichkeit zu beschweren. Unsere Kinder werden auch von der Schule nach Hause in den Fernunterricht verdammt, die fragt auch keiner, ob sie das wollen oder doch lieber nicht, und die haben keinen Betriebsrat, bei dem sie sich beschweren können - meiner Ansicht nach übrigens zu Recht, da hat’s zumindest im Regelfall schlicht nix zu beschweren zu geben. Ebenso sehe ich das bei Home-Office.

Ich hoffe daher sehr, dass sich die nächsten „Maßnahmen-Verschärfungs-Runden“ mal endlich an die Büro-Arbeitswelt machen und Firmen zumindest für reine Büro-Arbeitsplätze (im Falle des Betriebs von TSGarp also die 30 Leute, die an keine CNC-Maschinen müssen, im Falle meines Arbeitgebers wären’s wohl locker 80-90% der Belegschaft) eine Home-Office-Quote von mindestens 50% aufzwingen. Die könnten die Firmen ja dann gerne frei verteilen, auch wechselnd, damit auch Leute, die nur gelegentlich mal was vor Ort zu tun haben, dort hin können, so lange halt weniger als 50% der Belegschaft vor Ort ist. Auf diese Weise hätten auch die Unternehmen eine Legitimation zur Durchsetzung einer Home-Office-Pflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern, denn wenn der Staat dem Unternehmen einen bestimmten Umgang mit seinen Arbeitnehmern aufzwingt, muss dieses Unternehmen logischerweise auch von staatlicher Stelle dazu legitimiert sein, diesen Zwang umgekehrt auch auf die Mitarbeiter auszuüben. Entsprechende Voraussetzungen was Equipment und Internet-Verbindung angeht muss der Arbeitgeber natürlich konsequenterweise dann auf eigene Kosten schaffen, aber das ist ein Schein-Problem; im Extremfall liefert er dem renitenten Mitarbeiter halt seinen Arbeitsrechner plus LTE-Mobilfunk-Stick nach Hause, wenn gewünscht auch noch einen Bürostuhl und -Tisch, und übernimmt eine Stromkosten-Pauschale. Eine Rückerstattung solcher Kosten vom Staat dürfte in den Summen, die zur Pandemiebekämpfung bzw. zum Pampern der Wirtschaft während der Pandemiebekämpfung in die Hand genommen werden, quasi untergehen.

Um die Hand voll Fälle, in denen unter solchen Voraussetzungen immer noch keine Einigung gefunden werden kann, können sich dann die Arbeitsgerichte kümmern - wir leisten es uns schon in vielen anderen Fällen, Streitigkeiten in diffizilen Einzelfällen gerichtlich zu klären, da ist der Corona-bedingte Gesundheitsschutz ganz sicher jetzt nicht das eine Ding, in dem man zu 100% wasserdicht vorab jegliches Konfliktpotenzial gesetzlich ausschalten muss. Daher meine Meinung: immer her mit der Home-Office-Quote!

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Deine Unterscheidung verstehe ich nicht. Natürlich beziehe ich mich auf die Leute, die Home Office machen könnten, das ist doch genau die Frage. Aber auch bei mir liegt dem natürlich „die gesamte arbeitende Bevölkerung“ zu grunde.

LdN 224, ab Minute 59:00: 56% aller ArbeitnehmerInnen über alle Branchen gemittelt sagen nämlich in Deutschland, „ich könnte meinen Job zumindest teilweise im Homeoffice machen“.
Die Zahl scheint aus diesem Artikel (verlinkt in den Shownotes) zu stammen:
https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_89262842/oekonom-ueber-homeoffice-zuerst-die-bueros-schliessen-dann-die-schulen-.html

Wir können hier noch den Begriff „Arbeitnehmer“ aufgreifen und uns fragen, ob das auch für Selbstständige gilt.
Behauptung aus dem Bauch, ohne Beleg: Die Quote dürfte dort ähnlich sein. Ärzten und Handwerksmeistern stehen Anwälte und Grafiker, Journalisten, ITler entgegen.

Ergänzung:

Meine Bürovorsteherin mit drei Kindern wäre auch lieber im Büro, hat aber ein richtig schlechtes Gewissen, weil sie ihren Kindern nicht gerecht zu werden meint und gleichzeitig ihre Arbeit nicht vernünftig erledigen kann, wie sie es möchte und wie es ihr Qualitätsanspruch ist. Natürlich wird sie zu Hause dauernd gestört, die Effektivität und die Arbeitsergebnisse sind zweifellos schlechterals im Büro. Das wiederum müssen die KollegInnen auffangen.

