LdN220 EEG - CO2 Abgabe für fossil erzeugten Strom und superbilliger Ökostrom

Es gibt bereits einen CO2 Preis für fossil erzeugten Strom. Der Punkt ist Euch so ein bisschen aus dem Fokus geraten, bzw. nie in den Fokus gekommen. Über den EU CO2 Zertifikatehandel, der für CO2 Ausstoß im Industriebereich durchgeführt wird.

CO2 Preis

Das geile ist nämlich, das wir in Deutschland das Thema CO2 in der Stromproduktion gleich doppelt angehen (typisch deutsche Gründlichkeit, möchte ich mal sagen :crazy_face:).

Die CO2 Menge in der Stromerzeuigung ist über die CO2 Zertifikate sowieso gedeckelt. Und wird im Zeitablauf allmählich runtergefahren. Wenn jetzt jemand der Meinung sein sollte, das ginge nicht schnell genug: Ja, dann mal auf europäischer Ebene verhandeln, dass die Menge der CO2 Zertifikate schneller reduziert wird. Das hat dann sowieso einen größeren Hebel als nur in D was zu machen.

Schlussbemerkung:
Es fällt mehrfach der Ausdruck „superbillige“ erneuerbare Energien. Wenn diese erneuerbaren Energien so „superbillig“ sind, dann frage ich mich doch, wieso die Stromkonzerne nicht einfach 100% erneuerbare machen? Superbillig klingt doch aus kapitalistischer Sicht echt geil! Wieso dann überhaupt noch eine Förderung über EEG? Fördern hier etwa die Geringverdiener der Nation (Krankenschwestern, ReWe Kassierer, Tankwarte, …) die hochrentablen PV-Anlagen der Eigenheimbesitzer?

Und wenn das alles so superbillig ist, wieso haben wir dann in D die zweithöchsten Strompreise in Europa?

Meiner Meinung sollte in einer künftigen Lage ein weiterer Aspekt dieser Diskussion hinzu gefügt werden:
Seit 3 Jahren dürfen EU Bürger sehr kleine PV Anlagen bis 600 Watt einfach an eine eine eigene Schukosteckdose ihrer Wohnung anschließen und so Strom selber erzeugen und verbrauchen. Im Lieferumfang sind Frequenzumrichter, die den Gleichstrom der PV in Wechselstrom verwandeln und netzsynchron einspeisen. Jeweils nicht selbst verbrauchter Strom wird ins Netz geschenkt. Der Eigenverbrauch führt für den Einzelnen zu einer Amortisation in typisch 5 bis 10 Jahren. Wenn also sehr viele Menschen so eine Mini PV Anlage auf ihrem Balkon oder hinter ihrem Südfenster installieren würden, wäre der Kohlestrom schnell verschwunden. Es gibt auch handliche Anlagen für 300 Watt, bei denen ist logischer der Eigenanteil bei Stromverbrauch noch höher. Investitionen liegen bei etwa 400 bzw. 800 Euro.

Die Klimakosten über den CO2-Preis zu wälzen und dadurch die gewünschte Lenkungswirkung zu erzielen halte ich für den richtigen Weg. Aber der scheint politisch mühsam - wie man am wenig ambitionierten EEG21 sieht. Das Kernproblem ist weiterhin die sektorspezifische Regulierung für Strom, Verkehr und Gebäude/Wärme, wie das Beispiel mit dem Elektroauto aus der Folge veranschaulicht.

Energie ist derzeit sehr unterschiedlich teuer: 1 kWh Strom kostet mich als Endverbraucher gut 30ct, wohingegen 1kWh Wärme aus Gas nur mit 7ct zu Buche schlägt. Aber um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir alle Sektoren einbeziehen, nicht nur den Stromsektor: Verkehr und Gebäude machen jeweils ca. 30% des deutschen Energieverbrauchs aus (ich klammere hier den grauen Energieverbrauch durch Import von Gütern mal aus).

An dieser sehr großen Differenz würde selbst ein doppelt oder dreifach höherer CO2-Preis wenig ändern, weil der Strompreis für Endverbraucher größtenteils aus Umlagen besteht: EEG-Umlage, Netzgebühren, Konzessionsabgabe, KWK-Umlage, Stromsteuer, und wohl noch ein paar, die ich nicht im Kopf habe. Alleine, dass es eine eigene Stromsteuer gibt anstatt einer allgemeinen Energiesteuer zeigt, wie wenig ernsthaft wir den Klimawandel bekämpfen.

