LdN 482: Mediale und politische Kommunikation beim Fortschritt des Netzausbaus

Hallo liebes Lageteam,

bei eurer aktuellen Folge ist mir ein Punkt negativ aufgefallen. Frau Dröge nannte im Interview ein Politikfeld, bei dem man aus ihrer Sicht dringend heran müsste. Sie sagte, dass beim Netzausbau zu Gunsten der Energiewende mehr Tempo gemacht werden müsste. Ihr als Moderatoren habt dem beigepflichtet und eine wesentlich zu langsame Fertigstellung der sogenannten Stromautobahnen [kritisiert].

Als jemand der in diesem Bereich beruflich tätig ist, möchte ich da einmal ein Blitzlicht der Realität darauf werfen. Die seit 2012 gesetzlich festgelegten, großen Stromautobahnen sind allesamt seit 2-3 Jahren fertig genehmigt und seither im Bau. Rückblickend ist damit ein Planungs- und Genehmigungshorizont von 6-7 Jahren festzustellen und ein Bauhorizont bis zur Inbetriebnahme von 3-5 Jahren.

Wenn man nun einmal die Annahmen der Initiative zur Beschleunigung des Netzausbaus aus 2011 (als Reaktion auf Fukushima) ansieht, dann befinden sich die Stromautobahnen allesamt innerhalb des vom damals Gesetzgeber angenommenen Zeitkorridors von ca. 10-11 Jahren ab Beginn der Planungen bis zur Fertigstellung und Inbetriebnahme.

Warum gerade für Politik gerne den Eindruck vermittelt, es ginge dort zu langsam, ist ein Ablenkmanöver, auf das Medienvertreter in meinen Augen gerne allzu oft hereinfallen. Denn gemessen an dem ursprünglichen Fahrplan, die Stromautobahnen zur Abschaltung der letzten AKW in Betrieb zu nehmen, ist der Stand der Umsetzung natürlich hinterher. Derzeit geht man je nach Projekt von Inbetriebnahmen in 2027 oder 2028 aus. Nur sind diese Verzögerungen nicht mit administrativer Untätigkeit oder einer zu langsamen Umsetzung seitens der Unternehmen zu begründen, sondern unmittelbare Folge der Entscheidung der Bundesregierung im Jahr 2015, die meisten der Stromautobahnen statt als Freileitung als Erdkabel zu verlegen. Nach dieser Entscheidung musste je nach Projekt in 2-4 Jahren eine komplett neue räumliche (wo verläuft die Leitung) und technische Planung aufgesetzt werden. Dies und der Umstand, dass durch den Technologiewechsel eine Bauzeit von 3-5 Jahren eher ambitioniert ist (bei Freileitungen sind punktuelle Tiefbauarbeiten notwendig, bei Erdkabeln flächige), haben den ursprünglichen Umsetzungszeitpunkt im Jahr 2022 ausgeschlossen. Das ist aber nicht das Verschulden der vielen hundert Menschen, die bei Behörden, Planungsbüros, den Übertragungsnetzbetreibern und den Bauunternehmen teils bei Tag, Nacht und mit erheblichen Überstunden an diesen Projekten arbeiten und denen man mit solchen Aussagen Unrecht tut.

Grundsätzlich sollten sich Politik, Medien und die Bürger aber auch von der Vorstellung verabschieden, komplexe Infrastrukturprojekte, die ingenieurtechnische Herausforderungen darstellen, könnten durch genügend Personal und aufopferungsvollen Einsatz des selbigen immer schneller umgesetzt werden. Das sind komplexe Projekte, deren Bau und Betrieb sicher und zuverlässig erfolgen müssen. Irgendwann ist da das zeitliche Optimierungspotenzial auch ausgeschöpft. Ein konstruktives Teilprojekt wird nicht dadurch schneller fertig, dass ich statt zwei Prüfingenieure dann vier da heran setze. Im Gegenteil, es entstünden zusätzliche Bruchstellen und Abstimmungsbedarfe, die vermutlich eher Zeit fressen.

Kurzum: durch die ständige Wiederholung politischer Ablenkungsmanöver zur Verantwortung von zeitlichen Verzögerungen, fühlen sich etliche Menschen in Deutschland in ihrer täglichen Arbeit sicher (zu unrecht) nicht gewertschätzt. Es wäre gut, wenn wenigstens ihr damit einmal aufräumen würdet. Dann muss ich zukünftig nur noch ertragen, dass Markus Lanz jede Woche das selbe Narrativ ungeprüft in die Welt heraushaut.

