Und ich finde es schwierig menschliche Motivationen, die nicht geldgetrieben sind, als weniger antreibend einzuschätzen. Die Geschichte zeigt, dass für Menschen auch für Macht, Ansehen, Ehre, Respekt, Legacy, Familie, Selbstbild, Leidenschaft, die Überzeugung das Richtige zu tun etc. genauso starke Motivatoren, wie Geld sein können. Man begeht mMn immer einen Denkfehler, wenn man davon ausgeht, dass nur Geld der wahre Treiber sein kann und sich alle anderen Faktoren entweder auf Geld reduzieren lassen oder diesem unterordnen.
Nein, glaube ich nicht. Deshalb hab im OP ja geschrieben:
Die Rumsfeld Anekdote sollte nur illustrieren, dass es historisch einfach Beispiele gibt, dass man sich nicht blind auf Geheimdienstinformationen verlassen sollte, nur weil sie von Menschen kommen, die Patrioten sind. Denn selbst falls sie das machen, was sie für das Beste für ihr Land halten, heißt es ja nicht, dass dies jenes ist, was die Bevölkerung und die gewählten Vertreter für das Beste halten. Es sind eben auch Menschen die aus ihrer Perspektive handeln. Das heißt nicht, dass sie lügen, aber das heißt, dass man ihre Perspektive nachvollziehen können sollte, um ihre Aussagen zu bewerten. Ganz normale Quellenkritik halt.
Nein. Ich glaube nur, dass die Frage in Wahrheit komplizierter ist, weil ich nicht glaube, dass ein konventioneller Angriff auf Deutschland erfolgen kann, bei dem Deutschland wirklich ganz ohne Unterstützung dasteht. Aber das ist im Moment halt alles sehr hypothetisch - ebenso wie die Szenarien über Russlands Rüstungsfähigkeit. Ich kann nur nochmal betonen, dass einer solchen Prognose über den Angriffskrieg 2030 ja auch eine Einschätzung zu Grunde liegen muss, wann der Ukrainekrieg endet (denn wenn der 2030 noch läuft, sind wir uns glaube ich einig, dass Russland nicht noch die NATO angreifen könnte). Also allein die Frage wann man die Ukrainekrieg zu Ende gehen sieht hat einen enormen Einfluss auf die Prognose über die weiteren Handlungspotentiale Russlands. Wer da markig einen Fahrplan bis 2030 aufstellt, müsste daher meiner Meinung nach daher auch „vorrechnen“, wie er darauf kommt. Und dazu gehört zwingend eine Einschätzung zum Ukrainekrieg - macht aber natürlich keiner der Akteure, weil das politisch zu heikel ist. Dann müssen sie aber mMn wenigstens ersatzweise ihre Annahmen zu Rüstungs- und Wirtschaftspotentiale skizzieren, aber alles in die mysterybox „Expertenmeinung“ zu stecken und darauf basierend entschiedenes staatliches Handeln zu fordern finde ich extrem schwierig. Beim Klimawandel beschränken wir uns ja auch nicht darauf zu sagen „Experten sagen die Welt geht unter“, sondern überall wird erklärt, wie sie zu dieser Einschätzung kommen mit Klimamodellen, no-return points etc. (Wie gesagt, ich verstehe, dass nicht alle Details zum Thema Russland geteilt werden können, aber keine ist mir zu wenig).
Mein OP hat eine Kritik geäußert, dass in der Berichterstattung (also auch hier in der LdN)
- die Experteneinschätzung unhinterfragt übernommen wird, obwohl es denke ich, wie der threat gezeigt hat, genügend Fragen dazu gibt „wie kommen sie jetzt auf 2030“? Ich fände es gut, wenn man diese Aussage hinterfragt oder die Experten (sofern möglich) selbst bittet, den zulässigen Einblick in ihren Analyseprozess zu gewähren und nicht nur das „amtliche Endergebnis“ zu verkünden.
- sonst ja auch immer auf die Interessenskonflikte von Akteuren hingewiesen wird. Dass solche bei allen zum Sachverhalt in der LdN zitierten Experten potentiell vorliegen können, hätte meiner Meinung nach einer Erwähnung bedurft - insbesondere eben, WEIL sie keinen Einblick in ihre Argumente gewährt haben. (Denn dann kann man ja über die Argumente reden, inwiefern man die für überzeugend hält oder nicht).
Das war meine eigentliche Rückmeldung zum podcast. Die übrigen Punkte sollten nur illustrieren, warum „Russland rüstet = 2030 Angriffskrieg“ kein zwangslogisch so nahe liegender Schluss ist, dass er keiner weiteren Erläuterung bedarf. Wenn ich mir also was wünschen dürfte, wäre es bei diesen beiden Punkten nächstes Mal etwas anders zu machen bzw. wenn man vielleicht selbst mal jemanden dazu interviewt, mit den hier gemachten Überlegungen zu konfrontieren, um die 2030-Rechnung vielleicht mal inhaltlich besser nachvollziehen zu können.