LDN199 Schulöffnungen

Vielen Dank für Eure Darstellung zu dem Thema. Ich kann lediglich aus der Brille NRW berichten kann aber bestätigen, dass das Thema Online-Unterricht während des ersten Lockdowns ein echtes Trauerspiel war. Wesentlicher Faktor war das Engagement von Lehrern der jeweiligen Klassen. An der selben Schule reichte die Bandbreite von Lehrern, die täglich mit Ihren Schülern über Onlinetools in direktem persönlichen Kontakt waren, bis hin zu jenen die postalisch Arbeitsblätter versendeten. Ich fand es total faszinierend, wie unterschiedlich das jeder Lehrer handhabte und wie wenig Unterstützung es wohl von übergeordneten Behörden gegeben hat.
Man hat den Eindruck nach wie vor kocht jede Schule ihr eigenes Süppchen. Ich kann nicht erkennen, dass es ein übergeordnetes Konzept gäbe, noch das eine politische Priorität gesetzt würde. Für Schüler, insb. dort wo die Eltern nicht die Unterstützung geben können, ist das ein Desaster und es geht munter weiter.
Pikant, NRW hat den Lehrern sogar noch einen Maulkorb verpasst: vgl. https://rp-online.de/nrw/landespolitik/nrw-schulleiter-kritisieren-anweisung-zur-neutralitaetspflicht_aid-51679031
Ein Zusammenhang zu den anstehenden Kommunalwahlen soll natürlich nicht bestehen :-/

Hallo,

ich fand den Teil über die Schulschließungen auch recht interessant.
Ich wohne ich Bayern und auch wenn wir in einem reichen privilegiertem Bundesland leben ist der von euch vorgeschlagene „Fernunterricht“ hier bei nahezu keiner Schule möglich. Unser bayerischer König, der ja bald König von Deutschland werden möchte, schafft es mit seiner Regierung nicht mal Internet in alle Schulen zu bringen. Ein Beispiel, die Stadt Nürnberg hat 2019 damit begonnen Internet in alle Schulen zu bringen und hofft in 10 Jahren fertig zu sein! Allerdings sieht’s nicht mal annähernd so aus als ob das klappen würde.
Und wie soll nun der Nürnberger Lehrer Online Unterricht anbieten wenn er nicht mal online ist, vielleicht kann er sich ja in seiner privaten Wohnung ein Studio aufbauen.

Ein anderes Beispiel, an unserer Grundschule hat sich die Rektorin mit ihren Lehrerinnen ein Digitalisierungskonzept überlegt und uns das vorgestellt. Da werden jetzt iPads und Beamer angeschafft, sonst nichts. Eine digitale Tafel braucht man nämlich nicht mehr das macht man mit den iPads. Da hat Apple mal wieder tolle Lobbyarbeit geleistet die dazu führt, dass es so sicher keinen Onlineunterricht geben wird. Aber in Cupertino sind die sicher total glücklich darüber.
Jede Schule muss sich hier selbst was zusammenbasteln und die amerikanischen Parasitenfirmen reiben sich die Hände und haben Dollarzeichen in den Augen.

Das Ganze ist ein massives Politikversagen, was nicht nur für Bayern gilt. Hier sieht man aber ganz deutlich was passiert wenn man Populisten, ja ich zähle Herrn Söder und auch seinen Vorgänger Seehofer zu diesen, regieren lässt. Man kümmert sich drum dass alle Unternehmen, speziell die großen schön Profit machen können, aber die die kein Schmiergeld zahlen können (hier die Kinder) fallen halt hinten runter.

Dann noch ein anderes Thema das ihr im Kontext Schule bearbeitet habt. Ihr habt ja vorgeschlagen, dass die Kinder auch im Unterricht Maske tragen sollen. Das halte ich für einen völligen Blödsinn, bitte entschuldigt die deutliche Ausdrucksweise.
Zum einen ist das den Kids nicht zumutbar, aus meiner Sicht. Es reicht schon wenn mein Großer am Tag 1,5h um Bus das blöde Ding tragen muss, bei 30 Grad Außentemperatur und völlig überfülltem Bus, denn da sind die 1,5 Meter ja nicht so wichtig 20cm reichen durchaus. Zum zweiten wissen wir ja jetzt alle dass die Maske bei den Aerosolen nicht hilft, in beide Richtungen nicht. Wenn die nun sechs Stunden in der Klasse sitzen verhindert die Maske eine Ansteckung nicht, auch wenn ihr das anders sehen wollt. Ich finde das einfach nicht mehr zumutbar und glaube dass der positive Effekt des Präsenzunterrichts dadurch verschwindet, die Kids können sich mit dem Ding einfach nicht so lange konzentrieren.

Viele Grüße

Ich hoffe, ich habe das richtige Feld ausgewählt für einen neuen Kommentar - mir wurde nur „antworten“ angezeigt, hoffentlich antworte ich jetzt nicht auf einen Kommentar.

Liebe Lage: Ich würde mir wünschen, dass ihr Mal mit Lehrkräften aus unterschiedlichen Bundesländern sprecht oder den Austausch verfolgt, beispielsweise im #twitterlehrerzimmer - einfach den Hashtag bzw. das Kürzel #twlz bei Twitter eingeben. Es gibt auch einen Bot-Account, der alle Beiträge mit den Hashtags teilt.

