Ja, das stimmt. Ist mir beim Hören nicht so aufgefallen, weil ich die Position schon aus anderen Quellen kannte, aber das war wirklich etwas dünn.
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Aber das behauptet doch auch keiner. Ich lebe seit einem halben Jahr in Berlin und was auf den beinahe wöchentlich stattfindenen Demos skandiert wird, geht weit über Kritik an Netanyahus Regierung hinaus.
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Darum geht es nicht. Es geht um eine Definition von Antisemitismus. Und ich gehe mal davon aus, dass die von dir gemeinten Äußerungen auf Demos auch nach der JD als antisemitisch gesehen werden könnten. Meiner Meinung nach geht es um den Einzelfall, um den Kontext und die Absicht.
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Darf man fragen, wie eine andere Antisemitismus-Definition helfen würde, Straftaten zu unterbinden, die auch heute schon strafbar sind? Es ging im übrigen, wenn ich mich richtig erinnere bei dem Punkt vor allem um Äußerungen und Darstellungen im Bereich Kunst und Wissenschaft, weniger um Leute, die Leute auf der Straße überfallen.
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Flixbus
26
Das Problem des Antisemitismus und dessen massive Zunahme seit dem 7. Oktober 2023 beschränkt sich ja keineswegs auf Straftaten und erst recht nicht auf Gewaltdelikte. Es zeigt sich vor allem in zahllosen und buchstäblich alltäglichen Anfeindungen an Schulen, an Arbeitsplätzen, im Wohnumfeld, in öffentlichen Verkehrsmitteln etc. Und dieser alltägliche Antisemitismus hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben von Juden in Deutschland. Das zeigen Erhebungen ebenso wie Berichte von zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Opferberatungsstellen. Und wenn man diese Perspektive von Betroffenen auch nur im Ansatz ernst nimmt, ist Antisemitismus in Deutschland 2024 ein massives gesellschaftliches Problem - und zwar völlig unabhängig von der Frage, ob man jetzt die JDA oder die IHRA-Definition besser geeignet findet, um dieses Problem anlytisch zu erfassen.
Daher ist die Frage, wo denn denn da etwas von der z. B. in einer Stellungnahme zur Bundestagsresolution so gepriesene Eigeninitative der Zivilgesellschaft zu wirken beginnt, aus meiner Sicht sehr berechtigt.
Und muss man wirklich noch darüber streiten, dass z. B. ein unkrtitischer bis offen apologetischer Umgang mit antisemitischen Kunstwerken auf einer international renommierten Kunstausstellung zu einem gesellschaftlichen Klima beiträgt, in dem Antisemitismus salonfähig(er) wird? Die Fokussierung auf polizeiliche Fragen geht doch am Kern der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die über das Problem Antisemitismus dringend geführt werden muss, völlig vorbei.
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Flixbus
27
Aber weder die IHRA-Definition, noch die Resolution des Bundestages behaupten, dass „jeder, der die Regierung Netanyahu und damit das aktuelle Verhalten des Staates Israel kritisiert“, ein „Antisemit“ wäre. Ich verstehe daher nicht ganz, was diese Aussage mit der Definition um beides zu tun hat.
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Es war eine Antwort auf 3742s Bedenken.
Ein Punkt der mir im podcast etwas zu kurz kam:
Die JDA gibt es erst seit 2021. Aber bereits 2017 hat die Bundesregierung sich dem Thema Kampf gegen Antisemitismus verstärkt gewidmet, und sich dafür die IHRA-Definition zu eigen gemacht. Ebenso fußt die BDS-Resolution des Bundestages auf der IHRA-Definition. Dass die jetzt verabschiedete Resolution sich ebenfalls darauf stützt, hat schlicht auch mit dem Bedürfnis zu tun, eine gewisse Kontinuität des Handelns der Bundesregierung bzw. der demokratischen Parteien im BT zu präsentieren.
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Ich weiß auch nicht, ob sich die BDS-Resolution ohne weiteres halten lassen würde, wenn man sich eine engere Definition zueigen macht. Dafür kenne ich die Details der BDS-Resolution nicht genug, um das einschätzen zu können. Das Argument der Kontinuität finde ich unabhängig davon, eine gute Ergänzung.
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rlinner
31
Gute Sache, eine Sondersendung zum 9, November zu machen (und das sehr gelungen mMn)! An jedem 3. Oktober und jedem 9. November ärgere ich mich, oder trauere ich der vergebenen Chance nach, für dieses Land den einzig angemessenen Nationalfeiertag zu finden. Geschichtsvergessen, verdränglerisch, unsensibel, verklemmt „positiv“, ganz nach konservativer Manier abgebügelt und niedergewalzt wie von einem Nilpferd.
