Norbert
18
Sicher funktioniert das auch außerhalb Islands. Entlang des pazifischen Feuerrings, auf den Azoren oder Kanaren etc. wird es sicher viele Stellen geben, wo man so ein Projekt umsetzen könnte. Das hilft uns in Deutschland aber nicht, CO2 loszuwerden.
Nur wie gesagt ist z.B. China nicht auf dem pazifischen Feuerring. Die Technologie an Punktquellen das CO2 einzufangen funktioniert grundsätzlich und ist prinzipiell verfügbar. Da kannst du noch so oft sagen, dass es in Deutschland nicht gehen würde.
Es gibt auch hier Prozesse, wo es nach aktuellem Wissensstand nicht ohne CCS geht. Zumindest nicht absehbar. Aber die Grund die Technologie einfach abzulehnen, weil die von @Hzz benannte Gefahr besteht halte ich für falsch.
Da stimme ich komplett zu, dass wir wo es nur geht direkt die fossilen Energieträger ersetzen. Und es geht dabei aber auch nicht nur um das S ind ccs, sondern auch um das use. Es ist inzwischen klar, dass es CCUS sein muss, weil wir in vielen Prozessen auf den Kohlenstoff angewiesen sind.
1 „Gefällt mir“
Norbert
20
Island liegt auch nicht auf dem pazifischen Feuerring. Und China ist ein Riesenland - da gibt’s Gebiete mit regelmäßigen Vulkanausbrüchen, Erdbeben etc. D.h. im Gegensatz zu Deutschland hat China in einigen Gebieten die Möglichkeit, die isländische Technik einzusetzen.
Ich kann nicht erkennen, dass ich das gesagt hätte. Ich zitiere mich mal selbst:
CCS bei uns heißt z.B., das abgeschiedene Gas in ehemalige Gaslagerstätten zu pumpen, wo es aus den gleichen Gründen nicht wieder raus kann, aus denen das Erdgas da vorher gefangen war (natürlich muss man dafür die Bohrlöcher irgendwie abdichten).
Die isländische Technik funktioniert bei uns nicht, weil wir keine isländische Geologie haben.
Ansonsten hatte die Anstalt das diesen Juli diskutiert (ab ca. 22:30)
LagEr
21
Sollte es nicht in unserem Interesse sein, da global zu denken? Wenn es an anderen Stellen der Welt eine Methode ist, um effektiv CO2 aus der Atmosphäre zu bekommen, dann nutzt es uns auch. Genauso wie es uns schadet, wenn im Amazonas riesige Waldbestände brandgerodet werden.
Norbert
22
Je näher an der Quelle man das CO2 entnimmt, desto billiger wird es. CO2 aus der Atmosphäre zu entnehmen, ist dabei die teuerste Variante. Am billigsten wird es natürlich, wenn man das CO2 garnicht erst erzeugt.
1 „Gefällt mir“
Hzz
23
Wiederhole mich: Es ist keine effektive Methode, um CO2 aus der Atmosphäre zu bekommen. Die Technologie funktioniert nicht in dem Maßstab, in den wir sie benötigen.
CCS ist für die Fossilindustrie das, was der gelbe Sack für die Plastikindustrie ist: Das Versprechen an die Politik, dass man Produktion und Konsum des schädlichen Produktes nicht staatlich einschränken muss, weil man die schädlichen Folgen hinterher wieder rückgängig machen kann. Die Technik muss dafür nicht funktionieren, man muss nur Öffentlichkeit und Politik davon überzeugen, dass sie funktionieren könnte.
5 „Gefällt mir“
LagEr
24
Klingt für mich nach schwarz/weiss denken. Wenn es nicht die Lösung für alle Probleme ist, dann brauchen wir auch nicht darüber nachdenken. Das E-Auto ist auch nicht die Lösung für alle Probleme, trotzdem ist es ein wichtiger Baustein. Und wenn CCS bei einem CO2 Preis von 200$/t wirtschaftlich funktioniert, why not.
CCS ist eine Nebelkerze um zu verschleppen und zu verunsichern. Wie eFuels, Fusionskraftwerke, Verwendung von Wasserstoff fürs Heizen.
2 „Gefällt mir“
Hzz
27
Ich wäre heilfroh, wenn wir eine heute verfügbare Technologie hätten, mit der wir die Atmosphäre zurück auf 350ppm kriegen.
Ich sehe keinen Anlass für eine Diskussion über Graustufen. CCS wird von der Fossilindustrie systematisch als Methode benutzt, um die Energiewende und staatliche Eingriffe in das eigene Geschäftsmodell zu verzögern. Hierzulande sehe ich Anzeigen von verdammten Fossilunternehmen, in denen sie über ihre Forschung über CCS für den Fortschritt werben - Greenwashing und das falsche Versprechen, dass die Fossilindustrie Teil der Lösung für die Klimakatastrophe sei, während sie im Hintergrund Trump und AfD fördern.