Hier wird viel darüber diskutiert

  • was digital machbar ist und was nicht (Spoiler: Unterricht von woanders verfolgen ist pädagogisch nicht so sinnvoll, wie es Herr Lauterbach dargestellt hat & gerade in der Grundschule sind zB Übungseinheiten, die man nicht digital begleiten muss, oft sinnvoller Zuhause)

  • ob Maskenpflicht auch im Unterricht sinnvoll ist (viele sagen ja, Grenzen in den Fächern und Jahrgangsstufen, bei denen Mundbewegungen essenziell sind, bspw. fürs Schreibenlernen in der ersten Klasse) und

  • über die auch von euch zitierte Elternbefragung. Diese will ich kurz einordnen:

Relativ unreflektiert wurde hier die Zeit, die Kinder im Unterricht verbringen, als „schulische Aktivität“ festgelegt & mit der aktiven Lernzeit Zuhause verglichen. Das lässt außer Acht, dass in der Schule viel mehr passiert: Schule ist nicht nur fachliches, sondern u.a. auch soziales Lernen, Schulleben mitgestalten, Erziehungsarbeit uvm. - „echte Lernzeit“ im Sinne von fachlichem Lernen entspricht tatsächlich häufig der Zeit, die die Befragung für Zuhause ausgespuckt hat. Das Lernen Zuhause wurde auf das fachliche reduziert, aus gutem Grund. Projektarbeiten, die viel mehr als nur fachliche Kompetenzen ausbauen & daher auch etwas Zeit kosten, konnten bspw. eher nicht drankommen. Es wurde im Sinne der Schüler*innen so reduziert, dass Zuhause arbeiten zu Pandemie-Zeiten eben nicht überfordert oder zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Letztlich würde ich mir, wie schon gesagt, wünschen, dass ihr mit Lehrkräften sprecht. Ich habe von vielen Kolleginnen gehört, dass die Coronaschulzeit die anstrengenste überhaupt war. Die engagierten Eltern haben meist nicht mitbekommen, dass viele Lehrkräfte Schüler*innen hinterhertelefonieren & teilweise sogar das Jugendamt einschalten mussten, um nur ein Beispiel zu nennen. Und viele haben gute Vorstellungen davon, was bei ihrem Klientel an Konzepten funktionieren und nicht funktionieren könnte.

Ich persönlich begrüße zB den Stufenplan aus Bayern, der genaue Grenzen setzt, ab welcher Infektionszahl/100.000 Maskenpflicht im Unterricht herrscht, die Klassen geteilt werden und ab wann nur noch Fernunterricht stattfinden wird. Die Schule beginnt erst in einem Monat, Konzepte werden jetzt für jede Schule erstellt. Gerade für die ersten Klassen ist aber beispielsweise Regelunterricht zu Beginn meiner Meinung nach sinnvoll.
Ich bin allerdings erst ab Oktober an einer Schule und da auch kaum im Regelunterricht, andere Lehrkräfte können dies sicher besser einschätzen. Mich würde es sehr freuen, wenn das Mal Teil eurer Recherchearbeit wäre, da viel über Lehrer:innen & Schulkonzepte geschrieben wird, häufig aber eher mit Elternvertreter*innen statt mit Lehrkräften vor Ort gesprochen wird. Schaut euch außerdem auch gerne auf Twitter Mal um :slight_smile:

Liebe Grüße :sunflower:

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Ein wesentliches Problem ist auch die Datenschutzrechtslage in dem Kontext bzw. die Abwesenheit einer Rechtslage was Digitales Unterrichten angeht. Das Schulgesetz ändern, kann ein erster Schritt sein. Es bedarf natürlich, wie auch vor Corona, einer adequaten Infrastruktur, aber auch klarer Regelungen um nicht überzogene Ansprüche zu etablieren. Es sind Lehrkräfte, die das WLAN pflegen, die Schulcloud verwalten, etc. Digitale Schule muss professioneller betreut werden, fixe IT Zentren/Betreuung, sonst bleibt es bei dem Wildwuchs und wer darunter leidet, sind letztlich die Kids, deren Bildungserfolg von Engagement Einzelner abhängt. Eine gute Zeit, den Bildungsetat langfristig zu erhöhen, eh überfällig. In Berlin ist es doppelt dreist, die neuen Handlungspläne sprechen

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Mir hat euer Beitrag zu den Schulöffnungen sehr gefallen und ich wollte mal von meinen Erfahrungen und meiner Meinung berichten.
Ich bin sobald die Sommerferien in Thüringen enden Schüler der 12. Klasse eines Gymnasiums. Ich verstehe wieso die Kultusministerien die Schulen wieder öffnen wollen und ich finde es auch selber gut, aber das Konzept für Thüringen ist in meinen Augen ziemlich widersprüchlich. Sie wollen eine Maskenpflicht auf den Schulfluren und dort einen Sicherheitsabstand, aber im Unterricht interessiert das niemanden. Wir werden laut Konzept in voller Kursstärke unterrichtet und das dann auch ohne Sicherheitsabstände. Ich verstehe nicht wieso man dieses Risiko eingeht, obwohl man ja bereits jetzt sieht, wie schlecht das Konzept ausgearbeitet ist. Nachdem meine Schule wieder geöffnet hat, hat das System in kleineren Gruppen unterrichtet zu werden super gut funktioniert und jetzt geht man das Risiko ein, dass die Schulen wieder in einen kompletten Lockdown gehen müssen. Ich verstehe das nicht.

