LDN 475 Photovoltaik auf Gewerbeimmobilien

Bei der Darstellung wird meines Erachtens zu wenig beleuchtet, dass ein großer Teil gewerblicher Immobilien gemietet ist (z.B. um kein Kapital zu binden und die Mietkosten als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen zu können).

Aus umsatzsteuerlichen Erwägungen beträgt die Festlaufzeit aus Mietersicht meist zehn Jahre (oft fünf plus fünf Verlängerungsoption), so dass die Amortisation der Anfangsinvestition durchaus ein wichtiges Thema darstellt.

Der Vermieter profitiert allenfalls mittelbar von der Stromersparnis, der Mieter scheut u.U. die hohe Investition.

Die zudem bestehenden, durchaus hohen, gesetzlichen Hürden für institutionelle Vermieter wurden erst Anfang 2026 durch das Standortfördergesetz gesenkt.

Also meines Erachtens eine Mischung aus gewissen gesetzlichen Hürden und Fragen der Amortisation der Anfangsinvestition bei gemieteten Immobilien, die zu einer solch geringen Solarquote führen.

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In meiner Nachbarschaft hat ein Eigentümer das Dach an einen Energieanbieter verpachtet, welcher dann Solar installiert hat, um den Strom einzuspeisen und so zu verkaufen. Davon profitiert kein Mieter, aber die Allgemeinheit.

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Wobei der Vermieter dann oft mit dem Eigentümer des Unternehmens identisch ist, gerade aufgrund der angesprochenen Steuervorteile (Anstatt sowohl auf den Unternehmensgewinn, als auch die Ausschüttung dieses Gewinns Steuern zu zahlen entsteht nur die Einkommenssteuer für den Vermieter/Eigentümer, weil die Kosten der Miete durch die Firma steuerlich geltend gemacht werden können).

Ins solchen Konstellationen könnte dann sehr wohl wieder eine PV auf’s Dach gesetzt werden. Ich habe exakt diesen Fall zweimal im Familienkreis, auf beiden Dächern ist auch schon seit langen Jahren eine PV.

Auch bei einer Fremdgemieteten Immobilie würde es aber Sinn machen, den Vermieter mal darauf anzusprechen. Das Risiko eines Auszugs lässt sich vertraglich regeln (der Vermieter zahlt dann eine Ablöse) und eine PV-Anlage kann sich aufgrund der angesprochenen Vorteile durchaus wertsteigernd auf eine Immobilie auswirken. Klassischer Win-Win.

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Sind 20 Prozent heute so gering? Norwegen hat nur ein Drittel Stromer bei den Autos insgesamt, obwohl es bei den Neuzulassungen anders aussieht.

Für eine finale Bewertung bräuchte man Informationen zum internationalen Vergleich.

Klar ist jedenfalls, dass auf Industriegebäuden noch ein erhebliches Photovoltaik-Potenzial liegt, welches es zu heben gilt.

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Durchaus, aber 20 Prozent sind schon was.

Trotzdem bleibt die Fragestellung von Ulf und Philip richtig: Warum installieren nicht die Immobilienbesitzer viel mehr PV auf ihren gewerblichen Immobilien? Ganz egal, ob sie Vermieter oder als Eigentümer die betriebliche Nutzer sind?

Mir fällt übrigens auf, dass geführt überproportional viele landwirtschaftlich genutzte Gebäude mit großen Dachflächen vollflächig PV-Anlagen haben. Sprichwörtliche „Bauernschläue“.

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Ich kenne einige die PV installiert haben, nur zum Teil installiert haben oder trotz wollens gar nicht installiert haben.

Gerade sehr einfache, alte Gebäude haben oft nicht die zulässige Traglast um PV noch zusätzlich zu anderen Lasten aufzunehmen. Da wäre dann das Risiko, dass bei Schneefall regelmäßig das Gebäude gesperrt und das Dach geräumt werden müsste.

Bei anderen wurde PV nicht genehmigt weil die Kapazität des Netzes nicht passt oder der Nachbar hatte so viel Ärger mit dem Anschluss, dass man selbst dann drauf verzichtet hat.

