LdN 429: Karin Prien - nicht so unumstritten wie dargestellt

Liebes Lageteam,
erst einmal vielen Dank für die Übersicht der wahrscheinlichen CDU-Minister* innen. Ihr habt auch kurz über Karin Prien gesprochen und sie u.a. als eine sehr erfahrene und anerkannte Bildungspolitikerin bezeichnet. Ich muss sagen, dass mir hier ein wenig die Kritikseite gefehlt hat. Als Schleswig-Holsteiner mit zahlreichen Lehrer*innen im Bekanntenkreis kann ich berichten, dass sie (besonders) in diesem Berufskreis nicht gerade beliebt ist.

Sie ist in der Tat bereits sehr lange Bildungsministerin hier in SH. Gleichzeitig hat sie sich mit allerlei Aussagen und Maßnahmen in den letzten Jahren nicht mit Ruhm bekleckert. Nur mal ein kurzer Auszug:

  • 2022 relativierte sie die Kindersterblichkeit bei Covid 19. „Kinder sterben mit und nicht an Corona
  • Sie lehnt gendergerechte Sprache ab. In einem Erlass wies sie die Schulen an, dies als Fehler zu bewerten. Erst Anfang des Jahres teilte sie dazu auf X "Wir machen schluss mit dem woken Kram"
  • Zudem ist sie maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Land Unterrichtsstunden zusammen streicht und Lehrerstellen kürzt.
  • Quereinsteiger in den Lehrerberuf erhalten keine Verlängerung ihrer Beschäftigung, aus Angst, dass diese sich einklagen KÖNNTEN. Trotz des starken Lehrermangels.
  • Unter ihr ist die Anzahl an Schüler*innen, die die Schule ohne Abschluss abbrechen stark gestiegen

Insgesamt hat sie es geschafft, durch Stellenabbau und Förderung schlechter Arbeitsbedingungen für Lehrer*innen die Bildungslandschaft in SH deutlich zu verschlechtern. Weniger Lehrkräfte führen zwangsläufig zu größeren Klassen und mehr Unterrichtsausfall. Mit ihren Maßnahmen und Aussagen hat sie mehrfach den grünen Koalitionspartner untergraben. Wenn sie das so weiter durchzieht, dann wird das sicher eine sehr harmonische Koalition :upside_down_face:

Ich würde mich freuen, wenn ihr das in einer zukünftigen Ausgabe noch einmal hervorheben könntet und bei der Vorstellung weiterer Kabinettsmitglieder*innen etwas ausgewogener berichtet.

12 „Gefällt mir“

Vielen Dank für diesen Kommentar-… SH hatte während corona die längsten Schulschließungen und das obwohl angeblich niemand an corona stirbt. Die Strände an Nord-und Ostsee wurden exakt einen Tag nach Ferienende In SH für Tourismus geöffnet und lange auch nur für übernachtende Rentner aus NRW, nicht aber für Tagesgäste aus dem eigenen Bundesland. Die Kita Situation ist verheerend, die Situation der sozialen Arbeit an Schulen auch. Mag sein, dass sich Berliner für ihre interessante Herkunft begeistern, ich habe Kinder im Schulsystem SH und danke Herrn Merz sehr dafür, dass er uns Frau Prien entledigt hat und hoffe, dass sie im föderalen Bildungssystem nicht allzu viel Schaden anrichten kann.

4 „Gefällt mir“

Schließe mich als Elternteil mit schulpflichtigen Kindern meinem beiden Vorrednern an, wie man auf die Idee kommt Frau Prien als Highlight einer neuen Koalition zu betiteln, erschließt sich mir nicht. Von Frau Prien kamen unter anderem so hervorragende Konzepte, dass Schulen in SH Luftfilter nur für Räume bestellen konnten, in denen es keine Fenster gab.
Kleine Rechercheaufgabe für die Lage, bei Daniel Günther nochmal nachfragen, warum Frau Prien sechs Wochen vor den Landtagswahlen in SH nicht mehr getwittert hat, da hatte wohl einer Angst um seine Wiederwahl :wink: Hier oben ist die Mehrheit jedenfalls froh, dass Bildung Ländersache ist und die Frau endlich in Berlin.

6 „Gefällt mir“

Die Berichterstattung von heute als schöne Ergänzung- die Schulstunden werden gekürzt, um „die Schüler zu entlasten“ - Frau Prien selber ist nicht nur inkompetent, sie hält die Bürgerinnen auch noch für blöd. Die Erklärung kommt dem „wir haben nicht genug schilder für 120“ sehr nahe

2 „Gefällt mir“

ich höre regelmäßig euren Podcast und mag eure Art und Weise über Themen zu berichten sehr, gerade auch das Aufzeigen von Kontroversen und Widersprüchen etc.

