LdN 493: Besteuerung von Kapitaleinkommen

Hallo,

in der neuen LdN 493 sind mir zwei Dinge aufgefallen, die – wenn ich sie richtig verstanden habe – aus meiner Sicht nicht ganz richtig dargestellt wurden:

  1. Aktien-ETFs werden effektiv nicht mit 25 % besteuert. Bei Aktienfonds sind 30 % der Erträge steuerfrei. Auf die verbleibenden 70 % fallen grundsätzlich 25 % Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag an. Ohne Kirchensteuer ergibt sich damit eine effektive Steuerbelastung von rund 18,46 % auf den gesamten Ertrag. Natürlich gilt das nicht für jeden ETF, sondern nur für Fonds, die die Voraussetzungen für die 30-prozentige Teilfreistellung erfüllen.

  2. Auch die Darstellung von Robert Habecks damaligem Vorschlag zu Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen auf Kapitaleinkommen würde ich etwas anders einordnen. Habeck sagte damals ausdrücklich, man wolle die „Beitragsgrundlage erhöhen“ und Kapitaleinkünfte zusätzlich zur Finanzierung heranziehen. Gleichzeitig sollte dadurch der Beitragsdruck auf Arbeitseinkommen reduziert werden. Es ging also meines Erachtens um beides: zusätzliche bzw. breiter aufgestellte Einnahmen für die Kranken- und Pflegeversicherung und darum, weitere Belastungen von Arbeitseinkommen zu vermeiden oder zu begrenzen.

Zuletzt würde ich Ulfs Aussage etwas widersprechen, dass man grundsätzlich Arbeitseinkommen weniger und dafür Kapitaleinkommen stärker besteuern sollte, damit die Menschen mehr arbeiten. Ist wirklich so eindeutig, dass dies der Effekt wäre? Menschen, die einen Teil ihres Lebensunterhalts aus Kapitaleinkommen bestreiten, können beispielsweise ihre Erwerbsarbeitszeit reduzieren und die gewonnene Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten, häusliche Pflege oder andere gesellschaftlich wichtige Aufgaben einsetzen. Kapitaleinkommen können zudem Freiräume schaffen, um unternehmerisch tätig zu werden.

Ich persönlich würde eher in die andere Richtung gehen und zumindest niedrige Kapitaleinkommen steuerlich stärker begünstigen – beispielsweise durch einen deutlich höheren Freibetrag von 15.000 Euro oder mehr.

Mein Gedanke dahinter: Durch Automatisierung und technologischen Fortschritt konnte Kapital in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend menschliche Arbeit ersetzen. Gleichzeitig hat sich die Einkommensverteilung von Arbeits- hin zu Kapital- und Unternehmenseinkommen verschoben. Wenn Kapital einen größeren Teil zur Wertschöpfung beiträgt, halte ich es für umso wichtiger, dass möglichst viele Menschen selbst Kapital besitzen und daraus Einkommen erzielen.

Statt gerade kleinere Kapitaleinkommen stärker zu belasten, sollte der Staat aus meiner Sicht deshalb den Kapital- und Vermögensaufbau breiter Bevölkerungsschichten fördern. So könnten mehr Menschen nicht ausschließlich über ihr Arbeitseinkommen, sondern auch über Kapitalbesitz am Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum teilhaben. Das könnte langfristig auch dazu beitragen, die Vermögensunterschiede zu verringern.

Eine niedrigere Besteuerung kleiner Kapitaleinkommen halte ich deshalb für wichtiger als eine niedrigere Besteuerung von Arbeitseinkommen. Gegen eine zusätzliche Entlastung von Arbeitseinkommen hätte ich natürlich ebenfalls nichts – für mich wäre sie in diesem Zusammenhang aber die zweite Priorität.

Liebe Grüße

Thorsten

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Ich meine mich zu erinnern, dass 60% (oder so was in die Richtung) der Deutschen keine Rücklagen haben, um eine unerwartete Ausgabe (kaputte Waschmaschine o.ä.) von 1000,- € zu stemmen.
Die Leben praktisch von der Hand in den Mund und diese Gruppe hat nichts von den vergünstigten Regeln bei der Kapitalanlage un dich sehe auch nicht, wie wir unser System in absehbarer Zeit so umbauen, dass die etwas davon haben. Da scheint mir die geringere Besteuerung von Arbeit der größere und bessere Hebel zu sein.

