LdN 486: Politik muss besser erklären

Frau Brakemeier formuliert den Anspruch gerade nicht aus dem Elfenbeinturm zu kommen, doch argumentiert genauso so. Politik müsse besser erklären und erläutert das am Beispiel des Heizungsgesetzes.

Politik kommuniziert viel, muss bei der Öffentlichkeit aber wie auf rohen Eiern laufen und kontrolliert auch nicht die Presse.Wollte man alle in der geförderten Weise mitnehmen, würden Entscheidungen noch langsamer getroffen, vielleicht schön für Konservative, aber keine Option für Progressive. Abgesehen vom Leaken des Gesetzes, wurde es gur kommuniziert und Politik muss ausspielen, wie lange man erklären muss und wann handeln. An diesem Gesetz sieht man, dass die Gesellschaft mit dem Ergeb is schnell seinen Frieden gemacht hat und es gibt, neben Lobbyinteressen, kaum jemand, der in der Kehrtwende von Reoche nun einen Sinn sehen kann. Der Apell an die Politik ist ein Mantra und auch ein bisschen wohlfeil. Der Apell an die mündige Gesellschaft ist: Macht Euch mal ehrlich und erlaubt Politik, die zu Euren Lippenbekenntnissen passt. Alle wollen Veränderung, so lange Sie nicht bei einem selbst ankommt. Wir sind doch keine Kinder, die immer gleich heulen müssen, wenn sie mal was abgeben sollen, wenn es für alle gut ist, oder?

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Muss sie das wirklich? Oder würden Politiker, die den Stammtisch ignorieren und „klare Kante“ reden, nicht bei vielen sogar gut ankommen?

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Mir kommt es so vor, dass Frau Brakemeier hilflos ist. Ich habe kein Rezept gehört, welches nicht schon ausprobiert wurde. Die sehr konkreten Fragen wurden mit viel zu oft gehörten Phrasen beantwortet. Sie ist durchgefallen bei mir. Es lohnt nicht, ihr zuzuhören.

Ich bin der genannte Homoökonomikus und dementsprechend auf PV, Wärmepumpe und E-Auto umgestiegen. Weil es sich rechnet. Genau hier wäre anzusetzen: am Geld! Der Umstieg muss sich rechnen. Die wenigsten sind Idealisten, die entgegen der wirtschaftlichen Vernunft handeln. Geld schlägt jeden psychologisches Konzept, meiner Erfahrung nach.

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Was dann wieder ein Argument für einen REALEN CO2-Preis ist (ja, der wäre unglaublich hoch!) und ein entsprechendes Klimageld, um die Folgen für die Geringverbraucher zu neutralisieren.

Letztlich gibt es drei Strategien:

  • Moralische Appelle. Wie du richtig sagt, werden darauf nur Idealisten reagieren, und das sind zu wenige.
  • Verbote („Verbrenner-Neuzulassungs-Verbot“, „Gasheizungs-Neueinbau-Verbot“).
  • Steuern und Abgaben (CO2-Preis, Flugsteuer, Tabaksteuern)

Ersteres kommt quasi automatisch mit einer „Erklärung“, moralische Appelle ohne zu erklären, warum ein Handeln moralisch sinnvoll ist, sind kaum denkbar. Die letzten beiden Optionen kommen leider oft ohne Erklärung. Die Frage ist dabei natürlich: Sind die Erklärungen in der Regel nicht offensichtlich?

Ich denke, die offensichtliche Ebene der Erklärung ist immer allen klar. Die komplexeren Zusammenhänge, warum man z.B. ein Verbot statt einer Abgabe macht oder warum man meint, dass ein Verbot notwendig ist, weil moralische Appelle nicht genügen, kann man natürlich besser kommunizieren. Ich wage aber auch zu bezweifeln, dass diese Argumentation bei vielen ankommen würde.

