LdN 467: Klimaschutz

Hallo liebes Lageteam,
Wie immer erstmal ein großes Dankeschön für die ausführliche Aufarbeitung des Themas.
Wie ihr sehe ich die Änderungen am GEG bzw. jetzt GMG sehr kritisch.
Vor allem ist die Haltung der CDU sehr inkonsistent.
Ich versuche das mal technisch aufzudrösel.
Eine Wärmepumpe macht aus 1kWh 3-4kWh wärme. Grüngase müssten häufig erst kompliziert hergestellt werden. Im Fall von E-Fuels würde man aus 1kWh grünem Strom nicht mehr als 0,25kWh Brennstoff produzieren. Im Falle von HVOs (oder verwandten Prozesse wie Gas durch Gärung von Biomasse) wäre der Wirkungsgrad besser aber dann kommt die Platzverschwendung in die Rechnung (das wurde in anderen Threads hinreichend diskutiert).
Wenn die Regierung also eine Quote für Grüngas möchte sollte sie diese Quote auch selbst erfüllen z.B. durch die Bundesnetzagentur. Um also diese Quote zu erfüllen müsste die CDU 20x mehr Erneuerbare Energien ans Netz bringen als es Robert Habeck vor hatte um dann super ineffizient Gas daraus zu machen.
Und das ist die Inkonsistenz die man bei Unionsforderungen häufig findet, denn es lässt sich mit deren „Kampf gegen die Windmühlen“ nicht vereinbaren.

Dennoch möchte ich versuchen die Chance darin zu sehen. Eventuell kommt die Union ja zum gleichen Schluss, dass grünes Gas nur durch erneuerbare Energie zu bekommen ist und bauen wirklich massiv aus. Dann müsste doch in der Folge Strom perspektivisch günstiger werden, und die Menschen kommen aus ökonomischer Perspektive selber darauf lieber Wärmepumpen zu kaufen, und vielleicht sogar E-Autos.

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Oder sie behauptet dieses durch Import zu bekommen. Bzw. müssen sich ja die Inverkehrbringer darum kümmern. Evtl. kann man auch einfach wie bei Grünstrom irgendwo Zertifikate kaufen. So oder so Mogelpackungen. Massiven Push des EE Ausbaus bei uns erwarte ich nicht, das geht aus den Äußerungen von zuständigen Regierungsvertretern nicht hervor.

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Ich bewundere deinen Willen zum Optimisumus, kann den aber so gar nicht teilen.

Die werden einfach irgendwann auch öffentlich zu dem Schluss kommen, den sie bislang nur etwas verdruckst äußern aber zweifellos intern längst gezogen haben:

Das “Grüne Gas/Öl” ist dann einfach fossiles Gas/Öl und man erzählt den Leuten munter, dass die fossilen ja wegen CCS einfach “grün” werden und die Vollidioten, die noch immer Union wählen, denken nicht mal drüber nach, dass sie dafür ja eine Abgasabscheidung an ihre Heizung hängen müssen. Nebenbei wird der Emissionshandel beerdigt, damit auch niemand auf der Rechnung merkt, dass die Gasheizung ja gar kein CCS macht und munter tonnenweise CO2 emittiert…

Die Union hat Klimaschutz längst komplett abgeschrieben.

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Zwei Gedanken zusätzlich:

  • “Häuslebauer”… das klingt so niedlich. Wir reden hier aber in der Regel nicht von dem freundlichen Schwaben mit Einliegerwohnung - wir reden von großen Vermietungskonzernen, die hier zulasten ihrer zukünftigen Mieter auf veraltete Technologie (Öl und Gas) setzen können
  • woher kommt das Biogas oder Bioöl für diese tolle Treppe? Vom Acker. Und was bedeuten (noch) mehr Energiepflanzen auf dem Acker? (Noch) weniger Raum für Getreide, Gemüse oder auch Weideland / Futtermittel. Sprich: auch dies wird knapper, die Preise auch hier steigen.
  • Oder wir importieren Biomethan aus dem Ausland - mit den gleichen Folgen dann dort oder aber Ausweitung der Anbauflächen zulasten von Wäldern.
  • Über Wasserstoff und den Kosten dieses hochflüchtigen Gases ist ausreichend viel gesprochen worden.