Da gibt es quasi schon noch einiges an Fragen jenseits von “will ich nicht”.

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Hatte auch schon beruflich öfter mit den Fragen zu tun. Das ganze erweist sich regelmäßig als ernüchternd. Gerade große Logistik/Industriehallen sind nicht ausgelegt auf die Traglast.

Das Vermieten und Volleinspeisen lohnt sich meines Wissens nach schon länger nicht mehr, weil die Vergütung zu gering ist. Lohnt sich also nur, wenn man gleichzeitig an den Mieter verkauft. So macht es z.B. auch eine Energiegenossenschaft, in der ich Mitglied bin.

Der Stromverkauf an den Mieter ist wohl teilweise steuerrechtlich nicht zulässig, z.B. bei Immobilienfonds (ob das jetzt mit den Änderungen zu tun hat, übersteigt meine Steuerkompetenzen).
Teilweise ist das ein neuer Businesscase, mit dem man sich einfach nicht beschäftigen möchte.
Teilweise baut der Mieter selbst.

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Die Rendite für eine Investition in Aufdach-Solaranlagen für die lokalen Verbraucher, egal ob es gewerbliche oder private sind, ist auch deshalb so hoch, weil diese Parteien mit der PV-Anlage sich aus der Finanzierung des allgemeinen Stromnetzes über Gebühr zurückziehen. Die allermeisten aus der Branche gehen davon aus, dass diese Finanzierung der Netzentgelte im Rahmen des Agnes-Prozesses geändert werden wird, sodass diese Überrendite für private PV-Anlagen dann sinken wird. Das birgt ein erhebliches Risiko für den Business Case, wenn ich mir heute eine Anlage aufs Dach schraube, weil die Netzentgelte nicht wie die Einspeisevergütung für 20 Jahre festgelegt sind.

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Ich weiß nicht, ob man das für Gewerbe so stehen lassen kann. Im Gewerbe gibt es oft auch schon 15-Minuten Stromverträge, die um eine lastabhängige Komponente ergänzt wird. Wenn einmal im Jahr für einen 15 Minuten Wert die Last am höchsten war, dann wir dafür die Komponenten in €/kW berechnet. Wenn ich mir eine PV Anlagen oder einen Speicher zulege, der diese Spitzenlast reduziert, dann ist das doch fair? Man belastet das Netz ja dann auch weniger.

Bei Privathaushalten gibt es das nicht. Hier wird für neue Anlagen nicht vergütet, wenn die Strombörse negative Preise hat. Somit ist Strom im Netz, der nicht bezahlt werden musste, aber verkauft wird. Ist im Agnes Prozess angedacht, rückwirkend etwas für private PV Anlagen zu ändern?

Kleine Präzisierung: Der 15-Minuten-Tarif mit Leistungskomponente ist ein Liefervertrag, kein Netzentgelt. Das Netz wird auf die gleichzeitige Spitzenlast aller Anschlüsse ausgelegt, nicht auf deinen individuellen Jahrespeak. Wenn du deinen Peak senkst, aber das Netz in einer anderen Stunde seinen Stress hat, fallen die Netzkosten trotzdem an. Der Punkt zum AgNeS-Prozess gilt deshalb auch für Gewerbe: Solange Netzentgelte arbeitspreislastig sind, finanziert Eigenverbrauch das Netz unter, ohne dass die Netzkosten sinken. Eine rückwirkende Änderung für Bestands-PV ist meines Wissens nicht angedacht, eine prospektive Reform der Netzentgeltsystematik schon.