Würde nun jeder Politiker die Motivationen seiner Handlungen auf TikTok und co. kommentieren, glauben wir wirklich, dass die Kritik geringer ausfallen würde? Ich fürchte fast, das Gegenteil wird der Fall werden. Das sah man auch im Ansatz bei Habeck. Diejenigen, die ohnehin auf seiner Seite waren, haben ihn für die gute Kommunikation gelobt. Wer aber ohnehin gegen alles „Grüne“ ist hat solche Videos und Talkshowbeiträge nur genutzt, um Nitpicking zu betreiben, also jeden Halbsatz so auszulegen, wie er möglichst destruktiv für die Sache in’s eigene Weltbild passt. Das ist leider die Zeit, in der wir leben. Ein Politiker kann eine halbstündige, erstklassige Erklärung für ein Verhaben hochladen, aber wenn in einem Satz auch nur etwas geringfügig kontroverses vorkommt, ein kleiner Fakten-Fehler vorkommt, wird das die Medienberichterstattung dominieren. Lohnt sich „mehr Erklären“ in diesem Fall für Politiker wirklich?

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Mir geht’s irgendwie ähnlich mit ihr.

Sowohl in Teil 1 als auch in Teil 2 werden von ihr irgendwie längst bekannte Probleme oder Erkenntnisse einfach im psychologischen Fachjargon adressiert, aber konkrete Konzepte und wie die Kommunikation ganz konkret in der Masse funktionieren kann mit entsprechenden Beispielen, fehlen mir zu häufig.

Dass die Akzeptanz für Maßnahmen wie Windräder steigt, sobald Bürger finanziell daran beteiligt werden, ist seit Jahren bekannt. Da fand ich den Ansatz von dem Jungen Bürgermeister der letztens bei Lanz saß und wirklich rein sachliche Politik versucht zu machen, deutlich spannender.

Der geht mit ganz konkreten Vorschlägen auf kommunaler Ebene zu den Menschen und rechnet denen vor, was welche Maßnahme für finanzielle oder andere Konsequenzen hat. Und plötzlich sind Sachen möglich.

Dafür muss man jetzt keine psychologische Koryphäe sein, die banale Dinge im Fachjargon wiedergibt.

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Es gibt Maßnahmen, die in einem aufgeklärten Sinne rational und eigentlich logisch sind und trotzdem nicht gemacht werden, weil sich aufgrund psychischer Bugs einfach politisches Kapital daraus schlagen lässt, indem man etwa Ängste, Aversionen und Reaktanz mobilisiert bzw. für sich nutzt.

Insofern ist eine psychologische Perspektive schon überaus wichtig, um solche Mechanismen zu verstehen.

Trotzdem können Politiker:innen an manchen Stellen besser erklären, was aber nicht verhindern wird, dass eine losgetretene Verhetzungskaskaskade solche Erklärungen nicht dennoch unter sich begräbt.

Und natürlich können Politiker:innen auch selbst in einem ‚Verblendungszusammenhang‘ stecken.

Welche Mischung die aktuelle Regierungspolitik motiviert, ist schwer zu ermitteln.

Ich vermisse zudem bei insbesondere diesem Thema ein langfristiges tragfähiges Konzept. Wenn es das gäbe und es einigermaßen sinnvoll ist, würde man den Gegnern auch den Wind zumindest etwas aus den Segeln nehmen. Denn die Gegner haben ja den Punkt, dass wir Strom gegen Gebühr weggeben müssen, um später Atomstrom teuer einzukaufen. Diese und andere hanebüchene Situationen machen es leicht, gegen die Energiewende zu sein. Ich wünsche mir „Vernunft“ seitens der Politik und dass sich die Politiker wieder für die Menschen interessieren. Dann brauchen wir keine ausgefeilten psychologischen Kniffe, um Menschen von Dingen zu überzeugen, die sie nicht wollen.

Worüber wir wohl oft stolpern, ist die idealistische (unbewusste?) Erwartungshaltung, das Politiker als „Volksvertreter“ irgendwie völlig altruistisch nur das Wohl aller stets im Sinn haben.

