Die Hoffnung teile ich, deswegen will ich mich an einer passenderen Antwort versuchen, auch wenn ich deine Kritik nicht so richtig verstanden habe:
Wenn ich deinen Einwand richtig verstanden habe, lautet der doch, dass es ein Spannungsverhältnis gibt, zwischen der offensichtlichen Tatsache, dass Russland heute die Ukraine+etwas begrenzte Hilfe nur mühsam niederringt, wir uns aber andererseits für einen Angriff Russlands auf einen -auf dem Papier - mächtigeren Militärblock wappnen sollen. Dass das nicht unmittelbar einleuchtet, kann ich nachvollziehen, und man kann diese Prognose sicher auch begründet zurückweisen. Ich teile sie aber im wesentlichen.
So knapp wir möglich würde ich begründen, dass beide Aufgaben sehr viele Unterschiede aufweisen und man nicht einfach von der Leistungsfähigkeit im einen Szenario heute auf ein sehr anderes in 5-10 Jahren schließen kann. Bestimmte Sachen können in der theoretisch so schwachen Ukraine schwieriger gewesen sein, als bei einem Angriff auf NATO-Gebiet.
(Bspw. dürfte man bei letzterem kaum auf die Idee kommen, dass einen die Bewohner freudig oder wenigstens Widerstandsarm begrüßen und man in drei Tagen Triumphzug in Warschau, geschweige denn Berlin steht. Dann schickt man auch nicht nur die Berufssoldaten los, obwohl die gesamte Taktik und Doktrin den gemeinsamen Einsatz mit Wehrpflichtigen vorsehen. Und die eigenen Leute arbeiten dann mit einer anderen Grundhaltung und verkaufen keine Treibstoffreserven auf dem Schwarzmarkt, wenn sie ihren Gegner ernst nehmen. Das reduziert Fehlerpotential in der Planung und Durchführung (es gäbe weitere Beispiele).)
Etwas ausführlicher:
Was man sehen kann, sind die russische Kriegswirtschaft und die Entwicklung in der Ukraine. Wenn man als Bundesregierung/EU/NATO in Kenntnis oder Ahnung der beschränkten eigenen Motivation oder Möglichkeiten, die Ukraine zu unterstützen, annimmt, dass es sich bei der russischen Rüstung um Produktion über den aktuellen Krieg bzw. den Ausgleich von Verlusten hinaus handeln muss: Dann liegt es angesichts der politischen Ziele, die Putin vielfach (u.a. in den „Verhandlungsangeboten“ unmittelbar vor 2022) offen vertreten hat, nahe, dass er diese Kapazitäten einsetzen will, um diese Ziele zu erreichen. Man kann vielleicht sogar argumentieren, dass ein Land dass so krass Alles auf die militärische Karte gesetzt haben wird, diese sogar spielen müssen wird, oder das zumindest zu müssen glaubt. Wenn sein Führer fürchten muss, andernfalls die „größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts“, den friedlichen, ökonomischen Kollaps des überrüsteten Ostblocks, quasi noch einmal erdulden zu müssen, anstatt ihn zu revisionieren. Wie genau die aufgebauten Mittel eingesetzt würden, ist dann erstmal eine zweite Frage, denn wir wollen ja -wenn es möglich ist- eine Entscheidung treffen, die jede Form militärischer Bedrohung, Erpressung, Eroberung gegen die europäische Friedensordnung seitens Russland abschrecken, denke ich?
Hm, so richtig knapp war das jetzt nicht, aber war es denn wenigstens eine passendere Antwort auf deine Frage, wie die Beobachtungen in der Ukraine und die Prognose zusammenpassen @faust?