danke, dass ihr mit solchen Themen so transparent umgeht. Ich finde es gut, dass ihr mehr darauf achten wollt, konservative Argumente zumindest vorzubringen. Im Endeffekt kann sich das nur positiv auswirken: entweder, ihr könnt das Argument gut entkräften, oder ihr zeigt durch die Nennung mehrerer Perspektiven, dass die Beschäftigung mit den Themen differenziert vorgenommen wird.
Als Positivbeispiel möchte ich eure Aufarbeitung der Debatte bzgl. der Landesverteidigung und dem “ich verpiss mich”-Argument anbringen. Hier handelt es sich zwar nicht um ein konservatives Argument, aber ihr habt dennoch ein Narrativ, dass offensichtlich nicht eurer Sicht der Dinge entsprach, professionell zerlegt. Davon gerne mehr
Ich fand die Folge mit Christian lindner sehr gut. Egal was man von ihm hält. Aber es war erfrischend ein mal Gegenwind zu den Argumenten zu hören… manchmal kommt mir die Lage vor wie ein wohlfühl-Podcast. Man hört die Argumente die man hören will, ohne den vollen realutätscheck. Ich würde mir mehr davon wünschen
Ich bin voll dafür, andere Sichtweisen einzubeziehen.
Ich würde aber von diesen anderen Sichtweisen schon erwarten, dass sie einer ernsthaften Recherche standhalten. Das vermisse ich bei sämtlichen Aussagen von CL und der FDP. Da sehe ich dann auch keinen Mehrwert eines Austauschs darüber. Ein Mindestmaß an Wahrhaftigkeit und Realismus muss schon vorhanden sein, oder?
Ich habe den Teil über die konservativen Meinungen heute gehört und war schwer beeindruckt. Echt stark wie ihr das Feedback angenommen habt!
Für meine Meinungsbildung ist es einfach wichtig auch andere Perspektiven zu hören. Gerade wenn ich inhaltlich ohnehin der selben Meinung war, hat es mich manchmal umso skeptischer gemacht, wenn meine Ansichten bestätigt und nicht hinterfragt wurden.
Was sind denn die gängigen konservativen Argumente für die großen Themen unserer Zeit?
Teilweise kann ich die Argumente nicht mehr ernst nehmen, da diese einem Faktencheck nicht standhalten können.
Ich kann z.B. keine glaubhafte Argumentation für fossile Energieträger aufbauen. Diese Perspektive scheitert immer an der Realität.
Eine Argumentation gegen die Umverteilung von „oben nach unten“ scheitert ebenfalls häufig an Studien die zeigen, dass ein „trickle down Effekt“ einfach nicht ankommt und dass es zur sozialen und wirtschaftlichen Stärkung eine starke Unter- und Mittelschicht geben muss.
und ich möchte häufig wirklich die „Gegenseit“ hören, aber einer Prüfung halten die Argumente dann selten stand.
Deswegen die ernst gemeinte und offene Frage: Wie argumentiert die konservative Seite?
Wer auf konservativer Seite argumentiert, tut dies denn streng gegen Umverteilung? Allenfalls geht es dort um graduelle Fragen. Ist die heutige Umverteilung ausreichend, ist sie vielleicht in Teilbereichen zu stark (um Arbeitsanreize zu schaffen) oder in anderen ausbaufähig (Familien mit Hauptverdiener und Erziehungsteilzeit stärken)? Darüber gibt es doch ein breites, uneinheitliches Meinungsspektrum auf der konservativen Seite. Einig ist man sich vermutlich nur darin, dass es nicht eine einseitige Belastung hoher Einkommen geben soll, solang wir hohe Summen für als elektiv wahrgenommene Aufgaben ausgeben.
Daher fällt es mir, auch wenn ich viele Positionen der Konservativen ablehne, sehr schwer, den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit pauschal zu unterschreiben. Wer das tut, verengt den Blick oft auf einzelne Betrachtungsweisen für oder gegen einzelne Wissenschaftler/Studien oder eine ganze FB-Community, die aber fast nie alle relevanten Fachbereiche umfasst. Und dann kommt noch hinzu, dass manche Dinge je nach individueller Priorisierung unterschiedlich bewertet werden können.