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Jüngst wurde das Thema dazu geschlossen, in dem es hoch her ging. Konsens war, dass Arbeit zu hoch besteuert wird, Arbeit muss sich lohnen und eine Perspektive zum Aufstieg anbieten. Strittig war, wie mit Vermögens- und Erbschaftssteuer umgegangen werden soll. Auch Freibeträge für Sparer und Erben waren ein Thema. Ich glaube, dass 493 sich explizit auf das geschlossene Thema bezog.

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Die Zahl liegt deutlich niedriger als 60 %, ist aber trotzdem ziemlich hoch: 2025 lebten laut Destatis 31,9 % der Menschen in Deutschland in Haushalten, die eine unerwartete Ausgabe von 1.300 € nicht aus eigenen finanziellen Mitteln stemmen konnten. [1]

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass dieses Drittel „von der Hand in den Mund leben muss“. Laut OECD geben zwar rund 30 % der Erwachsenen an, am Monatsende kein Geld übrig zu haben. [2] Daraus wissen wir aber nicht, ob das gesamte Einkommen für notwendige Ausgaben draufgeht oder ob zumindest ein Teil durch anderes Konsum- und Sparverhalten durchaus Rücklagen bilden könnte.

Dafür spricht auch, dass laut OECD gleichzeitig 88 % der Erwachsenen in Deutschland aktiv Geld sparen. [2] Und Deutschland ist insgesamt sogar ein Land mit relativ hoher Sparquote: 2024 wurden im Durchschnitt 11,2 % des verfügbaren Einkommens gespart. [3]

Deshalb würde ich zwei Gruppen unterscheiden: Menschen mit so geringem Einkommen bzw. so hohen notwendigen Ausgaben, dass tatsächlich kaum Spielraum zum Sparen besteht – und Menschen, die grundsätzlich sparen könnten oder sogar zeitweise sparen, aber trotzdem keinen ausreichenden Notgroschen aufgebaut haben. Wie groß diese beiden Gruppen jeweils sind, lässt sich aus den genannten Statistiken allerdings nicht ablesen.

Für die erste Gruppe gebe ich dir völlig recht: Eine steuerliche Begünstigung von Kapitalanlagen bringt zunächst wenig, wenn überhaupt kein Geld zum Anlegen vorhanden ist. Da wäre eine geringere Steuer- und Abgabenbelastung von Arbeit wesentlich unmittelbarer hilfreich. Bei der zweiten Gruppe sieht es aber anders aus: Dort können bessere Rahmenbedingungen und Anreize zum langfristigen Vermögensaufbau durchaus etwas bewirken.

Ich würde es deshalb nicht als Entweder-oder sehen: Arbeitseinkommen stärker zu entlasten hilft dabei, überhaupt erst finanziellen Spielraum für Rücklagen zu schaffen. Gute Bedingungen für Kapitalanlage helfen anschließend dabei, aus diesen Rücklagen langfristig Vermögen aufzubauen.

[1] Destatis – Unerwartete Ausgaben:

[2] OECD – Finanzkompetenz in Deutschland stärken:
https://www.oecd.org/de/publications/finanzkompetenz-in-deutschland-starken_77d40624-de.html

[3] Destatis – Sparquote der privaten Haushalte:

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Ein relevanter Teil deiner Argumentation gegen eine höhere Besteuerung von Kapitalerträgen bezieht sich unterm Strich auf „vermögende Menschen können was sinnvolles mit ihrer Zeit anfangen“ - das ist zum einen ein könnte und darüber hinaus nicht wirklich ein Argument für Kapitalertrag als spezifischen Weg wie Menschen genug Einkommen haben um noch andere Sachen zu machen

