LdN 457 - Hebammen - Hausgeburten

Liebes Lage-Team,
ich höre seit einigen Jahren jede Folge des Podcasts. In der letzten Folge war ich jedoch etwas enttäuscht über den Beitrag zum Hebammenhilfevertrag und den damit zusammenhängenden Überblick über die Arbeitsweise der Hebammen.

Vor allem den Satz von der „medizinisch heiklen“ Hausgeburt kann man nicht so stehen lassen. Er wurde eher nebenbei gesagt, hat aber eine große Wirkung – nämlich das weitere Anfeuern des Mythos, dass außerklinische Geburtshilfe grundsätzlich unsicher sei. Das entspricht jedoch nicht der Realität.

Gerade in Zeiten, in denen es um die ausreichende Bereitstellung einer flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Geburtshilfe gehen sollte, ist dieses Thema wichtig. Die außerklinische Geburtshilfe kann ein zentraler Baustein sein, nicht nur um – wie von euch angesprochen – das Problem der Erreichbarkeit von Geburtskliniken zu entschärfen, sondern auch um diese Einrichtungen zu entlasten, indem physiologische Geburten dort stattfinden, wo sie gut betreut sind: in hebammengeleiteten Einrichtungen oder im Rahmen der Hausgeburtshilfe. Dadurch können personelle Ressourcen im Krankenhaus frei werden und sich stärker auf die Geburten konzentrieren, die tatsächlich klinische Betreuung benötigen. In Zeiten von Hebammenmangel und hoher Arbeitsdichte durch u.a. zunehmender Bürokratisierung ist diese Entlastung ein sehr relevanter Faktor für die Versorgungsqualität.

Die Qualität der außerklinischen Geburtshilfe wird in Deutschland engmaschig überwacht wird (QUAG Bericht). Es existieren regelmäßige, systematische Qualitäts- und Sicherheitsberichte, die seit Jahren zeigen, dass außerklinische Geburten bei korrekt ausgewählten, physiologischen Schwangerschaften sicher betreut sind. Die außerklinische Geburtshilfe gehört sogar zu den am besten dokumentierten Bereichen der Versorgungslandschaft. Demgegenüber funktioniert ein physiologischer Geburtsverlauf nicht nach dem Prinzip „je mehr Medizin, desto besser“. In überlasteten klinischen Strukturen können zeitlicher Druck und ökonomische Vorgaben zu Interventionen führen, die den Verlauf einer Geburt negativ beeinflussen und in manchen Fällen erst Probleme entstehen lassen, die im außerklinischen Setting gar nicht aufgetreten wären.

Ich arbeite seit zehn Jahren in der klinischen Geburtshilfe, in verschiedenen – überwiegend großen – Krankenhäusern, bewusst auch in wechselnden Teams, um einen breiten Eindruck der geburtshilflichen Praxis zu erhalten. Ich bin weder „pro Klinik“ noch „pro Außerklinik“ im dogmatischen Sinn (vor allem weil dies primär die Entscheidung der Gebärenden ist), sehe aber sehr klar die strukturellen Herausforderungen, die in vielen Kreißsälen eine wirklich angemessene, kontinuierliche und ungestörte physiologische Geburtsbegleitung erschweren. Aus dieser beruflichen Erfahrung heraus lässt sich für mich eindeutig sagen: Physiologische Geburten sind in der außerklinischen Geburtshilfe sehr gut und sicher aufgehoben – und sie können gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu einer insgesamt besseren geburtshilflichen Versorgung leisten.

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