5 „Gefällt mir“

Danke für deine Erläuterungen!

ständige Wiederholung politischer Ablenkungsmanöver

Wir haben überhaupt nicht über Verantwortlichkeiten gesprochen, sondern nur darüber, dass der Ausbau der Kapazitäten zum Transport von Strom nicht schnell genug geht. Das aber dürfte unbestritten sein - könnten wir Strom in ausreichender Menge transportieren, hätten wir keine Probleme beim Redispatch.

2 „Gefällt mir“

Ich fände es toll wenn ihr dazu beim nächsten mal wenn es um Netze geht tiefer einsteigen könntet - mit Überbauung von Netzknoten, regional unterschiedlichen Gestaltungen der Netzentgelte, dynamischen Preise und Netzentgelte, Großspeicher als fiktive Leitungen usw. gibt es da ja viele Optionen und aktuell werden mehre davon ignoriert, weil da jemand etwas dagegen hätte… am Ende stellen wir mit viel Aufwand einen Zustand her der dafür sorgt, dass es keinen Marktanreiz gibt energieintensive Unternehmen dort anzusiedeln wo viel Strom ins Netz kommt

1 „Gefällt mir“

Ich wollte euch da auch nicht in erster Linie eine Schuldzuweisung unterstellen, sondern euch für die kommunikative Falle sensibilisieren, die die Politik den Medien da stellt.

Vom Ergebnis her bin ich ja dabei: um den Redispatch zu reduzieren, hätten diese Leitungen bereits vor drei Jahren fertig sein müssen. Politikerinnen nahezu aller Parteien kommunizieren aber nicht, dass der Grund dafür ist, dass man spät dran sei, weil man nicht zügig genug auf politischer Ebene damit begonnen hätte und erst Recht erwähnt niemand mehr, dass grundlegende Bedingungen unterwegs geändert wurden. Es wird immer von politischer Seite erzählt, es ginge zu langsam. Und zu langsames Handeln geht mit denen nach Hause, die für das Handeln verantwortlich sind. Politikerinnen setzen die Rahmenbedingungen, Handeln tun die vielen, von mir genannten Leute.

Oder ich versuche es einmal metaphorisch: wir stehen bei einem Fußballspiel 3-0 kurz vor Spielende im Rückstand. Es fing schon damit an, dass das Spiel ohne uns angepfiffen wurde, weil die Trainer die falsche Anstoßzeit mitgeteilt haben. Während des Spiels mussten wir auf Anweisung der Trainer auch noch eine Halbzeit Volleyball spielen. Nach der Niederlage erzählen die Trainer dann, man habe einfach zu schlecht gespielt und man müsse da besser werden. Und alle Medien singen dieses Lied mit.

Lasst mich noch einen Beweis für die Verantwortunssphäre geben: kurz vor Ende der Ampel sollte das neue Bedarfsplangesetz für den Netzausbau im Strombereich erlassen werden und ist der Diskontinuität zum Opfer gefallen. Das Wirtschaftsministerium hat nun, 1,5 Jahr später, das Gesetz auf den Weg gebracht, welches bis Ende des Jahres, also dann mit 2 Jahren Verspätung verabschiedet werden soll. Dieses Gesetz beinhaltet Projekte, deren Planungs- und Bauhorizont dann nicht einmal mehr die realistische Marke von 10 Jahren haben werden. Politikerinnen werden sicherlich wieder sagen: dann müssen wir da schneller werden.

Vielleicht fangen wir aber ausnahmsweise Mal einfach früher an,… .

1 „Gefällt mir“

Ich denke, die meisten Bürger wissen, warum die Stromleitungen, der Brennerbasistunnel und andere Projekte derart aus dem Zeitrahmen gefallen sind. Nicht umsonst wird ja immer wieder diskutiert, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Bürgerbeteiligung zurückzufahren.

1 „Gefällt mir“

Hallo Captain Kirk, liebes Lageteam,

ich finde es gut das hier mal eine Darstellung der realen Aufwände für die „Stromautobahnen“ gemacht wird. Es ist gigantisch welche Finanzmittel und Arbeitskraft hier hineingesteckt wird, und ich ziehe den Hut vor den ingenieurtechnischen Leistungen in diesen Projekten. Die Projekte wurden in den 2010er Jahren angestoßen und werden seitdem ohne wesentliche Korrekturen umgesetzt.

Diese gigantischen Stromautobahnen werden dann immer als "…der notwendige Netzausbau für die Eneriewende… " deklariert. Doch, ist das wirklich des Rätsels Lösung?