Der wichtige Unterschied zwischen Kapitalertrag und Lohn ist halt, dass eines von beiden der überwältigenden Mehrheit der Menschen zumindest während ihres Erwerbslebens als Option frei steht, das andere die Vorbedingung hat dass du etwas beiseite legen kannst

Niemand möchte anlegen oder sparen verbieten oder so, aber dass sich die Erträge aus dieser nicht-Arbeit belastet werden können um Erträge aus Arbeit zu entlasten leuchtet doch ein

dann müsstest du aber doch erklären wo du sparen oder mehr einnehmen möchtest - ansonsten sind wir wahrscheinlich alle dafür dass wir gar keine Steuern zahlen und trotzdem einen tollen Sozialstaat erhalten

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Ich glaube, wir reden tatsächlich über mehrere unterschiedliche Fragen.

Mein Beispiel mit Ehrenamt, Pflege oder Unternehmertum sollte nicht heißen: „Vermögende Menschen machen mit ihrer Freizeit automatisch etwas gesellschaftlich Sinnvolles.“ Natürlich ist das nur ein Kann. Mein Punkt war vielmehr, dass weniger Erwerbsarbeit nicht automatisch gesellschaftlich wertlos ist und dass ich deshalb die Gleichung „Arbeit steuerlich entlasten = Menschen arbeiten mehr = gesellschaftlich besser“ für zu einfach halte.

Eine niedrigere Belastung von Arbeit erhöht natürlich den finanziellen Ertrag zusätzlicher Arbeit. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass tatsächlich mehr Stunden gearbeitet werden. Wer bereits Vollzeit arbeitet, könnte bei einem höheren Nettoeinkommen beispielsweise auch seine Arbeitszeit reduzieren, weil ihm das bisherige Einkommensniveau mit weniger Stunden ausreicht. Ökonomisch wirken hier Einkommens- und Substitutionseffekt gegeneinander.

Wenn das eigentliche Ziel also lautet, das Arbeitsvolumen zu erhöhen, halte ich andere Hebel teilweise für zielgenauer: bessere und verlässlichere Kinderbetreuung, damit Eltern ihre Arbeitszeit erhöhen können, ein höheres effektives Renteneintrittsalter beziehungsweise weniger Anreize zur Frühverrentung und mehr qualifizierte Zuwanderung.

Eine andere Frage ist die Verteilung der Einkommen. Deutschland hatte insbesondere von den 1990er- bis in die 2000er-Jahre eine deutlich zunehmende Lohn- und Einkommensungleichheit. Man kann hier also durchaus darüber diskutieren, niedrige Einkommen steuerlich stärker zu entlasten und sehr hohe Einkommen stärker zu belasten. Das verbessert allerdings zunächst nur die Nettoeinkommen. Wenn wir niedrige Bruttoeinkommen erhöhen wollen, brauchen wir andere Instrumente – unter anderem bessere Bildung und berufliche Qualifikation.

Mein eigentliches Anliegen beim Kapital ist aber noch einmal ein anderes: Ich möchte die Trennung „hier Arbeitnehmer, dort Kapitalbesitzer“ möglichst überwinden. Mein Ziel wäre, dass möglichst viele Menschen neben ihrem Arbeitseinkommen auch Kapitalvermögen aufbauen und langfristig an Kapitaleinkommen partizipieren. Gerade mit Blick auf Länder, in denen die Produktivität langfristig stärker steigt als die Arbeitnehmerentgelte, könnte breiter Kapitalbesitz zusätzlich dafür sorgen, dass mehr Menschen über Kapitalerträge an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben.

Ursprünglich hatte ich dabei vor allem an einen deutlich höheren Freibetrag gedacht. Nach deiner Nachfrage halte ich andere Instrumente inzwischen aber wahrscheinlich für wichtiger. Interessant fände ich beispielsweise eine automatische Teilnahme am Kapitalsparen: Ein bestimmter Anteil des Einkommens würde standardmäßig in ein persönliches, kostengünstiges und breit gestreutes Anlageprodukt investiert. Zusätzlich könnte die Sparrate bei Gehaltserhöhungen automatisch mitwachsen – beispielsweise indem ein Teil jeder Gehaltserhöhung zusätzlich investiert wird. Die Frage ist, inwieweit man dies verpflichtend ausgestaltet oder eine Opt-out-Möglichkeit vorsieht. Als Liberaler würde ich eine Opt-out-Lösung bevorzugen.

