Ich finde, hier hätte ne genauere Zeitangabe schon mal viel Zeit gespart. Um das Thema hier im Forum geht es eigentlich erst ab Minute 30. Dann kommt auch gleich so ein Satz „Warum reden die Präsidenten nicht einfach mal miteinander“, weil das bei Experimenten zum Gefangenendilemma bessere Ergebnisse erzielt und man halt Putins Sicht mal verstehen müsse. Ich sehe gleich vor mir, wie in allen Außenministerien Leute von der Brillianz dieser Idee ganz erschüttert innehalten und sich fragen, warum sie nicht daruf gekommen sind, was diesem Wirtschaftsprofessor als fachfremdem Experten so leicht eingefallen ist… Da fällt mir wenig zu ein, weil das wirklich Blödsinn ist. 1. hat es reichlich Gespräche und schriftliche Verträge und Vereinbarungen gegeben, die samt und sonders von Russland gebrochen wurden. 2. Es gab auch unmittelbar vor und nach dem Überfall mehrere Versuche von Verhandlungen. Die sind durchgängig an Russland gescheitert. An den Forderungen und dem Vorgehen in den besetzten Gebieten. 3. An seiner Sicht auf die Dinge hat Putin auch nichts unklar gelassen, er hat sich zu dem Konflikt ja nun wirklich mehrfach geäußert und diese Äußerungen und seine Handlungen sind eigentlich nicht so schwer zu verstehen. Aber Sachs erscheint Kooperation ganz einfach zu sein. Immer. Egal, wie die konkreten Tatsachen aussehen.
Minute 32: Die Kuba-Krise (ich könnte allmählich meine Bullshit-Bingo-Karte Ukraine herausholen, ich habe ein gutes Gefühl, dass ich die anderen Felder auch schon kreuzen kann…), an der von ihren Ursachen, über die Interesssenlagen der Akteure, die tatsächliche Sachlage, bis zum Ergebnis alles anders war, als im Fall der Ukraine heute. Warum immer wieder jemand mit dieser komplett sinnlosen Analogie um die Ecke kommt, und dann auch noch ein akademisch gebildeter Mensch, bleibt mir ein Rätsel. Immerhin hat Sachs dann noch die Theorie zu bieten, Kennedy sei wegen seines Friedenskurses ermordet worden (weil Teile der US-Administration diesen Kurs für falsch hielten). Ausdrücklich äußert er die Unterstellung, dies sei ein „inside job“ gewesen, wofür er zwar keinerlei Belege präsentiert, aber erklärt, dass die Beweise für seine Verschwörungserzählung stetig zunähmen. Reinster Verschwörungsquatsch.
Minute 35: Es wird noch unterirdischer. Es gebe keine Chance auf eine friedliche Lösung, weil Biden nichts anderes getan habe, als Putin zu beleidigen. Klar. das ist der Grund. Putin konnte dann einfach nicht anders, als in die Ukraine einmarschieren, weil Biden aussprach, was alle wussten. Dass Putin ein Mörder ist. Deswegen musste Putin wahrscheinlich auch schon Jahre vorher das erste Mal die Ukraine überfallen. Weil irgendjemand, irgendwo auf der Welt ein böses Wort über den armen Mann verloren hat. Wir sollten einfach netter zu ihm sein, dann wäre er sicher auch netter zu uns, ach nein, netter zu den Ukrainern?!
Ohne Übergang oder inneren Zusammenhang ist er dann ab Minute 36 auch schon bei China, das habe ja noch nie in seiner Geschichte Länder in Übersee überfallen, deswegen gebe es keinen Grund für eine Konfrontation mit den USA. Klar. Wenn man Taiwan und andere sich selbst überlässt, deren Bürger zum Leben unter einer chinesischen Diktatur verdammt, wie in Tibet oder Hongkong, gibt es keinen Grund, sich zu streiten… Wenn du meinst, dass er irgendwas konkret neues beitragen würde, das hier im Forum in den vielen, vielen, vielen Beiträgen zu dem Thema noch nicht ausführlichst diskutiert wurde, wäre es nett, das mit einer Zeitangabe kurz zusammen zu fassen. Bisher klingt das alles nach unbelegten, sehr alten und sehr offensichtlich falschen Thesen, die auch mehrfach widerlegt wurden.