Ich finde die Diskussion über die Situationen sehr bitter. Mein Sohn wird nächste Woche eingeschult und ich habe Angst, dass es schnell wieder zu Schulschließungen kommt und ihm die Freude an der Schule genommen wird.
Besonders hart finde ich, wenn in allen Medien rauf und runter diskutiert wird, wie gefährlich die Schulen sind und nebenbei eine Öffnung von Fußballstadien mit über 20.000 Besuchern und Konzerte mit 13.000 Besuchern stattfinden sollen. Selbst wenn in den Stadien Platz für Abstand etc. ist, müssen die Leute auch alle irgendwie anreisen und da rein kommen.
Außerdem sind die Corona-Zahlen während der Ferien durch die Decke gegangen - ohne Zutun der Schulen. Ich kann mir in, wenn ich mir das in Berlin angucke, auch vorstellen wieso: Urlaube, auch in Risikogebiete, ich fahre täglich mit der U-Bahn noch NIE waren weniger als zwei Leute im Wagon, die keine Maske tragen - es hat einfach keine Konsequenzen - in den Parks wird abends in großen Gruppen gefeiert, die Kneipen, Bars und auch die Clubs (underground - so Berlin!) sind wieder zum Bersten voll und selbst in den Supermärkten merkt man nix mehr von Vorsicht.
Aber die Schulen und deren Schließungen sollen es wieder richten. Ich finde es skandalös, dass die ganze Sache auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen wird, während der Rest der Republik High-Life in Tüten macht, als wäre nie etwas gewesen. Wenn man die bestehenden Regeln durchsetzen würde, müsste man nicht einfallslos auf die Schulen schauen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Im Übrigen kann ich mir vorstellen, dass Onlineunterricht in oberen Klassenstufen funktionieren kann. Wie das mit Schulanfängern gehen soll, kann ich mir auf keinen Fall vorstellen. Abgesehen von dem sozialen Lernen, was enorm wichtig wäre, und gerade zu Beginn individueller Förderung und fähigkeitsgerechte Betreuung, kann man die jüngeren Kinder aber halt nicht einfach vors Tablet setzen. Hinzu kommt, dass ich einem Bezirk von Berlin lebe, wo über 85% der Schüler und Schülerinnen von Transferleistungen leben und bei über 80% Zuhause kein Deutsch gesprochen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in allen Haushalten die technischen Voraussetzungen und die Fähigkeiten vorliegen, die Kinder von zu Hause aus effektiv lernen zu lassen.
Auch die anderen Vorschläge, mit kleineren Klassen, getrennten Gruppen etc. sind zwar alle wohlgemeint - aber bei der Personal- und Raumsituation hier an der Schule die ich kenne, schlichtweg nicht vorstellbar.

Berlin brüstet sich mit großen und langen Anzeigen, dass es viel Geld in seine Schulen steckt, mit dem Sommerferiensanierungsprogramm. Das ist eine Farce - zum einen werden nur Zustände hergestellt, die in jedem Entwicklungsland unteres Minimum wären (Es regnet nicht durch die Decke, es gibt funkionierende Fenster, fließendes Wasser und mit Glück Heizungen im Winter) und keine wirkliche Modernisierung. Hinzukommt, dass die Maßnahmen nach 3 Monaten Corona und 6 Wochen Sommerferien nirgends abgeschlossen werden konnten. Schulen, und Schulkinder werden hier systematisch vernachlässigt und politisch als entbehrlich gesehen und ich finde, hier sollte ein fundamentales Umdenken stattfinden. Zuerst an die Schulen denken, zuerst modernisieren und finanzieren! Schulen offen lassen als oberste Priorität und lieber wieder Reiseeinschränkungen, Maskenpflicht durchsetzen, Sport und Hobbys einschränken etc und nicht umgekehrt.!

Danke für die sehr gute Ausgabe der neuen Lage und toll, dass ihr mit Herrn Lauterbach einen spannenden Interviewpartner präsentieren konntet!

Hallo, ich würde mir wünschen, dass ihr mit Lehrkräften sprecht. Als Lehrkraft kann ich über manche Forderungen nur müde schmunzeln, weil sie völlig an der Realität vorbei gehen.

Gerne gebe ich auch Auskunft, bin aber als weißer Cis-Mann ziemlich privilegiert und lasse anderen gerne den Vortritt.

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Hallo, alle miteinander,

die Schulöffnungen und die Notwendigkeit der Digitalisierung ist in aller Munde.
Wie geht es mir damit, die ich seit über 25 Jahren in der Grundschule (Bayern) im Dienst bin?