Dafür gibt es interessante verhaltensökonomische Forschung. Solche Systeme können das Problem verringern, dass Menschen grundsätzlich sparen wollen, den Beginn aber immer wieder aufschieben. Ein staatliches Matching oder ein fixer Zuschuss könnte zusätzlich gerade bei niedrigen Einkommen helfen. Dabei müsste man genauer untersuchen, welcher Förderbetrag pro eingesetztem Steuereuro tatsächlich zusätzliches Sparen erzeugt.

Beim Freibetrag bin ich deshalb inzwischen weniger festgelegt. In einer groben Überschlagsrechnung habe ich mit ChatGPT einmal angenommen, den heutigen Sparer-Pauschbetrag auf die Höhe des aktuellen Grundfreibetrags von 12.348 Euro pro Person anzuheben. Unter diesen Annahmen ergab sich, dass ein Kapitalertragsteuersatz von grob 29 bis 31 Prozent, also etwa 30 Prozent, die Mindereinnahmen ungefähr kompensieren könnte.

Also danke für den Einwurf, das Ganze einmal etwas genauer zu durchdenken und ein paar Zahlen zu überschlagen.

Zusammengefasst:

Ich würde nur die Schlussfolgerung nicht teilen, dass aus „Arbeit sollte entlastet werden“ automatisch „also müssen Kapitalerträge stärker belastet werden“ folgt. Für mich sind das mehrere getrennte Fragen:

  • Wie erhöhen wir Produktivität und Arbeitsvolumen?
  • Wie verbessern wir niedrige Brutto- und Nettoeinkommen?
  • Und wie schaffen wir gleichzeitig die Voraussetzungen dafür, dass möglichst viele Menschen Kapital aufbauen und neben ihrem Lohn eine zweite Einkommensquelle entwickeln?

Dein Betrag hat 3,5 Bildschirmseiten. Man kann das sicher ganz lesen, wenn man möchte. Aber wenn alle Beiträge im Forum so wären, hätte ich weder Zeit für Arbeit noch für Ehrenamt. Tatsächlich schaffe ich beides.
Zu glauben, dass weniger Arbeit automatisch mehr Ehrenamt heißt, ist einfach eine steile These.
Weder Arbeitslose noch Rentiers sind übermäßig repräsentiert (sehr wohl aber Rentner). Ehrenamt ist vor allem sinnstiftend. Und da ist es leider so, dass wer ein Vermögen geerbt hat und dementsprechend in Reichtum aufgewachsen ist, seinen Sinn längst woanders gefunden hat und vor allem aufgrund der Erziehung keine Notwendigkeit sieht, der Gesellschaft viel zurückzugeben, ist die doch in seinen Augen eher unterprivilegiert, neidisch und will ihm seinen Reichtum wegnehmen.
Ansonsten sind sinnvoll gesetzte Freibeträge genauso wie staatliche Zuschüsse zum Kapitalstock für Niedrigverdiener nötig. Aber momentan geht es ja nicht um das ob, sondern um das wie.
Beim Einkommen gibt es übrigens keine Freibeträge, sondern eine Phase, in der die Beiträge langsam ansteigen (Midijob) oder halbiert werden (Selbständige im Aufbau).

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Fairer Punkt zur Länge :grinning_face_with_smiling_eyes: – jetzt kürzer:

Beim Ehrenamt reden wir aneinander vorbei. Ich habe gerade nicht behauptet, dass weniger Erwerbsarbeit automatisch zu mehr Ehrenamt führt. Mein Punkt war nur, dass aus weniger Erwerbsarbeit nicht automatisch folgt, dass diese Zeit gesellschaftlich wertlos ist. Deshalb halte ich „Arbeit steuerlich entlasten → mehr Erwerbsarbeit → gesellschaftlich besser“ als pauschale Begründung für zu kurz gegriffen. Insbesondere weil ein höheres Nettoeinkommen bei manchen Menschen auch dazu führen kann, dass sie lieber etwas weniger arbeiten und dafür mehr Freizeit haben.

