wegen der starken Dynamik bei der Zusammensetzung des Strommix‘ und der Produktionsbedingungen im Laufe der Zeit ist es grundsätzlich unsinnig, eine Metastudie zur Klimafreundlichkeit von KfZ zu verfassen, die eine viel zu große Zeitspanne umspannt. Falls unbedingt Metastudie, dann bitte ausschließlich mit sehr neuen Primärstudien. Und dann bitte auch nicht mit Mittelwerten arbeiten, sondern die Szenarien beleuchten: mit verschiedenen Anteilen an Ökostrom und mit unterschiedlich großen bzw effizienten Autos. Eure Analyse ist also sehr korrekt. Man kann nur hoffen, dass die Reviewer diese Studie nicht zur Veröffentlichung empfehlen.
Zu dem Thema, zuvor:
Liebe Lage der Nation Redaktion,
gerne lausche ich Euren Ausführungen zu den unterschiedlichsten Themen und finde sie eigentlich immer ganz anregend. Eure Einschätzung zur Studie zu E-Autos der TU München habe ich aber nicht als ehrliche Diskussion über die wissenschaftliche Studie sondern eher als Attacke gegen alles, was gegen E-Mobilität verwendet werden könnte, empfunden. Das wird eurem Anspruch nicht gerecht. Drei Dinge, die meines Erachtens zu beachten sind.
Wenn E-Autos im Schnitt 40% weniger CO2 ausstoßen als Verbrenner, kann es sein, dass einige E- Autos den gleichen oder einen höheren CO2 Footprint haben wie Verbrenner, andere einen sehr viel niedrigeren. Das hat bekanntlich mit dem Durchschnittswert zu tun.
2.
Sich zwei Wissenschaftler heraus zu picken, die eine Studie schlecht reden, ist einfach. Das machen die Klimaleugner regelmäßig auch mit Studien zum Klimawandel. So sollten wir nicht operieren. Es gilt eine höhere Anzahl von wissenschaftlichen Bewertungen abzuwarten, bevor sie umfänglich abgelehnt wird.
3.
Eine Studie zu kritisieren, weil sie eine Einschätzung zu kompliziert macht, ist meines Erachtens fatal. Klimaschutz ist kompliziert und alle müssen sich immer wieder wissenschaftlich mit dem Thema aufs Neue auseinandersetzen.
Gerade bei Punkt 3 gibt es eine interessante Parallele zu den Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebereich. Seit vierzig Jahren dämmen wir in Deutschland Häuser - verbunden mit einem riesigen Fördertopf - und der CO2 Verbrauch wird in den letzten 20 Jahren nicht kleiner. Warum? Weil wir lange Zeit nicht bemerkt haben, dass die Wohnfläche steigt und das Bauen (und Dämmen) an sich schon CO2 produziert. Dringend muss das bilanziert werden. Insbesondere wenn es darum geht eine staatliche Förderung zielgenau einzusetzen. Eine Lebenszyklusanalyse im Gebäudebereich ist daher auf dem Weg (leider viel zu spät) und macht es auch hier komplizierter. Aber es ist die einzige Chance die CO2 Bilanz im Gebäudesektor in den Griff zu bekommen. Und wird zeigen, dass alte Gewissheiten beim Bauen über Bord geworfen werden müssen.
Dass wir nicht die gleichen Fehler bei der
E-Mobilät machen, ist immens wichtig:
1.
Um Klimaleugnern keine Argumente zu liefern, dass die derzeitigen Ansätze nicht stimmen
2.
Weil wir für die Co2-Reduktion keine Zeit für Fehler wie im Gebäudebereich mehr haben.
Es könnte sein, dass E- Autos mit einem Eigengewicht von 3 Tonnen, einer Beschleunigung wie ein Formel 1 Fahrzeug und eine Reichweite von 1000km genau diese Autos sind, die nicht die im Durchschnitt 40% bessere Bilanz haben… Dies mit einer Lebenszyklusanalyse wie im Gebäudebereich zu untersuchen, ist meines Erachtens dringend erforderlich Auch wenn es kompliziert ist. Gerade wenn es darum geht Fördergelder zielgenau einzusetzen (siehe auch Artikel in der Zeit „Drei Tonnen auf Rädern“ vom 10.9.2026).
Also beim Thema Klimaschutz immer bereit sein auch neue Erkenntnisse anzuerkennen und nicht an den alten lieb gewordenen Gewissheiten aus Reflex festhalten.
Bei diesem Themen müssen wir bereit sein uns täglich wieder aufs neue ehrlich zu machen.
Viele Grüsse
Berthold Jungblut
Architekt
Köln
– Von /e/OS E-Mail gesendet.
Dann solltest Du die Folge vielleicht noch einmal hören. Denn die Hosts haben sehr deutlich den Unterschied zwischen Aussage aus der nicht Peer-Reviewten Studie und dem was in den Medien daraus gemacht wurde (vor allem Bild-Zeitung), erklärt.
Sie sind sehr deutlich darauf eingegangen dass genau die Aussage wie in Bild oder von Herr Söder eben nicht aus der Studie zu entnehmen ist.
So steht dort eben auch nicht drin, dass „im Durchschnitt“ bedeutet, dass bestimmte E-Autos einen größeren CO2-Verbrauch als Verbrenner haben, denn das haben sie nicht.
Auch der Grund, warum eine Lebenszyklusanalyse mit Betrachtung aller einzelnen Strängen der Vor-Produktion keinen Sinn macht, wurde genannt.
Und egal, ob das E-Auto eben 3 Tonnen wiegt, eine Beschleunigung eines Formel 1 Fahrzeuges und eine Reichweite von 1000km hat oder nicht, es geht um die Effizienz des Antriebes und der ist unbestreitbar erheblich besser bzw. gibt uns erst die Möglichkeit im Fahrzeugsektor den CO2-Ausstoß niedrig zu bekommen. Diese Möglichkeit hat ein Verbrenner gar nicht, da hier fossile (nicht wiederherstellbare) Kraftstoffe vor Allem in Wärme umgewandelt werden und nebenbei etwas Vortrieb erzeugen.
Schlussendlich ist es genau das, was der E-Mobilität Steine in den Weg wirft. Da wird eine gut gemeinte Studie zu falschen Aussagen herangezogen, und Menschen die sich nicht intensiv damit beschäftigen, finden darin einen Grund für ihren Verbrenner.