LdN 488: Neue Schule braucht das Land

Ich bin gerade zwar noch mittendrin im Interview, wollte aber fix meine Erfahrungen spiegeln. Ich war in meiner Schulzeit (fast 20 Jahre her) auf einer Gesamtschule. Dort war es Usus projektbasiert zu arbeiten. Es gibt nur die Fächer "Naturwissenschaften " (Bio, Chemie, Physik) und Gesellschaftswissenschaften (Politik, Geschichte, Geographie). Innerhalb dieser Fächer wurde alles systemisch betrachtet - zumindest so weit der Lehrkörper dazu in der Lage war. Klar, hat auch dazu geführt, dass eines der drei Fächer zu kurz kam - war in meinem Fall bspw jeweils Geographie und Physik - aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Fachwissen, was mir gegenüber Gymnasiasten in einzelnen Fächern fehlte, ich sehr schnell wieder aufholen konnte im Studium. Ferner war bei uns die „Integrierte Sozialstunde“ ein Ding, genau wie Übungsstunden (für sowas wie Hausaufgaben, Mappenpflege etc).

Vor diesem Hintergrund bin ich traurig und enttäuscht was an manchen Gymnasien wohl Gang und Gäbe ist. Zumal hier dann noch der Erfolgsdruck und die vorherige Selektion (also weniger gesellschaftliche Durchmischung) erschwerend dazu kommt

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Ich sehe die später in der Folge genannte Einschätzung zu „es muss kein Notenbasiertes Bewertungssystem sein“ sehr kritisch. Hier besteht immer die Gefahr, dass die Lehrkräfte, egal wie objektiv sie sein wollen, dann doch eine subjektive Bewertung abgeben. Das Konzept „Lieblingsschülerin/Lieblingsschüler“ wird es vermutlich so lange geben, wie noch Menschen den Unterricht (welcher Art auch immer) durchführen.
Auch den „dann schreiben wir lieber konstruktives Feedback in Form von Worten anstelle Zahlen von 1-6 (oder Punkte) zu verwenden“ Ansatz sehe ich kritisch. Ich habe Zwillinge, die aktuell in der 7. Klasse sind, also schon ein paar Schuljahre hinter sich gebracht haben. Obwohl die beiden sich sehr im Wesen und auch in ihren Fähigkeiten unterscheiden steht bei allen schriftlichen Einschätzungen der Lehrkräfte immer inhaltlich 1 zu 1 der gleiche Text, nur anders formuliert.
Keine Lehrende Person macht sich da die Mühe für eine gesamte Klasse objektive Berichte zu schreiben und in Klassen mit bis zu 30 Schülerinnen und Schülern sehe ich das auch als eher unrealistisch an. Vermutlich wäre das bei dem Arbeitspensum der Lehrkräfte auch zu viel verlangt.

Generell denke ich, dass die in der Folge besprochenen Ziele, so ehrbar sie auch sein mögen, zu hoch griffen sind. Klar wäre das Freitags Projekt sicher eine feine Sache, aber ich denke den meisten Schülerinnen und Schülern wäre aktuell mehr damit geholfen, wenn sie nicht stumpf irgendwelchen Kram auswendig lernen müssen und man auch in allen Fächern mal einen Computer in die Hand nimmt und nicht nur sagt „Computer gehören in den Informatik oder ITG Unterricht“.

Die Wurzel des Problems der fehlenden Objektivität liegt nicht in der Präsentation der Ergebnisse mittels (pseudo-objektiver) Noten oder mit Satzbausteinen zusammengetackerten Texten. Das eigentliche Problem liegt in der Erwartung, dass eine Lehrkraft gleichzeitig den Unterricht fachlich, didaktisch, pädagogische Leuten kann, sodass das Recht jedes Kindes auf individuelle Förderung und Bildung gewahrt wird und gleichzeitig die Leistungen von 25-32 Kindern innerhalb einer Stunde so objektiv und umfassend wahrnimmt und sich merkt, dass sie 6-8 Stunden später diese Leistungen noch dokumentieren kann. Ob sie das in Texten oder Noten oder Symbolen tut, ist erst das nächste Problem.

Mal zum Vergleich: Therapeut:innen machen 50 Minuten Stunden mit einem Klienten und haben dann wenigstens 10 Minuten Zeit für Dokumentation. Das ist im Schulbetrieb nicht vorgesehen.