Zum letzten Satz würde ich unterscheiden: Bei der Einkommensteuer gibt es natürlich einen Grundfreibetrag – 2026 sind das 12.348 Euro. Wenn du die Sozialversicherungsbeiträge meinst, hast du mit dem gleitenden Übergangsbereich beim Midijob recht.

Wer ausschließlich von Kapitaleinkommen lebt und freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, zahlt dagegen auf diese Kapitaleinkünfte Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. In der Krankenversicherung sind das 2026 mindestens 222,80 Euro monatlich und – je nach Höhe der beitragspflichtigen Einkünfte – bis zu rund 982 Euro; die Pflegeversicherung kommt noch hinzu. Anders als bei Arbeitnehmern gibt es keinen Arbeitgeber, der die Hälfte übernimmt.

Mein Fehler. Ziel wäre ja, die Kapitaleinkünfte in der Einkommensteuer aufgehen zu lassen. Wer nur von Kapitaleinkünften lebt, bekommt also den gleichen Freibetrag wie der, der von Erwerbsarbeit oder Mieteinnahmen lebt. Wer sie oben drauf bekommt, hat den Freibetrag verbraucht.

Steuerlich würde es sicher Sinn machen, dann einen festen Freibetrag festzulegen, z.B. 10.000€, der mit der Inflation jährlich angehoben wird. Die dürfen dann steuerfrei jährlich in ein Rentendepot eingestellt werden. Das Geld dort darf dann beliebig umgeschichtet, aber vor dem 65. Lebensjahr nicht entnommen werden. Wer unter einer Grenze verdient (und kein nennenswertes Vermögen hat), bekommt einen festen Betrag vom Staat auf sein Depot einbezahlt. Das kann man dann zu einer zweiten Grenze linear abschmelzen. Das sollte mindestens so hoch sein, dass im Rentenalter eine angemessene Mindestrente gesichert ist.

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ich würde grundsätzlich auch nicht

argumentieren - die Frage für mich ist eine der Durchlässigkeiten von Schichten. Mir geht es darum dass Arbeit etwas ist wo wir deutlich mehr Einfluss haben als auf unseren Besitz… heißt wenn ich mehr Einkommen haben will kann ich das durch mehr oder besser bezahlte Arbeit erreichen (und damit liegt es zumindest teilweise in meiner Hand) beim Kapital bekomme ich tendenziell mehr wenn ich mehr habe (das wir alle immer schlauer investieren können und das einen ähnlichen Effekt wie beim Arbeiten hätte halte ich für Quatsch)

In diesem Sinne sollte mMn Arbeit weniger stark besteuert werden als Eigentum, gerade dass wir Arbeit progressiv besteuern, Besitz und Kapitalertrag im vergleich zu weniger fühlt sich so an als würden wir den Weg um etwas an der eigenen Situation zu ändern den der/die Einzelne am einfachsten beeinflussen kann am schwersten machen, während das System was Zustände tendenziell erhält steuerlich stärker belastet werden könnte

Stimmt, aber wenn man noch den Punkt „Ausgaben des Staates bleiben ähnlich“ hinzufügt dann können wir nicht einfach nur alle entlasten, irgendwo müssen wir dann schon auch belasten (außer wie machen einen auf CDU-Wirtschaftspoltik und wünschen uns Wirtschaftswachstum bei der Zahnfee um alles zu finanzieren)

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Wobei man hier im Kopf behalten muss, dass Kapitalerträge nur beim Liquidieren oder bei Aktien über Vorabpauschale anfallen. Wobei selbst liquidieren viele Ausnahmen hat (z.B. Immobilien mit 10 Jahre Haltefrist)

Wenn du einfach nur Kapitalerträge abstrafst, dann bestrafst du vor allem die, die nicht genug haben um ganze Firmen oder viele Immobilien zu besitzen. Während du die größten Vermögen verschonst.

