Der Rechtsextremismus der dem Schulalter schon entwachsenen Generationen hat ja mit Versäumnissen der Bildungsinstitutionen in früheren Zeiten zu tun. Darüber hinaus sind die Älteren/Erwachsenen natürlich für Kinder und Jugendliche im Schulalter relevante Sozialisationsinstanzen. Mit diesem Problem muss Schule ja trotzdem umgehen. Es reicht nicht, nur die Schüler:innen zu erreichen.
Ein bloß kognitives Nachvollziehen in bestimmten Schulfächern (Geschichte, Gemeinschafts-/Sozialkunde/Politik) ist in jeden Fall zu wenig. Denn das gibt es, würde ich mal behaupten, längst, wenn auch noch „unterdosiert“.
Antirassismus, Antifaschismus und die aktive Zurückweisung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit müssen die Norm im Sinne einer tagtäglich an Bildungsinstitutionen gelebten Alltagskultur werden. Die ethischen Werte, auf die sich eine solche Norm stützt, müssen Teil des Schullebens sein - gerade auch außerhalb einer Wissensvermittlung in bestimmten Schulfächern.
Auch sollte sie schon vor der Schule in Institutionen der Frühbildung aka Kitas vermittelt werden. Zum Teil wird das auch schon gemacht:
Daran kann man dann in der Schule anknüpfen und darauf aufbauen.
Die Diskussion krankt daran, dass allzu oft erst an weiterführende Schulen gedacht wird, wenn’s um Rechtsextremismusprävention geht. Selbige muss aber spätestens in der Grundschule beginnen.
Der Rechtsextremismus-Experte Professor Andreas Zick hat im Buchmessentalk mit Kinnert und Welzer übrigens dafür plädiert, auch die Graustufen des Rechtsextremismus (z. B. stimmen der NSDAP-Aussage, was Deutschland jetzt brauche, sei eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpere, 24 % zu, aber weitere 19 % teils … teils), stärker in den Blick zu nehmen und etwas dagegen zu unternehmen. Solche Vorstufen zum „harten“ Rechtsextremismus müssen natürlich gerade auch in Schulen intensiv bekämpft werden.
Es wurde ja jüngst diskutiert, ob Künstler:innen eine Erklärung abgeben sollten, um weiterhin als förderungswürdig gelten zu dürfen. Viel wichtiger fände ich, dass Lehrkräfte an Schulen sich explizit auf die Verteidigung der Verfassungswerte der Bundesrepublik Deutschland verpflichten müssen sollten und ein wiederholtes Zuwiderhandeln - trotz Beamtenstatus - die Entlassung nach sich ziehen kann. Mir ist allerdings nicht bekannt, inwieweit das schon (in allen Bundesländern) geltende Rechtslage ist.
Der Nazi-Aufmarsch heute in Marzahn-Hellersdorf verdeutlicht die Jugendgefährdung. Der Tagesspiegel schreibt dazu:
Unter den Demonstranten befanden sich zahlreiche Jugendliche und Minderjährige, einige mit Springerstiefeln und Glatze.
Aufgerufen hatten vor allem neu gegründete rechtsextreme Gruppierungen wie „Jung und Stark“ und „Deutsche Jugend Voran“ (DJV), auch einzelne sächsische Neonazis waren vor Ort. […]
Viele der teilweise sehr jungen Neonazis gelten als gewaltaffin . Das Berliner Landeskriminalamt hat in den vergangenen Monaten nach Tagesspiegel-Informationen zahlreiche sogenannte Gefährderansprachen mit Akteuren von „Deutschen Jugend Voran“ und „Jung und Stark“ geführt.
Immerhin war die Gegendemo zahlenmäßig dreizehnmal so stark.
Aber, wie gesagt, wir müssen stärker die Graubereiche in den Blick nehmen.