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Ich war vom Titel sehr begeistert, vom Opener von Ulf und Philip fast mit einer Notlandung geerdet worden, um dann umso mehr gerade aus dem Teil, wie Schule sich verändern müsste (nicht wegen des Ziels ESG), um den Kindern einen guten Lernraum zu schaffen, abgeholt zu werden.

Show notes habe ich mir nicht angeschaut, hier aber mal der Hinweis insbesondere an Philip als gelernter Journalist: ihr lasst eure Interviewpartnerin mit dem Hinweis auf Studien hier und Studien da und natürlich die zahlreichen Studien insgesamt pauschal sehr weit laufen. Klar, sie ist eine Frau aus der Praxis und keine Wissenschaftlerin, aber im Diskurs sollten zumindest ein paar Eckpunkte der Quellenlage eingeschlagen werden. Aber: auch ohne Quellenangaben fand ich sie glaubwürdig und fundiert berichtend.
Ich freue mich auf den 2. Teil!

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Volle Zustimmung. Aber aktuell, im mit den „klassischen Noten“, wird das ja meist in Form von Klassenarbeiten oder ähnlichen Leistungsüberprüfungen durchgeführt. Und die kann man auch Tage später kontrollieren und mit der Musterlösung vergleichen. Mir ging es also eher um die aktuelle Form der Leistungsüberprüfung (Klassenarbeiten u.s.w.) als darum ob ein schriftlicher Text oder Zahlen.

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Da hier ja vielleicht auch ein zwei Lehrer/innen kommentieren:

Woran liegt es denn, dass gefühlt jede Lehrkraft bessere Schulpläne/Lehrpläne oder schlicht ein besseres Konzept entwickeln kann, aber es einfach nicht dazu kommt?

Seit 20 Jahren ein PISA Schock nach dem nächsten, 1-2 Monate Empörung und dann alles wieder vergessen. Mauert da die Politik/Verwaltung? Die könnten das doch eigenmächtig ändern und auf die Lehrkräfte hören, die es besser wissen, weil sie eben unterrichten.

Wieso arbeiten Verwaltung und Lehrkräfte denn so offensichtlich gegeneinander, statt miteinander? Es haben doch alle dasselbe Ziel?

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Sie hat aber oft dann überhaupt nicht mehr den passenden Kontext. Und spätestens beim Zeugnis spielt es dann keine Rolle mehr ob ein Schüler jetzt 4 mal eine 4+ oder 4 mal eine 4- hatte.

Es spielt keine Rolle ob ein Schüler die Hälfte des Stoffs nicht verstanden hat, den Rest aber gut, ob er alles nur zum Teil verstanden hat oder ob er alles Verstanden hat, sich aber unter Prüfungsdruck schwer tut das anzuwenden.

Die Note gibt also überhaupt gar kein Zielgerichtetes Feedback dazu wo sich ein Schüler verbessern muss und wo er bereits gut ist. Das führt dann z.B. dazu, dass meine Nichte Mathearbeitsblätter pauken sollte, dabei zeigte sich beim Lernen und in der Prüfung bei näherem Hinsehen ziemlich gut, dass die fehlende Kompetenz nicht das Rechnen ist, sondern es an Konzentration und an sinnentnehmendem Lesen hapert. Die Schlechte Note in Mathe suggeriert hier ein völlig falsches Defizit. Die Lehrerin hat im Nachgang auch im Elterngespräch bestätigt, dass das Kind im Unterricht gut rechnen kann.

Würde man das jetzt anders bewerten, dann würde man dem Kind attestieren, dass Plusrechnen im Zahlenraum bis 20 sehr gut sitzt, dass aber sinnentnehmendes Lesen geübt werden muss und Konzentration.

Umgekehrt gibt es viele Schüler*Innen die in der ersten Klasse in Mathe noch richtig gute Ergebnisse haben, weil sie mit zählendem Rechnen bis 20 gut zurechtkommen. Auch in der Zweiten Klasse sind die oft noch solide, weil auch im Zahlenraum bis 100 mit einer Mischung aus Zählen und Raten noch gut genug Punkte für eine 2-3 erzielen lassen. Und dann wirds irgendwann schwierig und die Eltern wundern sich, warum das einst in Mathe gute Kind keinen Fuß mehr in die Tür bekommt und abgehängt wird.