Und nun stellt sich vor allem CDU/CSU hin als besondere Beschützerin von jüdischem Leben. Ich kann nicht anders als ein zweites, heimliches aber bedeutendes Motiv zu sehen, nämlich Islamfeindlichkeit. Ich möchte das nicht allen Unions-Leuten gleichermassen unterstellen, aber für einen nicht kleinen Teil kann ich mir gut vorstellen, wie willkommen die israelkritischen bis anti-israelischen bis hart antisemitischen Ausschreitungen seit dem 7. Oktober waren. Passt doch gut, wenn man der Ablehnung von arabischer und sonstiger Zuwanderung unter beträchtlichem Applaus ziemlich freien Lauf lassen kann, und fast schon endgültig und vor aller Augen sich der Schuld der Vorfahren entledigen kann, indem man den vielleicht heimlich herumgetragenen kleinen Antisemitismus durch öffentlichkeitswirksame Inschutznahme jüdischen Lebens zu neutralisieren glaubt. Wäre gut, wenn Grossväter von so manch bedeutenden Politikern zu ihrer Zeit den Mut gehabt hätten, den es heute nicht mal mehr braucht.
Ich gebe noch zu bedenken, dass der „Antisemitismus“ von afrikanischen Philosophen oder indonesischen Künstlern, und sogar der heutige arabische Antisemitismus, nicht mit der selben Waage gewogen werden kann, wie der alte, tiefe Antisemitismus der Europäer und besonders der Deutschen. Auch das scheinen die betreffenden Politiker gerne überdecken zu wollen.
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mxlxnx
32
Mir hat die Folge sehr gut gefallen, und ich finde es sehr hilfreich, die beiden Definitionen mal so direkt im Vergleich zu betrachten.
Eine Sache am Anfang ist mir allerdings zu kurz gekommen. Zu Beginn der Folge redet ihr über eine Studie der Uni Mannheim, die bei jüngeren, linken Menschen das geringste Ausmaß an “klassischem” Antisemitismus vorfand. Hier wäre es mir wichtig, ein bisschen vorsichtig zu sein, was man daraus schließen kann und was nicht. In der Folge klang dies ein wenig so, als würde dies bedeuten, dass die Pro-palästina Bewegung kein ernsthaftes Antisemitismusproblem hat.
Im Vorhinein möchte ich einmal sagen, dass ich mir leider die Studie selber noch nicht genauer angeschaut habe, da diese glaube ich nicht in den Shownotes verlinkt war. Allerdings kann ich sofort an mehrere Punkte denken, die dafür sorgen würden dass ich etwas vorsichtig dabei wäre hier generelle Schlüsse ziehen zu wollen:
- Linker und rechter Antisemitismus drücken sich nicht unbedingt gleich aus. Ich kann zu diesem Punkt das Buch “Confronting Antisemitism on the Left” von Daniel Randall empfehlen. Dieses Buch zeigt anschaulich, wieso man sich mit linkem Antisemitismus konkret beschäftigen muss, da er sich in vielen Punkten von rechtem Antisemitismus unterscheidet. Da der “klassische” Antisemitismus ein rechter ist, ist zu erwarten, dass eine Studie die sich auf “klassischen” Antisemitismus konzentriert, unter linken Menschen weniger Zustimmung zu diesen Aussagen finden wird. Das ist allerdings kein Beweis für geringeren Antisemitismus im linken Spektrum.
- Zweitens kann ich mir vorstellen, dass eine Studie die direkt nach Zustimmung zu bekannten Antisemitischen attitudes fragt, besonders dort viel Antisemitismus finden wird, wo Menschen sich nicht für ihren Antisemitismus schämen, diesen nicht reflektieren und starke Antisemitische Einstellungen vertreten. Menschen können allerdings auch unterbewusste oder unterschwellige antisemitische Einstellungen haben. Diesen Menschen würde es eher auffallen, worauf die Frage abzielt und sie würden seltener zustimmen, wenn sie grundsätzlich eine anti-antisemitische Haltung haben. Leider schließen sich unterbewusste antisemitische Vorurteile und eine bewusste Einstellung gegen Antisemitismus allerdings nicht aus.
Mit den oben genannten Punkten möchte ich die Ergebnisse dieser Studie nicht anzweifeln. Ich möchte lediglich zur Vorsicht mahnen, diese Ergebnisse nicht zu überinterpretieren. Als linker Mensch habe ich im letzten Jahr unglaublich antisemitische Aussagen von der Seite des linken Spektrums gehört. Auch wenn Antisemitismus von rechts wahrscheinlich noch immer weiter verbreitet ist, so ist doch Antisemitismus von links ein Problem was durchgehend unterschätzt wird. Das ist ein echtes Problem, dem wir Menschen, die sich einem linken politischen Spektrum zuordnen, mehr Aufmerksamkeit schenken müssen!
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Ich weiß nicht, was der Autor unter linkem und rechtem Antisemitismus versteht. Ich finde es jedenfalls problematisch, Menschen Antisemitismus zu unterstellen, die mit denjenigen Thesen nichts anfangen können, die man sonst als Antisemitismus kennt.
Genau das ist doch die Kritik an der IHRA-Definition: Dass sie Verhaltensweisen als antisemitisch einzuordnen erlaubt, bei denen die Menschen überhaupt nichts gegen Juden haben. Und diese Auflösung des Begriffs wiederum ist aus Sicht vieler Juden gefährlich, denn sie macht den Schutz jüdischer Menschen umso schwerer.