Dazu ein Vergleich, der mein Befinden verdeutlicht:

Als braver Staatsdiener werden mir zwei Stricknadeln und Wolle in die Hand gedrückt mit der Aufgabe, „Rechte Maschen“ zu stricken. Mit geringen Kenntnissen lege ich los, später - nach missglückten Versuchen, Ärger, Wut – beschaffe ich mir ein Lehrvideo und versuche es erneut. Nach viel, viel vertaner Zeit, Misserfolgen, Verzweiflung schaffe ich es tatsächlich, einige „Rechte Maschen“ zu stricken. Die Freude ist riesig. Mein Ziel habe ich aber nur kurzfristig erreicht, denn es geht ja weiter: „Linke Maschen“. Also das genannte Prozedere geht von vorne los. Anschließend noch „Zöpfe“ und „Socken“ stricken. Alles immer schön selbst beibringen, aber bitte mit viel Engagement!!!

Man glaubt es kaum, irgendwann nach Wochen und Monaten, schaffe ich das Geforderte! Aber auch dabei tauchten Probleme auf, die viel Zeit kosteten, u.a. fallen immer wieder Maschen ab, die Wolle ist zu Ende usw. Was nun? Es gibt erst einmal niemanden, den ich fragen kann. Ich kann es im Bekanntenkreis, bei Verwandten, Kollegen versuchen, ob sie mir mein Problem beheben können. Wenn ich Glück habe, finde ich Hilfe.

Aber leider hinkt mein Vergleich – ich bekomme die Stricknadeln nicht in die Hand gedrückt, ich soll mir auch noch meine eigenen Nadeln und die eigene Wolle zulegen.

Aber zum Schluss noch die Krönung des Ganzen:

Ich soll nicht nur selbst stricken können, ich soll es den Kindern beibringen!!! Methodisch-didaktisch aufbereitet. Wie soll das eine qualifizierte Vermittlung werden, wenn ich selbst beim Erlernen völlig allein gelassen worden bin?

Vielleicht sollte ich explizit hinzufügen, dass ich sehr gerne etwas Neues lerne, nur bin ich gegen das „Wie“! Ich möchte professionelle Unterstützung und Hilfe! Handarbeitsaffine Menschen schaffen sicherlich die gestellte Aufgabe, weniger affine schauen in die Röhre und sind in der Öffentlichkeit die „weniger engagierten“ Kollegen.

Kann unter diesen Voraussetzungen Digitalisierung gelingen? Können so die LehrerInnen freudig, motiviert und lernbereit mitgenommen werden?

In der freien Wirtschaft würde die Digitalisierung – wie ich sie in meinem Vergleich geschildert habe – so nie ablaufen. Zu uneffektiv, zu teuer.

Selbst stattfindende Webseminare helfen nur bedingt weiter, da die Schwierigkeiten erst dann auftauchen, wenn man es selbst in der Praxis versucht. Das Seminar zu unterbrechen, geht ja nicht. Wenn dann Probleme auftauchen, ist aber keiner mehr da, der einem weiterhilft. Also wieder selbst die Lösung suchen. Und die Zeit schreitet unaufhörlich weiter und weiter und weiter ….

Und nicht nur im Großen gibt es Probleme, auch im Kleinen:

Es ist leider nicht einmal selbstverständlich, dass man eine dienstliche E-Mail-Adresse von der Schule bekommt. Man muss sich dafür rechtfertigen, wenn man den Wunsch nach einer dienstlichen Mail-Adresse äußert. Oftmals ist es auch selbstverständlich, dass man seine private Telefon-Nummer an die Klasseneltern weitergibt. Wenn man das nicht möchte, wird man schief angeschaut. Man meint, es gäbe keinen Datenschutz. (Zum Glück gibt es beim Handarbeiten keinen Datenschutz!)

Keine andere Behörde käme auf die Idee, auf private E-Mail-Adressen ihrer Mitarbeiter zurückzugreifen, schließlich gibt es den Datenschutz. Ob ich Dr.Piazolo wohl mal eine dienstliche Mail an seine private Mailadresse schicken könnte? Warum wird nicht auch den Lehrern an Grundschulen vor Ort dieser Datenschutz gewährt und zwar als Pflicht, das würde Rechtfertigungen und Diskussionen mit der Schulleitung vermeiden?

Abschließend fände ich es schön, wenn die genannten Probleme stärker und klarer in die Diskussion eingebracht würden, auch durch Einbeziehung der Lehrerschaft, denn auch in der Berichterstattung in den öffentlichen Medien wird immer nur über engagierte und die weniger engagierte LehrerInnen berichtet. Über die tatsächlichen Probleme, die nichts mit der „Faulheit“ der KollegInnen zu tun haben, erfährt man nur wenig.