Dabei ist der Grund ganz einfach, dass ohne die Basis das Rechnen in 10ern, 100ern, etc. (Bündeln, Entbündeln, etc.) nicht mehr funktioniert. Wird es dann noch abstrakter steigen viele ganz aus.

Wenn ein Fußballtrainer einen seiner Spieler trainiert, dann überlegt er sich ja auch wie ist die Ballannahme mit dem Rechten Fuß, wie die mit dem Linken Fuß, gleiches bei Passen, Schießen, etc. dazu noch Verteidigen und Angreifen, Taktik, etc. Und dann sagt man zum Spieler A, er hätte zwar einen super Schuss mit dem rechten Fuß, aber die Passannahme lässt zu wünschen übrig und der linke Fuß muss generell mehr trainiert werden, und Spieler B wird attestiert, dass er links wie rechts alle Grundlagen beherrscht, aber nirgends wirklich gut ist. In der Schule würden beide einfach eine 3 bekommen obwohl die Stärken und Schwächen komplett anders verteilt sind.

Dass bei meiner Tochter in Klasse 1 und zum Halbjahr von 2 statt Noten ein Lernentwicklungsgespräch stattfand war äußerst Hilfreich. Denn dort wurden genau diese Stärken und Schwächen analysiert und auch Schwächen angesprochen, die in Noten nicht ablesbar gewesen wären. In meinen Augen müsste es ein solches Gespräch für jeden Schüler in allen Altersstufen zwei mal pro Jahr geben, wobei natürlich die Lehrer auch die nötige Kapazität dafür haben müssten diese Stärken und Schwächen überhaupt zu erkennen und dann auch entsprechend zu dokumentieren und aufzubereiten.

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Aus meiner Erfahrung ist genau das nicht der Fall. Es gibt einige, wenige sehr fähige Lehrkräfte die bessere Konzepte und Ideen haben und diese auch laut in der Welt verbreiten.
Aber diese Gruppe ist keineswegs in der „gefühlten“ Überzahl. Man sollte nicht unterschätzen, wie sehr das in der Lehre verbreitete Beamtentum dafür sorgt, dass selbst die Leute mit den besten Ideen nach ein paar Jahren komplett systemkonform „Dienst nach Vorschrift“ machen, insbesondere weil es eben so schwierig ist da Veränderungen zu bewirken.
Man hört es in der Sendung ja auch, dass man „die Regeln weit auslegen bzw. dehnen muss“. Diesen Kampf gegen die Windmühlen wollen die wenigsten antreten.
Und nein, ich denke auch nicht, dass in dem Rahmen „alle dasselbe Ziel“ haben. Viele wollen einfach tatsächlich entspannt ihren Berufsalltag bis zur Rente im Beamtensystem durchwandern und die einmal mühselig angefertigten Arbeitsblätter die nächsten 5 Jahre weiter benutzen. Das ist mit den modernen „wir arbeiten projektbasiert“ nicht kompatibel. Und so wie ich es sehe ist ein Teil dieser Gruppe dann auch in den entsprechenden Gremien wie den Kultusministerien zu finden.

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Danke für diesen Einblick.

Aber auch diese Leute müssen doch sehen, dass es so nicht funktioniert.

Die müssen doch sehen, verdammt, vielleicht sollten wir wirklich mal am System schrauben. Das kann doch nicht so hingenommen und ignoriert werden?

Ich muss hier vielleicht auch mal Lehrer in Schutz nehmen. Anders als gefühlt die Mehrheit der Menschen hatte ich Rückblickend mehrheitlich gute Lehrer. Und da waren auch viele dabei die sicher Dienst nach Vorschrift gemacht haben, sich da aber sehr professionell eingerichtet haben und einfach ohne jedes Jahr ihren Unterricht komplett neu vorzubereiten einen sehr guten Unterricht gemacht haben. Und das ist in meinen Augen auch ok so. Beim Ingenieur bei VW erwartet man auch nicht, dass jeder den Konzern revolutioniert und das Auto neu erfindet, sondern viele machen dort auch nur das was ihnen aufgetragen wird und keiner beschwert sich.