In der vorletzten Folge bin ich über eure Berichterstattung zu Karin Prien gestolpert. Ich arbeite selbst in Schleswig-Holstein als Lehrkraft und kenne Frau Prien hier also als Bildungsministerin und somit oberste Vorgesetzte. In eurer kurzen Vorstellung als zukünftige Bundesministerin habt ihr sie sehr positiv dargestellt. Nicht nur ich, sondern auch Kolleg:innen von mir (aus verschiedenen Schulen im Land) waren darüber doch erstaunt, denn wir haben keinesfalls ein problemloses Schulsystem in Schleswig-Holstein, chronische Unterbesetzung, steigende Arbeitsbelastung (vor allem durch wachsende Bürokratie oder zu wenig Lehrkräfte - was ja von den vorhandenen Kolleg:innen aufgefangen werden muss; eine zunehmend heterogene Schülerschaft, aber immer weniger Förderlehrkräfte, die Inklusion begleiten; um nur einige wenige große Probleme zu nennen). Diese Kritik an Frau Prien ist durchaus nachlesbar und wurde auch Seitens der Opposition immer wieder geäußert.

Was mich außerdem verwundert hat (und das ist mir generell in der Berichterstattung im Zuge ihrer Nominierung als Bundesministerin aufgefallen): die Betonung ihrer jüdischen Wurzeln. Mich wundert diese Betonung, da Sie in ihrer bisherigen Zeit als Bildungsministerin sich nicht explizit mit Unterstützung in diesen Bereichen hervorgetan hat - zum Beispiel, gibt es keine finanzielle Unterstützung für Exkursionen mit Schüler:innen zu Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager außerhalb Schleswig-Holsteins. Jahrelang konnten wir Neuengamme besuchen - was wirklich einen Mehrwert bei den Schüler:innen hatte, seitdem es eine deutlich kleinere Gedenkstätte nahe Kaltenkirchen gibt, ist die Förderung für Neuengamme gestrichen - keinerlei Reaktion aus dem Bildungsministerium. Der Mehrwert für die Schüler:innen ist dort jedoch bei weitem geringer als bsbw. in Neuengamme (und da will ich noch gar nicht von Bergen-Belsen oder Auschwizu sprechen).
Ebenfalls haben wir hier keine Möglichkeit Fahrten in die Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau fördern zu lassen - bis vor wenigen Jahren unterstützte uns die Bethe-Stiftung. Wir hatten hierfür einen positiven Förderbescheid über 100€ pro Schüler:in, da aber unmittelbar nach unserer Fahrt die Kooperation zwischen Bildungsministerium und Stiftung beendet wurde (Gründe sind hierfür nicht öffentlich bekannt), haben wir dieses Geld nie erhalten - aus dem Ministerium haben wir nicht einmal eine Information diesbezüglich bekommen, auch auf persönliche Nachfrage bei Frau Prien, gab es erst keine Antwort, anschließend eine finale Absage, dass wir mit dem Geld nicht mehr rechnen könnten (und das Kooperationsende wurde nicht einmal in den Schulen bekannt gegeben). Wir sind hier quasi einfach hängen gelassen worden, die Kosten mussten die Schüler:innen letztendlich selber tragen. Hier hätte ich mir von einer Bildungsministerin mit jüdischen Wurzeln doch mehr erwartet und bin sehr erstaunt, dass sie diese Wurzeln jetzt plötzlich so betont bzw. ja auch in den Medien betont werden.
Ich unterstütze Priens Vorstoß, dass Schüler:innen im Rahmen des Schulunterrichts verpflichtend Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager besuchen sollen, aber ohne finanzielle Unterstützung kommen wir hier an Grenzen, die nicht gut sind und am Ende den Mehrwert eines Besuches mindern.

Vielleicht könnt ihr ja einige meiner Gedankenken zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufgreifen, ihr hattet ja gesagt, Karin Prien noch einmal interviewen zu wollen.

Zuletzt aber: DANKE für euern tollen Podcast, macht weiter so!

2 „Gefällt mir“

Nur ist die Frage wie viel Anteil sie an der Lage hat. Der Lehrermangel ist kein föderales Problem, sondern ein Bundesthema. Kein Bundesland steht da besonders gut da und Abwerbekampagnen machen die Lage eher schwerer.

Man kann auch nicht von einem allgemeinen Lehrermangel reden, denn dieser bezieht sich vor allem auf bestimmte Fächer, Schulformen und Regionen. Man könnte durchaus sagen, dass vor allem falsch ausgebildet wird.

Kannst du das beleuchten? Was könnte der Bund gegen Lehrermangel machen, was die Länder nicht können?

Ich meinte damit nicht, dass der Bund das lösen kann, sondern dass es ein bundesweites Problem ist. Lokale Maßnahmen, wie beispielsweise mehr Gehalt oder weniger Stunden (Verbesserung der Arbeitsbedingungen) bei dann gleichzeitig noch höherem Lehrerbedarf, führt nur dazu, dass der Mangel in einem anderen Bundesland größer wird.

