LdN223: Lösungsvorschlag für Schulen

Hi,

bei der Fragestellung, wie man während Corona mit den Schulen umgehen soll, gibt es eine ewig-währende Debatte. Ich bin glücklicherweise selbst nicht betroffen, würde mich aber extrem dafür interessieren, wenn hier Lehrer:innen und/oder Menschen aus Kultusministerien ein Feedback zu folgenden Überlegungen geben könnten. Dabei geht es mir explizit nicht um das Thema Betreuung sondern nur um die Frage der Vermittlung von Bildung.

These 1: Ohne Grundlagen wird es später schwer
Wer nicht richtig lesen, schreiben und rechnen kann, wird es im späteren Leben schwer haben. In meiner Wahrnehmung der Diskussion um Schulschliessungen bleibt dieser Sachverhalt aber völlig aussen vor. Hat eine Schulschliessung in der Grundschule nicht ein viel grösseres Potential „Langzeitschäden“ anzurichten?
Gleichzeitig ist es gerade bei jungen Kindern schwierig, Abstands- und Hygieneregeln umzusetzen, weil bei ihnen die Aufklärung nicht funktioniert. Dies dürfte die Ansteckungsgefahr steigern und eher für Schulschliessungen sprechen, um ein Einschleppen in die Haushalte zu vermeiden.
Lösungsvorschlag: Warum verlängert man den gemeinsamen Unterricht in den Grundschulen nicht pauschal bis zur Klasse 6? Dies ermöglicht es, die Grundlagen ohne den Selektionsdruck auf die weiterführenden Schulen auch bei Schulschliessungen vernünftig zu vermitteln. Gleichzeitig mindert es die Chancenungleichheit durch die Abstammung aus unterschiedlichen Haushalten. Kinder aus sozial schwachen Familien, die zu Hause keine Unterstützung durch ihre Eltern erfahren, haben so zumindest eine faire Chance, eine höhere weiterführende Schule zu erreichen und werden nicht die grossen Verlierer der Pandemie sein.
Denkbar wären in diesem Zusammenhang auch die (temporär) verpflichtende Einführung einer „Förderstufe“ in der Klasse 5 oder 6, die den Kinden mit Lerndefiziten konkret Nachhilfe in den Grundlagenfächern ermöglicht.
Über diese Massnahmen wäre ein ersatzloser Unterrichtsausfall in der Grundschule zunächst folgenlos, da er durch die zwei zusätzlichen Jahre 5+6 kompensiert werden kann.

These 2: Kleinere Klassen sind möglich
Eine gemeinsame Weiterführung der Grundschüler bis zur Klasse 6 sollte direkt dazu führen, dass bei Lehrerinnen und Lehrer, die üblicherweise in den Klassen 5+6 der weiterführenden Schulen unterrichten, zusätzliche Kapazitäten frei werden. Diese können eingesetzt werden, um die Klassengrössen zu reduzieren, was im Einschleppungsfall zu einer kleineren Anzahl von Betroffenen führt - bereits vor der Diskussion über die Möglichkeiten von Remote-Unterricht.

These 3: Ein zusätzliches Jahr tut nicht weh
Ich habe auf die schnelle keine wirklich guten Zahlen gefunden, aber es scheint so zu sein, dass durch die Konjunkturschwäche aktuell Studienabgänger:innen und Azubis schwieriger eine Folgeanstellung finden ( Experten befürchten Nachteile: Wie die Krise Berufseinsteiger trifft | tagesschau.de). Eine Verlängerung der Schulzeit um Jahr zur Kompensation der nicht vermittelten Inhalte liesse sich daher wirtschaftlich vermutlich verkraften. Eine flächendeckende Rückkehr zu G13 bzw. auch die sanktionsfreie Verlängerung von Real- und Hauptschule um 1 Jahr wäre daher auch ohne „früheres zur Verfügung stehen für den Arbeitsmarkt“ möglich, da die Nachfrage im Moment eh gedämpft ist.

Warum werden solche Inhalte inkl. der notwendigen Anpassungen nicht diskutiert sondern immer nur die Frage, ab welchem Inzidenzwert die Schulen auf oder zu gehen? Ich würde mir wünschen, dass hier mehr über die Auswirkungen nachgedacht wird und weniger über den Schwellenwert für die Öffnung, aber vielleicht übersehe ich hier auch was.