Das Thema habt Ihr inhaltlich im Grunde wieder sehr gut aufgearbeitet. Zwei Dinge sind mir dieses Mal etwas sauer aufgestoßen:

  1. Eure streckenweise sehr emotionale Präsentation fand ich (bei aller inhaltlichen Angemessenheit) dieses Mal doch etwas übertrieben. Die sonst bei Euch sehr gute Balance zwischen Emotionen und sachlicher Distanz war in meiner Wahrnehmung nicht gut austariert.
  2. Besonders mache ich das daran fest, dass ihr mehrfach das kostenlose oder sehr günstige Aufladen von Elektroautos hervorgehoben habt (“Kosten von 1€ auf 100km”, “kostenloses Fahren”,…). Das stimmt doch so nicht. Die Kosten für den Betrieb eines Elektroautos beschränken sich doch nicht nur auf die Stromkosten. Wartung und Versicherung fallen trotzdem noch an.
    Mit dem, was Ihr gemeint habt, stimme ich vollkommen überein. Aber in der Regel gelingt es Euch ausgezeichnet, zu 100% zu sagen, was Ihr meint. Und vor allem das ist es, was ich an Eurem Podcast so schätze. In dieser Sequenz ging das allerdings ein wenig verloren…

Diese Anlagen kommen aus den Jahren 2008-2012, als die Renditen irrsinnig hoch wären. Heutzutage würden sich die Anlagen nicht rechnen. Die Einspeisevergütung ist zu gering für Dachanlagen, die keinen hohen Eigenverbrauch bedienen.

Dieser Aspekt kommt in der Folge leider viel zu kurz. Dachanlagen sind im Vergleich zu Freiflächenanlagen fast um den Faktor 2 teurer und können mit ihnen nicht konkurrieren. Die angesprochene Direktvermarktung bzw Verkauf an andere Verbraucher ist ein Minusgeschäft. Selbst große Solarparks rechnen sich momentan kaum, sofern sie nicht eine Einspeisevergütung nach EEG erhalten, die mit ca. 5ct einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglicht.

Akzeptable Renditen sind nur bei hohem Eigenverbrauch möglich.

Zwei weitere Gründe gegen eine Dachanlage möchte ich aus der Praksis noch ergänzen. Zum einen können durch die Aufständerung der Module und Windlasten leichte Vibrationen entstehen, die bei Hochpräzisions-Produktionsstätten ein Problem darstellen können. In einem konkreten, mir bekannten Fall wurde es durch zusätzliche Stahlträger auf dem Dach gelöst. Das zweite Problem ist, dass einige Hallenbesitzer sich ungerne auf 20 Jahre + für das Design und die Nutzung ihres Daches festlegen möchten. Die wertvolle PVA auf dem Dach würde Extrakosten bei Umbauten bedeuten.

Das wichtigste Argument ist aber seit 2013 und insbesondere seit ca. 2022, dass die Vergütungssätze für Dachanlagen zu gering sind als dass ein geringer Eigenverbrauch die Anlage unrentabel macht.

PS: 20% der Dächer finde ich Recht viel. Bei Privathäusern würde ich diese Zahl viel geringer einschätzen.

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Wenn die Planung und Einbindung das Problem ist, kann man das nicht zivilgesellschaftlich lösen?

Klimaschutz ist gemeinnützig, warum gründet man nicht einen Verein, der es sich zur Aufgabe macht pro bono solche PV-Anlagen für Unternehmen zu planen. Ich bin mir sicher, dass es in der PV-Energiewirtschaft Menschen mit Expertise gibt, die auch einen Sinn für’s Gemeinwohl und Klimaschutz haben. Ehrenamtliche ohne Expertise können Anträge aufsetzen, Projekte verwalten etc. Vielleicht findet sich sogar das ein oder andere Ingenieurbüro mit Gesellschaftssinn.

Ich glaube da lässt sich was machen, hat wer Ahnung zum Thema?

Es gibt diverse Ländergesellschaften, die die Beratung von Unternehmen in Energiefragen zum Ziel haben. Z.B. die KEK in Berlin

Event | ENERGIETAGE 2026

Die KEK bietet diverse kostenfreie Unterstützungsleistungen an, um Berliner Unternehmen, Vereine und gemeinnützige Einrichtungen bestmöglich bei Ihrer ökologischen Transformation zu begleiten.

Naja, die machen Beratungen mit so zwei Tagen im Betrieb. Was ich mir vorstelle ist tatsächlich Anfang bis Ende Planung, Anträge und Installation zu übernehmen und das gefördert, spendenbasiert oder vollkommen ehrenamtlich.