Und in spätestens 10 Jahren heißt es dann “uhhh, alles so teuer… da müssen wir jetzt fördern…oder die Anforderungen absenken…”

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Technische Frage:

Weiß jemand wie das mit dem “beigemischten” Biogas funktionieren soll? Das Gasnetz ist ja quasi ein “Ein-Leitungs-Netz” Also in den Rohrleitungen ist überall das gleiche Gas drin. Wie soll dann dieses Gemisch zu den entsprechenden Verträgen passen? Bzw. wie wird verhindert dass das Gemisch zu Heizungen gelangt, welche das nicht verbrennen können?

Beim Ökostrom ist es ja ähnlich, wobei da die Erzeugung dann entsprechend anders ist.

Auch aus der Steckdose kommt kein “grüner” Strom, nur weil ich einen Ökostromvertrag abgeschlossen habe. Die Rechnung wird beim Einspeisen gemacht. Wenn ich Ökostrom oder Ökogas bestelle, dann sorgt das Energieunternehmen dafür, dass die entsprechende Menge in das Netz eingespeist wird. Wer dann genau die Öko-Moleküle und Öko-Elektronen verbraucht ist dann Wurscht.

Bio-Methan ist chemisch mehr oder weniger das selbe wie Erdgas. Damit sollten meines Wissens nach alle Gasheizungen zurecht kommen.

Wasserstoff ist eine andere Sache. Aber auch das Gasnetz als solches kommt nur mit 10% Wasserstoffanteil zurecht. Das klappt wohl auch in allen handelsüblichen Gasthermen. Und wenn mehr Wasserstoff eingespeist werden soll, dann muss man das ganze Netz anpassen. Die angeschlossenen Gasthermen sind da das geringste Problem.

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Zunächst eine Anmerkung - ich denke eine Bemerkung am Anfang passt nicht ganz: über 90% Wärmepumpe. Ich glaube, da habt ihr die Fermwärme vergessen. Das dürfte für eine gewissen Anteil der Konsumenten schon eine Option sein, ist nun die Frage, ob man % Wohnungen oder % Gebäude zählt, aber selbst für Anteil Gebäude könnte es mehr abknapsen als Pellets, Wasserstoff kann ja nur im Promillebereich liegen.

Was Vermieter betrifft: Ich erinnere mich dumpf, dass noch zu Merkel-Zeiten ein Gesetz beschlossen wurde, das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), dass je nach energetischem Standard des Gebäudes der Vermieter einen Anteil der CO2-Kosten übernehmen muss. Das ist zumindest ein Aspekt, der Erwähnung verdienen könnte. Allerdings vermute ich, im Vergleich zu der Abzinsung der Mehrkosten einer Wärmepumpe bzw. auch als Anteil in den Gesamtzahlen ist das vermutlich ein unbedeutender Betrag. Und der Beimengungsplan würde das ja wiederum senken, und die Kosten nur für die Mieter erhöhen, sofern der Gesetzgeber keine abweichende Regelung trifft. Seufz.

In dem Kontext ist wohl Biomethan gemeint, das ist stofflich identisch mit Erdgas. Die Verträglichkeit mit den Heizungen ist somit kein Thema (Roh-Biogas hat insbesondere CO2 mit dabei und sonstige Verunreinigungen, für die Einspeisung ins Gasnetz wird es aufbereitet). Ähnlich wie Ethanol im Benzin wäre außerdem eine geringe Beimengung von Wasserstoff unproblematisch.

Genau wie beim Stromnetz der Ökostrom wird einfach dafür gesorgt, dass die zugesicherte Menge eingespeist und bilanziell zugerechnet wird. Da das Gasnetz allein in den Leitungen auch erhebliches Speichervolumen hat, ist es sogar weniger wichtig, dass die Einspeisung zeitlich deckungsgleich mit dem Verbrauch ist, auf Smartmeter für Gas können wir also verzichten.