Und ganz Grundsätzlich gilt sowieso zwischen Produktivkapital und Konsum zu unterscheiden. Du kannst durch Belastung von Vermögen nicht mehr Ressourcen abschöpfen. Nicht ohne diese wegfallenden Ressourcen wo anders weg zu kürzen. Vermögen ist in diesem Kontext keine Ressource. Du kannst eine Supermarktfiliale nicht in Altenpflege umwandeln.

Da kann sich volkswirtschaftlich nur der Eigentümer ändern. Wenn du Profitdruck durch höhere Steuern erhöhst hat das direkte Auswirkungen auf die Struktur der Wirtschaft aber natürlich auch auf die Löhne insgesamt.

Solange die Gesamtabgabenlast und die Staatsquote steigt ist es unplausibel Löhne spürbar zu entlasten. Es kann in einem gewissen Umfang zu strukturellen Verschiebungen führen aber die Belastung muss am Ende für alle steigen.

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Das ist schön ausgedrückt und zeigt, warum dieses Narrativ so beliebt ist. Lieber die Erbschaftsteuer bei denen mit 1 Million holen und den mit 26 Millionen verschonen. Lieber 1 Wohnung versteuern als 300.
Ich bleibe dabei: ein Unternehmen, dessen Anlagevermögen nicht zu mindestens 50% mit Krediten abgedeckt ist, hat es dort absichtlich geparkt. Das ist totes Kapital, das im Umlauf Rendite erwirtschaften würde. Oder ich habe genug Geld, dass es egal ist oder ich will nicht, dass der Staat darauf zugreift. Oder es sind Immobilien, deren Wertsteigerung ich lieber im Unternehmen als im Privatvermögen habe.

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Das würde ich gerne. Würde enorm helfen, wenn am Ende des Monats mehr übrig wäre.

Wenn man da mitgeht,

Und dazu müssten bei dir, wie bei allen anderen diesseits des Medians die Sozialabgaben runter. Oder alternativ sowas wie negative Einkommenssteuern her. Wie man es dreht und wendet: Man muss die Belastung zwischen denen, die wenig haben und denen die viel haben verschieben. Alles andere ist Linke-Tasche-Rechte-Tasche.

Ich glaube, man muss die Diskussion nicht nur als „unten entlasten, oben stärker belasten“ führen. Man kann auch gezielt Anreize setzen, dass Menschen mehr Vermögen aufbauen, statt zusätzliches verfügbares Einkommen überwiegend in den Konsum zu geben.

Also zum Beispiel Sparen und langfristige Kapitalanlage steuerlich attraktiver machen, Freibeträge für Kapitalerträge erhöhen oder eine geförderte private Altersvorsorge vernünftig ausgestalten. Dann geht es nicht nur um Umverteilung von Einkommen, sondern darum, dass mehr Menschen überhaupt Kapital besitzen und von dessen Erträgen profitieren.

Gerade bei niedrigen Einkommen braucht es natürlich trotzdem genug verfügbares Einkommen, damit Sparen überhaupt möglich ist.

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Was ja das erklärte Ziel einer wie auch immer gearteten Reform wäre. Dass mehr Menschen, bei denen am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist ebenfalls Besitzer von Aktien, Immobilien, Kunst oder meinetwegen auch teuren Lego-Sets werden. Das ist ein Feature und kein Bug.

Wenn es volkswirtschaftlich nicht möglich ist die ärmere Hälfte zu entlasten, dann können wir das Land auch direkt der AfD übergeben und versaufe mein Altersvorsorgedepot, statt es weiter mit Kleckerbeiträgen zu besparen.

Das geht doch an der Realität der unteren Hälfte der Bevölkerung komplett vorbei. Das Problem sind doch nicht fehlendes Anreize! Es ist fehlendes Geld. Und dieser Konsum von dem du redest ist dann halt mal ein neues Paar Schule für die Kids oder eine Waschmaschine, die nicht schon 10 Jahre alt ist.