Wenn wir wirklich alle Sektoren dekarbonisieren wollen, dann führt an Grünstrom kein Weg vorbei. Und dann reichen die Ausbauziele des EEG21 bei weitem nicht aus - denn irgendwoher muss ja die Energie kommen, die bislang fossil für Verkehr und Wärme aufgewendet wird, plus die zusätzliche Energie für unser Wirtschaftswachstum, Bis 2050 müssten wir also insgesamt die Stromproduktion mehr als verdreifachen. Wenn wir heute im Mittel etwa 40% Grünstrom haben, auf 100% wollen und die anderen Sektoren dazukommen, brauchen wir etwa acht mal mehr Grünstromproduktion als heute.

Die Rechnung ist aber leider noch etwas komplizierter, weil dies nur der aktuell verbrauchte Strom ist. Das Grünstrom-Angebot fluktuiert aber erheblich, sowohl kurzfristig als auch saisonal. Die installierte Peak-Leistung muss daher nochmals um eine Größenordnung höher liegen, und wir brauchen die Speicher und die Netze, um Erzeugung und Bezug auszugleichen.

Daran sieht man das zweite große Problem der Regulierung: Aktuell werden fast alle Kosten auf den Arbeitspreis umgelegt - pro kWh, obwohl die Grenzkosten von Grünstrom nahe null sind - jede zusätzlich erzeugte kWh kostet fast nichts, denn es ist ja kein Brennstoff dafür nötig. Wir haben aber hohe Fixkosten für die Netze und Speicher. Diese Kosten werden sozialisiert, aber gerade die Großverbraucher sind davon ausgenommen. Dass ich auf selbst erzeugten Strom Umlagen entrichten muss, erscheint unverständlich und wird in der öffentlichen Diskussion scharf kritisiert; dahinter liegt aber die „Versicherung“ die ich mir einkaufe durch den Anschluss an das Stromnetz, welche eben dummerweise pro kWh abgerechnet wird. Das Entgelt- und Umlagesystem stammt aus einer Zeit der fossilen Großkraftwerke, mit dominierenden Brennstoffkosten. Transparenter wäre es inzwischen, die Netzanschlüsse pauschal zu verrechnen, z.B. nach Anschlussleistung. Dann wäre der kWh-Preis viel niedriger und der Effekt des CO2-Preises sehr direkt spürbar.

Neben den echten Fixkosten sind ein zweiter wichtiger Bestandteil der Netzentgelte die Kosten für die sog. Systemdienstleistungen. Dahinter verbirgt sich z.B., dass ein Engpass im Netz behoben wird indem ein Kraftwerk vor dem Engpass heruntergefahren wird (z.B. ein Windpark im Norden), und stattdessen ein Kraftwerk hinter dem Engpass hochgefahren (z.B. ein Kohlekraftwerk im Süden). Wir bezahlen also zusätzlich dafür, dass Grünstrom durch Schwarzstrom ersetzt wird, weil das Netz nicht ausreicht oder durch den billigen Strom aus Braunkohlekraftwerken „verstopft“ ist.

Denn - letzter Punkt - der Strommarkt in Europa ist als „Kupferplatte“ organisiert. Die Regulierung tut so, als könnte Strom ohne Verluste von jeden Ort an jeden anderen geliefert werden. Der dann aber physikalisch nötige Ausgleich landet als Kosten in den Netzentgelten. Das Marktdesign ist ist nicht gottgegeben oder irgendwie „natürlich“, sondern tatsächlich ein regulatorisches „Design“. Bislang traut sich die Politik nicht, den Strommarkt wirklich EE-freundlich umzugestalten, der Große Wurf bleibt auch diesmal aus. Der Fairness wegen: Die wissenschaftliche Welt scheint sich derzeit auch nicht einig zu sein, wie das optimale Marktdesign aussieht. So wird eben stückweise reformiert und rumprobiert.

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Dein Beitrag erinnert mich doch irgendwie sehr an einen typische Hans-Werner Sinn Vortrag, mit den selben verqueren Aussagen die er seit Jahren trifft.

Nein, wir beschleunigen den Ausbau mit Hilfe des EEG, und machen uns somit unabhängiger von CO2-Preisen. Leider wurde dieser Ansatz in den letzten Jahren durch die Novellen des EEG pervertiert, besonders unter Gabriel und Altmeier. Die separate Ausbauförderung geht auch gut Hand-in-Hand mit der Marktstabilitätsreserve und hilft dabei die Kontingente schneller abzubauen.