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Hallo liebes Lage-Team,
zum Interview mit Karl Lauterbach noch einige Gedanken. Die von Lauterbach propagierte und von Ulf unterstütze Idee, die Klassenstärke zu halbieren und die andere Hälfte online teilnehmen zu lassen, scheint mir einen Realitätscheck nicht zu bestehen. Man wird in Deutschland wahrscheinlich keine einzige Schule finden, die dafür auch nur annähernd genug Räume hat. Dann bleibt nur die wochenweise Beschulung von zu Hause. Da wusste ich gerne, wie Ihr Euch das tatsächlich (und arbeitsrechtlich) vorstellt, wenn es nur ein Elternteil gibt oder beide arbeiten. Die meisten haben ihren kompletten Jahresurlaub schon im ersten Lockdown investiert. Unbezahlten Urlaub kann sich auch nicht jeder leisten, ungeachtet der Tatsache, das das rein tatsächlich überwiegend von Frauen aufgegangen wird, was uns in der Frage der beruflichen Gleichberechtigung möglicherweise um Jahrzehnte zurückwirft.
Unter Infektionsgesichtspunkten schön und gut. Das ist aber nicht dass einzige gesellschaftliche Problem.

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Ich habe mich über euer Segment zu den Schulöffnungen sehr geärgert. In den Kommentaren ist eigentlich alles gesagt worden. Ja, es hängt sehr von den einzelnen Lehrern ab, und ja, die Infrastruktur ist generell schlecht, weil vernachlässigt. Es gibt noch viele hundert andere Baustellen und Widerstände, von fehlenden Geräten bis hin zu Widerstand von Eltern. Aber ihr beweist leider auch völlige Unkenntnis unterrichtlicher Realität und Lernvoraussetzungen der Schüler. Ich bin in der Regel fitter in der digitalen Welt unterwegs als meine Schüler, sieht man von YouTube, Instagram und Snapchat ab. Ich würde mir wünschen, dass ihr mal Praktiker und/oder Experten interviewt. Ich kann euch gerne bei der Suche unterstützen.

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Welche Thesen würdest du denn diesem Segment ganz konkret entgegen stellen?

Noch eine Ergänzung: Ich habe dieses Paper zu Ideen für die Schulen gefunden - einige Ideen finde ich nicht gut, andere dafür mehr. Und wenn man die Fülle liest, merkt man, dass diese Umsetzung, sollten die Kultusministerien nicht massiv Personal aufstocken, kaum gelingen kann, v.a. nicht kurzfristig. Falls ihr tatsächlich mit Lehrkräften sprecht, würde mich ihre Meinung dazu interessieren!

Hier das Paper:

https://www.socialnet.de/materialien/29094.php

Hier die Diskussion dazu auf Twitter:.

Liebe Lage,

euer Beitrag/eure Diskussion zu den Schulöffnungen kam mir insgesamt etwas einseitig und leider auch wenig realitätsnah vor. Kurz zu mir selbst: Ich bin Referendarin an einem bayerischen Gymnasium und da ich digital ohnehin schon sehr affin bin, repräsentiere ich mit Sicherheit nicht die durchschnittliche Lehrerschaft Bayerns oder Deutschlands. Dennoch erscheinen mir eure Gedanken zu einem Online-Unterricht geprägt von (natürlich, woher soll es denn auch kommen) fehlendem didaktischen und praktischem Expertenwissen. Ein Interview mit Herrn Lauterbach ist mit Sicherheit nett, da er durchaus virologische und epidemiologische Expertise geben kann, doch wäre es ratsam, wenn ihr mal mit Vertretern aus Lehrerschaft und Bildungsexperten sprecht. Hier mein Vorschlag: Wenn ihr keine Lehrkraft, die sich interviewen lässt, findet, dann schaut doch mal unter #twlz oder #twitterlehrerzimmer rein und sucht euch dort Experten oder holt euch mal ein Stimmungsbild.

Auch die Lehrerschaft ist insgesamt nicht sonderlich zufrieden mit der Arbeit der Kultusministerien. Zu oft wurde der „Schwarze Peter“ den einzelnen Schulen zugeschoben, wenn es natürlich auch grundsätzlich richtig ist, dass die individuellen Gegebenheiten einer Schule immer zu berücksichtigen sind. Wenn eine Schule aber abhängig von einer Sanierung ist, die seit Jahren vom Landkreis verzögert wird, hat sie so gut wie keine Aussichten auf eine digital bessere Ausstattung, die natürlich wünschenswert wäre.
Natürlich wünsche ich mir als Lehrkraft hilfreichere Leitfäden und Hilfestellungen für den digitalen Onlineunterricht, für einen Hybridunterricht oder welch andere Form uns in den nächsten Formen auch immer begegnen möchte. Noch viel mehr gilt dies mit Sicherheit für ältere KollegInnen, die sich erstmal grundsätzlich mit der Funktionsweise eines Mailprogramms auseinandersetzen müssen (um es zu überzeichnen). Dass nichts in den Schulen passiert, ist jedoch wiederum auch nicht wahr.