Die erneuerbaren Energien haben einen ganz wesentlichen Vorteil gegenüber den fossilen Energien, Sonne und Wind sind an jedem Ort vorhanden und die Umwandlung in nutzbaren Strom ist mit vertretbarem Aufwand fast überall möglich. Diesen wentlichen Vorteil verspielt man derzeit größtenteils.

Aus meiner Sicht dürften die oben beschriebenen Stromautobahnen nur ein Teil des „…notwendige Netzausbaus…“ sein. Viel wichtiger ist die Umstellung der vorhandenen Netzstruktur von der Versorgung durch einzelne Großkraftwerke auf viele dezentral plazierte Energieerzeugungsanlagen (Windräder; PV Anlagen, Biogasanlagen, usw…).

Insbesonder die Verteilnetze müssten für diese neue Situation fit gemacht werden, durch

  • Aufbau von netzdienlichen Speichern, (zur Aufnahme der Energie bei Energiespitzen und Abgabe bei Flauten)
  • Abbau der Hürden für die Umsetzung von Mieterstrommodellen oder den Stromhandel mit dem Nachbarn
  • praktische Umsetzung des bidirektionalen Ladens von E-Autos, also die Nutzung der Batterien für die Netzstabilisierung
  • und viele weitere Maßnahmen die bereits jetzt technisch möglich sind

Die gesamte aktuelle Situation ist sehr anschaulich, und wissenschaftlich fundiert, beschrieben in dem Buch „Kurzschluss Wie wir unsere Energiezukunft verspielen“ von der Energieökonomin Claudia Kemfert.

Mein Fazit: Wenn wir es schaffen den Netzausbau wirklich intelligent durchzuführen dann brauchen wir zum Schluss vielleicht einen Teil der oben beschriebenen teuren Stromautobahnen gar nicht.

2 „Gefällt mir“

das halte ich für einen Fehlschluss. Der Ausgleich von Angebot und Nachfrage hat eine räumliche und eine zeitliche Dimension. Und Strom ist am effizientesten direkt zu nutzen, ein „Umweg“ über Wasserstoff oder andere Umwandlungen kostet viel Energieinhalt. Auch wenn der Windausbau auf See stockt – und ich denke, das wäre ein guter Anlass, Wind an Land zu fördern und den Zubau gleichmäßiger übers Land zu verteilen --, er bleibt strategisch, und dieser Zubau muss auch das ganze Land erreichen. Auh der Ausgleich von Überschuss und Mangel in Europa setzt auf einem leistungsfähigen nationalen Netz auf.
Ich kenne zwar nicht das Buch, aber zahlreiche Aussagen von Frau Kemfert, und es würde mich wundern, wenn sich diese Folgerung daraus ableiten ließe.

1 „Gefällt mir“

Hallo KarlE,
vor 10 Jahren hätte ich ihre Aussagen vielleicht auch noch unterschrieben. Wir bewegen uns aber im Jahr 2026, ich habe eine PV Anlage auf meinem Dach mit der ich

  • ca. 70% meines Stromverbrauchs selber erzeuge
  • seit kurzem mein neues E-Auto fast vollständig lade
  • ca. 20% meines Heizenergiebedarfs abdecke
  • und auch noch etliche Kilowattstunden einspeise
    Das hätte ich mir vor 10 Jahren nicht träumen lassen, das so etwas technisch möglich ist. Wir müssen, aus meiner Sicht, diesen technischen Fortschritt, der real zur Verfügung steht, wesentlich mehr nutzen und den Anteil der dezentralen Energieversorgung wesentlich erhöhen. Das würde dann, so ganz nebenbei, auch die regionale Wertschöpfung erhöhen und Arbeitsplätze schaffen. Sicherlich wird es immer ein Verbundnetz brauchen um die zeitlichen und räumlichen Unterschiede auszugleichen. Ich werde mit meiner PV Anlage auch nie einen Industriebetrieb versorgen können, ich werde auch nie für mich autark sein können. Die besagten Stromautobahnen sind aber vor mehr als 10 Jahren konzipiert worden auf der Grundlage der Strategie von einzelnen Großkraftwerken, man hat eben nur die Kohlekraftwerke gegen Windparks ausgetauscht. Von einer Überarbeitung dieses Konzeptes redet niemand, die Millionen und Milliarden Euro werden einfach immer weiter hineingepumpt.
2 „Gefällt mir“

Zubau und bessere Integration von Heimspeichern und Großbatterien könnten jedenfalls auch dazu beitragen, dass die Netzinfrastruktur in bestimmten Bereichen etwas weniger ausgebaut werden muss oder sich zumindest der Redispatch verringert.