Und natürlich ist Homeoffice auch nicht immer möglich, oft besteht eine banale Notwendigkeit, vor Ort zu sein, auch bei reiner Büroarbeit. Eine Binsenweisheit, aber es klingt in der Diskussion oft so, als könne man jeden Büroarbeitsplatz einfach beliebig in die Wohnung verlegen. Sicher nicht.

Mich stört auch das Arbeitgeberbashing. Bitte nicht vergessen, dass die Verlegung von Arbeit ins Homeoffice nicht einfach mit einem Notebook und einem VPN-Anschluss getan ist. Das stellen sich freie Journalisten und Richter offenbar zu leicht vor. Man braucht neben dem organisatorischen Aufwand oft noch Lizenzen, Sicherheitseinstellungen, Administratoren uvam. Und die finanziellen Belastungen hat der Arbeitgeber bei insgesamt schwierigen Verhältnissen und Umsatzausfällen zusätzlich zu tragen. Bei mehreren Mitarbeitern geht das schnell ins Geld, das viele nicht haben.

Noch ein Döneken zum Schluss: Unterzeichner (Rechtsanwalt) erhält für Anfang März eine Ladung zu einem Gerichtstermin bei einem Finanzgericht in Thüringen (!). Auf die Frage an den Richter, warum er nicht per Videokonferenz verhandelt, was nach §128a ZPO schon seit Jahren rechtssicher erfolgen kann, erklärt der Richter, er könne technisch und persönlich sehr wohl, aber die Finanzverwaltung habe aus Sicherheitsgründen nur Notebooks ohne Lautsprecher und Mikrofon. Also muss und wird der Anwalt im März mit der Bahn quer durch die Republik ins Hochrisikogebiet Thüringen fahren und kann diese Kontakte gerade nicht vermeiden.

Ansonsten Kompliment für Ihre Sendung, manchmal etwas sehr belehrend, aber insgesamt informativ und gut gemacht. Könnte gerne kürzer sein, Hundespaziergänge dauern nicht immer 1 1/2 Stunden :wink:

Du hast offenbar die letzte Folge nicht gehört: Ich bin selber Arbeitgeber eines mittelständischen Unternehmens und dort auch für die IT zuständig. Ich weiß ganz genau, wie das geht, und deswegen rege ich mich auch völlig zu Recht über Arbeitgeber auf, die immer noch auf der Kasse sitzen und Home-Office verweigern, obwohl es in ihrem Betrieb möglich wäre. Und um solche Leute zu motivieren braucht es eben gesetzliche Vorgaben.

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Also das glaube ich so nicht, denn wenn ich die folgende Statistik überschlage, dann sind es nach Berufen weniger wie 50% die überhaupt Homoffice machen könnten.

Der Link ist leider hinter einer Paywall.

Eine Vermutung: Die Beschäftigten werden in Kategorien wie „Maschinenbau“, „Baugewerbe“ eingeteilt? Dabei bitte beachten, dass die Buchhaltung eines Bauunternehmens durchaus ins Homeoffice gehen kann.

Hallo,
Eine sehr spannende Diskussion um das Thema Homeoffice. Ich denke es ist keine Sache mehr des Wollen sondern des Müssen. Denn besonders mit den neuen Mutationen gilt es so wenig Kontakte zu haben wie möglich.
Nichts desto trotz finde ich ein generellen Zwang zum Homeoffice nicht differenziert genug. Es gibt Branchen, in denen es nur daran hängt, dass Vorgesetzte ihren Mitarbeiterinnen nicht vertrauen oder sich kein Homeoffice vorstellen können, da ihnen das technische Know-How fehlt. Da wäre der Zwang auf jeden Fall sinnvoll.
Dann gibt es Branchen wie z.B. in der Sozialen Arbeit bei denen das nicht einfach so möglich ist. Ich bin selber Sozialarbeiterin und kann sagen, dass mein Arbeitgeber wirklich as bestmögliche rausgeholt hat- Es fehlt an finanziellen Ressourcen um die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Auch Menschen, die in Fabriken arbeiten, können nicht so einfach ins Homeoffice, aber vielleicht die Buchhaltung, PR und solche Verwaltungen. Falls nötig könnte ein Bürotag zur Unterschrift, Postabholung usw. ausreichend sein. Jeder Tag mehr im Homeoffice zählt.
Einen Schnelltest finde ich primäre eine super Idee. Das Zahnarztbeispiel fand ich sehr passend, aber auch da wieder wie gestaltet sich das finanziell. Die Akteure der Sozialen Arbeit erhalten Pauschalen pro Klient
in. In denen ist natürlich keine Hygiene oder Homeoffice Ausstattung vorgesehen, da damit nicht gerechnet wurde. Es fand bisher keine Anpassung statt. Das schlimmste: viele Beratungsstellen haben ihre Förderungen verloren uns mussten schließen. Die Sozialen Probleme verschlimmern sich und es gibt immer weniger Unterstützungsmöglichkeit.
Und so kann wahrscheinlich jederjede aus seinerihrer Branche berichten und sich die große Frage stellen: was ist die Lösung? In jeder Branche wird die Antwort anders ausfallen. Ich für meinen Teil wünsche mit finanzielle Mittel um eine bessere Ausstattung mit Technik zu ermöglichen und Schulungen für Mitarbeiter*innen, die Unterstützung benötigen. Außerdem schließe ich mich der Idee mit den Schnelltest an. Ich würde allerdings die finanzielle Belastung aufteilen und zwar Material und geschultes Personal vom Staat und die Zeit für den Test beim Arbeitgeber.