Weil es so schön zum Betreff des Threads passt: „Technologieoffenheit“ ist in der Politik ein Synonym für Prokrastination. Entscheider schwärmen immer dann von Technologieoffenheit und heute noch fiktiven, aber dank toller Innovationen ganz bestimmt bald verfügbaren Lösungen, wenn sie sich heute nicht auf einen Lösungsansatz festlegen wollen.
Wir hatten jahrzehntelange Technologieoffenheit. Verschiedene Lösungsansätze lagen bereits im Wettstreit und wir können heute vergleichen. Ich habe vor 20j schon von CCS als mögliche Lösung gehört, aber sie hat nicht geliefert. Und deshalb kann man sich heute auch mal festlegen.
3 „Gefällt mir“
MarkusS
28
Ich fände interessant zu verstehen, wie sich dieser Preis auf Investitions- und Betriebskosten verteilt. Denn am Ende gibt es für Gaskraftwerke eine Reihe von Anwendungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Volllastundenzahlen. Für typische Spitzenlastkraftwerke, wie wir sie heute kennen wird CCS höchstwahrscheinlich zu teuer sein. Aber wie ist das bei Backup- und Reservekraftwerken? Wenn wir beachten, dass wir es in der Zukunft gleichzeitig mit volatilen erneuerbaren Energien zu tun haben werden und gleichzeitig ein Netz haben möchten, dass robust gegenüber Störungen und hybriden Angriffen sein soll, dann könnte ich mir vorstellen, dass wir einige solcher Kraftwerke brauchen könnten. Ob hier dann ein Wasserstoffbasiertes System oder eines mit Erdgas und CCS wirtschaftlicher ist, hängt davon ab, wie massiv die CCS Kosten ansteigen, wenn die Anlage nur ganz wenige Volllaststunden hätte. Alternativ könnte man in so einem Fall auch DAC verwenden, da hätte man das Problem mit dem Volllaststunden nicht, weil Emissionen und Capturing ja nicht zeitgleich passieren müssten.
Weil es neue Risiken birgt und noch gar nicht wirklich effizient ist.
1 „Gefällt mir“
MarkusS
30
Effizienz ist wie gesagt eine Frage der Anwendung. Und tatsächlich sind einige Techniken (z.B. zur saisonalen Speicherung) heute noch nicht effizient genug. Daher brauchen wir ja Forschung und Entwicklung.
Wenn wir das als Problem ansehen, dann ist die Notwendigkeit hier Forschungsgelder zu investieren um so größer. Denn dass wir signifikante Mengen an CO2 irgendwie werden speichern müssen (und das ist ja der gefährliche Teil) ist ja kaum umstritten.
1 „Gefällt mir“
Die günstigste CCS Methode ist Aufforstung 
CCS ist keine neue Idee. Gabs schon bei Vattenfall vor 10 Jahren für ihre Kohlekraftwerke. Ich erinnere mich, dass es damals hieß, dass man für 2-3 Kohlekraftwerke mit CCS 1 weiteres bräuchte, um die Energie dafür bereitzustellen. Wenn wir CCS bei Gaskraftwerken machen wollten, bräuchten wir zu diesem Zeitpunkt, wenn sie laufen (also dann, wenn EE sowieso schon nicht ausreichen) nochmal mehr Energie. Klingt für mich nicht sinnvoll, auch wegen der Kosten. Die Gaskraftwerke sollen ja sowieso auf H2 umgerüstet werden. Ob die Kraftwerksstrategie von Habeck jetzt noch kommt oder ob die Union wieder Atomkraftwerke baut wird sich zeigen (mEn wird nie wieder AKW in Deutschland gebaut. Was die Union als Alternative hat, kA).
Selbst das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und der IPCC sieht CCS aus Biomassekraftwerken als eine Lösung an, um effizient wieder CO2 aus der Luft zu bekommen. Das ist aber auch nur eine Konsequenz daraus, dass wir es bisher nicht hinbekommen haben, die Emissionen runterzufahren und man jetzt zu solchen Lösungen greifen müsste.
In Deutschland brauchen wir CCS vor allem erstmal für Industrieprozesse, die sich einfach chemisch nicht dekarbonisieren lassen, wie die Zementherstellung. Ob sich da dann noch andere Industrie anschließen kann wird sich zeigen und denke ich über den Preis selbst regeln.
Es sollte in jedem Fall keine Lebensverlängerung für fossile Kraftwerke werden, da wie @Christoph schon gesagt hat, entstehen wohl deutlich höhere Emissionen bei der Erdgasförderung und Transport, als wünschenswert. Das wird dann alles nicht abgeschieden.
