LdN 476 - Bewusstseinswandel in der Verwaltung

Ich finde den beschriebenen Gesinnungswandel der Verwaltung vom Verhinderer zum Dienstleister sehr spannend. Ich glaube wir kennen alle genügend Negativbeispiele, aber vielleicht sammeln wir auch einfach mal Positivbeispiele, um den motivierten Behördenmitarbeitern Rückenwind zu geben. Ggf. würde sich hierzu auch ein Aufruf zu entsprechenden Sprachnachrichten anbieten, aber ich mach einfach mal einen Anfang:

Zum einen meine Erfahrung mit dem Finanzamt Kleve. Ich hatte eine Steuererklärung abgegeben, obwohl ich mich mit der Materie nicht besonders gut auskenne. Dabei habe ich offenbar ein oder zwei kleinere Sachverhalte nicht ganz korrekt angegeben. Konkret ging es um Nebentätigkeiten, für die ich wohl eine eigene Steuernummer benötigt hätte – was mir zu dem Zeitpunkt schlicht nicht bewusst war.
Daraufhin erhielt ich ein Schreiben vom Finanzamt. Anstatt die Situation eskalieren zu lassen oder mich im Unklaren zu lassen, habe ich dort angerufen. Bereits am nächsten Tag bekam ich einen Rückruf von meiner zuständigen Sachbearbeiterin. Sie hat sich wirklich 15 bis 30 Minuten Zeit genommen, ist den gesamten Sachverhalt mit mir detailliert durchgegangen, hat mir verständlich erklärt, was zu tun ist, und mir sehr konkret aufgezeigt, wie ich den Fehler korrigieren kann. Die Beratung war fachlich kompetent, klar strukturiert und dabei menschlich sehr angenehm. Für mich war das ein ausgesprochen positives Beispiel für bürgerorientierte Verwaltung.
Ein zweites Beispiel betrifft die Stadtverwaltung in Emmerich am Rhein. Mein Hund hatte seine Hundemarke verloren. Ich habe dort angerufen und den Sachverhalt geschildert. Das Ganze lief völlig unkompliziert: Ich meine, spätestens einen Arbeitstag später lag bereits eine neue Hundemarke in meinem Briefkasten – ohne zusätzliche Kosten. Ein kurzes Schreiben war beigefügt mit dem Hinweis, dass die alte Marke gelöscht wurde, und ein freundlicher Gruß.
Diese beiden Erlebnisse zeigen für mich, wie Verwaltung idealerweise sein sollte: erreichbar, lösungsorientiert, kompetent und unkompliziert. Genau so stelle ich mir einen funktionierenden öffentlichen Dienst vor.

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Der “Bewusstseinswandel” ist dringend nötig, aber es ist noch ein langer Weg. Ein Beispiel aus Göttingen:
Behörden-Odyssee: Göttinger zieht in den Landkreis um, um sein Auto anzumelden

Ein dysfunktionaler Staat muss der Vergangenheit angehören!

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Einen Bewusstseinswandel in der Verwaltung anzustreben, ist sicherlich sinnvoll. Spannend finde ich gerade die Entwicklung rund um den Landrat in Göttingen. Dort wenden sich Führungskräfte aus der Verwaltung öffentlich gegen ihn, wohl da es auch Machtmissbrauch und anderes gegeben habe. So stellt es auch die Lokalpresse dar. Ohne nähere Kenntnis der einzelnen Umstände zu haben, könnte es sich aber auch so lesen lassen, dass er sich mit zu viel unbürokratischem Umgestaltungswillen zu unbeliebt bei den Beamten gemacht hat. So in etwa verstehe ich zumindest seine eigene Darstellung.

Vielleicht könnt ihr bei Gelegenheit dort ja mal einen Blick drauf werfen. Würde mich freuen, eine andere Perspektive als die der doch recht einseitigen Lokalpresse zu bekommen.