Wenn es um moderne Lehrkonzepte wie Projektorientiertem Lernen geht, dann ist die Erfahrung der Lehrer aus meinem Bekanntenkreis, dass da auch die Schüler sehr am bremsen sind. Denn viele richten es sich beim Frontalunterricht auch gemütlich ein und lassen sich berieseln und sind froh nicht zu aktiv eingebunden zu werden. Fordert man dann in anderen Lernformen mehr Engagement führt das auch oft zu Unmut.

Als Lehrer muss man da bei dem oft schlechten Feedback was man bekommt auch mit der eigenen Psyche haushalten und überlegen wie viel Neues man wirklich gegen den Widerstand umsetzen kann ohne auszubrennen und wo vielleicht Dienst nach Vorschrift einfach auch der Richtige Weg ist um mit seiner eigenen Gesundheit zu haushalten.

Umso wichtiger wäre es, moderne Formen des Unterrichts einfach Verpflichtend in den Schulen zu etablieren um denen den Rücken zu stärken, die engagiert dabei sind sowas auch zu leben. Denn wenn das Projekt einfach Teil des Lehrplans ist kann man das gegenüber Schülern und Eltern leichter rechtfertigen als wenn das nur ein eigener Wunsch ist.

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Umso trauriger ist, dass genau wie in einem Konzern einfach die aktuelle Sau durchs Dorf getrieben wird, weil sich eine entscheidende Person einen Vorteil draus drehen kann. Nur verkorkst man bei VW dann nur ein paar Autos, in der Schule halt Menschen. Mein Lieblingsthema in dem Kontext: Sinnlose Digitalisierung. Schon damals war der grafikfähige Taschenrechner so eine Krücke, die alles besser machen soll. Aber unabhängig davon, dass wir heute einen immer dabei haben, ist für die Mathematikbildung sowas absolut unnötig. Ähnliches höre ich von Bekannten mit Schulkindern bezüglich Tablets - mein Brutling braucht noch paar Jahre und es graust mich jetzt schon.

Da kommt dann dazu, dass jeder eine andere Vorstellung hat, wie die Lösung aussehen könnte.
Als Außenstehender bekommt man eine Ahnung davon, wenn Modernisierungen am Lehrplan anstehen. Dann argumentiert jeder Lehrer aus seiner Warte, das Ministerium zitiert Wissenschaftler, deren Ideen die Lehrer gut aber wirklichkeitsfremd finden und am Ende einigt man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und eine kleine Kröte für jeden. Gleiches, wenn es um fächerübergreifenden Unterricht geht: da meint dann der Deutschlehrer, dass es schon eine gute Idee ist, drittes Reich in Geschichte und Deutsch parallel zu behandeln, aber es passt halt gerade nicht bei mir, auch wenn das in Geschichte gerade Thema ist und so stoßen Reformen an natürliche Grenzen.

Ich verstehe gerade ehrlich gesagt nicht wie genau du das als Antwort auf meinen Beitrag meinst. Wer Dienst nach Vorschrift macht verkorkst weder Autos bei VW (wobei hier ja die Folge von Fehlern bei Autos im worst case Todesfälle sein könnten, mindestens aber ein Rückruf der auch Arbeitsplätze gefährden kann), noch verkorkst er Kinder.

Für den Schüler ist es nämlich völlig unerheblich ob das Arbeitsblatt welches man in Mathe macht das exakt gleiche Arbeitsblatt ist welches schon die Schüler im Vorjahr, oder vielleicht sogar schon vor 20 Jahren gemacht haben oder ob das extra für die Klasse komplett neu entworfen wurde. Am Ende zählt ob das Arbeitsblatt Methodisch und Didaktisch zum Unterricht und zum Stand der Klasse passt.
Ob der Lehrer jetzt die 5 Aufgaben die er auf seinem Rechner auf alten Arbeitsblättern hat neu formatiert und als ein Arbeitsblatt verteilt oder ob er die 5 Aufgaben verteilt indem er einfach die drei alten Arbeitsblätter die er gespeichert hat ausdruckt und sagt welche Aufgaben zu tun sind mag im Sinne der Nachhaltigkeit (Papierverbrauch) eine Rolle spielen, nicht aber im Sinne des Lerneffekts der Schüler.