Andere Maßnahmen wie variable Stromtarife, Sharing, Überbauung usw. sind ebenfalls langfristig kostendämpfend.

Apropos Speicher:

1 „Gefällt mir“

Man darf nicht den Fehler machen, aus der eigenen, privaten Erzeugungssituation herzuleiten, dass das auch zuverlässig in großem Stil passiert.

Alleine um den Bruttostromverbrauch in Bayern über Windenergie zu stemmen, bräuchte es 8.000 WKA der 5 MW-Klasse. Derzeit hat Bayern etwa 1.100 Anlagen verschiedener Leistungsklassen. Nicht berücksichtigt habe ich die PV-Einspeisung in Bayern, was die Zahl der benötigten WKA noch etwas dämpfen dürfte. Dennoch wäre ein Autarkieplan eines industriell geprägten Bundeslandes wie Bayern wenig realistisch. Hinzu kommt, dass onshore Windkraft so weit im Inland nicht grundlastfähig ist. Offshore Windparks haben eine Volllaststundenzahl, die etwa 80-90% der gesamten Jahresstunden beträgt, was mit Vernetzung und moderner Regelungstechnik nahezu Grundlastfähigkeit darstellt. Onshore WKA schaffen etwa nur ein Drittel bis die Hälfte der Volllaststunden eines Jahres.

Es wird aufgrund des großen Lastgefälles von Nord nach Süd, bei gleichzeitigem Erzeugungsgefälle von Nord nach Süd nicht ohne großräumigen Stromtransport gehen. Zudem braucht das System ein Backbone, da insbesondere Bayern durch die Aufgabe von Großkraftwerken bei gleichzeitig (zu langsamer) Umstellung des gesamten Bedarfs auf erneuerbare Energien ein Problem bekommt, wenn regelmäßig die benötigte Last nicht bereitgestellt wird. Das ist beispielsweise nachts der Fall, wenn PV komplett ausfällt und auch der onshore Wind regelmäßig schwächer ist.

2 „Gefällt mir“

hast du dazu eine Quelle? Mir ist klar, dass die Offshore-Anlagen höhere Volllaststunden haben, aber 80% oder mehr wäre ja traumhaft!
Eine im Auftrag der Stiftung Offshore-Wind erstellte Studie der FhG IWES https://www.offshore-stiftung.de/sites/offshorelink.de/files/documents/SOW_Download_Langfassung-EnergiewirtschaftlicheBedeutungderOffshore-Windenergie.pdf, im Dokument nicht datiert aber wohl von 2014, schreibt „Offshore-Windenergieanlagen haben schon heute sehr hohe Volllaststunden, die zukünftig auf über 4.800 ansteigen.“ 4800/8760 = 55%.
Wind an Land wird mittlerweile fast 100m höher gebaut als noch vor 10-20 Jahren. Das verstetigt und erhöht auch den Stromertrag wegen der in der Höhe stabileren Windmengen.

Zur neulich präsentierten Studie des FhG ISE wurde kommentiert (Dr. Christoph Kost, https://www.youtube.com/watch?v=lmUFd3eXxzg ), dass Offshore Wind nur wegen mangelnder Akzeptanz zu Wind an Land im Mix ist, aber Onshore wirtschaftlicher in Errichtung und Betrieb wäre.

Im übrigen stimme ich dir zu, lokale Autarkie lässt sich auf Haushaltsebene und auch bei kleineren Kommunen wie Wunsiedel darstellen, aber skaliert nicht (jedenfalls nicht wirtschaftlich) auf Metropolen wie München oder Industriezentren wie Burghausen.
Die Nacht bei PV ist nicht das Problem, das kann man durch mehr Zubau und Batteriespeicher prima abfedern. Für 10 Stunden wirbt CMBlu damit, dass ihre produktisierte Lösung um einen Faktor (ich glaube drei) billiger ist als Li-Batterien, das wäre ein super Kandidat für Tagesgang-Verschiebung. Für noch längere Perioden wird Eisen-Luft in mehreren Projekten realisiert, z.B. Golem
Der durch Klimawandel „ausgeleierte“ Jetstream führt zu mehr stationären Wetterlagen, die im Wochenbereich anhalten, der Wind leidet unter dem „Omega“ Hochdruckgebiet, im Winter lässt sich das nicht durch PV kompensieren, aber auch bedeckter Himmel und Regen kann sich PV-schädlich tagelang festsetzen.

