LdN210 Thema Facebook und Soziale Medien

Bzgl. 2: Ich wollte gerade mein erstes Kommentar posten, mit genau dieser Idee und dem gleichen Parallel zu Strom (und Bahn). :slight_smile: Hier nochmal in meinen eigenen Worten und paar Detailergänzungen.

Ähnlich wie im Strom- und Bahnbereich ist das Monopol Facebooks fast ausschliesslich auf das Netzeffekt zurückzuführen. Dagegen haben Ökonomen schon lange eine Lösung, nämlich Netz und Nutzung des Netzes voneinander zu trennen.

Das Netz wäre bei Facebook die Datenbank, die Nutzung das „Frontend“, also der tatsächliche Newsfeed/wall, mit all den Prioritisierungs-, Anzeige- und Zensuralgorithmen die dahinterstecken.

Die Datenbank würde alle rohen Inhalte sammeln, wie z.B. wer was wo postet (Text, Photos, Videos, Links, Likes, etc.), und vor allem wer was wo sehen, lesen oder schreiben darf (laut Einstellungen des Nutzers; z.B. durch „Freundschaften“). Private Unternehmer/-innen könnten auf diese Datenbank zurückgreifen, um ihren eigenen Newsfeed/wall mit ihren eigenen Anzeige- und Priorisierungsalgorithmen zu gestalten und anzubieten. Ein Nutzer könnte dann frei wählen, zu welchem „Newsfeedanbieter“ er gehen möchte. Jeder Newsfeedanbieter hätte natürlich nicht Zugriff auf die gesamte Datenbank, sondern nur auf den Teil, der für ihre jeweiligen Nutzer freigeschaltet ist (so wie in der Datenbank hinterlegt). Das wären zum einen die Posts von dem User selber, und zum anderen die Posts seiner „Freunde“. (Das heisst natürlich auch, dass jeder Nutzer sich im klaren sein muss, dass seine Posts auch von andere Newfeedanbieter benutzt werden könnten, um sie einem „Freund“ zeigen zu können.) Facebook selber wäre dann nur noch einer unter vielen Newsfeedanbietern. Dann gäbe es bestimmt wieder, wie bei Zeitungen, Newsfeedanbieter mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen. (Könnte allerdings aber auch wieder zu Ausgrenzungen und extremistischen Kreisen führen…)

Konkret gibt es natürlich viele weitere Details, die man ausklügeln müsste. Z.B. was genau in die Datenbank kommt: z.B. nur die „Daumen“ oder die ganze Palette an „Zustimmungsmileys“; darf der Newsfeedanbieter neue, eigene Datenformate einführen, die dann nicht in die Datenbank aufgenommen werden könnten? wie schütze ich diese hoch sensible Datenbank (Hashingsystem vielleicht mit Verschlüsselung benötigt)? etc.

Bestimmt käme es auch sehr schnell zur Debatte, ob so eine zentrale Datenbank denn nicht viel zu gefährlich sei (wegen möglicher Hackerangriffe). Dagegen würde ich allerdings erwidern, dass es diese zentrale Datenbank ja schon gibt, nur dass sie alleine in den Händen von Facebook liegt, die ja offensichtlich nicht die besten Garanten unserer Privatsphere sind (siehe Cambridge Analytica Skandal).

Sehe ich genauso. Letztendlich wird man sich wohl auf gemeinsame Mindeststandards einigen müssen. Ich finde dort die Budapest-Konvention gegen Cybercrime aus dem Jahre 2001 ein gelungenes Beispiel, obwohl sich diese ja nur peripher mit dem Thema Grenzen der Meinungsäußerung beschäftigt (und bindend ist!).

In der aktuellen Lage wurde ja gesagt, das es kein Soziales Netzwerk gibt, das sich Reguliert bzw. durch einen"Presserat" reguliert wird.
Leider sind da Ulf und Philip nicht auf der Höhe der Zeit :wink:
Mastodon macht das wirklich vor, denn die Dezentralität sorgt dafür, das sich auf den Instanzen mehr Menschen um Hass und gemeldete Kommentare kümmern als das eine Zentrale Plattform schaffen kann. Zudem hat @purlaub es oben schon geschrieben - ein Problem solcher Zentralen Plattformen sind die Algorithmen die userInnen mit immer neuerem und härteren Argumenten/Posts auf ihren Plattformen halten wollen. Die leben davon denn die userInnen sind Melkvieh das man dort nur weiter ausspäht um ihnen hintenrum dann Werbung zu verkaufen.

