Da LdN 473 Spritpreise schon geschlossen wurde bringe ich die Frage hier.
Mir hat in der Lage gefehlt dass auf ein Punkt Verschärfung des Kartellrechts eingegangen wird. Dieser wird von der Bundesregierung genannt ohne, dass ich weitere Informationen dazu gefunden hätte.
Auch wurde diese Verschärfung von Sepp Müller (CDU) am 14.4. bei Lanz mit dem Argument verteidigt, dass im Gegensatz zur damaligen Ampel jetzt das Kartellrecht verschärft wurde.
Direktzahlungen lehnte Müller ab, da noch nicht alle Bankverbindung vorhanden seien, was klar ein Scheinargument ist.
Ich bin echt enttäuscht vom Beitrag zu den Spritpreisen.
Nachdem in Folge 473 schon in einem Nebensatz kurz Falschinformationen verbreitet wurden („Tankrabatt 2022 wäre überwiegend nicht bei den Verbrauchern angekommen“), wird jetzt nur eine Studie genannt und die Weitergabe geringer dargestellt als sie war indem schön die errechneten Anteile umschifft wurden. Die vom RWI errechneten Weitergabe-Anteile sind 85% für Diesel und 71% für Benzin. Frühe Studien für die ersten Wochen kommen auf 85% für Benzin und 100% für Diesel (Fuest et al. 2022), sowie 90% für Benzin und 100% für Diesel (Montag & Schnitzer 2022). Dann gibt es noch Dovern et al. 2022 die mit einer synthetischen Kontrollgruppe ihre Nullhypothese einer vollständigen Weitergabe des Rabatts nicht verwerfen können.
Für die fehlenden Prozente bei der Weitergabe gibt es zudem noch andere mögliche Erklärungen, das wird sich nicht vollständig klären lassen.
Bei den Zielgruppen der Entlastung fand ich zudem den Part schwach indem es um die nicht-Autofahrer ging. Ja, diverse Produkte werden nachgelagert teurer werden, aber das greift doch jetzt noch nicht? Somit müssen die jetzt doch auch noch nicht wegen höherer Spritpreise entlastet werden.
Es gibt so viele gute Gründe gegen den Tankrabatt und daher finde ich es extrem Schade wenn dann - mMn - so fragwürdig argumentiert wird.
Die Argumentation bei dem Tankrabatt ist doch völlig offensichtlich Leute zu entlasten, die aufs Auto angewiesen sind und durch die Energiekrise unverhältnismäßig belastet sind.
Die Lage mag Recht haben, dass es umweltpolitisch bessere Anreize gibt, aber dass Leute ohne Auto, oder zb Harz 4 Empfänger nicht so stark vom Rabatt profitieren, ist doch durchaus konsequent mit obiger Argumentation.
Da wird dann wieder vom Elektroauto erzählt und davon dass auch andere Preise durch Ölpreise beeinflusst werden. Dass aber auch Logistikunternehmen entlastet werden und ein Rabatt damit auch den Druck von regulären Preisen nimmt, wird nicht erwähnt.
Beim Spritpreis ist es die böse Gießkanne (obwohl das ja gerade die entlastet, die viel fahren müssen). Bei direkt Zahlungen ist Gießkanne aber wieder ok und bei 1000€ pro Arbeiter ist es wieder böse, da zwar Pendler entlastet werden aber keine Harz4ler. Tabaksteuer ist aber wieder toll, wenngleich diese statisch auch übermäßig Leute mit niedrigerem Einkommen trifft.
Als dann wieder das Tempolimit rausgekramt wurde, musste ich echt mit den Augen rollen. Klar spart langsamer fahren Sprit, aber wenn ein Tankrabatt angeblich Leute ermutigt mehr Auto zu fahren (was ich bei dem allgemein hohen Preisniveau bezweifle), dann sollten die hohen Kosten ja auch einen starken Einfluss auf das schnelle Fahren haben. Warum ein Limit in diesem Kontext helfen soll, erschließt sich mir nicht.
Nicht falsch verstehen. Ich bin in vielen Punkten bei euch, trotzdem möchte ich Punkte logisch nachvollziehen können und nicht nur, weil sie meiner Gesinnung entsprechen. Wenn ihr die Entlastung von Autofahrern damit kritisiert, dass Leute ohne Auto nicht davon profitieren, fällt mir das schwer.