Es wird fossiler….

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Klimaschutz ist quasi politisch tot derzeit. Sehr interessant wie schnell das vom Top Thema zur Randnotiz wurde.

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Es wurde im Podcast ja kurz erwähnt, wie auch Mieter günstig heizen können: mit Klimaanlagen, die ja auch Wärmepumpen sind. Und dann nicht jeder Vermieter bestimmter Bock hat bauliche Änderungen an der Wohnung vorzunehmen, sind fest eingebaute Klimaanlagen oft nicht beliebt. Dafür gibt es auch seit neuestem mobile Split Klimaanlagen wie die „Midea PortaSplit“ (es war die Este seiner Art auf dem Markt, inzwischen gibt es ähnliche von mehreren Herstellern). Damit kann man auch ohne Zustimmung des Vermieters seine Mietwohnung günstig, kühlen und heizen. Die Anschaffung ist günstiger als eine Fest verbaute Klimaanlage und der Unterhalt (in Form von Strom) ist günstig!

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Ist das tatsächlich signifikant günstiger im Betrieb?
Anschaffung und Einbau kostet?

Mir kommt der Gedanke, dass man die neue Regelung boykottieren könnte.

Stellen wir uns vor, ein großer Anteil vom Besitzern alter Gasheizungen stellt per Vertrag um auf einen Ökogasvertrag mit einer Beimischung. Das ist ja nicht verboten.

Falls nun aber die Menge (oder Zertifikate), die für die Belieferung benötigt wird, die irgendwo hergestellte Menge überschreitet, dürfte eine neue Gasheizung nicht ans Netz, da der Abschluss eines Vertrags mit Ökogasbeimischung nicht möglich wäre. :rofl:

Überhaupt wundert es mich, dass eine Regierung nicht in der Lage ist Zahlen vorzulegen. Es ist doch möglich zu simulieren welchen Ökogasbedarf wird zu einem bestimmten Zeitpunkt haben. Und dann kommt nach einigen Regierung so ein dünner Sch…. raus.

Bereits heute wird quasi alles hergestellte Biogas verstromt. Bezogen auf den Wirkungsgrad ist das die beste Methode dieses Gas zu nutzen.

1kWh Strom aus Biogas >> 3 kWh Wärme

1kWh Wärme aus Biogas >> 0,95 kWh Wärme

Im Rechnen sind Union und SPD nicht besonders stark.

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Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, mir so eine zu holen. Was man beachten muss: Es muss dauerhaft ein Fenster geöffnet bleiben. Kann man sicherlich alles irgendwie abdichten, aber da dürfte durch das Fenster dennoch einiges an Energie verloren gehen…

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Das stimmt, solange der Strom auch dann produziert wird wenn er gebraucht wird und das lokale Netz ihn auch aufnehmen kann. Viele (alte) Anlagen produzieren auch noch 24/7 mehr oder weniger die selbe Menge an Strom.

Bei der Rechnung müsste man voranstellen, dass aus einer kWh Biogas nur ca. 0,4 kWh Strom werden (und ca. 0,4 kWh nutzbare Wärme, die aber oft zum Großteil über strombetriebene Kühler in die Umgebung geht).

Und um aus einer kWh Biogas eine kWh Biomethan zu machen, um damit dann 0,95 kWh Wärme zu machen, muss man vorher noch 0,06 kWh Strom einsetzten. Transport durch das Netz kommt dann noch hinzu.

Im Ergebnis bleibt der Gesamtwirkungsgrad bei der Wärmepumpe natürlich immer noch höher.
Im besten Fall kommt der Strom ja auch aus Wind und Solar, da ist der Erzeugungspreis pro kWh auch viel günstiger.