Es soll auch nicht um Umverteilung von Einkommen gehen, sondern um Umverteilung von Vermögen. Alle, die von ihrem EInkommen leben müssen sitzen im selben Boot.

Wofür vor allem niedrigere Abgaben und Mieten nötig sind. Was wieder nichts anderes, als Umverteilung ist.

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Tja, leider ist das Einkommen erstmal eine notwendige Voraussetzung für’s Sparen, da helfen die besten Anreize nicht. Umgekehrt ist es aus wohlhabender Perspektive natürlich leicht gesagt, da man zwangsläufig mit einem geringeren prozentualen Anteil des Einkommens für Konsum auskommt, einfach weil man mehr hat! Die individuelle Kosten-Nutzen-Rechnung ist auch eine andere, wenn ich am Monatsende 10€ übrig habe, 100€ oder 1000€. Wer nur 10€ hat, dem helfen die besten Investment-Tipps nicht viel.
Deshalb würde ich erstmal Belege dafür einfordern, dass da wirklich ein signifikantes Verhaltensproblem bei der ärmeren Hälfte der Bevölkerung existiert.

Was rein zufällig Maßnahmen sind, von denen die mit viel Kapital am meisten profitieren.

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Was rein zufällig Maßnahmen sind, von denen die mit viel Kapital am meisten profitieren.

Das hängt davon ab, wie man die Förderung ausgestaltet. Man kann gezielt kleine Vermögen und Sparraten fördern, etwa durch gedeckelte Freibeträge oder staatliches Matching.

Mir geht es gerade nicht darum, große Vermögen stärker zu fördern, sondern mehr Menschen überhaupt zu Kapitalbesitz zu bringen. Dass jemand mit 500.000 Euro Depot stärker von Kapitalerträgen profitiert als jemand mit 5.000 Euro, ist logisch. Das spricht aber nicht dagegen, gerade Menschen mit kleinen Vermögen beim weiteren Vermögensaufbau zu unterstützen.

Das geht doch an der Realität der unteren Hälfte der Bevölkerung komplett vorbei. Das Problem sind doch nicht fehlendes Anreize! Es ist fehlendes Geld. Und dieser Konsum von dem du redest ist dann halt mal ein neues Paar Schule für die Kids oder eine Waschmaschine, die nicht schon 10 Jahre alt ist.

Das sehe ich nicht ganz so. Natürlich gibt es Haushalte, bei denen am Monatsende tatsächlich kein Euro mehr übrig ist. Da hilft auch der beste Sparanreiz nichts.

Aber daraus zu schließen, dass das Problem in der gesamten unteren Hälfte ausschließlich fehlendes Geld ist, halte ich genauso für zu pauschal. Es gibt auch Menschen mit niedrigem Einkommen, die grundsätzlich einen kleinen Betrag zurücklegen könnten, es aber nicht tun.

Und gerade bei langfristiger Geldanlage können auch kleine Beträge einen Unterschied machen. 1.000 Euro, Anfang 2012 in den MSCI World investiert, wären heute etwa 6.000 Euro wert. Ich selbst habe auch in einer Zeit, in der ich rund 1.200 Euro im Monat verdient habe, mit 50 Euro monatlich angefangen.

Die wichtige Botschaft ist für mich deshalb: überhaupt anfangen – auch wenn es zunächst nur 20, 30 oder 50 Euro sind. Darüber sollten wir viel stärker reden: Finanzbildung, einfache und günstige Anlagemöglichkeiten und Unterstützung beim Einstieg.

Natürlich bin ich gleichzeitig dafür, niedrige Einkommen zu entlasten. Aber wenn wir damit auch langfristig Vermögensbildung erreichen wollen, muss zumindest ein Teil dieser Entlastung tatsächlich gespart oder investiert werden. Mehr verfügbares Einkommen allein führt nicht automatisch zu mehr Vermögen.

Es gibt deshalb nicht die eine Antwort. Bei manchen fehlt schlicht das Geld, bei anderen Wissen, Zugang oder die Bereitschaft, langfristig zu investieren. Diese Unterschiede sollte man nicht über einen Kamm scheren.

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