Die Kritik beruht darauf, dass es bereits ein Fehler ist, davon auszugehen, es müssten nur Autofahrer entlastet werden, die immer noch einen Verbrenner fahren. Die hohen Energiepreise treffen ganz viele andere Menschen ebenfalls, deswegen ist ein Tankrabatt bereits aus sozialen Gründen der falsche Weg. Die unökologischen Fehlanreize kommen hinzu.
ich glaube, das haben sie nicht mal unbedingt. Ich sehe ständig Autos die mit laufendem Motor rumstehen, Autos die mit Vollgas auf die rote Ampel zufahren… nach wie vor. Ich glaube, dieses Verhalten ist bei vielen Menschen einfach drin, genau wie das schnelle Fahren bei denen, die es machen. Wenn ich dann noch die Kollegen mit Firmenwagen angucke, bei denen die Tankfüllung zu 100% bezahlt wird, egal ob private oder dienstliche Fahrt - da gibt es genau 0 Anreize, Sprit zu sparen. Und gerade die Firmenwagen sind oft höher motorisiert und werden entsprechend bewegt. Zumindest allgemein sollte ein Tempolimit den Gesamtverbrauch senken. Ob das nicht generell schlau wäre mit Blick auf ungewisse Monate, was die Versorgungslage angeht?
Ich hab übrigens kein Auto mehr - könnte mir easy eins leisten, fahre aber lieber Rad und ÖPNV, und finde es ganz fantastisch, wie mein Mobilitätsverhalten von der Politik gefördert wird (nicht).
Sehe ich auch so. Ich halte den Tankrabatt für Quatsch, und finde gleichzeitig, die einseitige Berichterstattung hier bedauernswert.
Vorschlag zur Verbesserung:
ich würde mir neutralere und ganzheitliche Wiedergabe der Fakten wünschen. Es gibt so viele gute Argumente dagegen (Knappheitssignal etc.), macht doch auch die Sachen transparent, die dafür sprechen (und >70/80% Weitergabe finde ich überraschend viel dafür, dass es die Ölmultis sind). Ich musste auch in anderen Podcasts bzw im Forum hier lernen, dass die Übergewinnsteuer von 2022 beklagt wird, und frühere Instanzen zumindest teilweise dagegen entschieden haben (also tatsächlich verfassungsrechtlich schwierig wie Reiche sagt??)
Erklärt vielleicht lieber die möglichen Optionen (habt ihr gemacht) und warum die Politik sich trotzdem für die jetzt gewählten entschieden haben, obwohl alle Ökonomen sagen, das sei Blödsinn. das fände ich sehr spannend - „alle CDUler sind böse“ bzw „die sind einfach alle nur gekauft von der Lobby“ ist zwar befriedigend, aber hoffentlich zu einfach (habt ihr so nicht gesagt, ich überspitzte und vereinfache). Irgendwelche Argumente dafür muss es ja geben, sonst würden sie es nicht machen
Die Studien belegen für den ersten Monat eine Weitergabe, danach (wegen tiefer Pegelstände) nicht mehr. Damit finde ich überwiegend nicht weitergeben 1 Monat vs 2 korrekt. Keine Frage, dass sich auch jetzt wieder Gründe finden werden, wenn man es nicht weitergeben möchte.
Das stimmt so doch einfach nicht oder was ist dein Verständnis von „überwiegend“? Guck bitte nochmal genau in die Studien. Die RWI Werte beziehen sich auf den gesamten Zeitraum, in welcher Welt sind 29% denn ein überwiegend einbehaltener Gewinn?
Wie stark sind die sonstigen Energiepreise denn bislang angestiegen, dass die Menschen da generell schon jetzt entlastet werden müssten? Die Strompreise scheinen gerade mal auf dem Niveau von vor ein paar Monaten zu liegen, die Heizperiode ist quasi vorbei. Die einzigen Kosten die sich jetzt gerade bei manchen Teilen der Bevölkerung und Unternehmen deutlich bemerkbar machen sind die Spritpreise, gerade auch für kleinere Selbstständige (Handwerksbetriebe oder mobile Pflegedienste haben bspw. sicherlich ordentlich Spritkosten). Parallel werden ja weitere Entlastungen geprüft/vorbereitet, eine Reduktion der Stromsteuer steht ja z.B. im Raum, aber das hat ja noch Zeit.
Ich bin absolut kein Fan von Tankrabatt, aber die Art der Argumentation finde ich einfach schwach.