Ich bin zwar auch weder betroffen noch vom Fach, sehe aber zwei Haken am Lösungsvorschlag:

  1. In vielen Fällen geht die Grundschulzeit ja jetzt schon über 6 Jahre. War bei mir und im Bekanntenkreis (Berliner Raum) eigentlich die Regel. Man müsste quasi ein (oder ggf. zwei) Jahre unabhängig von der „Regel-Grundschulzeit“ zwischenschieben.

  2. Wie geht man mit den parallel anlaufenden neuen Grundschulkindern/Jahrgängen um? Im Endeffekt müssten dann doch das Lehrpersonal und auch die Räumlichkeiten entsprechend aufgestockt werden, um ein oder zwei Jahrgänge zusätzlich zu betreuen.

Ich finde die Idee erstmal überhaupt nicht schlecht, insbesondere weil man so erstmal z.T. unüberlegten Schnellschüssen bei der Schulöffnung vorbeugen könnte. Aber genau die zwei relevanten Ressourcen (Lehrpersonal und Räumlichkeiten) sind ja schon lange Mangelware in Deutschland. Die Idee müsste über ein Aufstockungsprogramm in diesem Bereich ergänzt werden.

In diesem Zusammenhang ein kleiner Erfahrungsbericht aus England. Letzte Woche ließ die Regierung plötzlich verlauten, dass die Schulen bis Half-Term (Mitte Februar) geschlossen bleiben. Die Schule meines Sohnes hat - wie beim letzten Lockdown im Frühjahr 2020 - innerhalb einer Woche den gesamten Unterricht auf „online learning“ umgestellt. Mein Sohn hat seit gestern jeden Tag von 8:15 bis 15:00 oder 16:30 Unterricht, in allen Fächern (Sport / Games macht jeder Schüler individuell).

Jetzt sei hinzugefügt, dass es sich um eine Privatschule handelt, was aber nicht heißt, dass Remote-Unterricht nicht auch an öffentlichen Schulen funktioniert:

  1. Die Lehrer haben privat die gleichen Herausforderungen wie Lehrer an öffentlichen Schulen (etwa eigene Kinder - die aber auch alle unterrichtet werden).
  2. Die Lehrer wurden von der Schule mit der erforderlichen IT ausgestattet (das kann auch der Staat).
  3. Natürlich sind SchülerInnen privater Schulen dahingehend privilegiert, dass ihre Eltern vermutlich eher über die finanziellen Mittel verfügen, um beispielsweise ein Laptop anzuschaffen. Nur: Wenn das das Problem in Deutschland ist, warum gibt es keine Aufrufe, brauchbare IT zu spenden? Ich bekommen jede 2-3 Jahre ein neues Laptop. Die alten Laptops, die noch absolut funktionsfähig sind, verstauben in meinem Schrank. Unsere IT könnte die Geräte im Handumdrehen neu aufsetzen (neue Festplatte rein, Daten löschen, Betriebssystem aktualisieren, Office drauf, fertig).
  4. Es mag LehrerInnen geben, die sich für online-Unterricht weniger eignen (da habe ich keine Erfahrung). Wieso ist es nicht möglich, online Unterrichtseinheiten für hunderte von SchülerInnen zu halten und damit die absoluten didaktischen Cracks zu betrauen? Fragen der Schüler könnten doch dann im Anschluss von den anderen LehrerInnnen per Telefon / E-Mail besprochen werden.
  5. Platz ist ein Problem. Wer in einer kleinen Wohnung lebt, hat es viel schwerer, seinem Kind einen geeigneten „Arbeitsplatz“ zu schaffen, an dem das Kind ungestört lernen und unterrichtet werden kann.

In vielen Fällen geht die Grundschulzeit ja jetzt schon über 6 Jahre. War bei mir und im Bekanntenkreis (Berliner Raum) eigentlich die Regel. Man müsste quasi ein (oder ggf. zwei) Jahre unabhängig von der „Regel-Grundschulzeit“ zwischenschieben.

habe ich gerade mal recherchiert - das ist nur in Berlin und Brandenburg so. Grundsätzlich hast Du aber Recht: entweder gleicht man die Lehrpläne an oder man muss die Verlängerung unabhängig von der Grundschuldauer einführen

Wie geht man mit den parallel anlaufenden neuen Grundschulkindern/Jahrgängen um? Im Endeffekt müssten dann doch das Lehrpersonal und auch die Räumlichkeiten entsprechend aufgestockt werden, um ein oder zwei Jahrgänge zusätzlich zu betreuen.