Die Forderung, dass Lehrer nicht Dienst nach Vorschrift zu haben machen, sondern sich weit über das Hinaus engagieren müssen, und damit in der Praxis am Besten ihre Freizeit und Ihr Gehalt auch noch für Vorbereitung und Material einsetzen sollten geht in meinen Augen völlig an der Realität des Langfristig machbaren vorbei.

Sinnlose Digitalisierung ist auch weniger ein Problem der Lehrer die Dienst nach Vorschrift machen, sondern findet man eher bei Lehrern die meinen sie müssen Zwanghaft etwas verändern. Ich muss aber auch sagen, dass ich das bei den Lehrern aus meinem Umfeld nicht kenne. Die Nutzen natürlich auch vermehrt digitale Inhalte, auch weil das natürlich in einer Zeit in der vieles primär Digital zur Verfügung steht ja auch sinnvoll ist, aber Tablets werden in erster Linie für Recherche (das sehe ich als durchaus in der heutigen Zeit praxisnah), Kreatives oder hier und da mal eine spezielle Lernapp genutzt, aber nicht zwanghaft sondern eher gezielt und selten. K1 hat in den ersten zwei Jahren Grundschule dagegen noch kein Tablet zu Gesicht bekommen.

Glaube das wäre aber auch anders, wenn der Lehrplan das vorab schon synchronisiert. Ich weiß, dass bei uns das Problem war, dass der Lehrplan in Geschichte und Deutsch die Epochen nicht im gleichen Jahr vorgesehen hat.

Hier läge in meinen Augen durchaus Potential zu einer Reform die Hürden abbaut und vielleicht auch Vernetzung gezielt vorsieht. Neben Deutsch und Geschichte bietet hier ja auch z.B. Mathe und Physik viel Potential, aber auch Geschichte und Fremdsprachen, Fremdsprachen und Erdkunde, etc.

Möglich wäre z.B. auch in Erdkunde ein Jahr zu machen indem Nordamerika und Großbritannien Schwerpunkt sind und dieses komplett auf Englisch zu unterrichten. Hier müsste aber dann ja auch wieder der Stundenplan so gestaltet sein, dass dann die passenden Lehrer auch passend zur Verfügung stehen. Vielleicht wäre es aber auch einfach denkbar, dass dann halt einfach ein Englischlehrer den Erdkundeunterricht in diesem jahr übernimmt, auch wenn er nicht Erdkunde als zweites Fach hat.

„In Schutz nehmen“ ist nicht notwendig. Meine Aussage bezog sich nicht darauf, dass die entsprechenden Lehrerinnen und Lehrer gut oder schlecht sind, sondern darauf, dass der Drang zur Veränderung nicht besonders groß ist. Aus den genannten Gründen. Ich meinte es erstmal komplett unabhängig von der Qualität der entsprechenden Personen.
Ja, man kann auch guten Frontalunterricht machen (und damit eine gute Lehrkraft sein) ohne die Bestrebung zu haben alles ändern zu müssen.
Ein Punkt der es den Lehrenden ja zusätzlich noch schwer macht ist das Thema Eltern. Denn die kennen meist auch nur die klassischen Lehrmethoden und sind auch oft nicht begeistert, wenn dort neue Strategien ausprobiert werden.

Nach der anscheinend letzten Kultusministerkonferenz äußerte sich eine Teilnehmerin in einem Video begeistert, dass sich sogar Frau Prien Zeit genommen hätte zu kommen (Wie bitte? Was sollte es Wichtigeres für Frau Prien geben?) und dass sie über die Bundesjugendspiele gesprochen hätten. Wieder mehr Wettbewerb und so. Meine Güte. Wie abgedreht und ignorant kann man sein. Als hätten wir keine echten Probleme an den Schulen. Siehe auch Instagram Caroline von St. Ange.

Aber auch diese Leute müssen doch sehen, dass es so nicht funktioniert.

Definitiv. Aber es ist nicht ihr Job, das Bildungssystem zu reformieren.

Ich hatte vor Kurzem ein Gespräch mit einem Lehrer. Er meinte, es wäre sinnvoll gewesen, über das Wochenende seinen geplanten Unterricht an die Stunden der letzten Woche anzupassen. Hat er nicht gemacht. Warum? Weil er Zeit mit seiner Familie verbringen wollte.