CO2 Zertifikate werden nicht nur von Stromerzeugern gebraucht, sondern auch von anderen CO2-intensiven Industrien.

Weil die Kraftwerksbetreiber mit Ihren alten abgeschriebenen Kraftwerken noch immer Geld verdienen und sich durch EE-Ausbau die eigene Rendite kannibalisieren würden. siehe auch Punkt 9 hier.

Weil wir Unternehmen von ca. 4.5Mrd Euro an EEG Umlagen pro Jahr befreien, was ca. 18% der Umlage entspricht. Weil wir Kohlekraftwerke in der Mitte Deutschlands laufen lassen um von Strom zu exportieren, was die Kapazitäten im Netz belegt und zu erhöhten Redispatch-Kosten führt. Weil er erforderliche Netzausbau für eine dezentrale Versorgung nicht voran kommt. Generell, weil wir die Fossile Stromwirtschaft schützen, und die Regenerative regulieren.

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Die EEG-Umlage steigt aufgrund einer Änderung in 2009, die nicht mehr auf den Durchschnittspreis, sondern auf den Spot-Preis an der Strombörse referenziert. Das führte zu dem EEG-Paradoxon:
Bei steigendem EE-Anteil steigt das Angebot, so dass der Spot-Preis sinkt. Dadurch wird die Schere zur Einspeisevergütung weiter geöffnet und die Umlage steigt. Außerdem ist die Vergütung für Netzbetreiber höher, als die ausgeschütteten Beträge an die Anlagenbetreiber.
(Prof. Weber, 2014, Vortrag Elektrizitätswerke Schönau)

Heute sind wir mit der PV an einem Punkt, an dem große Anlagen auch ohne Subventionen rentabel sind. EnBW hat gerade eine solche Anlage in Betrieb genommen und baut weiter aus.
(Handelsblatt, 02.12.20)

Unter diesem Aspekt kann sich die Bundesregierung ihre Ausbauziele wahrscheinlich klemmen, denn wenn EE günstiger als die Fossilen wird, regelt das der Markt. Investitionen in Fossile drohen zu stranden - und zwar nicht durch „grüne Ökoträumer“, sondern durch knallharte Rechner. Allein der Wegfall von laufenden Brennstoffkosten bei Wind und PV schlagen da zu Buche.

Ich verlinke hier noch ein Video und eine Studie von RethinkX (leider nur auf Englisch, deutsche Untertitel auf YouTube sind aber ganz ok), die am Beispiel von Californien, Texas und New England für drei sehr unterschiedliche Szenarien errechnet, wie bis 2030 mit einer Mischung aus PV, Wind und Batterietechnik nicht nur eine 100%-Versorgung, sondern sogar 400% des heutigen Strombedarfs wirtschaftlich erzeugt werden könnte. Besonders zu beachten sind die „Constraints“ (Beschränkungen), die praktisch alle zu erwartenden Verbesserungen in Technik und Umfeld von der Betrachtung ausschließen, um nicht zu einem zu optimistischen Ergebnis zu kommen.
Im Kern betrachtet die Studie die zerstörischen („disruptive“) Entwicklungen neuer Technologien, wie wir sie bereits bei der Fotografie (analog vs. digital) und im Handymarkt (Nokia vs. Smartphone) erlebt haben.
Fazit: 2030 könnte der Gedanke, Energie zu sparen, so absurd sein, wie heute beim Fotografieren der Gedanke, Film zu sparen.
Zum Video
Zur Studie (Geht ohne Registrierung mit dem Button „Instant Download“ unten)

Ich bin da deutlich skeptischer und kann auch eine Fundamentalkritik am EEG als Bremser der Energiewende nicht teilen.

Insbesondere sehe ich Wind und Photovoltaik nicht als umfassende Problemlöser:

Die Akzeptanz von Windanlagen in Sichtweite ist in der deutschen Bevölkerung gering.

Photovoltaik halte ich für überschätzt: Hausdachanlagen nützen durch Subventionierung primär den Hauseigentümern selbst. Die Akzeptanz von Flächenanlagen ist ebenfalls gering. Dazu kommt der naturgegebene Einspeisegang nur tagsüber und im Winter kaum.

Darüber hinaus benötigen diese Technologien, zumal in Kombination mit Speichern, Rohstoffe, deren Gewinnung und spätere Entsorgung problematisch sind.

