bei eurer Analyse eines möglichen Friendsabkommens der Ukraine und der wohl erforderlichen Gebietsabgaben waren mir eure Gedanken etwas zu kompliziert:
Ihr sagt: Selenskyj braucht den EU-Beitritt, um ihn bei „seinem“ Volk in einem Referendem gegen die Zustimmung zur Gebietsabtretung zu „tauschen“.
Wieso soll Selenskyj mit dem ukrainischen Volk in so ein Tauschgeschäft gehen (müssen)?
Selensky kann das ukrainische Volk einfach fragen, ob sie dem Friendsabkommen und damit der Gebietsabtretung zustimmen. Er sollte die Interessen des ukrainischen Volks vertreten, anstatt sie mit Gegenangeboten (wie dem EU-Beitritt) zu verhandeln.
Die Konsequenzen einer Ablehnung dürften den Ukrainern bewusst sein.
Jegliche Abtretungen wären eine riesige Konzession der Ukrainer. Die sind völlig unrechtmäßig überfallen und seit Jahren mit permanenten Kriegsverbrechen terrrorisiert worden. In den abgetretenen Gebieten muss mit dauerhafter Terrorherrschaft ala Tschetschenien gerechnet werden. Egal zu welchen Bedingungen ein ukrainischer President Frieden schließen will, er wird das nicht tun können, ohne bessere Garantien, als denen aus dem Budapester Memorandum. Alles andere würde inhaltlich keinen Sinn ergeben und hätte auch nach allen Umfragen nicht den Hauch einer Chance in einem Referendum.
Zumindest auf dem Papier wäre die Beistandspflicht der EU deutlich enger und hochwertiger. Gegen tatsächlichen Frieden und tatsächliche Sicherheit könnte man vielleicht eine Mehrheit in der Ukraine auch für schmerzliche (und zutiefst ungerechte) Zugeständnisse gewinnen. Ohne das stellt sich die Frage, warum irgendwer einen wertlosen Vertrag mit Russland abschließen wollen sollte. Denn die haben auch seit 1990 bewiesen, dass sie für ihre Nachbarn einfach immer eine Bedrohung sind, solange die sich nicht militärisch absichern können, egal, welche Verträge und Abkommen unterschrieben werden.
Ich finde hier schwingt das entscheinde mit - das Interesse des Volkes ist es nicht vor eine Abstimmung gestellt zu werden zwischen “weiter Krieg” und “bedingungslose Kapitulation mit nettem Anstrich”… weil diese beiden Optionen gibt es auch ohne Abstimmung und Friedensverhandlung
Die Ukraine möchte eigentlich Frieden ohne Gebietsverlust - alles was davon abweicht braucht tendenziell ein Aufwiegen um politisch populär zu sein (siehe die Argumentation von Ulf und Philip)