Auf EU Ebene wird das ganze im Rahmen des ETS diskutiert. Der kennt aktuell ja nur Emissionen. Es wird in nächster Zeit geklärt werden müssen, ob es auch negative Zertifikate geben wird, die z.B. aus CCS stammen können (hier dann aber rein logisch nur CCS aus der Luft und nicht aus der Abluft eines Kraftwerks).
MarkusS
32
Vielleicht müssen wir uns zunächst auf eine Definition von CCS einigen.
Wenn wir der Wikipedia Definition [1] folgen, dann geht es dabei darum, CO2 aus industriellen oder energietechnischen Prozessen abzuschneiden und zu speichern. Beim Aufforsten würde CO2 außer Luft gezogenen (DAC) und gespeichert. Ich denke es besteht kein Zweifel, dass wir letzteres brauchen. Bei CCS im Grundsatz auch nicht. Es herrscht nur Uneinigkeit darüber für welche Prozesse. Konventionelle fossile Kraftwerke so zu dekarbonisieren erscheint nach allem, was wir dazu wissen halt relativ ineffizient.
Was das aber zeigt ist: eine Technologie CO2 im großen Maßstab möglichst risikofrei zu speichern brauchen wir in jedem Fall. Insofern macht es auch Sinn zumindest daran öffentlich gefördert zu forschen.
[1]
2 „Gefällt mir“
Wieviel Energie bleibt denn noch übrig, wenn ich die Wärme und den Strom, den ich für CCS brauche vom Kraftwerksertrag wieder abziehe? Was kostet denn dann die Kilowattstunde Strom? Ist da die regenerative Kilowattstunde nicht viel billiger?
Was machen wir mit den gewaltigen Mengen CO2, die dann irgendwohin müssen?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für etwas anderes als ein paar Reservekraftwerke Sinn macht.
MarkusS
34
Ich vermute - je mehr ich darüber nachdenke - dass die kosteneffizienteste Methode für den Betrieb eines CO2 neutralen Reservekraftwerkes die Kombination aus fossilem Gaskraftwerk in Kombination mit DAC ist. Warum? Wasserstoffkraftwerke haben deutlich höhere Investitionskosten. CCS Anlagen haben aber auch Investitionskosten, die vermutlich durchaus hoch sind, da die Anlagen ja - wenn sie denn laufen - große Mengen in kurzer Zeit abschneiden müssen. Bei DAC habe ich das Problem nicht.
Wieso sind H2 Kraftwerken viel teurer als Gaskraftwerke? Habeck hat mit 16 Mrd für 10 GW gerechnet. DAC Anlagen brauchen viel mehr Energie als CCS, um die geringe CO2 Konzentration aus der Luft zu filtern. Kann mir nicht vorstellen, dass das günstiger ist als Wasserstoffkraftwerke.
Sind CO2 Speicher nicht auch irgendwann voll? Sollte wir deshalb nicht aufhören immer mehr zu emittieren, auch wenn wir es abschneiden können?
Du gehts bei DAC vermutlich nicht von der damit eigentlich gemeinten technologischen Lösung zum Filtern von CO2 aus der Luft aus? DAC ist aber etwas anderes als Aufforstung.
Bei Aufforstungsprojekten kommt zudem das Problem hinzu, dass sichergestellt werden muss, dass die Bäume nicht am Ende wieder das CO2 freigeben oder zu früh wieder gerodet werden (da gibt es bei Zertifikaten schon genug Diskussionen und fragwürdige Ansätze). Bei Biomasse kommt vermutlich eher BEECS ins Spiel. Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung ist allerdings wieder eine Anwendung von CCS. Der Grund ist u.a., dass das Einfangen von CO2 an einer Punktquelle viel effizienter ist als aus der Umgebungsluft. Du sprichst zwar die Investitionskosten der Technologien an, viel relevanter sind aber die Energiekosten. Da ist CCS schlicht viel besser als DAC. Wenn man deinen Weh also gehen möchte, dann eher mit BECCS am Ende der Kette als mit DAC.
MarkusS
37
Was ich hier meine ist tatsächlich DAC.
Hier geht es mir um die Realisierung im Reservekraftwerk. Was ich sagen möchte ist, dass CCS im Reservekraftwerk selbst vermutlich nicht kosteneffizient ist, weil die Anlage hohe Investitionskosten hätte aber kaum - vielleicht nie läuft.
Das wäre denkbar. Entscheidend wäre für mich der Punkt, dass die CO2 Abscheidung und Speicherung vom Kraftwerk selbst entkoppelt ist. Wenn dies dann z.B. weniger als 100h im Jahr läuft fallen die Kosten der CO2 Abscheidung verhältnismäßig wenig ins Gewicht.