naja, die kommen ja so oder so, oder? Also beim Schulanfang auf Klasse 1 würde ich behaupten, dass es egal ist, weil dafür ja andere Klassen ihre Schullaufbahn beenden oder auf weiterführende Schulen wechseln.
Wo es eng werden könnte sind die Lehrer:innen in Grundschulen, da die jetzt noch zusätzlich die Klassen 5+6 betreuen würden. Aber, auch wenn den Pädagogen jetzt bestimmt die Haare zu Berge stehen: Wenn Medizinstudierende in der Krise in Krankenhäusern eingesetzt werden können, dann können Lehramtsstudierende in der Krise auch Grundschulinhalte vermitteln.
Bei den Räumlichkeiten haben wir sicherlich ein grösseres Thema, aber wenn ich bspw. an Tagungshotels (werden einen Moment brauchen, bis das Vor-Corona-Niveau erreicht wird) oder Veranstaltungsräume (werden tagsüber nie benutzt) denke, gibt es hier sicherlich Möglichkeiten. Ist ja auch nicht so, dass man eine sehr ausgefallene digitale Ausrüstung bräuchte… :wink:

Würde ich für meine Kinder auf jeden Fall nicht wollen - allein schon wegen den Fremdsprachen.
Auf weiterführenden Schulen, hast Du ausgebildete Fachlehrer, die Englisch studiert haben. In der Grundschule fehlen da massiv die Kompetenzen.

Bei Mathe & Co kann man da nicht so viel verkehrt machen. Hier kann man auch nachträglich nochmal falsche Infos korrigieren.Was man aber beim Spracherwerb einmal versaut hat, kreigt man später nur sehr schwer geradegebogen - besonders was Aussprache angeht…

Ansonsten sind es nette Ideen die Du hast… Aber das ist alles Flickschusterei… Ein Jahr mehr, oder weniger…
Was da aber imo einfach fehlt, sind neue Ideen… Das Konzept „Schule“ einfach mal komplett überdenken - NEU denken. Wie würden wir heute Schule gestalten, wenn wir - ohne Ballast aus der Vergangenheit - auf einem leeren Blatt Papier anfangen könnten?

Hey!

Ich würde dir hier mal aus einer Schüler*innensicht antworten (Abschluss 2020).

These 1:
Ich finde den Vorschlag an sich gut, habe aber einen Haken: unsere eher langsame Bildungspolitik wird nicht von jetzt auf gleich die Grundschulzeit verlängern (können). Das müsste langfristig geplant werden, das geht weiter bei Lehrer:innenweiterbildung, und die werden derzeit eher für Digitalbildung benötigt. Deinen Vorschlag der Förderstufe würde ich insofern weiterdenken, als dass Lehrer:innen bei den neuen 5ern und 6ern darauf schauen, ob hier Potential für eine höhere Schule oder Bedarf für eine andere Schulform besteht. Parallel kann aber die Bildungspolitik an der Abschaffung des Systems arbeiten. Eine leistungsbedingte Trennung verwehrt (in der Mehrheit der Fälle) Steigerung des Potentials, ist leider sozial stigmatisierend und verstärkt soziale Ungleichheit. Warum sich in diesem Detail nicht an der DDR orientieren und bis zur zehnten Klasse flächendeckend einheitlich unterrichten? Natürlich geht auch das nicht von jetzt auf gleich, ich bin aber der Meinung, dass man hier in einer Übergangszeit von etwa 5 - 10 Jahren (die G9/G8-Reform hat auch so geklappt) die Schulen auf Gesamtschulen umstellen kann und danach die Entscheidung der Schüler obliegt, in die Oberstufe zu wechseln oder eine Ausbildung zu beginnen. Sinn würde das derzeitige System noch machen, wenn wenigstens die Grundschullehrer:innen entscheiden dürften (wie das in Sachsen-Anhalt bis 2011 der Fall war), welche Schule die SuS besuchen, anstatt der Eltern. Das ist aber eine andere Geschichte.

These 2:
Man kann nicht einfach so Grundschullehrer:innen in Klassen der 5er und 6er stecken. Das sind ganz andere didaktische Hintergründe. Sicher ist das möglich, aber nicht flächendeckend. Außerdem unterrichten Lehrer:innen an Sekundar-(Real-/Mittel-)schulen und Gymnasien nicht nur in 5. und 6. Klassen, sondern erstrecken sich über die ganzen 6/8/9 Jahre. Deshalb bezweifle ich, ob da nennenswerte Kapazitäten frei werden.