Hier die aktuellen Probleme aus meiner Sicht:

  1. Die Ausstattung: Neben der Ausstattung der Schule ist individuell die Ausstattung jeder Lehrkraft und aller Schülerinnen und Schüler zu beachten. Es ist völlig selbstverständlich für die Gesellschaft, dass ich Arbeitsblätter, virtuelle Lernräume und Videokonferenzen mit meinen eigenen, selbst gekauften Geräten (iPad, PC, Kamera, Mikrofon etc.) erstelle. Es ist offensichtlich auch selbstverständlich, dass wir mit unseren privaten Mobiltelefonen den Kontakt zu Eltern und SchülerInnen aufrecht erhalten. Hier hat mich Philips Kommentar aus dem Presseclub, Lehrer müssten ja nur einmal täglich jede(n) SchülerIn anrufen. Ich habe ca. 240 SchülerInnen und selbst, wenn wir uns das aufteilen, habe ich während des Fernunterrichts schlichtweg nicht die Zeit dafür (die Sinnhaftigkeit dieses Vorschlags ist noch einmal ein anderer). Dazu kommt es auf die Ausstattung eines jeden Lernenden an - so viel ist klar (zumindest hier sieht man aber ein wenig Bewegung in Hinblick auf Leihgeräte).
    Die Tatsache, dass es nicht nur von der Kompetenz und dem Willen der einzelnen Lehrkraft, sondern auch von der jeweiligen Ausstattung der Lehrkraft abhängt, wie gut der Fernunterricht ist, ist eigentlich ein Skandal. Und viele meiner Bekannten aus der freien Wirtschaft würden ihrem Arbeitgeber klar den Vogel zeigen, wenn er den Einsatz privater Arbeitsgeräte verlangt. Da kann ich KollegInnen durchaus verstehen, die den Ball flachhalten und vielleicht nicht vollen Einsatz zeigen. Von Problemen des Datenschutzes möchte ich gar nicht anfangen.

  2. Medienkompetenz: Die Medienkompetenz von Lehrkräften mag häufig defizitär sein, das streite ich gar nicht ab. Doch vielmehr ist mir in den letzten Monaten aufgefallen, dass meine SchülerInnen zwar wahnsinnig gewandt im Umgang mit sozialen Medien sind und toll Fotos bearbeiten können, doch aber vielmehr digitale Passivkonsumenten sind, als tatsächlich aktive Produzenten und Gestalter zu sein. Hier scheiterte es dann oft schon am Benennen von Dateien oder am Formulieren einer Betreffzeile. Das ist natürlich das Versäumnis der vergangenen Jahre, ganz klar. Dennoch hätte es zu Beginn des Fernunterrichts im März keinen Sinn ergeben, mit einem voll digitalen Unterricht zu starten. Ich habe mit meinen SchülerInnen den Weg eines Übergangs Schritt für Schritt (sozusagen von PDF-Arbeitsblättern zu rein digital) gewählt, um für sie die Einarbeitung zu erleichtern.

  3. Kein Verständnis für digitalen Unterricht: Das ist meiner Meinung nach euer größtes Problem in der Diskussion gewesen. Klar ist: Ausnahmslos PDF-Dateien als Arbeitsblätter zu verschicken ist kein digitaler Unterricht. Klar ist aber auch: Der Unterricht im Klassenzimmer kann nicht 1:1 ins digitale übertragen werden. Beide Formen des Unterrichts haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile und so ist es an uns Lehrkräften, bestes aus beiden Welten zu nutzen. Jeden Tag eine Videokonferenz im Fach Deutsch ergibt aus meiner Sicht wenig Sinn, denn die Tatsache, dass die SchülerInnen alleine daheim sitzen bietet folgende Vorteile: individuelles Lernen im eigenen Arbeitstempo mit idealerweise auch eigenen Lernwegen. Das bedeutet: Lernen muss vom synchronen ins Asynchrone verlagert werden. Das heißt nicht, dass Videokonferenzen keinen Sinn machen, aber einmal wöchentlich als eine Art Q&A oder Vertiefung reicht. Den Rest der Woche arbeiten die SuS individuell mit Hilfe eines Wochenplans und geben eine Lösung ab, auf die sie Feedback erhalten. Zugleich muss immer ein Ansprechpartner für die SuS bei Fragen zur Verfügung stehen. Wenn die SuS also beispielsweise in wöchentlichem Wechsel zuhause sitzen, so kann es durchaus Sinn machen, sie zu einzelnen Stunden ins Klassenzimmer zu schalten. Vielmehr sollte man aber die Vorteile des Fernunterrichts zur individuellen Förderung nutzen - dass es dafür ein gutes Konzept und SuS mit Selbstregulierung und Lernstrategien braucht, ist klar (ich schreibe hier auch aus der Sicht einer Gymnasiallehrerin - an anderen Schulformen mag das anders aussehen).
    Und selbst bei gut durchdachtem Fernunterricht stößt man oft auf Widerstände von Eltern und SchülerInnen: Während sich der eine beschwert, dass es zu viel digital ist, weil er lieber mit Stift und Papier arbeitet, möchte die nächste nichts ausdrucken. Darüber hinaus hatte ich Beschwerden einer Mutter über: 1. PDF-Dateien (vebraucht Papier und Tinte), 2. Online-Lernraum über Mebis (Internetprobleme) und 3. Videokonferenz (Datenschutz) - hier stelle ich die Frage: Würde es Ihnen über Brieftaube passen?
    Was ich sagen möchte: Es kann nicht pauschal gesagt werden, dass Fernunterricht schlecht ist, wenn die SuS nur einmal die Woche Kontakt mit der Lehrkraft haben. Es kann genauso wenig gesagt werden, dass Fernunterricht gut ist, wenn die Lehrkraft jeden Tag eine 45-minütige Videokonferenz anberaumt.
    Daher erneut mein Appell: Sprecht mit Lehrkräften (und zwar am besten mit verschiedenen, aus unterschiedlichen Altersklassen und Schularten), damit ihr einen Eindruck von der schulischen Realität bekommt. Und bemüht euch auch darum, Lehrkräfte ins Boot zu holen, die Beispiele für guten Fernunterricht vorzeigen können und euch aber auch sagen können, wie viel Mehrbelastung das für die einzelne Lehrkraft bedeutet.
    Insgesamt strickt ihr euch gemeinsam mit Herrn Lauterbach meiner Meinung nach zu einfache Lösungen:

  • Wo sollen die Räume für die geteilten Klassen herkommen?
  • Wenn ich Klassen im Schichtbetrieb (Gruppe A morgens, Gruppe B nachmittags) unterrichte, wie soll das mit den Stundenzahlen der Lehrkräfte funktionieren? Entweder verdoppelt man dadurch das Stundenetat der einzelnen Lehrkraft (was nicht geht) oder ich muss doppelt so viele Lehrkräfte einstellen. Das ist - wie wir alle wissen - realitätsfern.

Für mich wäre die beste Lösung unter dem aktuellen Infektionsgeschehen: Weiterhin wechselnd wöchentlicher Präsenzunterricht in halbierten Klassen mit ausgefeilten Konzepten zu den Heimwochen. Teamteaching im Sinne, dass eine Lehrkraft die Klasse in Präsenz betreut, die andere (womöglich aus der Risikogruppe) die Klasse zuhause (und wenn sie nur als AnsprechpartnerIn für Fragen zu Verfügung steht). Parallel steht für SchülerInnen mit fehlender technischer Ausstattung zu Hause oder ungenügender Betreuung zuhause nach Anmeldung ein Lernraum zur Verfügung, den sie täglich oder stündlich nutzen können, um ihre Heimaufträge zu erledigen. Als Aufsicht kann dabei eine Lehrkraft oder sonstiges pädagogisches Personal herangezogen werden. Und auch dieser Vorschlag bedeutet bereits sehr viel zusätzliche Arbeit und Hürden.

Um mit etwas positivem abzuschließen: Ich finde es gut, dass ihr diesem Thema viel Zeit einräumt, denn ich denke, dass das sehr wichtig ist. Während der ersten Welle wurde zu viel über die Wirtschaft und über Fußball und zu wenig über Kinder und Jugendliche diskutiert. Deshalb ist es jetzt zentral, dass wir uns genau überlegen, wie wir während der zweiten Welle nicht wieder Familien (und auch Lehrer) zu den Leidtragenden machen. Was ich mir jedoch von euch wünsche, wenn ihr dieses Thema noch einmal diskutieren solltet, wäre, mehr Multiperspektivität in die Diskussion einzubringen. Ich stehe euch dafür zur Verfügung, aber es gibt mit Sicherheit erfahrenere Lehrkräfte, die euch dazu auch einiges erzählen können.

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Schön, dass so viele hier auch meiner Meinung sind - liebe Lage, sprecht mit Lehrkräften!

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Ich habe das auch schon öfter kommentiert & kann dir nur zustimmen. Gerne mit Lehrkräften an unterschiedlichen Schularten und vielleicht sogar Bundesländern.

Mir hat selbst die Kraft & Motivation gefehlt, um viele falsche Vorstellungen in der Lage zu entlarven. Du hast hier wirklich ganze Arbeit geleistet und gezeigt, warum stundenlange Videokonferenzen und die vielen anderen Ideen nicht das Mittel der Wahl sein können. Das meiste davon trifft mMn auch auf die Grundschule zu!

Auch ich möchte als Lehrer etwas zu Eurer Darstellung/Kritik der KMK-Politik sagen.

Die Kritik, Länder hätten sich da mehr „Konzepte überlegen“ müssen, insbesondere zum Online-Unterricht , ist erst mal zutreffend.

Ich glaube aber, hinter dieser Kritik verbirgt sich oft die irreführende Vorstellung, in der Bildungspolitik könne man sozusagen auf dem kurzen Dienstweg von oben nach unten durchregieren. Das ist sehr weit entfernt von der Wirklichkeit.

Es gab auch vor Corona meist eher vage Vorgaben, wie die Kolleginnen ihren Unterricht „gut“ zu gestalten haben. Einerseits, weil nur sie ihre Schülerinnen wirklich gut kennen und beurteilen können, was vor Ort funktioniert und was nicht. Andererseits hat ein Schulministerium in der Praxis sehr wenig Handhabe, Lehrer*innen sozusagen zu einem anderen Unterricht zu verpflichten.

Man kann das jetzt gut oder schlecht finden, aber das ist nun mal die Ausgangslage. Die lässt sich nicht über Nacht ändern und ganz besonders nicht in einerPandemie Situation, wo alle Beteiligten ja eher „Normales“ behalten und weiterführen wollen.

Will sagen, hier müssen unsere Erwartungen an die Bildungspolitik auch realistisch bleiben.