Der einzige Vorteil den ich bei der aufwändigen und teuren (aber nicht klimaneutralen!) Biomethanerzeugung (aus vorhandenen Reststoffen und Gülle*) sehe, ist die chemische Speicherbarkeit und die Mögliche Nutzung vorhandener Infrastruktur. Vielleicht laufen ja die Backup-Gaskraftwerke in der Dunkelflaute dann irgendwann mit Biomethan und stellen dabei u.a. Strom für Wärmepumpen bereit.
Aber mit (grünem) Gas zu heizen, ist hoffentlich irgendwann Geschichte. Dann können die Kommunen sich auch das Geld für den Betrieb und die Instandhaltung lokaler Gasverteilnetze sparen und die Ressourcen in die Stromnetze auf kommunaler Ebene stecken.

*Extra Energiepflanzen anzubauen und die Felder mit Dieselmaschinen zu bewirtschaften ist doch absurd, alles andere als klimaneutral und ineffizient

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Irgendwann wird es wieder zurückkehren. Irgendwann kann man es nicht mehr ignorieren, weil die Konsequenzen zu heftig sind. Schon das Absterben der Korallenriffe könnte mit seinen Konsequenzen für so ein Nachdenken sorgen und ich fürchte auch zu hektischen, viel zu panischen Maßnahmen.

Die Union ist ja bekannt, zuerst zurückzudrehen und dann das Zurückdrehen zurückzudrehen, bestes Beispiel Atomkraft, zwischen der Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke der schwarz-gelben Regierung und Fukushima lagen ein paar Monate.

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Das stimmt. Laut Theorie soll der Verlust nicht so groß sein.

Eine fest verbaute vom Klimatechniker kostet ganz schnell 2-3000€. Die PortaSplit kostet unter 1000€! Im Unterhalt ist eine WP schon günstiger als Gas & Öl. Die mobile als auch die fest verbaute Wärmepumpe haben ähnliche Leistungswerte.

Ich dachte auch nur, was ist denn jetzt los. Wie offensichtlich muss sie bitte noch ihre Lobby vertreten?!

In der Nordsee ist wohl nicht viel. Ansonsten gibt’s noch Schiefer/Fracking Gas.

Laut One-Dyas verfügen die anvisierten Felder [in der Nordsee] über ein Gesamtpotenzial von 15 Milliarden Kubikmetern Gas, was verglichen mit dem deutschen Jahresverbrauch von knapp 90 Milliarden im Jahr 2025 nur ein kleiner Anteil wäre.

Entscheidend sei, ob das Gas zu guten Bedingungen förderfähig sei. „Darüber müssen wir sprechen - gerade wenn man nicht so viele Rohstoffe hat, gerade in so herausfordernden geopolitischen Zeiten“, sagte Reiche. Dabei müsse „sehr sensibel zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung abgewogen werden - beides ist berechtigt“.

Biomethan soll aus der Ukraine kommen.

Hat sie verstanden, dass man das, wenn überhaupt für die Industrie braucht?

Wenn es zu großen Teilen aus der Ukraine käme, was hat das noch mit hierzulande zu tun? Was ist mit der Tank/Teller Diskussion?

Konkrete Mengen nennt sie leider nie.

Biomethan ist verfügbar, wird hierzulande produziert und schon jetzt im Markt vertrieben. Wo eine Nachfrage ist, wird sich ein Markt bilden", sagte die CDU-Politikerin. „Die Ukraine zum Beispiel bietet uns Biogas in großen Mengen an. Wir haben hier noch regulatorische Herausforderungen auf Seiten der Ukraine und der EU. Aber wenn diese gelöst sind, können wir mit signifikanten Biomethanimporten rechnen.“

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Interessiert uns ja nicht. Wir sind ja nicht auf Fisch als Haupt-Eiweißquelle oder Wirtschaftszweig angewiesen.Wird Sushi halt bisschen teurer. Und wird’s mal wieder nicht so hart treffen.

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Ist doch exakt dieselbe verlogene und scheinheilige Ablenkdebatte wie bei den E-Fuels.

Da hat jeder seriöse Experte der FDP aus dem stehgreif vorgerechnet, dass die E-Fuels erstens verdammt teuer sind und zweitens niemals in nennenswerter Menge für den Privatverbraucht im PKW verfügbar sein werden, weil die Industrie ihn viel dringender benötigt.

Jetzt passiert hier dasselbe mit dem Biomethan.

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