Wer bspw. annimmt, dass harter Klimaschutz nur dann langfristig machbar ist, wenn er die Akzeptanz der Bevölkerung erhält, was mit extremem Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie eher schwierig zu machen ist, wird die Einhaltung von Paris eher als ‚Nice to Have‘ werten und möglicherweise gesamtgesellschaftliche Gewinne nach ausreichend vorangebrachter Energiewende (zumal diese nur unter Mithilfe anderer Staaten wirklich erreichbar sind) in 20 Jahren eher als unwahrscheinlich verwerfen.
Ich halte es daher für einen Fehler die eigene Position als die abschließende, allumfassende Wahrheit® aufzufassen. Das mag es geben, betrifft aber oft nur Spezialfälle. Wäre es wie einige hier schreiben könnten wir uns die Demokratie sparen und eine technokratische Regierung einsetzen. Dass die nicht zwangsläufig besser ist sollten wir 2022-2023 gelernt haben.
Oben differenziert Du bis ins kleinste Detail und hier wird pauschal der vermeintliche Fakt gesetzt, es würden hohe Summen für „elektiv wahrgenommene Aufgaben“ ausgegeben. Dass das, was man darunter versteht, dann auch sehr differenziert betrachtet werden muss und davon abhängt, wen man fragt, blendet man dann einfach aus?
Du sprichst hier z.B. das Thema Erziehungsteilzeit an. Das knüpft an viele interessante Themen an. Historisch ist das Gesamtkonzept von „starken Frauenrechten“ keine konservative Errungenschaft. Irgendwann haben die konservativen dem öffentlichen Druck klein beigegeben und selbst heute ist es keine „Elternteilzeit“, sondern eine „Lifestyle-Teilzeit“, losgetreten von Konservativen. Frauenwahlrecht, Sexuelle Übergriffe in der Ehe, Transrechte, Schwulenrechte, finanzielle Selbstbestimmung und Unabhängigkeit für Frauen sind alles keine Glanzbeispiele für konservative Politik. Hier hat konservative Politik nicht gestaltet, sondern reagiert und anfänglich auch verhindert.
Das andere Beispiel: Klimaschutz wird jetzt unter den Konservativen abgebaut, entegen der rechtlichen Anforderung vom Bundesverfassungsgericht und entgegen der wissenschaftlichen Konsensmeinung. Die Welt geht den Weg der erneuerbaren Energien und wir bekämpfen ihn, obwohl wir keine fossilen Energieträger produzieren.
Unsere Autoindustrie hat den Absprung verpasst und dieser Absprung ist der Weg hin zu einem nachhaltigeren und moderneren Elektromotor. Die Wirtschaft leidet unter dem bequemen Bett der Fossilen, das die Politik der Autoindustrie gemacht hat und auch weiter national stark unterstützt, während sich die Welt von den fossilen abwendet. Es kann hier keine fachlich solide Diskussion geführt werden, die von einer Zukunft der Fossilen handelt.
Das Gleiche gilt für Solar, Wind und Batteriespeicher. Das ist die Zukunft und sich dieser zu verweigern ist schädlich für Deutschland. Den Übergang so langsam und sanft wie möglich zu gestalten ist keine gute Idee, denn wir werden so nur weiter zurückfallen. Wirtschaft wird in Zukunft hier stattfinden.
Ein weiterer klassischer konservativer Punkt ist die Erhaltung der deutschen Kultur und Traditionen. Das ist ein vortreffliches Streitthema, da es hier wenig „richtig“ und „falsch“ gibt, nur leider haben wir unter diesem Deckmantel nun die Migrationspolitik, die wir heute sehen. Rechtsbrüche an Deutschen Grenzen und rechtswidrige Abschiebungen mit einem aufgeladenen Kulturkampf.
Ich sehe gerade keine progressiven oder zukunftsgewandten Gedanken aus dem konservativen Lager und sehe nur Verhinderung und Verlangsamung entgegen neuen Erkenntnissen. Ich würde gerne eine fundierte konservative Position auf moderne Fragen sehen und eine aktive Politik die sich daraus ableitet.