Zweitens wundere ich mich etwas, dass „Online-Unterricht“ in der zitierten Studie anscheinend mit Videokonferenzen gleichgesetzt wird. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass eine VK mit einem Unterrichtsgespräch in der Präsenz-Schule fast nichts gemeinsam hat. Die Schüler*innen schalten Kamera und Mikro (natürlich) aus, ich spreche erst mal in den leeren Raum hinein und habe keine Ahnung, was die nebenher machen.

Das Anliegen, dass ich als Ansprechpartner weiter verfügbar sein muss - evtl auch (!) per VK -, ist völlig berechtigt. VK sind aber m E didaktisch nur begrenzt sinnvoll einsetzbar. In Fächern, wo einige Minuten das „richtige Ergebnis“ oder der „richtige Lösungsweg“ besprochen wird, haben VK vielleicht Sinn.

Schule ist aber viel mehr als das. Ganz anders sieht es nämlich aus

  • im musisch-künstlerischen Bereich: Theater, Singen, Tanzen
  • Im gesellschaftswiss. Bereich, wo es weniger um „die Lösung“ und mehr um das gemeinsame (!) Diskutieren und Argumentieren geht

Dass für den Online Unterricht so wenig breitenwirksame „Konzepte“ existieren, liegt auch (!) daran, dass alle diese Fächer in VK überhaupt nicht richtig vorkommen. Das sind Probleme in der Sache und die können nicht ohne weiteres gelöst werden können und die wir nicht einfach der mangelnden „Phantasie“ der Beteiligten (wie es manchmal heißt) in die Schuhe schieben können.

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Fehlende Medien Kompetenz ist ja nicht nur technisch. Bei uns wurden die Datenschutz fragen ganz den Schulen überlassen. Mit dem Effekt, dass an der Grundschule meine Kinder von oben die Order ausging, Videokonferenzen seien verboten egal mit welchem System. Und die Bedenkentrægetei, wenn ihr minderjährige filmen wollt, wird auch unendlich sein. (Sorry spellchecker artefakte)

Dieses Interview hier fand ich sehr erhellend, geführt mit einem Aerosolforscher:

Interessant auch seine Einschätzungen zum Regelbetrieb von Schulen. Punkte, die ich mitnehme:

  • Aerosole verteilen sich in einem Klassenzimmer im gesamten Raum innerhalb von 2 Minuten
  • an den Rändern der Masken gelangen 90% der Aerosole in die Raumluft, werden durch Maske umgelenkt (unbeantwortete Frage: direkt zum Sitznachbarn?)
  • Lüften kann auch nichts bringen, wenn es falsch durchgeführt wird
  • Kälte bedeutet nicht „Gute Durchlüftung“
  • Unterricht ist zu lange bzgl. der Aerosolkonzentration

Ich möchte mich erst einmal für den rauen Ton und die inhaltliche Armut meines Beitrags entschuldigen. Ich kam direkt von der Lehrerkonferenz und war ziemlich gefrustet. Ich hätte besser eine Nacht über die Folge geschlafen… sorry!

Zur Sache: ihr habt natürlich völlig recht, dass mehr Digitalität wagen angezeigt wäre. Aber z.b. geht Lauterbachs Idee des Zugucken völlig an der Realität der allermeisten Unterrichtsstunden (egal welches Fach und welche Altersstufe, Ausnahmen bestätigen die Regel) vorbei. Hinzu kommt, dass es kaum praxistaugliche Konzepte für das Lernen auf Distanz gibt, die hinreichend fachspezifisch konkretisiert sind, und die relativ schnell von Kollegen erlernt werden können (Unterrichtsstundentemplates sozusagen). Hinzukommt außerdem etwas, dass ich auf der LeKo gemerkt habe, es gibt bei einigen LehrerInnen Unbehagen, im virtuellen Raum zu unterrichten, also „live“ z.b. per Big Blue Button. Das ist eine Frage der Akkulturation glaube ich, denn jetzt scheint es den Skeptikern wie ein Eingriff ins Private, ein Peephole ins eigene Leben. Das gleiche gilt für SchülerInnen! Auch für sie ist das neu und nicht selten unangenehm. Schließlich die technisch-organisatorische Seite. Geräte werden besorgt, okay. Internet ist auch irgendwie verfügbar. Aber a) beherrschen nicht alle Teilnehmer auf beiden Seiten des virtuellen Pults die Technik, auch nicht die angeblichen Digital Natives, und b) ist es echt schwer alle Kursteilnehmer zu versammeln, weil sie eben zuhause und nicht kn der Schule sind. Da werden Termine in den Vormittag gelegt bzw. Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder ohne Aufsicht am PC sind. Auch c) ist es echt anstrengend auf Distanz zu lehren und zu lernen, entsprechend zu verringern wäre die stundentafel…

Das einige ziemlich zusammenhanglose Gedanken… fakt ist aber auch, da habt ihr recht, stärkere und vor allem zieltransparentere Führung wäre nötig, um meinen auf Distanz an den Schulen voranzubringen. Auch im Sinne einer Motivation und Anleitung des Kollegiums sich entsprechend zu organisieren (im #twitterlehrerzimmer habe ich von Schulen gelesen, die da aus eigenem Antrieb einiges geleistet haben)