These 3:
Da scheinst du Recht zu haben. Ich persönlich kann es mir sehr schwer vorstellen, die Klasse noch einmal zu wiederholen. Auch (und vor allem) bei kleineren SuS fällt da zudem ein soziales Konstrukt weg. Allerdings tickt hier jede:r Schüler:in anders. Einigen kann es demnach leicht fallen, sich in der neuen Klasse einzugliedern und sich damit abzufinden, ein weiteres Jahr zu verbringen. Ich fand Schule nicht schlimm, habe sie gern besucht, war dann aber doch froh, einen neuen Abschnitt zu beginnen und etwas anderes machen zu können. Und ich denke nicht, dass sie eine „Zwangsverlängerung“ im Sinne einer erneuten Reform so gut machen lässt, dass sie auch wirklich langfristigen Nutzen hat und nicht noch zum Digitalisierungschaos dazukommt.

Ich halte Klassenteilung immer noch für die derzeit beste Lösung, solange der Digitalunterricht nicht in die Gänge kommt. Hier wäre Frau Karliczeck gefragt, die ruht sich aber auf dem Bildungsföderalismus aus und macht lieber Fotos und stellt ein wenig Geld zur Verfügung (Stichwort Digitalpakt). Aber ich kann auch Scheine aus dem Fenster werfen und selbiges dann schließen, was leider bedeutet, dass sie nicht gut ankommen.

Aber tolle Ansätze!
Adrian

Und warum nicht einfach wieder Samstag Schule um die ausgefallenen Zeiten zu kompensieren?

War zu der Zeit als ich in die Schule ging noch völlig normal.

Danke für die zahlreichen Antworten. Ich glaube, ich war an einigen Stellen zu unpräzise und versuche das nachfolgend etwas genauer zu beschreiben.

Würde ich für meine Kinder auf jeden Fall nicht wollen - allein schon wegen den Fremdsprachen.
Auf weiterführenden Schulen, hast Du ausgebildete Fachlehrer, die Englisch studiert haben. In der Grundschule fehlen da massiv die Kompetenzen.

Das ist ein Teil des Problems, das ich versuche zu adressieren. Für die einen ist es ein Problem, dass ihre Kinder beim Thema Fremdsprachen Defizite bekommen. Aus meiner Sicht ist aber Mathe und Deutsch das grössere Problem - insb. in sozial schwachen Familien vielleicht noch mit Migrationshintergrund. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie Kinder aus diesen Familien eine Grundlage erhalten sollen, um später aus eigener Kraft eine Zukunft gestalten zu können - und das ist aus meiner Sicht die Staatsaufgabe. Fremdsprachen sind wichtig, zweifellos. Mir ist aber nicht klar, wo der Schmerz entsteht, wenn man entweder erst in der 7. Klasse damit anfängt, früherer Sprachunterricht zusätzlich und/oder freiwillig zum Regelunterricht erfolgt oder man auch die Pflicht einer zweiten Fremdsprache weglässt.
Darüber hinaus sprechen wir in diesem Thema vor allem über den Gymnasialzweig. Wir sollten nicht vergessen, dass das Problem der sozialen Benachteiligung eher eins der Haupt- und Realschulen ist.

Bei Mathe & Co kann man da nicht so viel verkehrt machen. Hier kann man auch nachträglich nochmal falsche Infos korrigieren.Was man aber beim Spracherwerb einmal versaut hat, kreigt man später nur sehr schwer geradegebogen - besonders was Aussprache angeht…

gilt nur für Deutsch Natives

Ansonsten sind es nette Ideen die Du hast… Aber das ist alles Flickschusterei… Ein Jahr mehr, oder weniger…
Was da aber imo einfach fehlt, sind neue Ideen… Das Konzept „Schule“ einfach mal komplett überdenken - NEU denken. Wie würden wir heute Schule gestalten, wenn wir - ohne Ballast aus der Vergangenheit - auf einem leeren Blatt Papier anfangen könnten?

ich weiss ehrlich gesagt nicht so genau, was ich mit der Aussage anfangen soll. Klar, alles wäre einfacher, wenn es einfacher wäre. Aber das Problem ist jetzt akut und der Digitalpakt bspw. zeigt, das Geld alleine es nicht löst. Aus meiner Sicht kannst Du also nur an Qualität und an der Zeitkomponente schrauben, wenn man die Defizite abbauen will. Die Forderungen nach Langfriststrategien im Lindner-Style in allen Ehren - wenn ich zum Arzt gehe und sage, dass ich Schmerzen habe, hilft es mir wenig wenn der mir sagt, dass ich dann halt Sport machen und Abnehmen soll - dann habe ich immer noch schmerzen.