Ich will nicht darüber diskutieren, ob Lehrer zu wenig oder zu viel arbeiten. Vielmehr geht es mir darum, dass Lehrer hauptsächlich ein Beruf ist und viele Lehrer diesen auch als Beruf sehen - und nicht mehr. Was vollkommen in Ordnung ist.

Außerdem sind die Prüfungen ein weiteres großes Problem. Du musst den Bildungsplan unterrichten, nicht weil du ihn unbedingt sinnvoll findest, sondern weil die Abschlussprüfungen auf ihm basieren. Wenn du irgendwelche Themen nicht behandelst, die dann aber geprüft werden, hast du potenziell ein Problem. Wenn der Bildungsplan sehr straff ist, bleibt wenig Zeit, für anderes, vielleicht Sinnvolleres.

Und noch eine kleine Anekdote: In den Berufsschulen wurde vom klassischen fächerbasierten Unterricht auf Lernfelder umgestellt. Die Idee ist, dass Unterricht nicht nach Fächern, sondern nach beruflichen Handlungen strukturiert ist. Man hat eine berufliche Ausgangssituation und behandelt die dann interdisziplinär. Vielleicht gibt es einen technischen Aspekt, vielleicht einen wirtschaftlichen und am Ende muss noch irgendwas formuliert werden. Klingt in der Theorie gut. Die Umsetzung funktioniert mit dem aktuellen System nicht. Nicht jeder Lehrer kann alles unterrichten, sodass das Ganze oftmals doch wieder dem klassischen Fachunterricht entspricht, auch wenn man es anders nennt. Außerdem stehen am Ende die Prüfungen. Das heißt, bei den Inhalten orientiert man sich weniger daran, was im Beruf wirklich gebraucht wird, als vielmehr daran, was in den letzten Prüfungen geprüft wurde.

Das Umfeld ist natürlich auch keins wo man als Einzelner viel ändern kann. Wer als Ingenieur wirklich gestalten will (um bei dem Beispiel zu bleiben) wird z.B. auch weniger zu VW gehen als vielmehr zu kleinen bis mittelständischen Betrieben, wo man zumindest innerhalb einer Abteilung Möglichkeiten zur Veränderung hat.

Die Lehrer die ich kenne sind fast alle an ihren Schulen z.B. in AGs engagiert die sich mit Schulentwicklung insgesamt oder spezifischen Punkten davon befassen (manche Schulen haben eine AG für das gesamte Thema, andere haben mehrere AGs für Einzelaspekte).

Am Ende steht und fällt die Frage wie viel davon umgesetzt werden kann aber vor allem auch mit der Motivation und Durchsetzungsfähigkeit der Schulleitung.

Und größere Änderungen gehen nun mal selten auf der Ebene einer einzelnen Lehrkraft. Und das was einzeln geht bedeutet oft viel Energie für negativen Ertrag.

Wenn die Lehrkraft die Wahl hat das neue Thema in einer Doppelstunde Frontalunterricht einzuführen, bei dem die Vorbereitung moderat Zeit in Anspruch nimmt und die Doppelstunde ruhig verläuft in Form eines längeren Vortrags mit anschließender Stillarbeit oder man führt das gleiche Thema in einer Doppelstunde mit Stationen ein, bei der das Ausarbeiten der Stationen viel Zeit in Anspruch nimmt, die Doppelstunde laut und Hektisch verläuft, die Schüler nörgeln, dass sie selbst arbeiten müssen (was sie bei Herrn Müller nicht müssen) und am Ende steht man noch da und hört von den Eltern, dass das Kind welches nicht ordentlich mitgemacht hat ja das Thema gar nicht verstanden hat, dann verstehe ich, dass viele Lehrer den etablierten Weg gehen.

Deshalb halte ich es für wenig zielführend von den Einzelnen Lehrern mehr Engagement zu fordern solange von oben keinerlei Bereitschaft zu Reformen kommt. Denn Veränderung wäre so viel einfacher wenn sie von Oben her delegiert wird und damit Lehrer nicht der Buhmann dafür sind sondern lediglich in die Praxis umsetzen.
An Schulen an denen die Schulleitung hinterher ist Dinge zu gestalten höre ich z.B. sehr viel mehr von Modernisierung des Schullebens (da gehört ja nicht nur der Untterricht dazu) als an Schulen an denen die Schulleitung eher zu den Bedenkenträgern gehört.