Auch mal abseits des konkreten Themas ist mir aufgefallen, dass ihr in älteren Folgen mehr diskutiert habt, indem einer von euch die Rolle des Teufels Advokat eingenommen hat. Das hat mir stilistisch gut gefallen. Klar müssen dafür nicht immer wieder die gleichen alten Argumente aufgetaut werden, aber hin und wieder so eine kleine „Kneipendiskussion“ fände ich erfrischend. Ihr könnt danach ja immer noch aufräumen und klar machen was eure persönliche Meinung, die mir ebenfalls wichtig ist
Mit Realpolitik, Macht(Erhalt). Gefühlen und Umfragewerten.
Das Herunterbrechen auf eine wissenschaftliche Grundlade ist nebensächlich.
Die großen Talking Points sind für mich:
Die Grundlast im Stromnetz. Das ist die Basis für die komplette Diskussion um die Atomkraft und den Strommarkt. Standpunkt: Deutschland benötigt eine Grundlast an klassischen Erzeugern, die erneuerbaren kommen On-Top.
Klimaschutz darf nicht auf Kosten von Industriearbeitsplätzen gehen. Es ist nichts gewonnen, wenn wir hier CO2 neutral werden, die Industrie aber abwandert, und in anderen Teilen der Welt „dreckig“ produziert.
Es gibt ein Limit an Einwanderung, dass integriert werden kann, ohne dass die Gesellschaft darunter leidet. Oft verwendetes Beispiel: in einem Klassenzimmer mit 75% Migrationshintergrund und massiven Sprachprobleme ist ein Unterricht kaum mehr möglich.
internationale Konkurrenzfähigkeit von Arbeitskosten. Deutschland ist, für die angebotene Leistung, zu teuer. Steuern, Abgaben, Löhne, Standorte,Bürokratie, Baukosten, … .
Ungerechtigkeit im Sozialsystem. Menschen die noch nie angezahlt haben und / oder arbeiten könnten, bekommen Steuergelder. Die mitunter höchsten Kostenpunkte Miete und Heizen wird diesen Menschen von Steuergeldern gezahlt.
Eine Grundlast könnte auch mit Erneuerbaren abgebildet werden. Batteriespeicher und Wasserstoff und andere könnten hier ausgebaut werden und verwendet werden. Für mich ist dies ein gutes Beispiel eines populistisch aufgebauten Bildes, das mit ausreichend WIlle angegangen werden könnte.
Wir haben damals 150000 Arbeitsplätze in der Erneuerbaren Branche verloren, um 30 000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie zu sichern. Es geht nur darum wessen Arbeitsplätze man sicher, nicht die gesamtwirtschaftlichen.
Kein starkes Wissensthema bei mir. Für mich deutet es aber auf verfehlte Integrationspolitik hin. Aber wenn man keinen Bock auf Integration hat, streicht man Integrationskurse und sagt, dann, dass Menschen nicht integriert seien. Wie es ja nun tatsächlich geschieht.
Es gab eine Zeit zu der „Deutsche Qualität“ gefragt war. Mit dieser Qualität konnte man sich diese Arbeitskosten leisten. Jetzt kann man diskutieren, ob man bessere Qualität anbieten solle, oder weniger Kosten verursachen solle. Da kann man dann unterschiedlicher Meinung sein. Die Gewinne gehen aber in beiden Szenarien an nur sehr wenige.
Erneut ein in meinen Augen medial getriebenes Thema. Die Kosten für die Sozialleistungsbetrüger sind um einiges geringer, als die Kosten der großen Steuerhinterzieher in der Oberschicht. Aber der Fokus ist auf den Armen.
Ich kann mit der Kritik nach fehlenden konservativen Argumenten wenig anfangen und ich finde sogar, der Versuch so ausgewogen zu sein wie nur irgendwie möglich, schadet sogar dem Format. Ich habe dafür sogar ein Beispiel, nämlich der “Umgang” mit PolitikerInnen rund um die letzte BTW, bei der man den Eindruck bekommen konnte, der lieben Neutralität wegen seine eigene Position zu räumen. Damit dann auch ein Christian Lindner als Gast zur Lage kommt und dort einen netten Nachmittag verbringen kann. Nein, Journalismus soll nicht neurtral sein, Nachrichten-Agenturen müssen es sein. Journalisten sollen einordnen und das gibt automatisch einen Bias. Wenn ich mehr konservative Argumente hören möchte, dann höre ich z.B. als Korrektiv Machtwechsel mit Robin Alexander (den könntet ihr übrigens mal einladen, ich finde es sehr interessant wie teils unterschiedlich ihr euch zu identischen Sachverhalten positioniert). Macht ihr einfach so weiter und widersteht bitte bitte dem Drang es allen recht machen zu müssen. Merci
P.S.: Das hindert euch natürlich nicht daran, ein Thema auch aus anderen Augen zu betrachten und good cop bad cop zu spielen, aber das ist ja journalistisches Handwerkszeug.