Für mich hätte Homeoffice viel früher stärker eingefordert werden sollen. In meinem Umfeld fahren viele ins Büro die im 1. Lockdown ohne größere Probleme von zuhause gearbeitet haben. Zum Teil aus Wunsch nach Kontakt zur Außenwelt zum Teil auch weil der Arbeitgeber anti Homeoffice ist weil im ersten Lockdown ein 5 Prozentiger Rückgang der Effektivität vorlag fahren Sie nu hin. Das macht mich als jemand dem das Arbeiten gerade ganz untersagt ist ziemlich wütend…ich habe 100 Prozent unverschuldeter Einbruch. Einige in diesem Land sind bereits seit fast einem Jahr in dieser Situation. Es ist ein bißchen so als werden Gruppen nach und nach aus dem Sandkasten geschickt und ihnen das Spielzeug weck genommen zum wohle aller anderen im Sandkasten verbleibenden. Dann kommt endlich die Gruppe dran die nur gebeten wird drinnen weiter zuspielen selbstverständlich dürfen diese ihr Spielzeug behalten. Die anderen am Rand ohne Spielzeug können nichts tun. Sollte die Gruppe mit Spielzeug nicht rein gehen um dort weiter zuspielen müssen die anderen eben einfach noch länger ohne weiter zuschauen. Auch Sport, Kultur, Gastronomie Einzelhandel etc . Sind Wirtschaftszweige und in einem Wildpark ist im Zweifel weniger Ansteckung als im Büro.

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Blockquote
Sorry, aber bei solchen Aussagen und den auch noch folgenden „Begründungen“ kann ich Mitte Januar - somit nach fast einem Jahr Pandemie - nur noch den Kopf schütteln.
Ich vermute so gut wie niemand möchte die jetzige (Arbeits)situation, kann gut mit dieser umgehen oder wünscht sich den Austausch mit Kollegen nicht zurück. Ich arbeite in der biologischen Forschung, sprich Labor, und konnte im Frühjahr 2 Monate erst kaum arbeiten, dann ich Schichten. Mittlerweile sind wir wieder seit Dezember in Schichten (dh in dem Fall eine feste Schicht ohne wöchentliche Wechsel) und es ist mittlerweile echt belastend z.B. so ungewohnte Arbeitszeiten zu haben und sich so schwer fachlich austauschen zu können. Hinzu kommt, dass Projekte und Verträge zeitlich begrenzt sind, was den Druck erhöht. Trotzdem kenne ich keinen Kollegin, der Beschwerden äußert oder mehr verlangt als einen Laptop und VPN für den HomeOffice-Teil. Klar mag das nicht bei allen Arbeitgebern so einfach sein, aber es war auch einen ganzen Sommer lang Zeit, mal über Lösungen nachzudenken, vielleicht finden sich ja angemessene Ideen. Eine gute Kommunikation kann außerdem dazu führen, dass mehr Leute die Maßnahmen mittragen. Ein Mitarbeiterin, der/ die grade in einer Ausnahmesituation ist, kann ja auch gerne das ansonsten leere Büro besetzen.
Es ist für mich persönlich einfach zunehmend unverständlich, was für ausreden man sich in Bezug auf Arbeit und Freizeitvergnügen anhören muss. Ihr tragt dazu bei, dass wir alle - auch die Menschen, die schon länger versuchen solidarisch und verantwortungsvoll zu handeln - mehr oder weniger weiterhin „leiden“ müssen und Leben gefährdet werden!
PS: Es ist zwar meine Situation als Beispiel, aber mir ist durchaus bewusst, dass es einige Berufsgruppen zB in der Medizin oder Lebensmittelversorgung gibt, die sich meine Privilegien nur wünschen können.