Als Menschen sind Politiker aber genauso egoistisch und emotional wie wir alle, haben die gleichen Fehler und Macken.

Daher kommt es dann eben auch dazu das Politik immer auch was mit Absprachen, Partei- oder Lobbyinteressen, Kompromissen und auch Fehlverhalten zu tun hat.

Das enttäuscht uns dann in konkreten Fällen wohl dann extrem, obwohl wir es besser wissen, aber es eigentlich gern anders hätten.

Das macht dann auch das Erklären schwierig

Das Menschsein mit Fehlern und Macken spricht auch keiner den Politikern ab. Allerdings hat es wenig impact auf mein Leben, wenn du dich beispielsweise egoistisch in deinem Privatleben verhältst (was ich nicht glaube!).

Wenn CL allerdings wegen seines Egos eine ganze Koalition lahmlegt, damit eine Neuwahl provoziert und die AfD jetzt doppelt so stark wie vorher im Bundestag sitzt und dadurch jetzt Mehrheiten in der Mitte immer schwieriger werden, dann hat das sehr wohl Einfluss auf mein Leben.

Zudem sind Politiker mit einem Mandat ausgestattet und sind Vertreter des GESAMTEN Volkes. Die haben somit Verantwortung für über 80 Millionen Menschen. Da ist meine Erwartungshaltung schon, dass sie eigene Interessen erst einmal hintenanstellen.

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Eine gewisse Gemeinwohlorientierung ist den meisten Politiker:innen wohl nicht abzusprechen.

Die Frage ist allerdings, was die jeweils unter Gemeinwohl verstehen, wo sie ihre Prioritäten setzen und was sie für sinnvoll halten, sich diesem Ziel zu nähern.

Ich will das nicht entschuldigen, aber es erklärt sicher einiges bzw. sollte uns oftmals nicht verwundern.

Was wir damit machen ist ein anderes Thema, siehe Wahlumfragen

Politische Zusammenhänge werden gerne überkomplex dargestellt. Hinzu kommt, dass kaum ein Politiker eine Erklärung ohne Einschübe wie „Wir haben ja schon immer“ und „Die wollten ja nie“ auskommt.

Würde es sich jemand in einem Wirtschaftsunternehmen leisten seine Arbeitsergebnisse vorzutragen, wie das Politiker in aller Regel tun, würde er wohl gefeuert.

Und dabei gibt es reichlich adäquate Formen und Methoden, etwas zu erklären und darzustellen. Zusammenhänge allein mit Rede und Schrift erklären zu wollen, ist ein Irrweg. Der gerne bewusst gewählt wird, gerade weil er Freiraum zur Interpretation und nachträglicher Korrektur bietet.

Politiker mögen sich so ungern festnageln lassen wie andere Manager. Jeder MBA weiß das :wink:

Einfach mal eine Powerpoint bauen lassen, eine kleine Animation, die zeigen, wie das Heizungsgesetz funktioniert. Habeck hat mit seinen Grafiken einen Zaghaften - begrüßenswerten - Vorstoß gewagt, heute kommt sogar der Dobrind damit.

Wenn das aufrichtige Interesse der Politik bestünde, die Wähler offen über Regierungsarbeit zu informieren, gäbe es adäquate Mittel, das zu tun.

Wie es richtig geht, wenn man möchte, zeigen Formate bei Arte, auf YouTube, bei Studiflix, multimediale Darstellungen wirklich komplexer Systeme in der IT. Sie alle nutzen Bildsprache.

Selbst das lineare Fernsehen ist voll von sehr verständlichen Darstellungen die samt und sonders im Nachhinein durch akribische Recherchen entstanden sind. Warum ist das nötig? Warum muss die wichtigste und mächtigste „Branche“ ihre Arbeit ihren „Auftraggebern“ gegenüber nicht ordentlich dokumentieren?