Ich meine es war Robin Alexander, den Ulf beim Jahresrückblick getroffen hat. Glaube, da ist auf politischer Ebene keine Freundschaft entstanden.
edit: ja
Die Gäste, Tina Hildebrandt vom „Politikteil“ der ZEIT, Anne Will vom Podcast „Politik mit Anne Will“, Robin Alexander vom „Machtwechsel“-Podcast und Ulf Buermeyer von der „Lage der Nation“ diskutieren mit Nadine Lindner, Stephan Detjen und Katharina Hamberger aus dem Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio. Politikpodcast vom Deutschlandfunk
Mir persönlich gefällt es besser, wenn innerhalb eines Formats verschiedene Perspektiven aufeinandertreffen, und man sich diese nicht überall zusammenklauben muss. Ich höre selbst viele verschiedene Podcasts, fühle mich aber manchmal etwas ratlos, wenn die Positionen bloß nebeneinander stehen und nicht „ineinander verzahnt“ werden, sodass man also sieht, wie welches Argument im Verhältnis zu anderen Argumenten steht. Natürlich kann man die Verknüpfungsleistung auch selber vornehmen, interessanter finde ich aber, wie sich Menschen, die sich sehr gut in den Sachthemen auskennen (so gut wie die Podcaster kenne ich mich als Normalo ohne tiefe Recherche eben nicht aus), aber verschiedene Positionen haben, einander argumentativ begegnen. Sprich, interessant ist für mich nicht eine Liste an Argumenten für A und eine Liste an Argumenten gegen A, sondern die kritische Würdigung eines Arguments nach dem anderen (was die Lage finde ich immer wieder auch schon macht).
Robin und Ulf sind in beiden Jahresrückblicken argumentativ aneinander geraten und ich hätte großes Interesse daran, dass die beiden das mal im Rahmen „‚mit konservativen Argumenten auseinandersetzen“ ausdiskutieren.
Lesenswerte konservative Argumentationen gibt es durchaus. Sie kommen halt von Vertretern, die eher nicht so viel zu melden haben, weil gute Argumente am Ende nicht zu dem führen, was rechts-konservative wollen… Hier mal ein Beispiel
Die Frage ist doch, welche konservativen Strohmänner man jedes Mal wieder explizit abräumen muss und wann einfach ein Verweis auf ältere Folgen reicht.
In vielen Fällen widerspricht die seriöse wissenschaftliche Expertise konservativen Forderungen.
Dann könnten die Hosts z. B. sagen: “Wen die Kritik an diesem konservativen Talking Point näher interessiert, sei auf Podcastfolge XYZ oder die in den Shownotes verlinkten Studien verwiesen.”
Dann wissen diejenigen, die sich wirklich dafür interessieren, wo sie nachgucken können.
Dann wird aber auch nicht so viel Zeit darauf verschwendet, bestimmte Mythen immer wieder ins Diskursgedächtnis zu pumpen.
Dann bleibt mehr Zeit für konstruktive Lösungen.
Auch die Gefahr des Wahrheitseffekts wird so erheblich verringert.
Eine konservative Position ist es zwar nicht. Aber ich finde schon spannend, dass das längst überfällige Digitalministerium unter der großen Koalition statt unter der Ampel kam. Da haben die, die dafür stehen, nicht abgeliefert, und die, denen es niemand zugetraut hätte, zumindest einen Startschuss gegeben.
Zur Sache: Es gefällt mir immer gut, wenn Philipp und Ulf sich von Gegenstimmen herausfordern lassen. Gerne mehr davon. Die Aufgabe ist nur, wirklich starke Stimmen zu finden, die das auf intelligente und bereichernde Weise können. Immerhin will ich nicht nur in meiner Meinung bestätigt werden (finde das vielleicht sogar unheimlich), sondern auch verstehen, was andere Meinungen stark macht.