M.E. wird eine echte Energiewende nur mit einem deutlich weniger energieintensiven Lebensstil von uns allen gelingen. Eine solche Veränderung ist jedoch erheblich unpopulärer als Hoffnungen auf einfache technische Lösungen.

Hallo zusammen. Wir haben in unserem Impulspapier verschiedene Bereiche der EnergieSystemWende betrachtet und bei allen festgestellt, dass es für eine Umstellung auf 100% EE in Deutschland und damit die CO2-Neutralität bis 2035 (oder auch 2050) zu erreichen, nicht an Technologien und wissenschaftlichtlichen Lösungen mangelt sondern eindeutig an politischen Regularien und einer authentischen Energiepolitik. Ich würde mich sehr freuen wenn ihr, Ulf und Philip, auch solche Lösungsansätze, wie die 11 diskutierten Weichenstellungen in dem Impulspapier Kolleg | Reiner Lemoine Stiftung in Bezug auf die EEG Novelle einbezieht.
Im Großen und Ganzen finde ich es sehr gut, dass auch ihr dem Thema Energiepolitik viel Raum gebt, finde es könnte aber starker betont werden, dass der aktuelle politische Standpunkt einer konservativen Energiepolitik äußerst kontraproduktiv wirkt. Das Ziel (CO2-Neutralität bis allerspätestens 2050) muss den Weg bestimmen und das ist bisher leider politisch absolut nicht zu sehen, s. Hemnisse die auch in der EEG Novelle nicht aufgebrochen sondern teilweise sogar verstärkt werden (z.B. Anreize für Speicherausbau bei Heim-PV-Anlagen).

Seit 3 Jahren dürfen EU Bürger sehr kleine PV Anlagen bis 600 Watt einfach an eine eine eigene Schukosteckdose ihrer Wohnung anschließen […]

Der VDE sieht das mit den Schuko-Steckdosen anders. Es sind spezielle Steckdosen notwendig (i.d.R für Wielandstecker):

Ich weiß, dass es da schon eine längere Auseinandersetzung zwischen dem VDE und DGS gibt, aber im Zweifel wird sich eine Versicherung im Schadensfall auf die sicherere Variante des VDE berufen, da dort die Kontakte nicht frei liegen, wie bei einer Schuko-Steckdose.

Weil wir Kohlekraftwerke in der Mitte Deutschlands laufen lassen um von Strom zu exportieren, was die Kapazitäten im Netz belegt und zu erhöhten Redispatch-Kosten führt.

Das ist doch bei den großen Wind- und PV-Anlagen nicht anders. Die werden dort aufgestellt, wo viel Platz und wenig Industrie vorhanden ist. Das führt zu Engpässen, insbesondere in der Nord-Süd-Richtung, aber natürlich auch in den Verteilnetzen selbst (z.B. 110kV-Ebene).

Aktuell kannst Du angesichts der stark gesunkenen Preise mit einem oder zwei 300 Watt Modulen als normaler Haushalt einen Teil Deine Grundlast abdecken, nach mir bekannten Berechnungen amortisieren sich die Anschaffungskosten so nach 8 - 10 Jahren. Das kann man dann als ökologisch orientierter Mensch dann schon mal machen, die Investitionssumme ist ja eher gering (unter 1000 EUR) und jedes bisschen hilft gegen die Klimawende.

Jetzt kommen die Konzerne an und sagen: Du musst eine Wielandsteckdose verwenden, sonst ist das echt unsicher. Die Installationskosten für die Wielandsteckdose (Elektriker) verdoppeln so bummelig die Investition, so dass die Amortisationsdauer entsprechend steigt (vielleicht 14-15 Jahre) und dann macht es keiner.

Hier sieht man wie die Energiewende durch das „Kleingedrucke“ an allen Ecken und Enden behindert und verzögert wird - Ich hab nicht mal von den Grünen gehört, dass die das ändern wollen.

Vom Hörensagen (nicht im Detail recheriert) ist es außerdem so, dass es in anderen europäischen Ländern ok ist, diese Balkon-Anlagen per Schuko Steckdose anzuschließen.

Ob und wieweit jetzt Wielandstecker wirklich zwingend sind, oder es eine Verzögerungstaktik der Konzerne ist … Ich kann das nicht endgültig entscheiden. Aber: Nachtigall, ick hör Dir trapsen…

Dein Beitrag erinnert mich doch irgendwie sehr an einen typische Hans-Werner Sinn Vortrag, mit den selben verqueren Aussagen die er seit Jahren trifft.