Was wir brauchen ist eine bessere Verteilung der Lehrer und das kann ein Ministerium nur schwer beeinflussen wenn Studienanfänger

  • sich die MINT Fächer oft nicht zutrauen
  • lieber „Laberfächer“ wie Ethik und Sozi studieren (nicht falsch verstehen, ich mochte die auch immer)
  • lieber im urbanen Raum leben wollen, statt irgendwo in der Provinz
  • am liebsten mit den „klügsten der Klügsten“ (Traditionsgymnasium) oder den niedlichen Kleinen (Grundschule) arbeiten wollen als dort wo sie dringend benötigt werden (vor allem Sekundarschulen/Realschulen oder im Brennpunkt)

Gehaltsdiskussionen oder Diskussionen über Anrechnungsstunden werden das nicht allein lösen.

1 „Gefällt mir“

Ein Anfang wäre es gewesen, wenn sie in ihrer Zeit in SH den Lehrerberuf nicht deutlich unattraktiver, etwa für Quereinsteiger, gemacht hätte. Siehe meinen Eingangspost…

1 „Gefällt mir“

Ich habe extra in der VOEBB den Artikel recherchiert, den du hier

referenziert hast, um ihn ganz lesen zu können.

Turns out: nicht das Land hat Angst, dass sich ein Lehrer einklagen kann, sondern der Kläger versucht sich einzuklagen. Zumindest steht es so im Artikel. Wobei nicht auszuschließen ist, dass auch das Land ein festes Arbeitsverhältnis mit dem selbständigen 51jährigen-Kläger ohne Studienabschluss vermeiden möchte.

Versteh mich nicht falsch. Ich bin froh über jeden Seiten- und Quereinsteiger. Aber ein festangestellter Lehrer sollte schon ein qualifizierendes Studium absolviert haben. Ansonsten können wir uns das Lehramtsstudium auch schenken.

Wir können ja gern darüber reden, ob bspw. ein Ingenieur die Voraussetzungen für Mathe und Physik erfüllt, oder nur für eines der Fächer (ich hätte wegen der harten Regeln tatsächlich nur Physik anerkannt bekommen) und deswegen nur noch…Didaktik nachholen muss. Aber gar kein Studium und eine gänzliche Verweigerung eines berufsbegleitenden Studiums finde ich schon schwierig.

Die Logik ergibt nur Sinn, wenn man komplett auf Quereinsteiger für Unterricht verzichtet. Für 5 Jahre ist er gut genug für die Kinder, wenn er aber nen dauerhaften Vertrag will, muss er für die Arbeit plötzlich studiert haben? Fadenscheinig und scheinheilig.

1 „Gefällt mir“

Ich denke es muss jedem klar sein, dass die aktuelle Lage keine Dauerlösung ist. Quereinsteiger ohne qualifizierendes Studium sind nichts anderes als bemühte Bürger, die als Aushilfen arbeiten, um den Laden am Laufen zu halten.

Man kann zwar ein super Erklärer mit Praxiserfahrung sein, aber Fachdidaktik und eine grundlegende wissenschaftliche Basis lernt man nicht on-the-Job, ist meine Überzeugung. Schau doch mal in die Sportvereine. Gute Übungsleiter machen entsprechende Trainerkurse, oft auch über längere Zeiträume, und lernen dort wie man Kindern bestimmte Fähigkeiten vermittelt.

Lehrer ist kein einfacher Beruf, es ist Berufung. Wer das wirklich sein will, der wird sich durch ein Basis-Studium (gerne in Teilzeit neben dem Job) nicht abschrecken lassen. Aber wer von vornherein sagt, dass er die Qualifikation nicht hat und sich auch nicht weiterbilden möchte, den kann ich mir nur als Aushilfe in der Not vorstellen. Es gibt schon zu viele überforderte Lehrer, die den Kindern den Spaß am Lernen verleiden.

1 „Gefällt mir“

ja, ich stimme dir zu, Probleme verschieben sich häufig innerhalb der Bundesländer. Trotzdem ist das in meinen Augen kein Argument dafür nicht ins Hanedln zu kommen. Und es geht mir gar nicht darum, dass Lehrkräfte weniger arbeiten oder mehr Geld bekommen sollen - Entlastung kann auch anders geschaffen werden, z.B. durch mehr multiprofessionelle Mitarbeitende in Schulen, zum Beispiel durch mehr Verwaltungskräfte, die dahingehend Arbeit abnehmen…Und zum anderen habe ich ausreichend Beispiel von fertig ausgebildeten Lehrkräften und Refrendar:innen (auch hier sind durchaus alle Fächer vertreten), die trotzdem keine Chance auf eine Stelle haben - weil mehrjährige Elternzeit eben nicht mit neuen Stellen bestezt werden, weil auch 5 jährige Beurlaubungen erst nach Ablauf der Beurlaubung neu ausgeschrieben werden - wie soll denn eine Schule mit 6 Schwangeren, Kolleg:innen im Sabbatjahr, beurlaubten Kolleg:innen und langjärhigen Dauererkrankten - also so 8-10 Vollzeitstellen, dann noch sinnvoll arbeiten, wenn wir als Ersatz Studen:innen (z.T. Bachelrostudent:innen) bekommen?
Und von denen, die Stellen suchen, gibt es auch welche, die in angeblich unattraktive Gebiete S-H wollen (z.B. Westküste) - trotzdem bekommen sie keine Stelle.