Der Fokus meiner Punkte liegt nicht auf langfristigen Lösungen, da beschäftigen sich bestimmt gerade Heerscharen von Menschen mit. Was die kurzfristigen und aus meiner Sicht einfach umzusetzenden Massnahmen zur Abfederung direkter Effekte angeht, sehe ich ausser Schule auf/zu und heute aktuell der „Gleichwertigen Anerkennung von Abschlüssen“ wenig bis gar nichts

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Deine Zeit ist deine Zeit, die heutige Zeit ist eben die heutige.
Kindern/Jugendlichen ihrer Wochenstruktur zu verändern und einen Tag zu entreißen, an dem sie Schule vor- und nachbereiten sowie ihren Hobbies, die auch unter der Pandemie gelitten haben, wieder aktiv nachgehen können, ist mMn nicht besonders förderlich.

Dazu fällt mir als Erwiderung nur eine Frage ein:

Wie konnten wir damals nur erwachsen werden, wo uns doch all das verwehrt wurde?

Im übrigen wurden damals die Samstagsstunden auf die Woche verteilt,bes fehlte dann also da die Zeit für die Nachbereitung/Hobbys.

Und wie viele glaubst du nutzen einen komplett freien Tag für Schule?

Gegenfrage: Wie kommen Menschen eigentlich so oft darauf, in zynischster Art und Weise eine Zeit mit den Maßstäben der anderen Zeit zu bewerten, nur weil sie das halt so erlebt haben?

Schule und Bildung wandeln sich doch aber. Fächer werden komplexer oder Themen herausgenommen, um andere vertieft oder einfach langfristiger und somit sicherer zu behandeln und zu festigen. Ich denke einfach nicht, dass es zielführend ist, SuS jetzt noch einen Tag mehr aufzudrücken in der Hoffnung, dass dann einfach durch Zeit Lerninhalte zurückkommen, die man jetzt verpasst hat. Warum nicht, vor allem ab Klasse 5, einfach mal das selbstständige Lernen fördern? Fehlt eh vielen in der Uni, wo es dann gebraucht wird. Und in der Ausbildung spielt das sicherlich auch eine Rolle.

Das hängt vom Schüler/der Schülerin ab. Ich kenne Menschen (vor allem ab Klasse 9 dann verstärkt), die auch am Wochenende einen Tag für’s Lernen und Üben verwenden, ohne sich groß auf etwas anderes zu konzentrieren. Andere hingegen nutzen den halt, weil sie die zusätzliche Investition in Schule nicht brauchen. Lerntypen eben.

Der Zynismus bezieht sich aber auf deine Ausreden warum man den Samstag nicht in Betracht ziehen darf.

Auch dein neuer Post sind mehr oder weniger nur Ausreden, warum man ja nichts ändern darf.

Du schreibst selbst Schule und Bildung wandeln sich, aber natürlich ausgeschlossen, dass der Samstag wieder in Betracht genommen werden darf, der ist Heilig.

Was ein möglicher Samstagsunterricht mit den Themen sprich Inhalten zu tun hat erschließt sich mir nicht, denn ich schrieb ja nicht, dass die Themen meiner Schulzeit zurückgeholt werden sollen, sondern die Struktur.

Was die Sache mit dem selbstständigen Lernen angeht, klingt das zwar toll, geht aber an der Lebenswirklichkeit im unteren Teil der Gesellschaft vorbei.

Und wie du ausgefallenes Lernen ohne Zeitaufwand nachholen willst ist mir auch unklar, denn auch dein Aufruf zu mehr selbstständigkeit bedeutet im Endeffekt extra Zeitaufwand, vorraussichtlich an Samstagen dann aber unter Verantwortung der Eltern, statt von Pädagogen am Küchentisch, während die Eltern (oder auch der einzelne Elter) versucht am gleichen Küchentisch wahlweise Homeoffice oder einfach nur die Hausbürokratie abzuarbeiten.

Kann ja nicht jeder für jedes Haushaltsmitglied einen eigenen Heimarbeitsplatz schaffen