Deiner Aussage entnehme ich, dass Du kein großer Fan von Hans-Werner bist. Ich denke, er hat aber doch einige Punkte, die man argumentativ entkäften muss, bei denen die Klassifikation „verquer“ nicht ganz ausreicht um sie zu wiederlegen. Ich bringe mal einige:

  • Sektorübergreifender Preis: Es ist für die Umwelt grad mal komplett egal, wo wir das CO2 einsparen. Deshalb sollten wir das CO2 da einsparen, wo es am billigsten ist. Das erreicht man über einen sektorübergreifend einheitlichen Preis.
  • Zertifikatehandel: Du willst Die Menge des CO2 reduzieren? Dann mach doch am besten genau das: CO2 Zertifikate sektorübergreifend zwingend erforderlich. Die CO2 Menge wird gesteuert runtergefahren. Drops gelutscht. Der Preis ergibt sich dann als endogene Größe, und legt die tatsächliche Knappheit von CO2 offen. Lobbyisten haben keine Chance mehr, ihr Spiel zu spielen.
  • Dunkelflaute: In Deutschland benötigen wir (anders als Texas oder Californien) eine 2. Strom-Produktionsinfrastruktur, falls mal das Licht ausgeht und der Wind weg bleibt. Alternativ: 4 fache Menge Ökostrom produzieren und grünen Wasserstoff herstellen, den dann methanisieren und im Winter verbrennen in Gaskraftwerken. Dann wird es aber 4x so teuer.
  • Extraktionsparadoxon: Wir müssen nicht CO2 sparen, sondern verhindern, dass fossile Brennstoffe aus der Erde geholt werden. Weil: Das was rausgeholt wird, wird auch verbraucht. Wer erklärt das bitte mal den Saudis? Aber mit den Norwegern könnten wir doch mal reden, oder? Die mit Ihren vielen E-Autos haben doch bestimmt ein gutes Umweltbewusstsein.

In dem Teil hat er sogar recht, deswegen habe ich das Thema CO2-Preis oben auch nicht moniert, sondern nur gesagt das eine parallele Förderung von EE trotzdem sinnvoll ist.

Das ist übrigens auch etwas bei dem die meisten Ökonomen in dem Bereich der selben Meinung sind. Ja, bepreisen, ja Sektorübergreifend, aber auch ja, dafür sorgen das es SCHNELL geht. Unterm Strich geht es dabei ja auch um Wirtschaftsförderung.

Ökonomen wären ja keine Ökonomen wenn sie Dinge nicht über den Preis machen würden.

Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten den erzeugten Ökostrom in bereits verrichteter Arbeit zu speichern. H2 und Methan wird es auch brauchen, aber das sollte immer ganz hinten anstehen.

Natürlich wird auch auch einen starken Zubau an EE geben müssen, schon alleine weil wir mehr Primärenergieträger mit schlechtem Wirkungsgrad auf EE Strom mit besserem Wirkungsgrad umstellen müssen.

Ich empfehle dir die ISE Studie zum Thema Umbau.

Extraktion kostet Geld, und ja, auch die Saudis kostet es Geld, und in Norwegen ist Extraktion auch nicht umsonst. Wenn die Preise durch sinkende Nachfrage fallen wird es immer schwerer die Extraktion zu bezahlen. Ja, die Saudis können das vermutlich länger aufrecht erhalten. Aber wenn nur noch dort zu marktgerechten Preisen Öl gefördert werden kann, werden die Kosten drumherum immer teurer (Transport, Lagerung, Infrastruktur). Ausserdem würden sich die meisten Ländern ungern in noch mehr Abhängigkeit begeben.

Nach meiner Kenntnis kostet besagte Wielandsteckdose ca. 50€. Selbst mit Montage dürfte die doch keine erheblichen Mehrkosten bedeuten.

Vielen Dank für den Link zur reiner-leomoine-stiftung. Finde es gut, dass es aktuelle Studien dazu gibt die nicht nur auf Wasserstoff aus Libyen abfahren. Kenne selber noch eine von der Fraunhofer Gesellschaft schon aus 2011. Schon damals wurde belegt, dass ein rein regeneratives Energiesystem technisch und wirtschaftlich möglich ist. Da sich die Technik nochmal deutlich weiterentwickelt hat gilt das heute erst recht.