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Liebe beiden und liebes LDN-Team, ich reagiere einfach auf Eure Sendung und habe keine Kommentare gelesen - will einfach a) danken für diese Folge und b) sagen: mein Traum von der Lage ist in dieser Folge nachdem ich Euch von Folge 1 an zuhöre am besten verwirklicht! Ich würde mir für alle kommenden Folgen wünschen, dass Ihr Euch maximal zwei, am liebsten eine Fragen vornehmt und die so ausführlich und fundiert analysiert, wie hier geschehenn! Ein Fest der Ausführlichkeit! Macht bitte weiter so und bitte bitte, denkt nicht, ihr müsstet die wichtigen. Themen der Woche alle abdecken, je tiefer ihr eintaucht in ein Thema umso besser - niemand, der euch zuhört hat nicht täglich mehreren News Medien zugehört - Eure Wahl und Euer Tiefgang sind das Wertvolle- Respekt, Sympathie und großes Interesse an Eurer Arbeit! Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
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Die Folge beginnt damit, dass Deutschland ein Antisemitismus-Problem hat und schliesst damit, wie eine Resolution aussehen könnte die die Grundrechte wahrt. Dabei kommen Ulf und Philip zu dem Schluss, dass es eine rechtliche Einschränkung des Wissenschafts- und Kulturbetriebs schwierig ist und man lieber auf die Zivilgesellschaft vertrauen sollte. Da diese Zivilgesellschaft spätestens seit einem Jahr daran scheitert Juden in Deutschland das Gefühl zu geben hier sicher leben zu können, frage ich ob die vorgeschlagene Lösung (JD-Resolution + Zivilgesellschaft) wirklich tragfähig ist.
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Ich glaube nicht, dass sie meinten, dass ausschließlich die Zivilgesellschaft dagegen vorgehen soll. Es geht darum, dass es nicht klappt, autoritär im Rundumschlag alles Mögliche zu verbieten und zu bestrafen. Grundrechte dürfen eben auch nicht eingeschränkt werden.
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Merline
37
Die Resolution schränkt doch nicht die Meinungsfreiheit ein, es gibt nur keine Fördergelder. Und das passiert doch implizit immer, wenn es um gesellschaftlich akzeptierte Normen geht.
…
Unsere Demokratie ist naiv, nicht wehrhaft. Wir sind viel zu tolerant. Juden fliehen wieder aus Europa und der einzige Ort an dem sie nicht als Juden verfolgt sind, ist Israel.
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Streichung von Fördergeldern ist ein massiver Schritt, der de facto zu einer Unterbindung führt oder führen kann.
Allerdings geht es auch nicht darum, so einen Schritt nicht zu machen, wenn es erforderlich ist.
Die Frage ist:
- Ist es erforderlich?
und
- Was ist Antisemitismus?
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Lässt sich dieses viele Juden quantifizieren oder ist das anekdotische Evidenz aus eurem Umfeld? Der… Zentralrat hat sich bekanntlich anders positioniert. Sind das eure Eindrücke aus Berlin (die Berliner Gemeinde ist deutlich liberaler als bspw. Frankfurt oder München) oder gibt es dazu belastbare Zahlen?
Anekdotische Evidenz aus meinem Umfeld: Den meisten war die Diskussion um die Resolutionen nicht bewusst (möglicherweise auch wegen der Diskussion hinter verschlossenen Tür), der offene Brief ist aber wahrgenommen worden als „die deutsche (linke) Kulturszene positioniert sich gegen weitere Maßnahmen gegen Antisemitismus“ womit wir dann fast bei rlinner oben sind, den Konservativen traut man eher zu jüdisches Leben in Deutschland zu schützen
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Kannst du das näher ausführen? Der arabische Antisemitismus hat vor einem Jahr zum größten Mord an Juden seit dem Holocaust geführt. Vor ein paar Tagen kam es in Amsterdam zu pogromartigen Szenen, und auch in Deutschland ist jüdisches Leben aufgrund der ständigen Bedrohung durch islamistische Terroranschläge nur unter Polizeischutz an Synagogen und Schulen möglich.
Würden diese Angriffe von rechten Tätern ausgehen, wäre die Reaktion meines Erachtens nach deutlich anders.
Welche Antisemitismus-Definition im Hinblick auf Kunst- und Wissenschaftsfreiheit die richtige ist, kann ich nicht beurteilen. Meiner Meinung nach würde es bereits viel helfen, wenn die eindeutig antisemitischen Straftaten konsequenter und härter verfolgt werden.
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Ich möchte zumindest ganz vorsichtig zu bedenken geben, dass die israelischen Fußballfans zuvor deutlich provoziert haben (Laut New York Times und Guardian Verbrennen einer palästinensischen Flagge u.a.). Das gehört auch mit zum Gesamtbild.
Aber das rechtfertigt keine Gewalt, auf gar keinen Fall! Die Attacken auf jüdische Fußballfans sind schrecklich.
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