Ich lade Ulf und Philip ein, sich mal ne weile auf Mastodon zu tumeln und den Unterschied in Art und Ton zwischen Twitter und Mastodon anszuehen und zu erleben.

Netter und auch Sachgerechter Umgang geht und die Menschen auf den Instanzen sorgen dafür das Spinner nicht so viel „lärm“ machen können, wie sie das leider auf Twitter machen

1 Like

Der Vergleich hinkt meiner Meinung nach. Sie wischen den Monopolstatus von Facebook und Konsorten einfach weg, aber der ist bei dieser Frage essenziell. Es ist nämlich de facto so, dass sie im Internet mit ihrer Meinung einfach nicht stattfinden, wenn die großen Player ihre Meinung von ihren Plattformen tilgen. Gerade jetzt in Corona-Zeiten, wo ja noch mehr Kommunikation über das Internet stattfindet, ist das schon wichtig. Ich denke es ist ein no-brainer, dass Google Facebook etc., durch selektive Zensur einen erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung der Gesellschaft haben können, wenn sie alle Register ziehen würden, die ihnen heute zur Verfügung stehen. Damit Sie diese Macht also nicht ausüben können, auch nicht unbeabsichtigt, braucht es hier mMn schon Regeln.

1 Like

Hallo liebe LdN,
ich würde nochmal einen ganz anderen Aspekt in diese Diskussion einstreuen, der meines Erachtens bisher noch nicht thematisiert wurde. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass Straftaten oder exzessive Gewalt nicht auf Facebook, Twitter etc. erscheinen soll. Dabei geht es hierbei häufig um Bild- oder Videomaterial. Ich möchte die Gewalt hier nicht reproduzieren, deswegen werde ich an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Aspekte eingehen. Viele Menschen gehen davon aus, dass diese Selektierung rein durch Algorithmen geschieht. Dies ist allerdings nicht der Fall. Algorithmen markieren die entsprechenden Beiträge, leiten diese dann aber weiter an einen Menschen, der sich dieses Material anschauen muss und letzlich darüber entscheidet, ob es gelöscht werden soll oder nicht. Dabei geht es nicht nur um Gewalt, sondern jegliches Material, was den Kriterien der jeweiligen Plattform nicht entspricht (Darstellung von Nacktheit, Sex,…). Diese Menschen werden Contentmanager genannt. Meist müssen Contenmanager jedes Bild, jedes Video, egal wie brutal es ist von Anfang bis Ende betrachten und dann innerhalb weniger Sekunden eine Entscheidung treffen. Eine psychologische Betreuung gibt es dabei nur selten. Nicht nur unter dem Aspekt der psychischen Belastung ist dies ein diskutierwürdiges Thema. Ein weiterer Aspekt ist die fehlende Zweitkontrolle, was dazu führen kann, dass Beiträge gelöscht und Benutzer*innen gesperrt werden für Beiträge, die je nach Standpunkt als künstlerisch angesehen werden können.

Viele meiner Aussagen berufen sich auf den Film „The Cleaners“ den es auf der Internetseite des bpb zur freien Verfügung gibt (https://www.bpb.de/mediathek/273199/the-cleaners). Der Beitrag vom Y-Kollektiv bietet auch einen guten Beitrag mit besonderem Blick auf die Situation in Deutschland (https://www.youtube.com/watch?v=umafqnmvRsY). Unter dem Video gibt es außerdem noch viele weiterführende Links.

Zumindest ich nehme es als selbstverständlich an, dass ich mich auf die Plattformen der Sozialen Medien begeben kann und nicht mit Gewalt konfrontiert werde. Das dahinter Menschen und die Ausbeutung von Menschen steckt, war mir lange nicht bewusst. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Thema mehr Gehör findet, denn es geht uns alle als Nutzende dieser Medien etwas an!