Das ISI gibt da eigentlich auch immer aktualisierte Versionen raus. Link Aber manch einer lamentiert ja lieber noch ein paar Jahre von eingebildetem Zappelstrom, Doppelstrukturen und der angeblichen Unlösbarkeit des Problems.

Extraktion kostet Geld, und ja, auch die Saudis kostet es Geld, und in Norwegen ist Extraktion auch nicht umsonst.

Die reinen technischen Extraktionskosten liegen bei grob 4 USD pro Barrel. Da kann der Ölpreis lange fallen, bis sich das nicht mehr lohnt.

Wenn die Preise durch sinkende Nachfrage fallen wird es immer schwerer die Extraktion zu bezahlen. Ja, die Saudis können das vermutlich länger aufrecht erhalten. Aber wenn nur noch dort zu marktgerechten Preisen Öl gefördert werden kann, werden die Kosten drumherum immer teurer (Transport, Lagerung, Infrastruktur).

Die Extraktion wird aktuell durch technischen Fortschritt immer billiger. Die USA haben immer ÖL importiert, deswegen die Ölkriege. Aktuell exportieren die USA ÖL. Stichwort Fraking.

Ausserdem würden sich die meisten Ländern ungern in noch mehr Abhängigkeit begeben.

Deutschland baut gerade North Stream 2 und begibt sich damit in direkte Abhängigkeit von Rußland. Die Lieferbeziehungen mit Rußland haben auch während des kalten Krieges immer stabil funktioniert, und die Alternative wäre die Abhängigkeit von den USA, die LNG verkaufen wollen, nicht dass das jemand falsch versteht. Aber auch Deutschland begibt sich im Energiesektor in Abhängigkeiten.

Noch mal nur auf das Thema des CO2-Preises eingegangen. Ein Aspekt fällt hier leider meines Erachtens immer wieder hinten runter. Meine Vorrednerinnen haben ja bereits angemerkt, dass es prinzipiell das Instrument des ETS für Teile der Industrie und den Energieumwandlungssektor gibt. Das Instrument an sich wird nur leider oder eben zum Glück (hier können sich die Theoretikerinnen gerne streite) mit anderen Maßnahmen kombiniert. In Deutschland neben dem EEG genaugenommen auch der Kohleausstieg.

Zusammen mit dem Ausstieg aus der Kohle hat sich Deutschland auch dazu verpflichtet die entsprechend frei werdenden Zertifikate zu löschen. Andernfalls wäre es auch nicht wirklich hilfreich gewesen, wenn die Menge an CO2 einfach an anderer Stelle frei gesetzt worden wäre.

Was aber oft eben bei der Kombination der Maßnahmen nicht berücksichtigt wird ist, dass auch das EEG auf den ETS wirkt. Durch steigende Mengen erneuerbaren Stroms sinkt die Menge an CO2-Emissionen im Energiesektor. Allerdings werden die frei werdenden Zertifikate nicht direkt gelöscht oder einfach nicht ausgegeben. Resultat ist ein höheres Angebt an Zertifikaten und ein geringerer Preis. Damit bleibt es für Emittenten weiterhin günstiger bestehende Technologien zu nutzten. Anders gesagt es besteht kein ausreichender Druck auf grüne Technologien umzusteigen.

Auch wenn es schon etwas älter ist und nicht mehr alles zutrifft geht das Paper doch auf einige dieser Effekte der sich gegenseitig beeinflussenden Maßnahmen ein: Causes of the EU ETS price drop: Recession, CDM, renewable policies or a bit of everything?—New evidence - ScienceDirect. Der Im Paper genannte Punkt, dass das ETS nicht mit den EU-Klimazielen kompatibel ist gilt meines Erachtens weiterhin. Die angestrebte Emissionsreduktion kann mit einer reinen Verringerung von 2,2% der Zertifikatsmenge in der nun folgenden 4. Phase nicht erreicht werden (EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS)). Inwiefern das neue Klimaziel der EU am Ende eventuell doch dazu führt, dass auch das ETS verbessert wird kann ich leider gerade nicht abschätzen.

Die inzwischen bestehende Markstabilitätsreserve hilft zwar, ist aber kein vollständiges Streichen des u.a. durch den EE-Zubau erfolgten Überschuss. Hier muss wohl weiter nachgesteuert werden, da das rein marktliche Instrument einfach nicht ausreichend ist: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/14693062.2019.1682494. Der Drops ist also nicht ganz so einfach gelutscht. Auch die vielen Ausnahmen bei der Zertifikatevergabe (z.B. Grandfathering gibt es weiterhin) müssten analog zur EEG-Umlagebefreiung nämlich angegangen werden. Hier profitiert die Industrie z.T. meines Erachtens doppelt.