Da geht jedenfalls noch was:

1 „Gefällt mir“

Der Zubau von Offshore-Kapazitäten stockt aktuell, da der Ölkonzern Total Energies auf den bei einer Auktion erworbenen Flächen nun doch nicht keine Windkraftanlagen errichten möchte. So bleiben diese Flächen ungenutzt und die Energiewende stockt…

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Hörtipp: Total Energies: Ein Ölkonzern  ... – 11KM: der tagesschau-Podcast – Apple Podcasts

1 „Gefällt mir“

Aktuell wird wenigstens wieder was zugebaut . An einem Ölkonzern wirds nicht scheitern. Aber bei der Ausschreibung für Offshore gab es in den letzten 2 Runden keinen einzigen Bieter. Hier muss dringend nachreguliert werden.

Bei den Onshore Ausschreibungen sind die Mengen stark überzeichnet. Daher gewinnen aktuell die wirtschaftlicheren Standorte im Norden. Hier muss dringend, wie auch von den Bundesländern gefordert und wie im Klimaplan der Regierung vorgesehen eine Sonderausschreibungsmenge her, um die dank Habeck stark gestiegenen Anlagenmengen in den Ausschreibungen abzubauen.

1 „Gefällt mir“

Hier findet sich die entscheidende Annahme die dafür diskutiert werden müsste

Im Thread findet sich am meisten zu Bayern, aber auch BaWü würde als Beispiel passen

Grundsätzlich schwingt dabei die ganze Zeit die Annahme mit, dass der Stromverbrauch halt so verteilt ist wie er ist und wir dem irgendwie gerecht werden müssen - warum gibt es aber keine Anreize Energieintensive Industrie dahin zu verlagern wo Stom eingespeist wird?
Historisch haben sich Industrien dort angesiedelt wo Standortbedingungen für sie gut waren (Ruhrpot mit der Kohle usw) - jetzt haben wir eine Transformation, aber der Impuls wie sich die Wirtschaft verändern sollte wird nicht weitergegeben… niemand möchte Bayern und BaWü deindustrialisieren, aber es ist absurd, dass nicht zuletzt die CSU Stromnebenkosten erhöht mit unterirdischen Kabeln, Windenergie verhindert usw. und es gleichzeitig gar kein Impuls gibt Strom möglichst nah zu gewinnen

Möglichkeiten wie die nodalen Netzentgelte, kleinere Gebiete mit jeweils eigenen Netzentgelten usw. sind da - aber es wäre ein administrativer Horror das umzusetzen, Süddeutschland und die Industrien dort würden geschwächt und es handelt sich um ein schwieriges, Fachthema was politisch schwieriger zu erklären ist… trotzdem braucht es hier Bewegung

1 „Gefällt mir“

ich denke, das ist praktikabel und umsetzbar. Netzentgelte sind heute schon örtlich verschieden, und Modul 3 des §14a EnWG sieht zeitvariable Netzentgelte vor, schreibt sogar vor, dass sie angeboten werden müssen, dass diese den Weg auf die Stromrechnung finden, ist also schon gebahnt.

Das Energy Sharing nach §42c EnWG stützt sich wiederum auf Bilanzierungskreise, das ist derzeit fast immer „einer pro VNB“ und damit extrem unterschiedlich groß - mit „nodal“ hat das wenig zu tun. Es bleibt abzuwarten, ob große VNB diese splitten werden, bisher war es nur administrativer Aufwand und ein Split hätte ihnen keinen Vorteil gebracht.

Was mir bei Netzentgelten als Steuergröße (u.a. für Netzdienlichkeit) Sorgen macht, ist die mögliche Gegenläufigkeit zum bundesweiten Preissignal, das den Endpreis dominieren kann. Ich denke, dass an einer Aufteilung der Preiszone kein Weg vorbeiführt, dann gleich nodal zu gehen wäre robuster als ein willkürlicher Zuschritt einer Handvoll Zonen und würde die Vermaschung unserer Netze besser abbilden. Die Gesamtkosten würden durch zutreffende Marktanreize sinken. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Inzwischen hat die CSU eine Kehrtwende vollzogen, aber ihr schädliches Handeln und Agitieren wirkt nach („Monstertrassen“, eine fernab von Fakten rein emotional getroffene Entscheidung, ebenso wie „Verspargelung“, wo man nun an „die Gester, die ich rief“ erinnert wird, wenn lokaler Widerstand mühsam abgebaut werden muss).
Aus meiner Sicht unzweifelhaft ist aber, dass unabhängig von einigen Ansiedlungsentscheidungen bei Industrie und RZen, die Umstellung auf Strom in den Bereichen Verkehr und Wärme flächendeckend zu einer höheren Stromnachfrage führen wird.

1 „Gefällt mir“