Manuel Frondel : „Der Tankrabatt wurde zwar im ersten Monat praktisch vollständig weitergegeben. Anschließend haben die Tankstellen den Tankrabatt allerdings immer weniger an die Verbraucher weitergegeben. Neben den Auswirkungen der Trockenperiode könnte auch die nachlassende mediale Aufmerksamkeit diese Entwicklung erklären.“ Er ergänzt in Bezug auf die regionalen Unterschiede: „Dass der Tankrabatt bei Tankstellen mit wenigen Wettbewerbern im unmittelbaren Umkreis in geringerem Maße weitergegeben wurde, lässt Rückschlüsse auf deren generelles Preissetzungsverhalten zu.“
Lese da nichts, was nach Monat 1 die Maßnahme als Erfolg aussehen lässt.
„immer weniger“ interpretierst du für dich dann als komplette Einbehaltung der Gewinne oder wie soll ich dich verstehen? Wenn sich eine durchschnittliche Weitergabe von 87% (Diesel) bzw. 71% (Benzin) über den gesamten Zeitraum ergibt.
Und dann liefern die Forscher noch mehrere hypothetische Erklärungen für eine spätere verringerte Weitergabe. Eine davon ist die Trockenperiode, eine andere die mediale Aufmerksamkeit. Vielleicht gibt es auch noch komplett andere.
Ich finde du hast hier eine sehr komische Auslegung einzelner Sätze der Pressemitteilung zu einer Studie während andere Sätze und Studienergebnisse anscheinend ignoriert werden. Die RWI-Studie selbst findet sich übrigens hier und hat noch ein paar schöne Tabellen und Darstellungen. So war bspw. die Weitergabe vor allem in Bayern geringer als im Rest von Deutschland. Und zuletzt sollte man noch bedenken, dass die Studie ausschließlich Frankreich als Kontrollgruppe verwendet, was methodisch nicht ganz einfach ist, da ja auch Frankreich einen Tankrabatt hatte der genau zum Ende des deutschen Rabatts sogar nochmal erhöht wurde. Daraus können sich durchaus Verzerrungen ergeben.
Meine These zur Treibstoffsubvention: im Gegensatz zu allem, was an die Bürger geht (z.B. Direktzahlungen), profitieren hier, besonders am Diesel, Unternehmen, deren Fahrzeuge Kraftstoff tanken - sei es Dienstwagen, die ja “all-inclusive” überlassen werden und es den Fahrer überhaupt nicht kratzt, wieviel das Unternehmen seine sorglose Nutzung der Tankkarte kostet, oder sei es “echte” Firmenfahrzeuge, Liefer-Lkw, Speditionen usw.
Und da die Merz-Union ja lieber Unternehmen als Bürger fördert, ist das folgerichtig.
Da die Preissteigerungen ja eine Folge von Angebotsverknappung sind, wäre es folgerichtig, zu versuchen, die Nachfrage zu vermindern. Das passiert ein Stück weit durch den Preis eh schon, man könnte das durch ein Tempolimit verstärken und nebenbei von dessen anderen Vorteilen profitieren. Eine Verbilligung wirkt dagegen nachfragetreibend (bzw. da per Saldo eine Preissteigerung bleibt, die Nachfrage weniger senkend). Das ist unfair gegenüber weniger zahlungskräftigen Nutzern hierzulande, aber auch gegenüber anderen Konsumenten auf dem Weltmarkt - besonders bei Diesel, wo wohl wenig Raffineriekapazitäten hat.
Um es mit Merz zu sagen: der Anteil der Autofahrer am weltweiten CO2-Ausstoß Spritverbrauch ist so gering; selbst wenn Deutschland von heute auf morgen vollständig aufs Auto verzichten würde, hätte das weltweit keinen spürbaren Einfluss.
Interessant, dass wir vor zwei Wochen noch täglich (medial) in Schnappatmung die Ölpreise an der Börse oder die Spritpreise an der Tankstelle verfolgt haben und jetzt hört man komischerweise fast gar nichts mehr.
Die Lage ist dennoch die selbe wie vor zwei Wochen:
Die Straße von Hormus ist geschlossen.
Der Ölpreis über hundert Dollar
Die Spritpreise immer noch hoch.
Und das alles obwohl wir jetzt in der kritischen Phase sind, wo wir in manchen Bereichen (ich meine nicht das Öl oder Sprit) tatsächlich in Mangellagen kommen werden, weil der Welthandel einfach massiv gestört ist.
Es ist wirklich interessant wie (die meisten) Debatten in deutschen Medienlandschaft (aber auch Diskussionen bspw. Hier im Lage Forum) laufen. Mal wieder das Beispiel Tankrabatt:
Erst wird im Live Ticker Manier jeden Tag der Öl Preis gezeigt, man warnt vor explodierenden Spritpreisen. Man „zählt“ die Tanker die täglich durch die Straße von Hormus fahren.