Weitere regulatorische Hindernisse, die eine wirkliche Sektorenkopplung verhindern sind zuvor auch bereits erwähnt worden. Ich frage mich nur, ob das Klein-Klein mit immer neuen Ausnahmetatbeständen uns wirklich nach vorne bringt. Bestes Beispiel sind hier die oben genannten Steckdosen für Balkon-PV-Module. Oder eben die Diskussion wer nun alles weniger EEG-Umlage zu zahlen hat. Bei der Sektorenkopplung ja nun Elektrolyseure, aber da gibt es ja auch andere sinnvolle Optionen wie z.B. großwärmepumpen in städtischen Regionen, um die Fernwärme zu defossilisieren.

Die Akzeptanz von Windanlagen in Sichtweite ist deswegen gering, weil man sich halt wünscht, dass der Strom woanders herkommt.

Ich bin in der Nähe des AKW Grafenrheinfeld in Franken aufgewachsen. Mit diesem AKW in der Nähe der Industriestadt Schweinfurt erhielten zahlreiche Haushalte Strom, ohne, dass sie irgendwie so richtig etwas davon mitbekommen. Dass dieses AKW einen ganzen Landstrich geprägt hat - und die Wolke des AKW auf viele Kilometer Distanz sichtbar ist, hat die Menschen, die vom billigen Atomstrom profitiert haben, ohne diesen Atommeiler zu sehen, natürlich nicht gestört. Das ist genau der Punkt: Atomstrom will keiner, Windräder will keiner, Stromtrassen durch die Region will keiner, aber Strom will halt jeder. Da kann man jetzt nüchtern rangehen und den Menschen Alternativen präsentieren (wie eben Effizienzmassnahmen und PH / Windkraft) oder man hört auf die Grundstückseigentümer, die sich über einen Windpark in 5 Kilometern Entfernung aufregen, weil er die Aussicht auf der heimischen Tropenholzterrasse etwas stört. Etwas hart formuliert, aber gerade in Bayern - oder hier in der Schweiz - nicht ganz abwegig.

Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir jetzt damit anfangen, dezentrale Energiegewinnung voranzutreiben und das bedeutet halt, dass jetzt Menschen betroffen sind, die bisher einfach Steckdosenstrom bekommen haben.

Die Lösung ist aus meiner Sicht eben nicht die, einfach sämtlichen Fortschritt wieder zurückzudrehen. Es gibt Dinge, die sich nicht mehr umkehren lassen. Insbesondere das Internet, PCs und so weiter, wird sich nie wieder rückgängig machen lassen. Es ist richtig, dass wir in diversen Bereichen unseren Energiehunger etwas senken müssen, das geht ja beispielsweise mit Effizienzmassnahmen und dezentralen Strukturen, beispielsweise bei der Landwirtschaft.

Wind- und Photovoltaiktechnologie sind massive Problemlöser für den steigenden Hunger nach Energie. Photovoltaik ist immernoch in einer Phase, in der die Produkte günstiger und besser werden. Dass Strom an dem Ort verbraucht wird, an dem er hergestellt wird hat diverse Vorteile. Speicherung wird in den nächsten Jahren (insb. auch durch die Elektroautoindustrie) zunehmend erschwinglich und vermeidet die Entsorgung der Batterien. Wenn die Batterie also im Auto und später in einem Haus verbaut war, kann sie noch zu bis zu 97% rezykliert werden (Angaben von VW). Sie hat bis zu diesem Zeitraum vermutlich bis zu 30 Jahre ihre Dienste erbracht. Tesla möchte besonders stark in diese Richtung gehen (Powerwall). Die Batterien hat man ja ohnehin schon, man kann sie dann einfach umnutzen und im Anschluss rezyklieren. Zudem gibt es ja weitere Speichermöglichkeiten, Pumpspeicher, Wasserstofftechnologie etc.

Jeder Haushalt, der keinen Strom von einem AKW braucht, weil er sich selbst mittels PV versorgt, hilft beim Energiewandel. Jede Heizung, die man mit einer hocheffizienten Wärmepumpe und/oder Solarthermie betreibt, spart Energie und leistet einen Beitrag, im Idealfall sogar noch mit finanziellen Vorteilen.