Also als Idee könnte es ja einen Anlaufpunkt geben wo man sich melden kann, wenn man denkt “Warum ist da ein Dach ohne PV” und dann hat der Verein ein Netzwerk und fragt bei Locals an ob die das pro bono organisieren.

Die Gesellschaft hat ein Interesse, dass das Zeug auf den Dächern landet und die Unternehmen bekommen die Dienstleistung für lau. win win.

Hier würde ich ein klein wenig präzisieren wollen. Bei Verbrauchern mit >100.000kWh/Jahr und deshalb registrierender Leistungsmessung besteht das Netzentgelt aus einem Arbeitspreis (Preis pro kWh) und einem Leistungspreis (Preis pro kW der individuellen Jahreshöchstlast). Es handelt sich also durchaus um die Netzentgelte und nicht um den Stromliefervertrag. In der Regel ist nicht davon auszugehen, dass eine PV-Anlage allein (ohne Batterie) die Jahreshöchstlast reduziert. Durch den Eigenverbrauch des PV-Stroms reduziert sich also nur der Arbeitspreisanteil des Netzentgelts und nicht der Leistungspreis, der je nach Verbrauchsprofil und Spannungsebene durchaus den größeren Teil der Netzentgelte dieser Betriebe darstellt.

Die Auslegung des Netzes auf die gleichzeitige Spitzenlast aller Anschlüsse ist allerdings korrekt. Bisher gibt es im Stromsystem keinen Mechanismus, um netzdienliches Verhalten anzureizen (sehr begrenzt bisher nur die atypische Netznutzung). Deswegen auch die Flexibilitätskomponente der neuen Netzentgeltsystematik, die im Rahmen des AgNeS-Prozesses diskutiert wird.

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Ein Aspekt fehlt mir vollkommen bei diesem Thema:

Wenn man sich ein bisschen genauer ansieht, auf welchen Gewerbedächern bereits PV-Anlagen installiert sind, wird man feststellen, dass es sich mehrheitlich um kleinere inhabergeführte Unternehmen handelt (so auch das Beispiel Nordwolle). Dort gibt es einen Unternehmer, der langfristige Investitionsentscheidungen treffen kann.

Bei großen börsennotierten Unternehmen sieht das anders aus. Die Vorgaben für Investitionsentscheidungen fordern meist Amortisationszeiten von maximal 2-3 Jahren, was mit einer PV-Anlage einfach nicht machbar ist. Auch Betreibermodelle (Stichwort onsite PPA) sind hier oft schwierig, weil sich ein solcher Konzern dann langfristig (idealerweise >20 Jahre) vertraglich an einen Betreiber binden müsste.

Das heißt, die Grundursache für die mangelnde Ausstattung von Industriedächern mit PV ist also mal wieder die kurzfristige Gewinnorientierung großer Konzerne, die ja auch bei vielen anderen Aspekten problematisch ist und langfristig nachhaltige unternehmerische Entscheidungen verhindert.

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Interessant, da das gleiche Problem auch bei Wohnhäusern zu beobachten ist.

Die PV-Quote auf Eigentumshäusern ist gigantisch, die PV-Quote auf Miethäusern… tja. Die Ursachen sind vermutlich ähnlich. Großkonzerne wie Vonovia, Deutsche Wohnen, Vivawest und co. sind da einfach viel zu träge.

Die Frage ist:
Wie können wir Unternehmen oder Vermieter motivieren, ihre Dächer wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen, ohne ihnen Geld dafür in den Rachen werfen zu müssen, um das zu tun, was ohnehin wirtschaftlich vorteilhaft für sie wäre. Jetzt werden sich wieder den liberal-konservativen die Fußnägel hochrollen, aber ich persönlich denke, dass eine Pflicht, die PV-Fähigkeit von gewerblichen und vermieteten Immobilien zu prüfen und eine Strafabgabe, wenn ein erhebliches PV-Potenzial nicht gehoben wird, durchaus angemessen wären. Der liberal-konservative will natürlich lieber, dass man den armen Unternehmern und Vermietern die für sie ohnehin wirtschaftlich langfristig sinnvolle Maßnahme noch mal extra vergoldet…

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