Und jetzt gilt der sogenannte Tankrabatt. Der Öl Preis ist seit einer Woche über der Marke von 100 Dollar (vor drei Wochen war das noch der super gau). Der Liter Diesel liegt bei aktuell (laut meiner Preisvergleichsapp), mit Rabatt, 2,15 Euro (das war zu Beginn des Iran Krieges noch der super Gau an der Zapfsäule) Die Straße von Hormus ist immer noch zu. Es gibt absolut keine Anzeichen, dass sich daran irgendwas ändert. Noch viel dramatischer als der Ölpreis entwickelt sich der Kerosin, der Gas, der Düngemittel Preis, sowie erhöhen sich Kosten für verschiedene chemische Rohstoffe wie bspw. Wolfram.
Die Auswirkungen des erhöhten Gas und Düngemittel Preises merken wir wahrscheinlich erst im Herbst dieses Jahres. Aber der Preisschock wird kommen.
Aber in heimischen (und internationalen) Medienlandschaft fast nichts dazu.
Ich lese kaum längere Stücke, wie Volatile unsere Lieferketten sind. Es ist eben nicht damit getan, das selbst wenn morgen die Straße von Hormus frei wäre, dass übermorgen alles wieder wie vor dem Krieg wäre (und nochmal: es gibt absolut null Anzeichen dafür, dass die auf absehbare Zeit wieder frei wäre. Und mit frei meine ich: der Iran lässt uneingeschränkt jedes Schiff durch. Es gibt keine Maut. Keine Kontrollen. Es gibt keine Minen usw.) so ein Schiff brauch acht Wochen.
Ich frage mich langsam wieso wir diese Debatten eigentlich führen. Es hat nichts gebracht zehn Talkshows zu dem Thema zu machen. Das Problem besteht immer noch und anscheinend hat die Politik auch keinen Plan. Also wozu?
Zusätzlich scheint das alles auch kein Problem für die Bauern zu sein, die Dieselpreise sind trotz Tankrabatt bei durchschnittlich 2,15€ pro Liter, vor der Krise waren es eher 1,75€.
Ein Aufpreis von 40ct pro Liter.
Der Wegfall der Agrardieselsubvention betrug „nur“ 21,48ct pro Liter Diesel.
Hi,
kann mir bitte jemand den Sinn eines Tempolimits in diesem Zusammenhang erklären?
Etwas länger:
In den letzten Lagen kam beim Thema Spritpreise immer mal wieder die Forderung eines Tempolimits auf, leider (soweit ich es im Kopf hab) ohne Begründung.
Das Thema steht ja schon länger auf der “Wunschliste” der Hosts und ich verstehe in den Bereichen Verkehrssicherheit und in geringem Umfang auch bzgl. der Umweltbelastung durchaus die “Vorteile” eines Limits für die Bevölkerung.
Aber wie die Einführung eines Tempolimits gegen die hohen Spritpreise helfen soll, verstehe ich ernsthaft nicht, kann mir das mal jemand erklären?
Wir haben ja keine Mindestgeschwindigkeit - die Leute, die Sprit sparen wollen/müssen, dürfen ja auch ohne Tempolimit schon langsam fahren - wenn sie wollen können sie sich ja sogar entspannt mit Tempo 90 hinter nen LKW hängen. Auf Individueller Ebene sehe ich da also keinen Mehrwert.
Einzig halbwegs logische Erklärung, die mir einfällt ist, dass durch ein Tempolimit der Gesamt-Treibstoffverbrauch sinkt und dass das zu sinkenden Spritpreisen führen könnte. Ist aber in meinen Augen seeehr weit hergeholt.
Die erwartbare Einsparung ist, gemessen am Gesamtverbrauch, viel zu gering - ich meine das Umweltbundesamt rechnet mit 1-2% Einsparpotenzial bei Tempo 120 auf Autobahnen. (2-3 Mio Tonnen Co2 bei 150 Mio Tonnen Gesamt). Zudem ist die Elastizität der Spritpreise ja auch begrenzt, sodass hier sicher nicht von einer proportionalen Preisreduktion auszugehen ist..
Kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass der “Spritspareffekt” in Anbetracht der momentanen Volatilität der Preise einen spürbaren Effekt hätte.
Kann mich hier jemand “erleuchten”? Ich will es verstehen. Die in dieser Situation unbegründete Forderung kommt bei mir als Hörer leider eher “grüner Populismus” an und nicht wie ein wirklich konstruktiver Vorschlag, daher würd ich das gern verstehen.