Flächenanlagen könnten bei Landwirten über Feldern in einer Höhe von 4-6 Metern angebracht werden und könnten damit sogar den Wasserbedarf senken. Solche Konzepte werden bereits erprobt und können wirkungsvoll sein. Wir müssen einfach einen Grundstein dafür legen, dass sie auch funktionieren können.

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Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten den erzeugten Ökostrom in bereits verrichteter Arbeit zu speichern. H2 und Methan wird es auch brauchen, aber das sollte immer ganz hinten anstehen.

In der Studie finde ich in Kapitel 2.5 H2, CH4 und SynFuels. Was da nicht drin steht: Aufgrund der Umwandlungsverluste bleiben am Ende nur noch ca. 25% der reingesteckten Energie übrig. Falls die erneuerbaren wirklich richtig billig werden, ist das natürlich kein Problem in absoluten Beträgen. Wir werden in D aber trotzdem komperative Nachteile ggü Sonnenländern wie Texas oder Kalifornien oder Spanien haben. Die energieintensiven Sektoren werden dahin abwandern.

Natürlich wird auch auch einen starken Zubau an EE geben müssen, schon alleine weil wir mehr Primärenergieträger mit schlechtem Wirkungsgrad auf EE Strom mit besserem Wirkungsgrad umstellen müssen.

Ich empfehle dir die ISE Studie zum Thema Umbau.

Vielen Dank für den Link. Ich habe mir die Studie mal reingezogen.

Spannend finde ich das mal der Gebäudesektor betrachtet wird. Stichwort Wärmepumpen. Kommt ja sonst in der öffentlichen Diskussion nicht vor. Ich denke da kann man viel rausholen.

Nur mal so als Frage zum Abschluss:
Ist es bekannt, dass England Anfang 2020 das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet hat? In den deutschen Diskussionen haben wir ja immer diesen massiven Home Bias. Wie haben die Kollegen von der Insel das gemacht? Bitte nicht umfallen:

  • CO2 Preis um 20 EUR erhöht gegenüber dem Börsenpreis. Ergebnis: Kohlekraftwert unrentabel. Ergebnis: Kohlekraftwerk abgeschaltet. Meines Wissen nach ohne staatliche Entschädigung, weil das ja eine „natürliche“ Marktreaktion ist.

Zeit Online - Der Koxit steht kurz bevor

  • Mit so einer Lösung kommst Du natürlich in Deutschland nicht durch, wird selbst von den Grünen nicht medial vertreten. Die sind lieber im Klein-Klein von Einzelmaßnahmen unterwegs. Als Zyniker sage ich: Müssen die auch, weil wenn das Problem gelöst ist, müssten die ja eine andere Agenda finden. Das ist mühsam. Da hat ja keiner Bock drauf.

  • Was machen wir also stattdessen: Anstatt das dem Markt zu überlassen, schalten wir per Gesetz funktionierende Kraftwerke ab und die Unternehmen bekommen Milliarden Steuergelder dafür.

Tagesschau.de - Kohle-Unternehmen erhalten Milliarden

Also: Alles gut? Ich denke nicht.

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Das reine rauf pumpen aus erschlossenen gut laufenden Feldern in den ersten Phasen ist relativ guenstig, Saudi Aramco schrieb glaub etwas von ca $2,50, je nach Region geht das aber auch Richtung 10-15 Dollar und as auch nur für konventionelle Förderung. Nicht darin enthalten sind Erschliessungskosten, Abgaben, etc. Aktuelle Schätzungen für Preis pro Barrel den z.B. Saudi Arabien für einen ausgeglichenen Haushalt braucht liegen so um die 80 Dollar:

(Quelle)

Unkonventionelle Fördermethoden sind bei aktuellen Preisen schon oft nicht mehr rentabel, was in den USA grad zu einem Zusammenbruch der ShaleOil Industrie führt. Link

Extraktion über die erste Phasen hinaus ist euch deutlich teurer und lohnt sich nur ab gewissen Weltmarktpreisen. Link

Die Exporte und Exploration ging dort dieses Jahr durch den Preisverfall massiv runter. Link

Die Extraktion wird aber in den meisten Teilen der Welt mittlerweile immer teurer,

Ja, das Erbe Schröders wird noch lange auf uns lasten. Wirklich NEU ist diese Abhängigkeit aber auch nicht.