Ich habe mich im Rahmen der Begleitung des Schulentwicklungsprozesses an unserer Grundschule recht intensiv mit dem Thema Ziffernnoten auseinandergesetzt. Ergebnis: Ziffernnoten sind extrem subjektiv. Sie gaukeln Objektivität vor und sind durch Lehrkräfte leicht zu verteidigen (weshalb sie bei manchen auch sehr beliebt sind), aber spiegeln nicht die (Lern)Leistung des Kindes.

Die Alternativen – z.B. Kompetenzraster – sind natürlich auch nicht per se objektiv. Aber sie zwingen dazu, Rückmeldungen zu begründen und nachvollziehbar zu machen und bieten zumindest die Chance, den Kindern einen nutzbaren Einblick in ihren Lernstand zu geben, den sie bewusst zur Anpassung ihres Lernverhaltens nutzen können.

Fast alles, was in den Interview besprochen wurde, wird an der Grundschule meiner Kinder und/oder an dem Gymnasium meiner Neffen in irgendeiner Form praktiziert. Und ich kenne aus meiner Arbeit als Elternvertreter eine Reihe weiterer Schulen, die alle mindestens Elemente erfolgreich umsetzen. Praktisch jede Schule hat die Möglichkeit hier ernsthafte Schritte zu gehen. Dazu braucht es einfach nur die Unterstützung des Kollegiums und der Elternschaft. Wer sagt „das geht nicht“ will in praktisch allen Fällen einfach nicht, denn es gibt genug Beispiele, die das Gegenteil belegen.

Ich bin keine Lehrkraft, begleite aber das Kollegium an unserer Grundschule eng. Was auch die Interviewpartnerin gesagt hat, kann ich bestätigen: Lehrer:innen sind gesetzliche Grenzen gesetzt, die von den zuständigen Behörden (ADD und Ministerium) oft sehr restriktiv interpretiert werden. Auf allen Ebenen gibt es starke Anreize zu Risikovermeidung und wenig Belohnung für Innovation, zumal deren Erfolge sich ja oft erst nach Jahren und dann vielleicht auch nur diffus abbilden. Die Strukturen sind zentral mit wenig Eigenständigkeit der einzelnen Schulen.

Was ich auch unterstreichen kann: Hilfreich wäre (neben deutlich mehr Ressourcen) einfach mehr Handlungsautonomie für einzelne Schulen. Nicht jedes Kollegium würde dadurch automatisch auf den aktuellen Stand der pädagogischen Forschung kommen, aber die die es wollen, hätten dann die Möglichkeit und würden damit automatisch Druck auf die Unwilligen ausüben, ohne das man für jeden Schulversuch jeden Amtsträger bis hoch zum Bildungsminister überzeugen muss.

Nein. Schon alle Lehrkräfte haben nicht das selbe Ziel. Manche wollen zum Beispiel einfach noch ein paar Jahre bis zur Rente ohne großen Ärger verbringen. In der Verwaltung steht (löbliche Ausnahmen ausgenommen) das Abwenden von Elternklagen und Arbeitsreduktion über alles und die Politik möchte sich gerne innerhalb von 4-5 Jahren möglichst stark profilieren ohne Skandale zu produzieren.

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Eigentlich nicht.

Zwischenzeitlich waren die 15-Jährigen mal ganz gut.

Und auch in vielen anderen Ländern sind die Ergebnisse drastisch eingebrochen.

In Minuten 28ff wird gesagt, dass ein häufiges Problem ist die Schuld und Verantwortung nicht beim Einzelnen abzuladen. Stattdessen brauchen wir systemische Veränderungen. Soweit so gut! Problematisch wird die Argumentation aus meiner Sicht aber, wenn der einzelne Verantwortung hat die systemischen Veränderungen herbeizuführen. Und das ist wenn auch nicht gewollt aber genau die Perspektive die die drei Gesprächsteilnehmer hier aufmachen.

Ein bisschen polemisch formuliert: Wenn die Lehrkräfte meiner Kinder, die Schüler aufforderten in der Kantine einen alternativen Speiseplan herbeizuführen, dann würde ich dagegen vorgehen. Die Schüler sollen sich mit diesem scheiß nicht belasten!